Homo Magi Archiv

Wöchentliche Ansichten eines Magiers über den Jahreslauf und die Welt

Teil 8

 

Zeitreise

 

Hallo Salamander!

 

Vor vielen, vielen Jahren war ich Vorsitzender des „Rollen- und Simulationsspielevereins 252“ e.V., der als erster deutscher Rollenspielverein gemeinnützig und in Frankfurt in das Vereinsregister eingetragen war (VR 8965).

Vor einigen Monaten erreichte mich eine Nachricht mit der Anfrage, was denn mit dem Verein sei. Ich hatte seit über zehn Jahren nichts mehr vom „252“ gehört, von daher war ich ein wenig verwirrt. Noch verwirrter war ich, als ich anhand der online dokumentierten Seiten des Vereinsregisters im Internet erkennen musste, dass der letzte Eintrag von 1986 stammt und mich als Vorsitzenden ausweist.

Nach mir kommende Vorstände (und da muss es noch einige gegeben haben!) haben es nicht für nötig gehalten, den Eintrag zu aktualisieren. Als der Verein dann Anfang der 90er in der Bedeutungslosigkeit versank, ist dann auch nichts weiter passiert. Nach eigenen Aussagen hat der letzte Schriftführer des Vereins die Unterlagen 2006 geschreddert, weil er über zehn Jahre nix mehr vom Verein gehört hatte.

Eine eigenartige Situation, denn der Verein konnte gegenüber dem Vereinsregister so nicht aufgelöst werden. Aber auch dieses Problem konnte mit ein wenig tricksen gelöst werden. Blieb jetzt nur noch ein Problem: Bei Auflösung sollte das Geld an den World Wildlife Fund (WWF – nein, nicht die World Wrestling Foundation) gehen. Und es gab noch Besitz, nämlich diverse Umzugskisten mit dem Archiv des Vereins, die 15 Jahre lang beim ehemaligen Archivar lagerten.

Wir diskutieren jetzt nicht, warum jemand 15 Jahre lang Kisten sammelt, ohne je nachzufragen, was mit dem Verein geworden ist, dem die Sachen gehören. Wahrscheinlich lagen sie trocken auf dem Dachboden der Großeltern – das würde eine Menge erklären.

Es gelang dann mithilfe des Internets, doch noch einige ehemalige Mitglieder aufzutreiben. Und so konnte auf einem letzten Treffen – das ein wenig an ein Klassentreffentreffen erinnert hat. Dann wurde der Besitz des „252“ zu Gunsten des WWF versteigert. Es war wie eine Zeitreise. Nach 15 Jahren kamen hier „mint“ gelagerte Fanzines wieder in den Verkauf, die zum Teil sehr (!) billig ihren Besitzer wechselten.

Neben Stapeln mit alten PC-Spielen (und mit großen Disketten; keine Ahnung, was ich damit machen soll – „Silent Service I“, „Star Fleet I“ und „OGRE“ zum Beispiel), Sekundärmaterialien, Comics („Marvel Holiday Special“ zu Weihnachten 1991), Büchern („Der Hexenmeister vom Flammenden Berg“ ist jetzt in meinem Besitz), Live-Rollenspiel-Magazinen und Brettspielen (darunter ein Stapel polnischer Brettspiele a la „Bitwa Na Polach Pelennoru“ und „Gwiedzny Kupiec“) kamen dann auch die beiden Hauptberge zum Verkauf.

Da waren einmal die Fanzines. Was für Perlen! Mit Klammerheftung, auf der Maschine geschrieben, im Copyshop erstellt oder sogar mit einem frühen Computer auf einem Nadler gedruckt. „Wow“ „Windgeflüster 5“, das „Nexus-Jahrbuch 1994“, „Free-INT 3“, „Hornsignale 69“ (also habe ich mein eigenes Fanzine ersteigert), „Warrior Express 1“, diversen „Laumicheln“, „Dausend Dode Drolle 4“ und wunderbaren Abenteuern wie „Der Tyrann von Hardtenstein“ von der „Druidenpost“. Wow. War das toll.

Dann gab es Rollenspielhilfen. Und ich bin jetzt endlich wieder Besitzer von „The Compendium of Weapons, Armour & Castles“ von Palladium Books.

Auch bei den Rollenspielen gelangen mir ein paar tolle Einkäufe. Leider gingen „Blaster Master“ und „Corps“ an mir vorbei, aber „Morpheus“ ist jetzt mein, „Pendragon“ ist (wieder) mein und „Skyrealms of Jorune“ ging richtig teuer an jemand anderen (ich habe es schon).

 

Am Ende besaß ich drei Umzugskartons voll. Die meisten Fanzines gehen an Klaus N. Frick und seine Fanzine-Sammlung, von dort wohl an das „Archiv der Jugendkulturen“ in Berlin. Viel Plunder bleibt nicht bei mir, aber ich habe einige lustige Stunden damit verbracht, mich in meine eigene Jugend zurückzuträumen. Einige Dinge behalte ich – meinen Hauptkauf mit der kompletten „252-News“ natürlich, aber auch die alten „Windgeflüster“ der „Gilde für Fantasy-Rollenspiel“.

Für nicht einmal 200 Euro habe ich einige Stunden Jugend zurückgekauft. Das war eine der sinnvollsten Anwendungen für Geld, die ich in den letzten Monaten ausprobiert habe.

Danke, Schicksal!

 

Dein Homo Magi

 

Rituale

 

Endlich habe ich es geschafft. Nach Jahren des Damit-Schwanger-Gehens war ich mit einigen Freundinnen und Freunden (obwohl mir diese sprachliche Korrektheit hier fehl am Platze scheint) im Wald zu einem Ritual.

Ich habe einige schlechte Erfahrungen damit gemacht, solche Rituale in einem Kreis oder einer Gruppe zu feiern. Das ist alles schon eine Weile her, aber solche Wunden heilen schlecht. Damals ging es um Macht innerhalb der Gruppe, um die Frage, wie man richtig wen und wann anruft, wer welchen Gegenstand hält und welche Himmelsrichtung welche Bearbeitung braucht. Im Nachhinein: Pille-Palle. Aber wenn man dabei war, tat es weh. Jahre mussten vergehen, bis ich für mich erkannt habe, dass ich das nicht brauche. Weder die Diskussionen noch die „heiligen Definitionen“ von Standort, Ablauf und Anrufung (vom mystischen Handgepäck ganz zu schweigen).

Also waren die Vorbedingungen dieses Mal anders. Nicht länger große Planungen, sondern einfach der Versuch, ob die „Chemie“ miteinander stimmt. Keine Gegenstände, keine Anrufungen, keine großen Erfolge als Ziel. Wir wollten einfach nur „da“ sein und wollten feststellen, ob „was“ passiert.

Es ist etwas passiert.

An dieser Stelle will ich keine lange Erklärung abgeben, „was“ passiert ist. Mir hat es gut getan, dass überhaupt etwas passiert ist. Alleine das wäre schon Grund genug gewesen, es durchzuziehen. Ein paar Dinge möchte ich doch schreiben.

Erstens. Ich habe das erste Mal in meinem Leben den Part von „Wasser“ in einem Ritual übernommen. Es begann zu regnen, als ich meine Anrufung machte, und es hörte auf zu regnen, als ich das Element verabschiedete. Ich glaube, für diese Rolle bin ich in diesem Rahmen „raus“. Es hat nicht geholfen, dass das Wasser kalt war und schräg vom Himmel zu fallen schien.

Zweitens. Meine Uhr hat sich „erschossen“, obwohl ich sie vor dem Ritual in eine Innentasche gepackt habe. Ebenso haben sich drei oder vier andere Haushaltsgeräte auf elektrischer Basis in den nächsten 24 Stunden umgebracht, wenn ich sie angefasst habe. Erklärungen: Keine. Erklärungsversuche: Auch keine.

Drittens: Es war schön. Meine Scheu scheint überwunden. Es besteht also die Hoffnung, dass ich das mal wieder mache.

Danke.

 

Dein Homo Magi

 


Ohral

 

Hallo Salamander,

 

vor vier Wochen hatte ich das erste Mal das Gefühl, morgens ein wenig zu taumeln. Ganz ohne den Genuss von Drogen irgendwelcher Art fühlte ich mich, als wäre ich an Land eingeschlafen und an Deck eines Viermasters aufgewacht. Ich stand auf und fiel erst einmal der Länge nach zurück ins Bett. Ich schob es auf eine Erkältung samt Verklebung irgendwelcher eigenartiger Teile im Innenohr.

Zwei Wochen später hatte ich dann abends nicht nur das Taumelgefühl zu bieten, sondern ich hatte auch Herzrasen, kalte Finger, Momente von Ohnmachtsanflügen und überhaupt den tiefen Eindruck, dass ich jetzt gleich aber auch wirklich gleich und ohne Umweg über eine Vorhölle von dannen scheide. Ich entschloss mich also doch dazu, darum zu bitten, mich in die Notaufnahme zu fahren.

Zopp. Szenenwechsel. Da waren wir dann. Und mir ging es ab dem Moment besser, wo der freundliche, junge Arzt mir irgendwelche Elektroden auf die Brust gesetzt hatte. Die positive Antwort: ich bin körperlich gesund und meinem Herz geht es so gut, wie es einem Herz in einem Körper meines Baujahrs nur gehen kann. Die schlechte Nachricht: zu viel Stress und damit verbundene Angstpsychosen.

Irgendwie lebte ich immer im Glauben, dass das nur andere Menschen betrifft. Man selbst steht ja über diesen Dingen, weil einem Stress nicht nahe kommt. Man ist abgehoben, hat die Sache im Griff – und nimmt dann doch deutlich mehr Sachen von der Arbeit mit in Freizeit und Nachtschlaf, als man wahrhaben möchte. Nicht nur Manager werden davon betroffen, sondern scheinbar auch so banale Sozialarbeiter wie ich. Also verbrachte ich den nächsten Tag im Bett/daheim mit der Auflage, mal darüber nachzudenken, was denn da schiefgelaufen sei.

Mein Hausarzt konnte mir immerhin das mit dem Ohr erklären. Das war irgendwie Stufe 1a auf dem Weg zum Hörsturz (aber das wäre dann wohl Schritt 4f, wenn ich das richtig verstanden habe). Kleine Kügelchen in meinem Ohr hätten sich selbständig gemacht. Mit zwei Händen zeigte mir mein Hausarzt dann die drei Ebenen der Wahrnehmung vom Gleichgewicht, eine wie ich finde auch künstlerisch sehr amüsante Darstellung. Sein weiser Ratschlag war, ich möge meinen Kopf ab und an schütteln, denn umso schneller die Kügelchen gezwungen sind, wieder in Reihe zu fallen, umso schneller ist der Schwindel vorbei. Toll. Essen sie mehr Süßes, irgendwann geht der Zahnschmerz dann weg. Aber es hat trotzdem geholfen, obwohl ich nicht sehr willig war, das all zu sehr zu forcieren (ich taumele so ungern sinnlos vor mich hin).

Im Moment habe ich auf das Autofahren weitgehend verzichtet, kam sogar fast zwei Wochen ohne aus. Der Schwindel macht mir doch so viel Angst, dass ich keinen Bock habe, das am Steuer zu erleben. Für zwei Wochen bin ich auch von meiner Arbeit verschont (oder die von mir), so dass ich mich ein wenig erholen kann.

Langsamer gehen, nicht so viele Dinge mit nach Hause nehmen.

Und zu der Erkenntnis gelangen, dass Spiritualität (so wichtig man sie auch nehmen mag) nur ein Teil des Lebens ist. Der Körper ist ein wichtiger Teil, die Seele auch, aber die Kraft meines Geistes führt immerhin dazu, dass mein Herz jagt, wenn ich nicht nett zu ihm/mir bin – und die unbewussten Triebe nehmen sich Ruhe, wenn sie danach verlangen. Ich bin also doch Sklave meiner Gefühle, wenn in diesem Falle auch vorgewarnt.

Mir geht es besser, sonst würde ich das nicht – mit einer gewissen Amüsiertheit – schreiben. Es gab da vor zwei Wochen Momente, zu denen will ich nicht zurück. Also MUSS ich irgendwas ändern. Ich arbeite dran.

 

Dein Homo Magi

Maronen

 

Hallo Salamander,

 

abgesehen davon, dass ich bei heißen Maronen immer die nette Geschichte von einem Freund von mir erzählen kann, der Maronen mit Schalen gegessen hat, weil er nicht wusste, was das ist (auch ein klarer Fall von mangelnder Aufklärung über Österreich- und Weihnachtsmarkt-typische Nahrungsmittel) und davon ablenkend, dass geschälte Maronen wie kleine Gehirne aussehen, die wir zu uns nehmen, damit sie jederzeit in unseren Körpern von Außerirdischen in ihren Stationen in der Umlaufbahn aktiviert werden können, um uns zu übernehmen, fällt mir noch etwas ein, was man zu heißen Maronen erklären könnte.

