Homo Magi Singen am Lagerfeuer 21.06.2026 |
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Hallo Salamander,
wenn man mich
auffordert, irgendwas nachts am Lagerfeuer zu singen, dann fällt mir
immer nur ein Lied ein, das nur ich kenne und nur ich singe. Außerdem
kann ich es auswendig, von daher macht es vieles einfacher.
Es ist „Das Lied
das Gauklers“ (auch: „Es stand ein stilles Haus im Mond“) von Theo Mckeben
(Musik) und Harald Braun (Text). Gesungen wird es von Erich Ponto in „Das
Herz der Königin“ (ein schöner Film mit Zarah Leander). Der Text geht sehr ans Herz:
und der Schnee
fällt darüber wie in Tuch.
Jetzt war der
Sänger dieses Liedes, besagter Erich Ponto, mal wieder in der Presse:
Der
Nachwuchspreis des Staatsschauspiels Dresden soll nicht mehr den Namen des
Schauspielers Erich Ponto (1884-1957) tragen. Der Förderverein des
Theaters beschloss eine Umbenennung und reagierte damit auf neue
Erkenntnisse zum Wirken Pontos in der NS-Zeit. Zwar trage sein Werdegang
»eher Züge einer Anpassungsbiografie denn einer aktiven ideologischen
Beteiligung«, seine Teilnahme an Propagandafilmen des
nationalsozialistischen Regimes bleibe jedoch unbestritten, hieß es zur
Begründung.[1]
Zur Begründung
heißt es weiter im Artikel:
Die Motive
Pontos für seine Mitwirkung an den Filmen ließen sich nicht mehr
aufklären, hieß es.[2]
Und noch später:
»Der Blick auf
die NS-Vergangenheit ist Teil unserer Orientierung für die Gegenwart. Im
Rahmen der Recherchen des Historischen Archivs der Sächsischen
Staatstheater konnte festgestellt werden, dass Erich Ponto weder Mitglied
der NSDAP noch einer ihrer Vorfeldorganisationen war«, betonte Intendant
Joachim Klement.
Auch wenn sich Ponto in der Nachkriegszeit um kritische Distanz bemüht
habe, sei eine eindeutige Stellungnahme zur eigenen Verantwortung als
Künstler öffentlich ausgeblieben.
Allerdings
hätten die Recherchen auch gezeigt, dass es wertschätzende Zeugnisse von
Zeitgenossen über ihn gab, darunter von Verfolgten des NS-Staates,
argumentierte Klement.[3]
Aufklärung nicht
mehr möglich, kein Mitglied der NSDAP oder ähnlicher Organisationen,
allgemeine Wertschätzung von Verfolgten des NS-Staates – Preis aberkannt.
Ich bin ja vielleicht ein verblödeter Historiker, aber da entgeht mir doch
die Sinnhaftigkeit, wenn man über 70 Jahre nach den „Taten“ (oder
Nicht-Taten) einen Preis umbenennt, nur weil eine „eindeutige
Stellungnahme zur eigenen Verantwortung als Künstler öffentlich
ausgeblieben“ sei. Die gab es von Richtern, Politikern, Militärs etc. aus
dieser Zeit eigentlich nie, aber bei denen gibt es klare Hinweise auf
Mitgliedschaften in entsprechenden Organisationen und keine Zeugnisse von
Zeitgenossen, die für den „Angeklagten“ sprachen.
Aber immerhin
kommt man mit dieser Kampagne mit dem Preis einmal in die Medien. Man
verliert zwar jede Glaubwürdigkeit, aber dafür hat das Fernsehen angerufen
– so oder so ähnlich erklärt sich mir dieser Vorgang. Und das ist schon
erschreckend genug.
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Kolumnen
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