Homo Magi 

Singen am Lagerfeuer

21.06.2026

Hallo Salamander,

wenn man mich auffordert, irgendwas nachts am Lagerfeuer zu singen, dann fällt mir immer nur ein Lied ein, das nur ich kenne und nur ich singe. Außerdem kann ich es auswendig, von daher macht es vieles einfacher.

Es ist „Das Lied das Gauklers“ (auch: „Es stand ein stilles Haus im Mond“) von Theo Mckeben (Musik) und Harald Braun (Text). Gesungen wird es von Erich Ponto in „Das Herz der Königin“ (ein schöner Film mit Zarah Leander).

Der Text geht sehr ans Herz:


Es stand ein stilles Haus im Mond,
wo niemals noch das Glück gewohnt.
Dort liegt er krank, der arme Mann,
der leben nicht noch lieben kann.

Und das Haus an der Mauer hat ein schwarzes Gesicht

und der Schnee fällt darüber wie in Tuch.
Aber wir sind im Glück, denn wir leben im Licht,
wir lachen über den Fluch.

/: Nur nicht dran denken,
nichts soll uns kränken,
keiner raubt uns die Ruh‘,
macht eu’re Augen zu! :/

Es stand ein Ritter vor dem Haus,
der trug das Herz der Frau heraus.
Ein stolzes Herz – verliebt und blind –,
sie lässt, den Mann, sie lässt das Kind.

Und der Ritter vor dem Haus hat ein schwarzes Gesicht
und der Schnee fällt darüber wie ein Tuch,
aber wir sind im Glück, denn wir leben im Licht,
wir lachen über den Fluch.

/: Nur nicht dran denken,
nichts soll uns kränken,
keiner raubt uns die Ruh‘,
macht eu’re Augen zu! :/

Es stand die Frau am Wegessaum,
gefangen in dem wilden Traum.
Der Ritter lacht: „Der Mann verdirbt.
Wach auf, dass nicht die Seele stirbt!“

Und das Glück ist verdarbt und verhüllt sein Gesicht
Und der Schnee fällt darüber wie ein Tuch.
Aber wir sind im Glück, denn wir leben im Licht,
wir lachen über den Fluch.

/: Nur nicht dran denken,
nichts soll uns kränken,
keiner raubt uns die Ruh‘,
macht eu’re Augen zu! :/

Jetzt war der Sänger dieses Liedes, besagter Erich Ponto, mal wieder in der Presse:

Der Nachwuchspreis des Staatsschauspiels Dresden soll nicht mehr den Namen des Schauspielers Erich Ponto (1884-1957) tragen. Der Förderverein des Theaters beschloss eine Umbenennung und reagierte damit auf neue Erkenntnisse zum Wirken Pontos in der NS-Zeit. Zwar trage sein Werdegang »eher Züge einer Anpassungsbiografie denn einer aktiven ideologischen Beteiligung«, seine Teilnahme an Propagandafilmen des nationalsozialistischen Regimes bleibe jedoch unbestritten, hieß es zur Begründung.[1]

Zur Begründung heißt es weiter im Artikel:

Die Motive Pontos für seine Mitwirkung an den Filmen ließen sich nicht mehr aufklären, hieß es.[2]

Und noch später:

»Der Blick auf die NS-Vergangenheit ist Teil unserer Orientierung für die Gegenwart. Im Rahmen der Recherchen des Historischen Archivs der Sächsischen Staatstheater konnte festgestellt werden, dass Erich Ponto weder Mitglied der NSDAP noch einer ihrer Vorfeldorganisationen war«, betonte Intendant Joachim Klement. Auch wenn sich Ponto in der Nachkriegszeit um kritische Distanz bemüht habe, sei eine eindeutige Stellungnahme zur eigenen Verantwortung als Künstler öffentlich ausgeblieben.

Allerdings hätten die Recherchen auch gezeigt, dass es wertschätzende Zeugnisse von Zeitgenossen über ihn gab, darunter von Verfolgten des NS-Staates, argumentierte Klement.[3]

Aufklärung nicht mehr möglich, kein Mitglied der NSDAP oder ähnlicher Organisationen, allgemeine Wertschätzung von Verfolgten des NS-Staates – Preis aberkannt. Ich bin ja vielleicht ein verblödeter Historiker, aber da entgeht mir doch die Sinnhaftigkeit, wenn man über 70 Jahre nach den „Taten“ (oder Nicht-Taten) einen Preis umbenennt, nur weil eine „eindeutige Stellungnahme zur eigenen Verantwortung als Künstler öffentlich ausgeblieben“ sei. Die gab es von Richtern, Politikern, Militärs etc. aus dieser Zeit eigentlich nie, aber bei denen gibt es klare Hinweise auf Mitgliedschaften in entsprechenden Organisationen und keine Zeugnisse von Zeitgenossen, die für den „Angeklagten“ sprachen.

Aber immerhin kommt man mit dieser Kampagne mit dem Preis einmal in die Medien. Man verliert zwar jede Glaubwürdigkeit, aber dafür hat das Fernsehen angerufen – so oder so ähnlich erklärt sich mir dieser Vorgang. Und das ist schon erschreckend genug.

 

 

 

 

 


 

 

 


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