Maronen sind Jahreszeit-bezogen. Es gibt sie (warm und frisch) nur in der Zeit vor Weihnachten. Scheinbar ist ihr Verkauf an eine Kombination mit Tannenzweigen in den Fenstern und Festbeleuchtung an den Kaufhäusern verbunden. Das ist zwar religiös für mich als Heiden ein wenig anstrengend und nicht nachvollziehbar (wo ist die Marone dezidiert christlich?), aber ich kann mich daran gewöhnen.

Eigenartig ist, dass sie damit eines der letzten Nahrungsmittel ist, dass nur zu einer entsprechenden (hier: sogar der richtigen) Jahreszeit angeboten wird. Wir sind doch längst gewöhnt an frische Äpfel, Kartoffeln, Birnen, Kiwis und Bananen das ganze Jahr. Was draußen wächst oder geerntet wird, haben wir im Supermarkt längst vergessen, weil es dort keine Rolle mehr spielt. Sollte es aber.

Der Jahreskreis, das Hinein-Fühlen in die Schöpfung hat doch einen Sinn. Nämlich den Sinn, dass wir lernen, wo wir leben und in welcher Jahreszeit wir leben. Das ist alles weg, wenn wir nur noch im Supermarkt über Frische nachdenken (und hier nur den Fühltest unternehmen, um herauszubekommen, ob Obst und Gemüse knackig oder knatschig sind). Ist es überhaupt in der Saison? Wie weit musste dieses Nahrungsmittel reisen, um als „ökologisch“ auf meinem Tisch zu landen? Passt das überhaupt in unsere Landschaft, in meinen Speiseplan?

Ich bin kein „nationalistischer“ Esser. Aber ich denke, dass 1000+ Jahre Prägung der Mägen meiner Vorfahren schon dazu geführt haben, dass ich auf Dinge aus meinem Heimatland ein wenig „programmiert“ bin. Und dass ich auch auf einen gewissen Zeitablauf geprägt bin, der sich jährlich wiederholt und sich mit Aussaat und Ernte in Verbindung bringen lässt.

Jetzt versuche ich, mich nicht sklavisch daran zu halten. Das wäre auch in bestimmten Monaten mit einer gewissen Mangelernährung verbunden. Aber ich versuche, darüber nachzudenken, wenn ich wieder einmal vor den vollen Obst- und Gemüseregalen stehe (oder vor dem Dosenobst, wo wir gerade dabei sind).

Es ist zwar nicht wirklich zutiefst ökologisch oder zutiefst heidnisch, aber es erscheint mir richtig.

Wozu Maronen doch gut sind ...

 

Dein Homo Magi

 

Seelsorge und Vorratsdatenspeicherung

 

Hallo Salamander,

 

als Magier darf man sich auch an Gesetze halten. Das gilt auch für die Vorratsdatenspeicherung. Aber aus dem Entwurf kann man erkennen, dass man als „Seelsorger“ davor zum Teil geschützt ist:


Das Abhören bestimmter Berufsgruppen will die Ministerin ausschließen, wenn diese als Zeugen oder Nachrichtenübermittler betroffen sein könnten. Dabei sieht ihr Entwurf zwei Kategorien bei den so genannten Berufsgeheimnisträgern vor: Zum einen Seelsorger, Strafverteidiger und Abgeordnete, die mit einem umfassenden Verwertungsverbot ganz besonders geschützt werden sollen. Diese Gruppe sei vom Bundesverfassungsgericht in den engeren Kreis schützenswerter Personen übernommen oder ausdrücklich im Grundgesetz erwähnt worden, so Zypries. Bei Ärzten, Rechtsanwälten, Journalisten sowie weiteren Geheimnisträger sei ferner nur noch „bei ganz sorgfältiger Entscheidung im Einzelfall abzuhören“.[1]

 

Ich will ja geschützt werden, aber das Ganze stellt mich vor ein Problem: Was ist eigentlich ein Seelsorger? Bin ich einer, wenn ich in heidnischen Zusammenhängen als Priester, Magier/Hexer oder sonst etwas arbeite?

Beginnen wir mit der Frage des Berufs des „Seelsorgers“. Alle Seelsorger können nicht nur ausschließlich christliche Priester sein (obwohl das Beichtgeheimnis unter Umwegen im § 203 Strafgesetzbuch verankert ist).[2] Auch in der Krankenhausseelsorge gibt es gesetzliche Regelungen.[3] Also muss es hier eine weitere Fassung des Begriffs „Seelsorger“ geben als die „Priester/Funktionsträger einer christlichen Kirche“. Die Seite der Agentur für Arbeit kennt unter dem Beruf „Seelsorger“ nur die beiden christlichen Studiengänge der Theologie, ohne dort den Beruf „Seelsorger“ zu definieren. Also kommt man hier keinen Schritt weiter.

Also ging es weiter mit der Recherche im Internet. Das Zeugnisverweigerungsrecht erschließt die religiöse Begründung auch nicht. Es kennt „persönliche“ uns „berufliche“ Gründe, wobei hier in der Wikipedia dezidiert Ärzte oder Journalisten genannt werden.[4] Aber immerhin heißt es im Gesetzestext:

 

(1) Zur Verweigerung des Zeugnisses sind berechtigt:

(...) 4. Geistliche in Ansehung desjenigen, was ihnen bei der Ausübung der Seelsorge anvertraut ist.

 

Aber bin ich ein Geistlicher? Eigentlich nein, weil das sehr christlich klingt.

Die Bauleitplanung kennt lustigerweise die Rücksicht auf die Seelsorge, aber nur für „Religionsgesellschaften des öffentlichen Rechts“.[5] Da falle ich nicht drunter, weil „meine“ Religionsgemeinschaft das wohl nicht erfüllt.

Das „JAVollzO“ schreibt immerhin in § 19:

 

(1) Eine geordnete Seelsorge ist zu gewährleisten.

(2) Der Jugendliche hat das Recht, den Zuspruch des bestellten Geistlichen seines jetzigen oder früheren Bekenntnisses zu empfangen und an gemeinschaftlichen Gottesdiensten und anderen religiösen Veranstaltungen seines Bekenntnisses in der Anstalt teilzunehmen.

(3) Wenn ein Geistlicher dieses Bekenntnisses nicht bestellt ist, so kann der Jugendliche durch einen Geistlichen seines Bekenntnisses besucht werden.[6]

 

Analog findet sich eine solche Regelung auch für Soldaten.[7]

Hier ist nicht die Rede von „Religionsgesellschaften des öffentlichen Rechts“. Darf ein Wicca im Gefängnis jetzt drauf bestehen, dass seine Seelsorge durch einen Wicca-Priester vorgenommen wird? Scheinbar schon. Klingt doch schon mal nicht schlecht.

Aber wie kommt man an den Job?

Das beeindruckende „Gesetz über den Vollzug der Freiheitsstrafe und der freiheitsentziehenden Maßregeln der Besserung und Sicherung“ gibt hier einen Hinweis:

 

§ 157 (1) Seelsorger werden im Einvernehmen mit der jeweiligen Religionsgemeinschaft im Hauptamt bestellt oder vertraglich verpflichtet.

 

Jetzt aber blieben mir wenig weitere Möglichkeiten als ein Brief an die Stadtverwaltung, den ich heute in die Post gebe:

 

(...)

Seelsorge

 

Sehr geehrte Damen und Herren,

 

in verschiedenen Vorschriften und Gesetzen sind Hinweise auf die Funktion von „Seelsorge“ bzw. „Seelsorgern“ enthalten. Leider enthalten die einschlägigen Gesetzestexte und Verordnungen keinen Hinweis darauf, wie man als Seelsorger anerkannt wird.

Auch weitere Rechercheversuche – u.a. über die Homepage der „Agentur für Arbeit“ (zur Definition des Berufsbildes) – blieben erfolglos.

Daher meine Frage, ob eine kommunale Meldung bei der Stadt als „Seelsorger“ in Nebentätigkeit möglich ist und was man nachweisen/beantragen muss, um diesen Status zu erhalten.

 

Mit freundlichen Grüßen

Ihr (...)

 

Ich halte dich auf dem Laufenden!

 

Dein Homo Magi

 

Nach dem Tod

 

Hallo Salamander,

 

eine freundliche Asatru[8] fragte mich jetzt, wo ich nach dem Tode wohl hinkommen würde. Wie aus der Pistole geschossen sagte ich „Naglfar“. Wir zitieren:

 

Naglfar (altnordisch für „Totenschiff“, „Nagelschiff“) ist in der Nordischen Mythologie das Totenschiff. Es wird als das größte Schiff aller Zeiten beschrieben und gehört dem Muspell. Naglfar wird vor allem im Zusammenhang mit dem Weltuntergang Ragnarök erwähnt. Flottgemacht durch die Überschwemmungen der Midgardschlange führt es dann die Feinde der Götter zur letzten großen Schlacht heran. Je nach Quelle steht entweder der Riese Hrymir (nach der Gylfaginning) oder der verstoßene Ase Loki (nach der Völuspa) am Steuer.

Naglfar wird aus den unbeschnittenen Nägeln der Toten gezimmert. Schon Snorri erwähnt in der Gylfaginning den Brauch, den Toten die Nägel zu schneiden, um so die Fertigstellung des Schiffs und damit indirekt Ragnarök selbst hinauszuzögern. Die Brüder Grimm greifen diesen Gedanken in ihrer „Deutschen Mythologie“ auf, interpretieren ihn aber stärker hinsichtlich der weiten Ferne des Weltuntergangs:

Dadurch soll die ungeheure Ferne und das langsame Zustandekommen des Weltendes ausgedrückt sein: Bis ein solches Schiff aus schmalen Nägelschnitzen der Leichen zusammengesetzt wird, verstreicht lange lange Zeit, und sie leidet noch durch die warnende Vorschrift Aufschub, allen Toten die Nägel vor der Bestattung oder Verbrennung zu schneiden.

Die Interpretation des Namens Naglfar als „Nagelschiff“ war vermutlich schon zu Snorris Zeiten eine volksetymologische Ableitung aus dem altnordischen nagli für „Nagel“ (Wahrscheinlicher ist aber eine Herleitung in der Bedeutung „Totenschiff“ zu gotisch naus „tot“ bzw. altgriechisch nékus „Leiche“) und far für „Fahrzeug, Schiff“.[9]

 

Wie auch immer. Ich denke, ich habe da an Bord einen Ehrenplatz als Leichtmatrose 1.037.884. Mein Bruder ist 1.037.883. Denn mein Bruder hat einige Jahre lang davon gelebt, Nagelhärter herzustellen (so für die Kosmetikindustrie und so). Da habe ich ein paar Mal geholfen – das prädestiniert uns sicherlich, an Bord als Dank eingesetzt zu werden. Es gibt schlimmere Plätze ... Walhall wäre mir lieber wegen dem freien Alkohol, aber man kann nicht alles haben. Manchmal trägt das, was man auf Erden gemacht hat, doch seine Früchte im Nachleben ...

 

Dein Homo Magi

 

Magnetische Dienste

 

Hallo Salamander,

 

eines Morgens klingt er vielleicht auch an deiner Tür. Nein, nicht der Eismann und auch nicht der Weihnachtsmann. Nicht der Klempner und nicht der Schornsteinfeger. Es ist Kryon:

 

Seid gegrüßt meine Lichtarbeiter,

ich bin KRYON vom magnetischen Dienst. Ich spreche durch das Medium und während sie meine Buchstaben niederschreibt, erhöhe ich jeden einzelnen Buchstaben mit meiner Energie, um euch in eurer Seele anzutreffen. Ihr werdet diese Energie spüren. Zu keiner Zeit hat je ein Engel selbst etwas geschrieben, immer hat er sich eines Mediums bedient und ich habe mir ein Medium gewählt, das meine Botschaften präzise an euch weitergibt.

Lange habt ihr auf den Aufstieg von Mutter Erde gewartet, viel ist darüber geschrieben und gesprochen worden und nun ist es an der Zeit, mit offenem Herzen alles zu empfangen, was für die nächste Zeit wichtig ist. Darum haben wir, ich – Kryon sowie auch einige andere Engelswesen des Universums uns dazu entschlossen, diese Schule zu gründen, um euch auf dem Weg des Erwachens zu lehren, zu leiten und zu führen.

Ich – Kryon, werde euch durch das Medium 48 Schritte lehren, damit ihr den Schleier des Vergessens beiseite rücken könnt und in der Lage seid, eure ganze göttliche Kraft zu leben, in großer Freude und im Lichte des Zeitalters der Neuen Zeit.

All das, was ihr zum Erwachen braucht, werdet ihr bekommen: Viel Wissen, Techniken, Rituale und Einweihungen. Ständig werde ich mit meiner Energie präsent sein und mit euch arbeiten. Ihr werdet die Lichtsprache der Elohim erlernen und die alten Symbole von Atlantis für euch nutzbar machen, um sie an die Menschheit weiterzugeben.

Ihr wollt Wunder? Ich gebe euch Wunder, weil ich um eure Wahrhaftigkeit weiß. Ihr seid meine Leuchttürme und wir brauchen euch. Ich freue mich auf unsere gemeinsame Zeit und ich werde euch zeigen, dass lernen Spaß macht.

Ich sage Dir, ich gebe nicht nur einen Teil von mir, ICH LIEBE DICH unermesslich, mit meiner ganzen Seele.[10]

 

Ich weiß nicht recht, ob ich ein „Leuchtturm“ sein will. Ich weiß auch nicht, ob eine Kombination aus „Neue Zeit“, Elohim & Atlantis vertrage, ohne davon ganz schrecklichen Schluckauf zu kriegen.

Meine erste Frage ist natürlich auch die, welche Rolle ich in dieser neuen Zeit spielen soll? Aber auch hier bekommt man Antworten über die beruflichen Möglichkeiten, die einem Kryon und seine Kryonauten öffnen:[11]

 

Die Berufe der Neuen Zeit

Sabine Sangitar channelt neben der Kryonschule und den Lichtpionierschritten auch Berufe der Neuen Zeit. Durch die Schwingungserhöhung auf dem Planeten Erde verändern sich auch die Aufgaben der Menschen. Sie passen sich dem neuen Energielevel an und so eröffnen sich neue Möglichkeiten, die eigenen Fähigkeiten umzusetzen. Die neuen Berufe sind Geschenke der geistigen Welt an alle Lichtarbeiter, um sie in ihrem Wirken zu unterstützen.

 

Juhu. Jetzt wird mein Studium der Sozialarbeit durch eine Schwingungserhöhung zu was tollem – Gehirnchirurg? Pilot? Astronaut? Sprengmeister? Feuerwehrmann? Keine Ahnung, was da auf mich zukäme. Aber unter einem „Lichtpionier“ kann ich mir was vorstellen – „Allzeit bereit!“, meine lieben Lichtpioniere. „Allzeit bereit!“.

 

Lichtarbeiter:

Ein Lichtarbeiter ist ein Mensch, der die Göttlichkeit in sich selbst anerkennt und sein Licht nach außen trägt.

 

Aha.

 

Bioenergietherapeut:

Ein Titel, den der Kryonschüler nach Abschluss der 48 Schritte verliehen bekommt.

 

Aha?

 

Erdheiler / Meister der Bioenergie:

Nach den 48 Schritten finden Lichtpionier-Schritte statt, in denen man lernt, mit der göttlich erwachten Kraft umzugehen und sie im Alltag anzuwenden. In den Pionier-Schritten werden hohe Energien aufgenommen, Dimensionstore geöffnet und wichtiges Handwerkszeug für das Wirken als Pionier erlernt. Unter anderem folgt in den Lichtpionier-Schritten die Ausbildung zum „Erdheiler der Neuen Zeit“. Diese Ausbildung berechtigt ab dem 31. Treffen zum Tragen des Titels „Meister der Bioenergie“.

48 Schritte bis zum Bioenergietherapeut. Dann 31 Treffen bis zum „Meister der Bioenergie“ und „Erdheiler der Neuen Zeit“. Dann kann ich endlich Dimensionstore öffnen (und wann schließe ich sie?).

 

Raftan-Trainer:

Bei der Raftan-Aktivierung wird die Energie eines Menschen von der niedrig schwingenden Frequenz 966 auf 996 angehoben. In einem zweiten Ritual wird das Erwachungsmuster 999 in dem Lichtkörper des Menschen verankert, wodurch die Erwachungsenergie viel schneller und leichter aufgenommen werden kann – Erwachen kann schneller erfolgen.

 

Aha. Endlich hoch auf von 966 auf 999. Was wird hier gemessen? Was für eine Frequenz soll das sein? Wer oder was schwingt hier?

 

Trainer der Kryonschule:

Neben dem Fernlehrgang können die 48 Schritte des Erwachens auch bei einem Trainer durchlaufen werden, der dich liebevoll auf deinem Weg des Erwachens begleitet. Die Schritte werden in Gruppen oder in Einzelbetreuung absolviert.

Lichtkosmetiker:

In der Neuen Zeit ist es wichtig, aus dem kollektiven Gedankenmuster des Alterns auszusteigen, denn das Altern ist ein Bestandteil der Dualität. Mit Ritualen und hochenergetischen Kristallen kann durch die Lichtkosmetik eine Verjüngung der physischen Zellen erreicht werden. Der Verjüngungsprozess wird durch die Noah & Lumina Verjüngungscreme unterstützt.

 

Verjüngung ist möglich, da das Altern ein Bestandteil der Dualität ist? Kristalle helfen samt Lichtkosmetik und der Noah & Lumina Creme? Hallo! Huhu! Ist jemand daheim?

 

Magier:

Der Magier hat schon in vielen vergangenen Inkarnationen magisch gearbeitet. Durch seine Initiation ist er wieder mit diesem alten Wissen und seiner ureigenen Kraft in Kontakt gekommen. Die magischen Rituale wirken hochenergetisch und können große Veränderungen in deinem Leben bewirken.

Hier kannst du das Ausbildungsset bestellen.

 

Normalerweise habe ich die Links für die Kaufmöglichkeiten immer gelöscht, aber das hier ist zu gut. Willkommen, oh großer Magier der letzten Inkarnation – kauf doch bitte dein Ausbildungsset, Merlin.

 

Intuitionstrainer:

In der Neuen Zeit verändert sich auch die Intuition. Während die alte Intuition bislang über ein Körpergefühl wahrgenommen wurde, empfängt man mit der Intuition der Neuen Zeit klare Bilder und Botschaften. Der Intuitionstrainer aktiviert bei dir in Zusammenarbeit mit der geistigen Welt die neue Intuition. Durch spezielle Übungen wird die neue Intuition gefestigt und geschult. Die neue Intuition ist ein machtvolles Hilfsmittel für jeden Lebensbereich.

Heiler der Syron-Frequenz:

Die Syron-Frequenz ist eine übergeordnete Frequenz der Heilenergie im Universum. Sie beinhaltet alle Heilengel und alle Heilfrequenzen. Die Ausbildung zu diesem Beruf, der in Einzelsitzungen sowie als Fernheilung ausgeübt werden kann, erfolgt beim 37. Treffen der Lichtpioniere.

Vorwärts mit den Beschlüssen des 37. Treffens der Lichtpioniere! Von Kryon lernen heißt siegen lernen! Die Syron-Frequenz in ihrem Lauf / halten weder Ochs noch Esel auf!

 

Dein Homo Magi

 

Versicherungskonten

 

Hallo Salamander,

 

eigentlich gehe ich fast davon aus, dass ich bei der Berechnung meiner Rente mehrfach betrogen werde. Erst bei der Einzahlung, weil ich davon einen großen Teil nie wiedersehen werde. Dann bei der Berechnung, weil mir vor Jahren per Gesetz die Studienzeiten aus der Anrechnungsliste gestrichen worden sind. Zuletzt bei der Auszahlung, weil ich – wie gesagt – mein Geld nie wiedersehen werde.

So war ich denn nicht überrascht, als mir die „Deutsche Rentenversicherung Bund“ einen Brief zusandte, ich möge mein Versicherungskonto „klären“. Gefragt war nach den „ungeklärte[n] Zeiten, die nach dem 17. Lebensjahr liegen“. Abgeben durfte ich das Formular nur, wenn ich mir auf der ersten Seite von meiner Wohnortgemeinde bescheinigen ließ, dass ich dort wirklich wohne. Außerdem möge ich meinen Wohnort am 01.05.1990 nachweisen und lückenlos alle meine Versicherungszeiten ab dem 17. Lebensjahr mit beglaubigen Kopien nachweisen.

Aaaargh. Wo zum Teufel ist mein Abiturzeugnis? Geht daraus hervor, dass ich die Jahre vorher auch brav in der Schule war? Nein. Wo ist das Zeugnis meiner 12. Klasse? Wo ist mein Abschlusszeugnis des ersten Studiums? Warum ist da nicht angegeben, wann ich das erste Mal immatrikuliert war? Warum fehlen zwischen dem Ende meines ersten Arbeitsjahres und dem zweiten Studium fünf Wochen? Wo sind die hin? Wo ist meine Immatrikulationsbescheinigung von 1989? Weg? Wo war ich in Gottes Namen am 01.05.1990? Warum war ich F***enschei*dr**k nicht in der Lage, den ganzen Plunder innerhalb einer halben Stunde zu finden?

 

Also durfte ich dann doch heute auf das Einwohnermeldeamt. Zu meiner Überraschung geriet ich an eine freundliche Sachbearbeiterin, die nach Lektüre meines Personalausweises gerne bereit war, das Formular zu stempeln. „Soll ich ihnen noch beim Ausfüllen helfen?“ Ich gebe zu, ich kämpfte mit meinem Stolz. Aber da ich beim ersten Durchlesen schon erkannt hatte, dass ich unter anderem nach meinem Aufenthalt in bulgarischen Gefängnissen befragt würde (kein Witz), war ich willens, den Zettelberg mit ihr durchzugehen.

Eine halbe Stunde, in der ich nur eigenartige Fragen zu beantworten hatte. DDR-Bürger? Nein. Bulgarische Gefangenschaft? Nein. Länger als 6 Wochen krank seit 1982? Nein. Wehrdienst? Abi-Zeugnis? Arbeitsvertrag? Nein, Ja, Nein. Immerhin gibt es einen eigenen Punkt 4.5 für ehemalige Mitarbeiter des VEB Carl-Zeiss Jena, einen eigenen Punkt über Zeiten im Ausland und den ultimativen Hinweis für die Einschätzung von Professoren vor dem Gesetz:

 

Gleiches gilt für hauptberuflich tätige Pädagogen und Wissenschaftler an Hochschulen, kirchlichen oder staatlichen Hochschulen, Ärzte, Zahn- und Tierärzte, Apotheker in eigener Praxis sowie für Künstler und künstlerisch Beschäftige bei Rundfunk, TV, Film, Theater und Orchester.

Auf einen Leistungsanspruch kommt es dabei nicht an.

Hauptamtliche Mitarbeiter des Ministeriums für Staatssicherheit/Amtes für Nationale Sicherheit im Sinne des Gesetzes sind Personen, die als Offiziere der Staatssicherheit im besonderen Einsatz (...) verdeckt tätig gewesen sind.[12]

 

Ein netter Zusammenhang.

 

Und jetzt mache ich mich daran, einen Fragebogen für Tolkien-Liverollenspieler anzulegen:

 

Waren Sie je Gefangener des Dunklen Lords? Wenn ja, wie lange.

Haben Sie oder einer ihrer Freunde oder Verwandten Hobbits unter ihren Kollegen?

Bitte listen Sie kurz auf, welche Ringe sich in ihrem Besitz finden (auch Penisringe).

(Nur für Elben:) Bitte listen Sie alle Arbeiten im Forst- und Naturhandwerk in den letzten 620 Jahren auf (sortiert nach Arbeitgebern).

(Nur für Ents) Bitte markieren Sie ihren Standort im Frühling 6613 schematisch auf beiliegender Karte.

Kennen Sie einen oder mehrere Nazgul persönlich?

Hatten Sie je beruflich und/oder privat mit Orks zu tun?

Besorgen sie beglaubigte elbische und orkische Abschriften aller Schulzeugnisse. („Antidiskriminierungsparagraph“)

Legen Sie mit Blut beglaubigte Kopien aller Ihrer Scheine aus der Zauberakademie vor.

Singen Sie ein Lied, ohne die Worte »schwarz«, »weiß«, »Hobbit« oder »Ent« zu verwenden. Verboten sind auch alle Wortkombinationen mit diesen Worten (also z.B. »Schwarzsehen«, »Weißbrot«, »Hobbitfüße« oder »Entlastung«).

 

Danke.

 

Homo Magi

 

Magier

 

Hallo Salamander,

 

manchmal liest man ein Buch, das einen vom Stuhl haut. Und dann bleibt mir wenig mehr, als einfach kurz (!) zu zitieren. Mehr braucht man dann manchmal nicht:

 

Mancher echte Magus lebt unscheinbar im Alltag. Unerkannt und unbekannt leistet er seinen 48-Stunden-Tag ab. Man muss aber wieder hören, sehen, fühlen, schmecken, riechen lernen, kurzum seine Sinne gebrauchen, lauschen, ohne zuviel und direkt zu fragen. Dann sprechen die Dinge, die Pflanzen, die Tiere und die Menschen zu einem, oft sogar sehr deutlich und recht laut.[13]

 

Keine Fragen.

 

Dein Homo Magi


Seelsorger II

 

Hallo Salamander,

 

auf dem Weg zum Seelsorger bin ich einen Schritt weiter. Mit Schreiben vom 27.12. teilte mir meine Heimatgemeinde folgendes mit:

 

(...) bezüglich Ihrer Anfrage vom 10.12.2007 teilen wir Ihnen mit, dass die Tätigkeit als Seelsorger unseres Wissens nach nicht einem Berufsbild gleichzusetzen ist, sondern vielmehr als Teil der Ausbildung als Pfarrer/in, Gemeindepädagoge/-pädagogin oder in psychologischen Studiengängen angesehen wird.

Ob es [sic!] zur Ausübung dieser Tätigkeit Voraussetzungen zu erfüllen sind, ist uns nicht bekannt. Wir würden Ihnen deshalb empfehlen, sich an die staatliche Gewerbeaufsicht (...) zu wenden.

Eine kommunale Zuständigkeit besteht nicht.

Wir hoffen, Ihnen mit diesen Informationen weitergeholfen zu haben. (...)

 

Also musste ein neuer Brief her:

 

Sehr geehrte Damen und Herren,

in verschiedenen Vorschriften und Gesetzen sind Hinweise auf die Funktion von „Seelsorge“ bzw. „Seelsorgern“ enthalten. Leider enthalten die einschlägigen Gesetzestexte und Verordnungen keinen Hinweis darauf, wie man als Seelsorger anerkannt wird.

Meine entsprechende Anfrage an die Stadtverwaltung wurde mit Schreiben vom 27.12. (siehe Kopie in der Anlage) dahingehend beantwortet, dass ich mich an Sie wenden solle.

Also ist meine Frage, ob ich mich als „Seelsorger“ in Nebentätigkeit anmelden kann und was ich beantragen/nachweisen muss, um diesen Status zu erlangen.

 

Ich warte auf Antwort. Man darf gespannt sein!

 

Dein Homo Magi

 

Außerirdische Anrufe

 

Hallo Salamander,

 

ich habe ein Telefon, das brav notiert, ob mich jemand angerufen hat. Wenn die Gegenseite ISDN besitzt, dann erfahre ich sogar die Telefonnummer.

Abends hatte ich einen Anruf auf dem Display, der aus dem Ausland kam. Da meine Schwester zurzeit im Ausland lebt, habe ich nicht lange überlegt und zurückgerufen – vielleicht war ja was passiert. Ich weiß nicht, ob ich Pech oder Glück hatte, denn meine erste Verbindung war unverständlich. Irgendwo im Ausland sprach jemand Englisch mit mir und ich habe kein Wort komplett verstanden.

Wiederwahl.

Irgendwo im Ausland sprach wieder jemand mit mir, nur teilte die Sprecherin mir dieses Mal mit, dass sie mich nicht verstehe (während es vorher noch umgekehrt war).

Wiederwahl. Endlich kam ein Gespräch auf Englisch zustande. Ich befand mich in der Telefonrezeption des „Ambassador Hotel“ in New York. Das war einige Kontinente von meiner Schwester entfernt und unerklärbar.

Nein, man habe mich nicht angerufen.

Nein, das wäre die richtige Nummer und ich sei in der Telefonzentrale des Hotels.

Nein, sie wüssten nicht, warum mich jemand angerufen haben könnte.

Ja, sie hätten meine Nummer auf dem Display.

Umpf.

Die Dame war sehr freundlich und sehr nett und sprach ein perfektes Englisch. Aber ich bekam nicht heraus, wer oder was bei mir angerufen hatte. Meine Schwester nicht. Aber wer ruft mich abends aus New York an (das war wohl dort der frühe Morgen)? Wie kommt jemand in New York auf meine Telefonnummer? Warum musste ich zu horrenden Kosten drei Mal da anrufen, um zu erfahren, dass es nichts zu erfahren gibt?

Wenn das eine kostenlose Lehrstunde im englischsprachigen telefonieren sein sollte, so kann ich sagen, dass ich lange genug für eine US-Firma gearbeitet habe, um am Telefon auf Englisch keine Probleme zu haben (wenn die Leitung steht ...). Wenn man rauskriegen wollte, ob ich die Vorwahl der USA auswendig kann, so muss ich nun bekennen, dass ich keine Ahnung hatte, wo ich landen würde, als ich wählte. Wenn man meine Neugier testen wollte, so ist das Testergebnis positiv.

Ist die Nigeria-Connection auf New York ausgewichen, wo man dann zurückruft, um die deutsche Telekom zu finanzieren? Sitzen in New York Magier im „Ambassador Hotel“, die einfach herumtelefonieren, um herauszukriegen, wer sich von ihrem Kollegen genug entblödet, um anzurufen?

„Ambassador“ heißt doch „Botschafter“. Ein außerirdischer Botschafter, der mit der magischen Regierung der Erde Kontakt aufnehmen wollte? Das ist und bleibt die vernünftigste Erklärung. Aber ich bin weiterhin nervös. Wen hat er angerufen, als er mich nicht erreichen konnte? Und war ich die erste Wahl oder nur unter den ersten 10? Die Dame in New York konnte es mir nicht erklären. Ich mir auch nicht.

Aber meiner Schwester geht es gut. Auch was. Vielleicht steckt sie ja dahinter ... ich werde mal fragen müssen, ob sie jemand in New York kennt. Unauffällig, natürlich.

 

Dein Homo Magi

 

Abgrenzungen

 

Hallo Salamander,

 

in der letzten Zeit werde ich öfters von freundlichen Asatru gefragt, warum ich selbst eigentlich kein Asatru bin. Ich vermute einmal, dass die meisten Asatru bei einer ernsten Diskussion über die Frage, warum sie keine Christen sind, auch schnell theologisch ins Schwimmen geraten würden. Aber ich darf ich damit beschäftigen, damit „nordisch geprägte Heiden“ mich nicht schräg von der Seite aus ansehen. Eine Art Rechtfertigungszwang, der mir manchmal ein wenig seltsam vorkommt. Immerhin kommt vor dem Abendmahl in der Kirche auch keiner auf mich zu, der mich fragt, ob ich auch WIRKLICH Christ bin. Dem Christen würde mein entsprechendes Handeln (Besuch des Gottesdienstes, bestimmte Verhaltensregeln im Gottesdienst und im normalen Leben) ausreichen, um meine Zugehörigkeit zu ihrer Religion zu akzeptieren.

Anders im Hause Asatru.

 

Fangen wir mit der einfachen Frage an – was ist Asatru? Dazu zitiere ich gerne die FAQ der Homepage des „Eldaring e.V.“:

 

Asatru ist ein nordischer Ausdruck, der den Glauben an die Götter beschreibt, die im Allgemeinen als Asen (Æsir) bekannt sind.

[Das Wort besteht aus zwei Teilen. ása bezeichnet die Asen (eines der beiden Göttergeschlechter der Germanen) und trú steht für Vertrauen, Treue oder Glaube. Anm. des Übersetzers]

Asatru hat seine Wurzeln in uralten Bräuchen und Glaubensvorstellungen, obwohl es am ehesten aus der Wikingerzeit bekannt sein dürfte. Dies war die Zeit, in der die alten Vorstellungen mit denen des aufstrebenden Christentums kollidierten. Aber es war auch die Zeit, in der die Bräuche und Geschichten aufgeschrieben wurden, nachdem sie über Jahrhunderte mündlich überliefert worden waren. Wie bei vielen Religionen gab es keinen spezifischen Namen für die Religion selbst. In der heutigen Zeit werden aber Worte wie „Asatru“, „Vortru“, „Forn Sed“, „unser Glaube“ oder „der alte Glaube / der alte Weg / die alten Bräuche“ verwendet, um diese Religionsform zu beschreiben.

Die Religion war Teil der Kultur und der Glaube spiegelt sich heute nicht nur in der Mythologie wieder, sondern auch in vielen Dingen des alltäglichen Lebens. So lassen sich Spuren des alten Glaubens in der Sprache und in den Sitten und Gebräuchen (Ostern, Weihnachten) finden. Im Rechtswesen finden sich auch noch Spuren, wie z.B. die Geschworenen in amerikanischen Gerichtsverhandlungen.[14]

 

Eigentlich hilft einem das überhaupt nicht weiter. Die Asatru glauben also an die Asen. Das Wortteil „tru“ wird nur in einer Anmerkung des Übersetzers erklärt. Alles andere wusste ich vorher.

Versuchen wir mein Problem weiter einzuengen, denn ich suche ja nach einem Erklärungsansatz, der die Asatru, welche mich nett fragen, zufrieden stellt. Zurück zur genannten Homepage, damit ich wenigstens den Teil mit den „Asen“ klären kann.

 

Wer sind die Göttinnen und Götter des Asatru?

 

Da fraget Gangleri: „Welches sind die Asen, an welche die Menschen glauben sollen?“ Har antwortete: „Es gibt zwölf göttliche Asen.“ Da sprach Jafnhar: „Die Asinnen sind nicht minder heilig und ihre Macht nicht geringer.“

 

Mit diesen Worten werden die Götter und Göttinnen unserer Vorfahren dem König Gangleri in Snorris Edda vorgestellt. Hier finden wir eine Auflistung der Asen (Götter), Asinnen (Göttinnen) und anderer Wesenheiten der Mythologie neben kurzen Geschichten aus der nordischen Mythenwelt. Niedergeschrieben wurden sie gegen Ende der Wikingerzeit. Zuerst wird Odin genannt, sein Sohn Baldur, Thor (Donar) und seine Frau Sif, Tyr, Njörd und seine Kinder Frey und Freyja, Bragi, Heimdall, Hödr, Vidar, Wali, Uller, Loki und Aegir mit seiner Frau Ran. Es werden auch Göttinnen genannt. Unter anderem Frigg, Freyja, Lofn, Var und Skadi.

Die Mythologie bewahrte auch die Geschichten über die beiden verfeindeten Göttergeschlechter (die Asen und Wanen), die nach einem Krieg Frieden schlossen, Geiseln untereinander austauschten und jetzt gemeinsam unter dem Begriff Asen verstanden werden können.

Vier der sieben Wochentage sind in deutsch- und englischsprachigen Ländern nach diesen Göttern benannt:

· Dienstag (Tuesday) von „Tyrstag” (Tiu’s day),

· Mittwoch (Wednesday) von „Wotanstag“ (Odin’s day),

· Donnerstag (Thursday) von „Thorstag“ und

· Freitag (Friday) von „Friggastag“ (lat. „dies veneris“ – „Tag der Venus“).

In ganz Skandinavien und Europa finden sich Orte, die schon sehr früh diesen Gottheiten geweiht und nach ihnen benannt wurden.

 

Das Sams fehlt mir ein wenig bei den Wochentagen, dafür taucht Loki in der Liste der Asen auf. Loki? Der alte Schummler hat sich also wieder eingeschlichen – wobei man sich die Frage stellen darf, wer in der Liste die 12 sein sollen, die eingangs im Text erwähnt werden (nachzählen ist erlaubt; ich komme auf mehr als 12). Loki halt.

Aber Loki als Ase? Der Weltvernichter, der Lügenbeutel, der Betrüger, Trickser und Kriegstreiber? Möchte ich Loki treu sein? Eher schon. Zumindest eher, als Thor oder Aegir (man möge mir diese fast schon willkürliche Ablehnung verzeihen, aber im Spannungsfeld mit Loki können maximal Odin und Thor selbst bestehen, alle anderen sind ihm meiner Ansicht nach nicht ebenbürtig).

Aber da hätte ich doch schon eine theologische Begründung. Ich möchte nicht Asen-treu sein, weil bei den Asen „zwei Parteien“ vertreten sind, die sich in Bezug auf das Schicksal der Welt ausschließen. Ich kann nicht beiden gleichzeitig und glaubhaft dienen.

 

Bleibt noch die Frage nach der Treue. Da macht die Argumentation in genanntem Text einen lustigen Zirkelschluss:

 

Wie werde ich Asatruar?

Wie bei allen Religion hängt die Antwort auf diese Frage mehr vom Fragesteller ab als von allem anderen. Eigentlich ist man Asatru, sobald man sich als ein Asatruar fühlt. Andere Personen werden diese Einstellung bemerken, wenn man sich im Alltag in einer Art und Weise verhält, die mit den Vorstellungen einhergeht, die mit dem Glauben an die Asen verbunden sind. Das Verhalten ist dann darauf ausgerichtet, ein „guter Mensch“ im Sinne von Asatru zu werden (WIE dieses Verhalten dann auszusehen hat, ist immer ein beliebter Diskussionspunkt).

Manche Asatruar vertreten die Auffassung, dass eine Art Aufnahmeritual, ein Schwur oder eine andere Form der formellen Abkehr vom „früheren Leben“ nötig ist, um den Schritt in die Gemeinschaft der Asatruar zu vollenden.

Andere wiederum betrachten das als gänzlich überflüssig. Sie vertreten die Meinung, dass die Götter auch ohne einen solchen Schritt die Absichten von jemandem einschätzen können, der sich selbst als Asatru bezeichnet. Im Prinzip kann man heute davon ausgehen, dass man Asatruar geworden ist, sobald man sich selbst ehrlich sagen kann „Ich bin Asatru“.

 

Eine reine Form von religiöser Selbstbezichtigung. Ich wäre Asatru, wenn ich mich so nenne. Und wenn ich mich so nenne, dann darf ich feststellen, ob jemand anders Asatru ist oder nicht – oder wie? Gibt es unterschiedliche „Verpflichtungsebenen“? Scheinbar nicht.

Müssen andere merken, wenn man Heide ist? Normalerweise nicht automatisch, aber Asatru scheinen eine Ausstrahlung zu haben, die andere darüber informiert, was sie glauben. Ich sage dazu nichts.

Wobei es auch ein gewünschtes Verhalten sein könnte, dass man (Loki-haft?) immer öffentlich leugnet, ein Asatru zu sein („WIE dieses Verhalten dann auszusehen hat, ist immer ein beliebter Diskussionspunkt“). Ich bin verwirrt.

Die „Abkehr vom früheren Leben“ klingt wie der Eid, den man leisten muss, wenn man einer freichristlichen Kirche (oder eben jeder Sekte) beitritt. Will ich das? Nein. Mein Leben führt zu bestimmten Dingen. Auf einmal einen Eid schwören, der alles vorher leugnet, was mich doch an diesen Punkt geführt hat, an dem ich das dann beeiden soll ... das wäre ein mentaler Zirkelschluss, der mir nicht gefallen würde.

Treu zu sein einer Gruppe von Wesen, die unterschiedliche Ziele mit den Sterblichen und den Welten verfolgen – das würde mich zerreißen, danke. Loki könnte ich mir vorstellen ... Ambivalenz war schon immer ein Merkmal, mit dem ich umgehen konnte (Arroganz auch). Das ist so, als hätte man von meinem früheren christlichen Selbst verlangt, auf alle Jünger Jesu (inklusive Judas) zu schwören, oder den Gott des „Alten Testaments“ und den des „Neuen Testaments“ in einer Figur anzubeten, plus das Goldene Kalb und Mammon als Bonusgaben.

Sorry, hier fehlt mir die denkende Trennschärfe, die ich normalerweise am Heidentum liebe. Ich bin gerne Heide, unterhalte mich total gerne mit Asatru, bin gern Gast bei ihren Ritualen. Aber Treue schwören – nein, da bin ich unzufrieden mit.

Wahrscheinlich werde ich jetzt gelyncht, wenn ich zum nächsten Treffen der Asatru gehe. Vielleicht kann ich noch „germanisch interessierter Heide“ rufen, bevor der erste Flammenstrahl meinen Holzstoß trifft. Wäre ein Rechtfertigungsversuch, sogar ein ernst gemeinter. Aber das hilft mir wenig. Eine Rettung bleibt im Zitat oben:

 

Im Prinzip kann man heute davon ausgehen, dass man Asatruar geworden ist, sobald man sich selbst ehrlich sagen kann „Ich bin Asatru“.

 

Was ich mir selbst sage, braucht keiner hören. Das hört man aber auch nicht, wenn das Holz schon brennt. Mist!

Aber ich bin ja auch neugierig & suche weiter. Wir werden sehen.

 

Dein Homo Magi

 

Die Vergangenheit ist nicht tot

 

Werter Salamander,

 

dass meine Großmutter über 100 ist, habe ich schon ein paar Mal erzählt. In ihr lebt eine Vergangenheit fort, die in unserer Wahrnehmung längst vergangen ist.

Gestern war ich bei ihr. An diesem Tage war sie gesprächig, völlig klar und auch wieder einmal willig, ein paar Kommentare von sich zu geben. Also sprach ich sie auf den 75. Jahrestag der Machtübernahme (Hitler wurde am 30.01.1933 Reichskanzler) an.

Alles war da. Sie konnte sich an die vielen enttäuschten Wähler erinnern, die NSDAP gewählt hatten. Sie erinnerte sich an das Gefühl der Schande, weil sie damals bei den Millionen Wählerinnen und Wählern dabei war, die blauäugig (!) Hitler und sein Gefolge wählten. Keiner hätte vorher „Mein Kampf“ gelesen, keiner hätte sich echte Gedanken darüber gemacht, was Hitler eigentlich wollte und für was er steht. Warum auch. Die Weimarer Republik hatte viele Regierungen verschlissen, sie würde auch diesen Mann verschleißen.

Dem war nicht so.

Wir haben uns über Schuld unterhalten. Ihre Schuld, die individuelle Schuld als Teil ihrer Generation, die zu einem Tropfen im Meer der Wählerstimmen wird. Meine Großmutter hat keinen Krieg geführt und keine Juden verfolgt. Sie hat das Spielzeug und die Schulbücher ihrer jüdischen Freundin 40 Jahre lang bewahrt, bis diese lange nach dem Krieg zu Besuch in ihre Heimat zurückkehrte. Ihr Mann ist gefallen. Aus ihrer Familie sind viele gefallen – ihr geliebter Bruder zum Beispiel. Andere gerieten in Gefangenschaft oder kamen als körperliche oder emotionale Krüppel wieder.

Sie hat gehungert. Sie hat Bombardierungen erlebt, den Einmarsch der Amerikaner und die Offenlegung der Verbrechen des III. Reiches. Ihr Schwiegervater war nach dem Krieg als Richter in einer Spruchkammer – ein alter Antifaschist, der immer vor dem drohenden Schatten der Nazis gewarnt hatte, ohne dass jemand auf ihn hörte. Nach dem Krieg war er überrascht, dann erschrocken, dann erbost, weil niemand von den Nazis zugab, „Mein Kampf“ gelesen zu haben. Sie hatten nichts von der Judenverfolgung in dem kleinen Dorf mitbekommen, nichts von den Hetztiraden in den Zeitungen, nichts von den Deportationen, nichts, nichts, nichts.

Meine Großmutter meinte, sie hätten sich alle täuschen lassen. Immerhin wären alle ihrer Brüder in der SA gewesen. Da musste ich in mich hineinlachen. Meine Großcousins nährten immer die Fama vom Widerstand in der Familie, während meine Großmutter zu ihrem Fehler stand. Wenn jetzt alle meine Großonkel in der SA waren, dann wird im Rückblick einiges daran klarer, wer den Nebel der Verschleierung über die zwölf Jahre Nationalsozialismus gelegt hatte.

Die echte Welt hat zugeschlagen ... 75 Jahre sind eine lange Zeit, aber manches Mal kriegt man dann noch interessante Geschichten zu hören. Das gibt mir dann immer wieder die (nötige) Ruhe, um bestimmte Entwicklungen zwei oder sechs Wochen auszusitzen – es ist schwierig, aber ich arbeite dran. 75 Jahre will ich nicht warten, aber Geduld kann man lernen.

 

Yours, Homo Magi

 

Seelsorger zum wiederholten Male

 

Hallo Salamander,

 

leider sah ich mich erneut gezwungen, an das Regierungspräsidium samt der Gewerbeaufsicht zu schreiben, da ich noch keine Antwort auf meine „einfache Frage“ zum Thema „Seelsorge“ erhalten habe.

Hier mein Schreiben, das hoffentlich ein wenig Ärger macht und vielleicht auch Aufklärung bringt:

 

Sehr geehrte Damen und Herren,

 

leider musste ich feststellen, dass ich auf mein Schreiben vom 07.01. immer noch keine Rückmeldung von Ihnen erhalten habe.

Meine Anfrage war eine Weiterleitung auf Empfehlung der Stadtverwaltung, die mit Schreiben vom 27.12. mitgeteilt hat, dass ich mich an Sie wenden soll. Das habe ich getan und bin ein wenig verwirrt darüber, dass Sie sich überhaupt nicht gerührt haben.

Meine Anfrage bezog sich auf die Funktion bzw. den Beruf des „Seelsorgers“. Ich hatte um eine Klärung gebeten, wie ich „Seelsorger“ werden kann, ob ich dafür einen Antrag stellen muss oder ob die einfache Anmeldung als Nebenerwerb dafür langt.

 

Für eine Rückmeldung wäre ich Ihnen dankbar, da ich im Moment in dieser Frage nicht weiter weiß.

 

Wir werden sehen.

 

Dein Homo Magi

 


Kassensturz

 

Hallo Salamander,

 

vor einigen Tagen stand ich im Supermarkt. Vor mir an der Kasse ein gut angezogener Mann, vielleicht einen Tick älter als ich. Jackett, Hemd, graue Haare im straffen Scheitel, freundliches Auftreten. Auf dem Band: zwei Dosen Bier, die „Bild“, der „Spiegel“.

Ein zweiter Blick ergab, dass das Jackett sauber war, aber abgetragen, das Hemd sauber, aber ausgefranst. Ringe unter den Augen, müder Blick, abgeknabberte Fingernägel.

Ich vermute mal, dass ich eines jener vielen Opfer von Umstrukturierung, folgender Arbeitslosigkeit und tiefer Verzweiflung vor mir hatte, die man in den letzten Jahren immer häufiger sieht. Im Bus stehen sie und schauen an einem vorbei.

Es gibt mehr alte Männer und Frauen, die in Einkaufswagen Tüten mit Leergut vor sich her schieben, um den einen oder anderen Cent dazuzuverdienen. Menschen im Rentenalter räumen im Supermarkt morgens die Regale ein und schieben die Einkaufswagen zusammen. Es gibt mehr Obdachlose, mehr Bettler oder Verkäufer von Straßenzeitungen. Ich selbst war immer mal tage- oder wochenweise arbeitslos, aber nie für lange. Aber ich merke, dass mein Geld effektiv weniger wird. Ich zahle mehr Geld für die Zuzahlungen (!) bei meiner Krankenkasse – ich zahle bei der Krankengymnastik „zu“, ich zahle beim Zahnarzt „zu“, bei jedem Medikament und so weiter und so fort.

 

Was hast das mit Magie zu tun? Viel.

Die Schöpfung ist eines. Es gibt eine Energie, die alle Wesen miteinander verbindet.

Das sind Sätze, die einem sehr bekannt vorkommen sollten, stehen sie doch so oder ein wenig modifiziert in (fast) jedem Buch über Spiritualität oder Magie. Aber leben wir das auch? Selten, denn es ist schwierig, dieselbe Liebe, die wir für einen Hain, einen Windgeist oder einen magischen Stab empfinden, auf Menschen herunterzubrechen.

 

Was tun? Mal eine Straßenzeitung kaufen, weil der Verkauf geregelt ist und die Verkäufer einen bestimmten Anteil am Verkaufspreis kriegen. Spenden an Organisationen geben, mit denen man inhaltlich übereinstimmt und die sich in irgendeiner Form um Armut kümmern. Geld ist keine Energie, auch wenn ich das immer wieder in schlechten Büchern lesen muss, aber es hilft. Und natürlich kann man sich bewegen und etwas verändern. Nicht nur wählen gehen (das ja schon eine Bürgerpflicht sein soll, wenn ich manchem Politiker glauben darf – der sich an seine Pflichten aber nicht zu erinnern scheint), sondern auch aktiv irgendetwas tun. Stundenweise in einem Verein tätig sein und Menschen integrieren, die sonst daheim sitzen. Bücher ins Gefängnis spenden, im Altenheim vorlesen, jungen Menschen helfen.

 

Ach, alles fromme Wünsche. Aber diese Wünsche sind es doch, die letztendlich unser Leben mit magischer Energie befeuern, oder?

 

Dein Homo Magi

 

Seelsorge

 

Hallo Salamander,

 

inzwischen erhielt ich auch Post vom Regierungspräsidium. Mit Datum vom 25.02. heißt es hier:

 

(...) ein Schreiben vom 7.01.2008 ist mir nicht bekannt, so dass es nicht verwundert, dass Sie bisher noch keine Rückmeldung erhalten haben.

Gerne teile ich Ihnen jedoch mit, dass mir beim Regierungspräsidium eine Erlaubnispflicht für einen Seelsorger nicht bekannt ist.

Ich sehe ich [sic] mich daher auch nicht in der Lage, Ihnen mitzuteilen, welche Voraussetzungen Sie erfüllen müssen, um im seelsorgerischen Bereich tätig sein zu können. Seelsorger sind mir primär im kirchlichen Bereich bekannt, so dass ich anheim stelle sich gegebenenfalls dort entsprechend zu informieren. Die Klärung allgemeiner Rechtsfragen steht zudem Artikel 1 §§ 1 und 3 des Rechtsberatungsgesetzes entgegen. Eventuell helfen Ihnen auch eigene Recherchen im Internet oder eine Klärung durch einen Rechtsanwalt oder aber im Rahmen einer Berufsberatung weiter.

 

Also wieder zurück auf Feld 1 und einen neuen Brief aufgesetzt. Ich hätte nicht erwartet, dass die amtliche Genehmigung von religiösen Weihen mit solchen Hürden verbunden ist. Drehen wir doch etwas auf. Ich schrieb an das Regierungspräsidium:

 

Einschreiben mit Rückschein

 

Sehr geehrter Herr (...),

 

mit Schreiben vom 25.02. beantworten Sie mein Schreiben vom 19.02. Da mein Schreiben vom 07.01. bei Ihnen nicht eingetroffen ist, übersende ich Ihnen anbei erneut in Kopie mein Schreiben (...) vom 10.12., das Antwortschreiben (...) vom 27.12. mit dem Hinweis, ich möge mich wegen meiner Anfrage an Sie wenden. Mein Anschreiben vom 07.01. lege ich Ihnen erneut als Kopie bei.

In Ihrem Schreiben vom 25.02. verweisen Sie unter anderem auf die Berufsberatung (habe ich schon versucht, wie aus meinem ersten Schreiben hervorgeht), das Internet (habe ich schon versucht, wie aus ebenjenem Schreiben zu entnehmen ist) und Ihre Nichtzuständigkeit laut Rechtsberatungsgesetz. Im § 3 dieses Gesetzes heißt es eindeutig: „Durch dieses Gesetz werden nicht berührt: 1. die Rechtsberatung und Rechtsbetreuung, die von Behörden, ..., von Körperschaften des öffentlichen Rechts ... im Rahmen ihrer Zuständigkeit ausgeübt wird.“

Die Stadt (...) teilt mir mit, dass ich mich an Sie wenden soll. Sie behaupten, Sie wären nicht zuständig und verweigern die Klärung der Rechtsfragen nach dem Rechtsberatungsgesetz, obwohl Sie laut der weiterleitenden Stelle angeblich zuständig sind und laut Rechtsberatungsgesetz sehr wohl im Rahmen Ihrer Zuständigkeiten eine Aussage machen können.

Wenn Sie schon nicht zuständig sind, könnten Sie mir vielleicht bei der Frage weiterhelfen, wo ich mich mit meiner Anfrage zur Klärung des Begriffs des „Seelsorgers“ hinwenden kann.

 

Mit freundlichen Grüßen

 

Es bleibt spannend.

 

Alles Gute, Dein Homo Magi


Born again Pagan

 

Hallo Salamander,

 

zu meinem Geburtstag erhielt ich einen Button, auf dem „Born again Pagain” steht. Wow, geile Idee. Der ist jetzt krönender Abschluss meiner Pinnwand – gleich neben meinem „Elder“-Namensschild für die „Church of Odin the Redeemer“.

Vielleicht ist das auch ein Problem des modernen Heidentums: Mangelnde Bildhaftigkeit. Auf der Autobahn sehe ich sie immer auf der rechten Spur, die Wagen mit dem Fischaufkleber. Kreuze um die Hälse, Kreuze an den Wänden, Aufkleber auf Türen und Autos, Markierungen der Religion des Gottes-hochgenagelt, die man nicht übersehen kann. So als würde ein Hund sein Revier markieren, werde ich vom Christentum virtuell andauernd „angepisst“.

 

Was bleibt? Der Widerstand. Hier also meine Bestenliste von Vorschlägen, wie wir (um Franz-Josef Strauß argumentativ zu folgen) den Himmel über den Biertischen erobern können:

v     Autoaufkleber „Wenn dein Gott tot ist, nimm doch meinen – Odin lebt!“

v     T-Shirt „Ich bin gekommen, um mit ihnen über Ragnarök zu sprechen“

v     Fischähnlicher Autoaufkleber aus der Midgardschlange

v     T-Shirt „Die Geschichte der Jungfrauengeburt ist eine Geschichte voller Missverständnisse“

v     Fischähnlicher Autoaufkleber aus keltischem Ringmuster

v     Autoaufkleber „Ich bremse auch für Christen!“

v     Anstecker „Baldur rulez!“

v     T-Shirt „Pagan inside“

v     T-Shirt mit Bild „Blutender Jesus am Kreuz“, dazu ein Pfeil auf die Wundmale mit der Aufschrift „Ersatzflüssigkeit“

v     T-Shirt „Euch die Kirchen – uns die Haine“

 

Wir werden gewinnen!

 

Dein Homo Magi

 

Neues von der Seelsorger-Front

 

Hallo Salamander,

 

mit Schreiben vom 03.03. beschied mir das Regierungspräsidium folgendes:

 

(...) wie ich Ihnen bereits mittteilte, gibt es beim Regierungspräsidium (...) keine Zuständigkeit für eine etwaige Zulassung von Seelsorgern.

§ 3 des Rechtsberatungsgesetzes gestattet – wie Sie zutreffend ausführen – lediglich Auskünfte im Rahmen bestehender Zuständigkeiten.

Da es beim Regierungspräsidium keine Zuständigkeiten gibt, ist eine Rechtsberatung auch nicht zulässig. Hieran ändert selbstverständlich auch ein Schreiben der Stadt (...) nichts, da hierdurch keine zuständigkeitsbegründeten [sic![15]] Tatsachen geschaffen werden.

Ich gehe davon aus, dass Sie einige Erfahrungen im Umgang mit dem Internet haben, so dass Sie unter dem Stichwort „Seelsorger Ausbildung“ sicherlich ausführliche Informationen zu einer etwaigen Ausbildung erhalten können.

 

Also zurück zur Recherche.

 

Dein Homo Magi

 

Eherne Ketten

 

Hallo Salamander,

 

vor einigen Wochen ging meine Armbanduhr kaputt, die ich seit über 20 Jahren trage. Die Uhr läuft weiterhin, nur das gottverdammte Armband lässt sich nicht mehr enger stellen. Eine Suche im Haushalt ergab, dass es noch viele weitere Armbanduhren im Haus gibt. Aber keine davon entsprach meinen Wünschen. Entweder hatten sie ein Lederarmband (mag ich nicht), waren zum aufziehen und standen, waren zum aufziehen und liefen falsch (auch nach mehrmaliger Zeitkorrektur), sie waren zu klein, sie waren kaputt und so weiter.

Also trug ich erst einmal ein paar Tage lang keine Uhr, bis ich irgendwann mal Zeit finden würde, um in die Stadt zu gehen und das Armband reparieren zu lassen. So vergingen mehrere Tage, in denen ich ohne Uhr ganz gut klarkam. Auf der Arbeit gibt es in jedem Raum eine Uhr. Meine Auszubildenden weisen mich auch immer brav darauf hin, wenn die Doppelstunde ihrem Ende entgegen geht. Immerhin haben sie Uhren in ihren Handys.

Auf öffentlichen Plätzen gibt es Uhren. An allen Stationen des öffentlichen Nahverkehrs wie auf Bahnhöfen gibt es Uhren. In Taxis laufen Uhren, auf meinem Arbeitstisch ist eine Uhr, neben meinem Bett steht ein Wecker mit Uhr, im Bad ist eine Uhr, in der Küche ist eine Wanduhr – ich bin von Uhren umgeben.

Außerdem stellte ich fest, dass Warten leichter wird, wenn man keine Uhr hat. Wenn ich beim Arzt eine halbe Stunde sitze, dann sitze ich die mit oder ohne Uhr. Aber ohne Uhr wird mir das Warten nicht so lang, wenn ich ein gutes Buch dabei habe. Ähnliches gilt für Straßenbahnhaltestellen und Bahnhöfe. In Zügen gibt es Zettel als Zugbegleiter, auf denen drauf steht, wann man an welchem Bahnhof ankommt. Da kann man in Ruhe eine Station vor dem Ziel aufstehen und sich fertig machen. Außerdem sind auf den Bahnsteigen gut sichtbare Uhren.

Nach einigen Wochen hörte ich auf, mir einzureden, dass ich meine Uhr in die Werkstatt bringen wolle. Ich tat es nicht und werde es wohl auch nie tun, da ich mit dem momentanen Zustand der Dinge ganz zufrieden bin.

Was ich jetzt noch abwarten muss, ist der Zeitpunkt, an dem der weiße Fleck auf meinem rechten Handgelenk endlich aussieht wie die restliche Haut Drumherum. Über zwanzig Jahre Armbandtragen haben die Haut hier richtig gequetscht und ausgebleicht. Die moderne Zeit hält uns also doch mit ehernen Ketten fest – und eine Kette habe ich jetzt durchtrennt. Juchhuu.

 

Dein Homo Magi

 

P.S.: Über eine Taschenuhr am Band denke ich nach. Aber mehr wegen der Optik ...


Gehörte Lücken

 

Hallo Salamander,

 

früher war es so, dass im Radio Platten abgespielt worden sind. Dann wurden die wohl auf Bänder gezogen und von da direkt eingespeist. Es kam die CD und die Speicherung der Daten in riesigen Datenbanken beim Sender, damit das leidige Anspielen des falschen Stücks und das Nicht-Anspringen der CD ausgeschlossen werden.

 

Was soll ich sagen? In den letzten Monaten fällt mir beim Radio-Hören im Auto immer auf, dass so einmal alle paar Tage in einem Stück ein Taktschlag zu fehlen scheint. Die Musik „springt“, so als würden Stücke fehlen. Aber kein Moderator entschuldigt sich dafür, keine Erklärungen werden geliefert.

Jetzt habe ich schon an mir selbst gezweifelt. Da ich aber noch auf kein anderes Auto drauf gefahren bin und mich meine Umwelt auch noch nicht auf Aussetzer anspricht, denke ich mal, dass das vielleicht nicht an meinem eingeschränkten Geisteszustand liegt, sondern doch eher an der Darreichung durch die Sender.

Stimmt das? Bin ich das Opfer einer diabolischen Gedankenkontrolle? Setzt mein Gehirn beim Radiohören ab und an aus, während ich noch weiter normal Auto fahren kann, aber fremdartige Hinweise überspielt bekomme? Kann es sein, dass die Stücke einfach in der Übertragung fehlen? Vielleicht ergeben die fehlenden Stücke gemeinsam eine Überlieferung, die sich mir nur erschließen würde, wenn ich die Lücken sammele? Ich weiß es nicht. Noch habe ich nicht angefangen, die Lücken zu notieren und später zusammenzusetzen.

 

Kannst du mir helfen? Geht es nur mir so? Halloooooooo?

 

Dein Homo Magi

 

ADS

 

Hallo Salamander,

 

im Umgang mit nordisch-gläubigen (die sich selbst gerne Asatru oder Asatruar nennen) fällt mir immer wieder auf, dass ich ein schreckliches Kommunikationsprobleme habe.

Es ist immer dasselbe. Ich setze mich zu einem Kreis dazu und die Gespräche beginnen schnell, sich auch mit heidnischen oder magischen Themen zu beschäftigen. Da geht es nach wenigen Minuten des Beschnüffelns und Kennenlernens gleich zum Kern der Sache. Man spricht über die Herkunft des Skaldenmets, Odins Ring in der Unterwelt, das Hängen am Baum, den Kopf in der Quelle und das Pferd mit den vielen Beinen, während das Horn kreist und man ins Feuer schaut.

Immer wieder kommt er unvermeidbarer weise, jener schreckliche Moment, den ich inzwischen zu fürchten gelernt habe. Der Moment, an dem die Krankheit zuschlägt: mein ADS.

Ich fange an zu schwitzen, meine Füße werden abwechselnd heiß und kalt, meine Nase wird trocken, mein Nacken fängt zu kribbeln an und mein Bauch zieht sich zusammen, bis er eine faustgroße, eisenharte Masse ist, von der Schockwellen des Schmerzes durch meinen Unter- und Oberkörper gejagt werden, die langsam abebbend dazu führen, dass ich mir fast vor die eigenen Füße kotze.

Es hat keinen Sinn mehr. Ich kann nicht länger leugnen. Ich habe ADS: Asatru Defizit Syndrom.

 

Ich weiß, du bis jetzt schockiert. Fragst dich, wie ich überhaupt Freunde oder gar eine Partnerin finden konnte mit meinem Problem. Ich habe es halt jahrelang verheimlicht vor meiner Umwelt, immer wieder Medikamente genommen und so getan, als hätte ich kein Problem. Ich habe gelogen und mit meinen Lügen anderen Menschen weh getan. Ich kann nicht länger leugnen: Ja, ich habe das Asatru Defizit Syndrom.

Irgendwann werden Ärzte eine Kur dafür finden. Dann kann ich mich endlich beruhigt an die Feuer des Nordens setzen und mit anderen trinken. Bis dahin bleibt mir nur die Unterbringung im Hochsicherheitstrakt eines Krankenhauses und der Kontakt zum restlichen Heidentum via Bildschirm, um eine Infektion auszuschließen.

 

Mist!

 

Dein Homo Magi

 

Verbannung

 

Hallo,

 

irgendwo sitzt ein Hochgradmagier im Limbo gefangen und wartet auf meine Hilfe. So und nicht anders ist der Kopf einer E-Mail zu erklären, die ich dann doch aus dem Spam-Filter fischte, weil der Titel zu gut war:

 

Guten Tag! Bei Ihnen die neue Postkarte. Bekommen Sie nach dieser Verbannung!

 

Nach dieser (!) Verbannung. Also geht es wohl um eine Kette von Verbannungen, die immer und immer wieder als schrecklicher Fluch ... Neugierig geworden machte ich die E-Mail auf:

 

Sie haben eine virtuelle Karte erhalten!

Sie konnen die Karte innerhalb von 30 Tagen ansehen, unter der Verweisung gehend:

http://golloret.by.ru/card/54353.html

 

Ich konn (!) mir die Karte also ansehen, wenn ich die Verweisung gehe. Die Verweisung gehen. Weisheit finden. Weistümer besuchen. Weise und schön werden. Toll.

Weiter.

 

Klick der Verbindung auf oder Kopie es zur Adressbar des Internet-Browsers.

 

Die Adressbar klingt auch gut. Gibt es da wohl temperiertes Bier?

 

Der Schlusssatz hat mich dann gekickt:

 

Befreien Virtuelle Karten!

 

Jo, man. Jo. Befreien wir die virtuellen Karten (obwohl es wirtuell heißen müsste, wegen der Bar) und lernen wir mit der Verweisung die Verbannung aufheben!

 

Dein Homo Magi


Seelsorge

 

Hallo Salamander,

 

auf meiner endlosen Suche nach der Antwort auf die Frage, wie man Seelsorger wird, habe ich mir jetzt „Lebendige Seelsorge“ bestellt, die „Zeitschrift für praktisch-theologisches Handeln“ mit dem Themenheft „Projekt Seelsorge“ (Heft 1/2008).

Nein, das ist nicht, was ich suche.

 

Im Vorwort schreibt Schriftleiter Erich Garhammer: „Unsere Gesellschaft ist seiner [d.i. Bischof Dr. Joachim Wanke] Überzeugung nach ein offener Ackerboden für das Saatkorn des Evangeliums.“[16] In seiner Einführung spricht Wanke auch über die Aufgabe „Auskunftsfähige Kirche [zu] werden“.

Rainer Bucher liefert „Dein Projekt liebt Dich“, ein Krankenbesuchsprojekt wird mit „We care 4 you!“ vorgestellt und „Der Liedberger Totentanz“ ist ein „Musicalprojekt“: „Den Schwung des Totentanzes nutzten wir für einen Jugendgottesdienst (...). Die Jugendlichen fanden sich – nach ihren eigenen Aussagen – in dem Gottesdienst gut wieder.“[17]

Im „Projekt BlindDate“ durfte man das Markus-Evangelium in Blindenschrift lesen, am Altar Brot und Trauben kosten, die Füße der Madonna betasten, salbölgetränkte Watte riechen etc. Die „Klösterliche Auszeit“ ist „für Menschen mit und ohne Behinderung“, Kinder führen unter dem Titel „Fest soll der Taufstein immer stehen ...“ durch eine Kirche, unter dem Motto „Hören ,was der Geist den Gemeinden sagt“ arbeiten Ehrenamtliche in der Pfarrleitung mit, St. Maria hat mit „pace e bene“ endlich ein neues Liederbuch, „Kunst und Liturgie im Dialog“ finden sich in der „Missa Colorata“, im „Elsenfelder Dialog“ ziehen „politische, muslimische und christliche Gemeinden“ an „einem Strang“ (das steht da wirklich – und es ist nicht der Galgen gemeint!) und wem das alles nicht langt, der wird vom Abschlussartikel begeistert sein. „Inspiration durch Transpiration“ – „Jogging-Exerzitien in der Fastenzeit“.

Wenn man auf dem Backcover jetzt noch die Werbung für jugend@gott findet, dann weiß man, dass dieses Heft total trendy ist, man damit viele hippe Jugendliche in die coole Kirche schleppen kann und wenig Spaß dabei haben wird, dass für Heiden umzusetzen.

 

Obwohl?

Blind einen heiligen Hain erkunden, Behinderte einbinden, mit Kindern und Jugendlichen arbeiten und singen, ein Liederbuch erstellen, Kunst und Farben benutzen, mit anderen Gruppen diskutieren und gemeinsam schwitzen – das klingt doch nicht doof, oder?

Vielleicht ist es wirklich nur die Verpackung, die mich abschreckt.

 

Dein Homo Magi

 

Neue Fabeltiere

 

Hallo Salamander,

 

vor einigen Tagen habe ich meine greise Großmutter im Pflegeheim besucht. Sie wohnt weiterhin prinzipiell bei meiner Mutter, aber da meine Mutter im Moment bei meiner Schwester in Südafrika weilt, haben wir meine Großmutter in das Pflegeheim verlagert.

Dort erscheint sie mir gut aufgehoben. Sie muss zwar jetzt erkennen, dass die Pflege, die meine Mutter ihr angedeihen lässt, viel besser ist als jene im Pflegeheim. Aber das war uns vorher klar. Auf der anderen Seite brauche ich mir keine Sorgen machen, weil das Pflegeheim einen sehr guten Ruf hat und auch meine Besuche dort mit den Eindruck vermittelt haben, dass das Heim sehr gut geführt wird.

Also war ich meine Oma besuchen. Ich unterhielt mich eine halbe Stunde mit ihr, erhielt von meiner (dieses Mal geistig sehr präsenten) Großmutter unaufgefordert einen Vortrag über meine Exfreundinnen gehalten (braucht man ganz dringend am Mittwoch vor dem Frühstück) und unterhielt mich auch über ihre Besucher.

Oma war mit dem Besucherrhythmus eigentlich zufrieden. Nachbarinnen, Nichten und Großnichten gaben sich mehr oder weniger die Klinke in die Hand, was dazu führte, dass meine Oma nie alleine war. Aber die Besucher brachten – wohl auch wegen der Osterzeit – alle Schokolade mit. Das Zeug darf meine Oma wenn überhaupt nur in kleinen Mengen essen, von daher musste ich eingreifen und bot ihr an, die Schokolade mitzunehmen. Ich hatte ihr meine Schüler als Zielgruppe für die zwei Tafeln in meinem Blickfeld vorgeschlagen. Sie war einverstanden.

Dann begann das Einsammeln der Schokolade. Es fand sich welche auf dem Nachttisch, auf dem Tisch, auf dem Beistelltisch, unter dem Beistelltisch, auf dem Stuhl, im Nachttisch ... als ich ging, hatte ich unter einem Arm eine Stapel Süßigkeiten. So stolzierte ich an den frühstückenden Alten vorbei, die im beginnenden Frühlingssonnenschein draußen saßen und genüsslich Kaffee tranken.

Ich nehme mal an, dass die nach meinem Abgang sofort in ihre Zimmer gestürzt sind, um herauszufinden, ob ich aus allen Zimmern des Flügels alle Schokolade gestohlen habe, während sie beim frühstücken waren. Zumindest kündeten ihre Blicke davon.

Aber natürlich fehlte keine Schokolade, weil ich hatte doch nur die Schokoladensammlung meiner Großmutter aufgelöst. Also glauben sie jetzt an das Gegenteil: einen langhaarigen Mann, der durch die Zimmer geht, und Schokolade verteilt. In Zimmern, wo er Schokolade findet, hinterlässt er keine und enteilt ins nächste Altenheim, um dort weiter zu spenden.

Da die alle auf ihren Zimmern Schokolade hatten (sonst wären die panikartigen Blicke unerklärlich, als sie mich gehen sahen), gehe ich davon aus, dass sie jetzt ganz traurig sind und das „Schokolanghaar“ in ihre Legenden am Frühstückstisch aufnehmen.

Schön.

 

Dein Homo Magi

 

Für Freunde des öffentlichen Personennahverkehrs

 

Werter Salamander,

 

im Februar erhielt ich mal wieder eine Rechnung der Deutschen Bahn Fernverkehr AG über meine Bahncard. Der beeindruckende Slogan war „Ihre Lizenz zum Sparen: die BahnCard 50“. Dazu kommen Angebote für das Sammeln von Punkten, für den Erwerb einer zweiten Bahncard zum halben Preis für meine Frau und natürlich der übliche Rabatt bei der Nutzung der Bahn. Das ich auf dem Foto aussehe wie Hund interessiert keine Sau, das übernehmen die einfach jedes Jahr aus dem alten Antrag von vor x Jahren und verwenden es einfach immer weiter.

Anbei befand sich eine Rechnung über 220 Euro – ein Jahr BahnCard plus Umsatzsteuer, alles zahlbar innerhalb von 30 Tagen.

Mist, das Ding hatte ich doch gekündigt – aber natürlich ist weit und breit in der Wohnung kein Einlieferungsbeleg zu finden, so dass ich das nicht nachweisen kann. Was tun? Einen Moment lang habe ich überlegt, dann habe ich beherzt zu den Tasten gegriffen:


Sehr geehrte Damen und Herren,

 

offensichtlich ist meine Kündigung der BahnCard bei Ihnen verschollen. Anders kann ich mir die Zusendung einer aktuellen BahnCard nicht erklären (...).

Wie auch immer. Ich rauche. Ich rauche gerne. Ich rauche gerne im Zug. Letzteres geht nicht mehr. Ich gehe also davon aus, dass Sie einseitig aus welchen Gründen auch immer die Vereinbarung zwischen Bahn und mir geändert haben, weil ich jetzt nicht mehr im Zug rauchen darf. Also fahre ich einfach keinen Zug mehr und rauche brav im Auto. Daher brauche ich auch keine BahnCard, so einfach ist das.

Anbei übersende ich Ihnen daher meine BahnCard für 2008/2009 samt Anschreiben.

 

Das ist jetzt fast drei Monate mehr und ich habe nie mehr von denen gehört. Scheinbar haben sie meine Argumentation gefressen ... Manchmal macht Rauchen nicht krank, sondern hilft Geld sparen.

 

Dein Homo Magi

 

Seelsorger.de

 

Hallo Salamander,

 

man versucht ja auch, sich im Internet über seine Interessengebiete kundig zu machen. So stieß ich auf die Seite Seelsorger.de.

Ich sage es gleich: Das ist keine echte Domain mit Inhalten, sondern ein Fake, der zum Verkauf steht. Ich habe sogar versucht, die Seite für 60 Euro zu kaufen – aber auf mein Kaufangebot nie eine Reaktion erhalten.

 

Jetzt kann man immerhin weiterhin behaupten, dass es im Internet eine Seite über Seelsorge gibt, bei der es um shoppen geht – „Auf Seelsorger.de finden Sie Informationen zum Thema shopping. Nutzen Sie unsere Links oder geben Sie Ihren Begriff in die Suche ein.“ Die gezeigte Link-Liste sieht dann folgendermaßen aus:

  • Kirche jesus gott
  • Marketing
  • Anwälte
  • Versicherungen
  • Shopping
  • Online-Marketing
  • Wirtschaft
  • Kredite
  • Immobilien
  • Handwerk
  • Suche

Ich habe versucht, mir eine einzige Zielgruppe für diese unterschiedlichen Begriffe vorzustellen. Aber ich scheiterte schon daran, dass ich mir über „Kirche jesus gott“ immer wieder Gedanken machte, um zu erfahren, was man suchen will, um diese Kriterien gemeinsam einzugeben.

Auch die verlinkten Themen sind köstlich. Neben der „Christlichen Single-Seite“ („Wer Jesus googlet, sucht einen christlichen Partner?“) finden sich „Wie ein Rosenkranz“ (leider nicht die deutsche Version von Madonnas „Like a virgin“, sondern „Die Medaille der Jungfrau Hilft Dir Sofort Kostenlos bestellen!“ – mit exakt dieser Schreibweise, die immerhin beweist, dass die Medaille nicht gegen Rechtschreibschwäche hilft oder dass die Medaille nur dabei hilft, kostenlose Bestellungen aufzugeben).

Mein Ausdruck der Homepage vom April enthält auch noch den Link „Kindergottesdienst“ – „Vier Entwürfe für die Adventszeit“ samt dem Verweis auf www.weltweit-wichteln-de. Ich werde hier doch verarscht, oder?

Wahrscheinlich haben militante Wichtel diese Seite unterwandert, um mich von meinem wahren Ziel (der Lösung der Frage, was ein Seelsorger ist) abzubringen. Das schaffen sie nicht!!!

 

Dein Homo Magi

 

Erneute Seelsorger

 

Hallo Salamander,

 

unter www.jurblog.de[18] fand ich am 20.04.2008 folgenden (von mir gekürzten) Eintrag:

 

Das neue BKA-Gesetz regelt neben zahlreichen Neuerungen und Grundrechtseinschränkungen auch, wer künftig abgehört werden darf und wer nicht. Ein großer und berechtigter Kritikpunkt in diesem Zusammenhang ist sicherlich die Ungleichbehandlung von muslimischen Geistlichen (Imamen). Während Geistliche christlicher Kirchen und der sonstigen staatlich anerkannten öffentlich-rechtlichen Religionsgemeinschaften nicht abgehört werden dürfen, sollen nach dem Willen der Gesetzgeber Imame von dieser Privilegierung ausgeschlossen werden.

 

Anmerkung: Damit sind natürlich auch Heiden raus ... Weiter:

 

Der SPD-Innenexperte Dieter Wiefelspütz begründet diese Ungleichbehandlung laut Spiegel Online folgendermaßen: „Nicht jeder, der behauptet Geistlicher zu sein, ist auch rechtlich einer“. Auch CDU-Innenexperte Wolfgang Bosbach verteidigte die Pläne der Regierung laut einer Meldung von Reuters Deutschland ähnlich: „Es genießt nicht jeder Schutz, der sich als Geistlicher bezeichnet“. Diesen arroganten Begründungen liegen folgende Hintergründe zugrunde: Das neue BKA-Gesetz ist (...) dem vergleichbaren § 53 Abs. 1 Nr. 1 StPO nachgebildet. Ein Gesetz, dass alt und eingesessen ist und dem Gesetzgeber die offensichtliche Ungleichbehandlung erleichtert.

 

Als Service hier den Gesetzestext:

 

1. Zur Verweigerung des Zeugnisses sind ferner berechtigt

1. Geistliche über das, was ihnen in ihrer Eigenschaft als Seelsorger anvertraut worden oder bekanntgeworden ist.

 

So wurden bei der Einführung der akustischen Wohnraumüberwachung (großer Lauschangriff) unter anderem die Räume von Geistlichen in Anlehnung an § 53 Abs. 1 Nr. 1 StPO für tabu erklärt, die der Imame nicht. Ende letzten Jahres wurde dieser Schutz in Anlehnung an § 53 Abs. 1 Nr. 1 StPO auf Telefongespräche erstreckt, die der Imame nicht. Und auch beim novellierten BKA-Gesetz ist nun ein Schutz für Geistliche ebenfalls in Anlehnung an § 53 Abs. 1 Nr. 1 StPO vor Anti-Terror-Lausch-Aktionen vorgesehen, für Imame nicht. Anscheinend sind vor dem Gesetz alle Menschen gleicher als Muslime. Wie so etwas sein kann, wurde vor über 50 Jahren festgelegt.

Obwohl § 53 Abs. 1 Nr. 1 StPO im Grunde ganz neutral formuliert ist (...) bewirkt es ungleiche Folgen. Wer als Geistlicher im Sinne des Gesetzes angesehen wird, bestimmt ein Urteil des Bundesgerichtshofs von 1953. Damals wurde festgestellt, dass die Prediger der Zeugen Jehovas keine „Geistlichen im Sinne der Strafprozessordnung” sind, weil diese damals noch nicht den Status als öffentlich-rechtliche Körperschaft erhalten haben.

In der Literatur schließt man sich der Rechtsprechung des BGH meist unkritisch an. Gemeint seien „nur Geistliche der christlichen Kirchen und der sonstigen staatlich anerkannten öffentlich-rechtlichen Religionsgemeinschaften“, heißt es beispielsweise im Standardkommentar des Juristen Lutz Meyer-Goßner zur Strafprozessordnung. Lediglich ein kleiner Hinweis in Klammern lässt erkennen, dass es auch gegenteilige Ansichten dazu gibt. Teilweise wird dabei eine weite Auslegung vertreten (...), nach der auch muslimische Geistliche zum privilegierten Personenkreis gehören können. Auch forderte beispielsweise der Deutsche Juristentag, dass das Zeugnisverweigerungsrecht auf Geistliche aller Religionsgemeinschaften erstreckt werden sollte.

 

Anmerkung: Das wäre doch mal eine schöne Entwicklung!

 

In diesem Zusammenhang überrascht sehr, dass ausgerechnet Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble sich der Mindermeinung anschließt aber dennoch ein Gesetz vorbereitet, dass Imame benachteiligt. In einem Interview vom 20. Januar 2008 mit „Die Welt” sagt er noch auf die Frage, ob er auch Pfarrer abhören wolle: „Ich habe noch nichts entschieden. Auf Fachebene wird in der Tat auch mit dem Justizministerium abgestimmt, ob es unter engen Voraussetzungen wie der unmittelbaren Gefahr für Leib und Leben die Möglichkeit zur Überwachung von Personen geben soll, die ein Zeugnisverweigerungsrecht haben. Das sind übrigens nicht nur Pfarrer, sondern auch Imame.”

Ob er das heute noch einmal so wiederholen würde, kann dahingestellt bleiben. Dem Gesetz haftet eine über 50 Jahre alte Entscheidung an, die so lange Bestand haben wird, bis das Thema erneut dem Gericht vorgelegt und hoffentlich verworfen wird. So lange werden Gespräche, die mit muslimischen Geistlichen in ihrer Eigenschaft als Seelsorger geführt werden, ungeschützt bleiben, während ein Vier-Augen-Gespräch zwischen einem Christen oder Juden mit einem Pfarrer oder Rabbiner geheim bleiben wird.

Nicht unberücksichtigt dürfen in diesem Zusammenhang selbstverständlich auch die Auswirkungen des Gesetzes auf die in Deutschland lebenden drei Millionen Muslime bleiben, die künftig vor dem Gespräch mit dem voll ausgebildeten Imam ihres Vertrauens hoffen und beten müssen, dass nicht gerade er überwacht oder abgehört wird, während sein christlicher Nachbar in der nur wenige Meter entfernten Kirche seelenruhig darauf vertrauen kann, dass sein Gespräch unter vier Augen bleiben wird, auch wenn er lediglich mit einem hauptamtlich tätigen Laientheologen spricht (...).

Daher fühlen sich Vertreter muslimischer Verbände in Deutschland zu Recht betrogen und reden von Geistlichen zweiter Klasse oder staatlicher Diskriminierung. Mehr aber als nach der Ungleichbehandlung von Angehörigen einzelner Religionsgemeinschaften ist nach etwas Grundsätzlicherem zu fragen: Wie weit soll „Die Lidlisierung des Rechts” – wie Heribert Prantl feststellt – noch gehen?

Kann ein Rechtsstaat auf Dauer überleben, wenn die Legislative seine Arbeit nur noch an den äußersten Grenzen des verfassungsrechtlich Machbaren orientiert, in der Hoffnung, vielleicht und mit viel Glück bei der nächsten Sitzung vor der Judikative durchzukommen? Gäbe es Erziehungscamps und Warnarrest für Serienverfassungsbrüche, so müssten einige für eine lange Zeit weggesperrt werden.

 

Wow!

 

Es ist schon fast tragisch zuzusehen, wie in einem Rechtsstaat, dass für sich in Anspruch nimmt, Musterbeispiel zu sein und für viele Länder – immer noch und zu Recht – tatsächlich Vorbild ist, die Judikative die Verfassung im Namen des Volkes vor der Legislative beschützen muss während dieser vorgibt, es vom Volk zu beschützen, von der alle Staatsgewalt ausgehen soll. Beim neuen BKA-Gesetz geht es um nichts anderes als die Beschneidung und Einschränkung weiterer verfassungsrechtlich garantierter Grundrechte, die auch als Abwehrrechte des Bürgers gegen den Staat bezeichnet werden und nicht ohne Grund so sind, wie sie sind.

 

Also scheine ich mit meiner Heiden-Seelsorger-Frage gar nicht so weit vom „mainstream“ entfernt zu sein, wie ich vermutete ..

 

Dein Homo Magi

 

Innere Ordnung

 

Hallo Salamander,

 

in der Zeitung lag eine Werbung bei, dass ein neues System namens „Aqua blue“ meinem Trinkwasser „wieder seine innere Ordnung zurück“ geben würde. Erst habe ich das Ding überflogen, in einem zweiten Anlauf dann aber komplett durchgelesen und festgestellt, dass das hier eine Parodie sein MUSS.

Warum?

 

1. Die „Eiskristalle nach Dr. M. Emoto zeigen die positive Wirkung“.

Wie bitte? Eiskristalle nach Dr. Emoto? Ist das ein Freund von Mr. Roboto? Die Bildunterschrift ist eindeutig: „Druck oder Verschmutzung zerstören die geordnete Molekularstruktur des Wassers. Sichtbar wird dies am Beispiel von Eiskristallen.“ Wow. Bei Eiskristallen kann man die Moleküle sehen, wenn man nur genau hinschaut, oder?

 

2. Das nächste Bild samt Unterschrift: „Die Eiskristallformen sind deutlich ausgeprägt und denen von reinem Quellwasser ähnlich.“ Quellwasser besteht aus Eiskristallen? Daher ist es so kalt.

 

3. Wasser hat eine „innere Ordnung“ und „innere Qualität“. Innen, nicht außen.

 

4. Die Postkarte zum Zurücksenden enthält dann den Hinweis „Ja, ich möchte genauere Informationen über natürliches Wasser.“ Weil das Wasser in der Leitung UNNATÜRLICH ist, wahrscheinlich von außerirdischen Wissenschaftlern in Kavernen unter dem Mond hergestellt und hierher gebeamt. Grmbl.

 

Aber ich bin nicht die Zielgruppe, denn das einzuholenden Wasserangebot geht später an „Wohnung“, „Einfamilienhaus“, „Mehrfamilienhaus“, „Gewerbebetrieb“, „Hotel“ oder „Swimmingpool“. Ich warte auf das Werbeschild: „Unser Swimmingpool hat natürliches Wasser samt innerer Ordnung.“

 

Das MUSS eine Parodie sein. Bitte.

 

Dein Homo Magi

 

Afrika 1 – Gedachte Grenzen

 

Hallo Salamander,

 

ich war jetzt zwei Wochen in Südafrika. Mir sind einige Dinge dort aufgefallen, die ich in den nächsten Tagen und Wochen sicherlich zu Papier bringen werde, damit Du auch weißt, was in meinem Kopf so vorgeht.

 

Eine Idee hatte ich beim Nachdenken über die Grenzen der Kontinente. Natürlich – Afrika. Ein anderer Kontinent als Europa, eine andere Welt, andere Kulturen. Überall sieht man Anhänger und Shirts mit dem Umriss des Kontinents darauf. „Afrika“ ist fast schon ein Schlagwort (wie sagte unser freundlicher Grill-Gastgeber immer abends belustigt? „Another shitty day in Africa!“).

Aber sind die Kontinente nicht – ähnlich wie die Jahrhundertgrenzen – gedachte Grenzen, reine Markierungen in unserem Denken, die uns Trennendes wahrnehmen lassen, statt Verbindendes stehen zu lassen?

„Das Jahrhundert der Entdeckungen“, „Das Jahrhundert der Industrialisierung“, „Das Jahrhundert des Computers“ – das sind doch alles Grenzen, die als gedankliche Eselsbrücken gedacht sind, nicht dazu geeignet, wirklich Informationen zu vermitteln.

„Afrika – der dunkle Kontinent“.

Australien sind die Ureinwohner, rote Felsen und Kängurus.

Asiaten haben Schlitzaugen, schöne Tempel und Dschungel.

Europa ist der Kontinent der Antike, der Weißen und der Kolonialimperien.

Amerika ist die „neue Welt“ und so weiter.

Mentale Grenzen. Mehr nicht.

Man kann von Afrika aus zum nächsten Kontinent laufen. Mit einem einfachen Boot kommt man – wie immer wieder anschaulich bewiesen wurde – um die Welt und von Kontinent zu Kontinent. In weniger als einem Tag bin ich mit dem Flugzeug von Europa aus auf jedem Kontinent meiner Wahl.

Afrika ist ein Kontinent, das ist richtig. Irgendwann hingen alle Kontinente zusammen – aber dankenswerterweise gab es da noch keine Menschen, sonst gäbe es echt Begriffsschwierigkeiten mit dem Wort „Kontinente“, oder?

 

Wir trennen die Welt und die Geschichte (wie viele andere Dinge auch) an begrifflichen Grenzen. Doch was vielleicht mal als Erinnerungsstütze anfing, ist jetzt Mittel zur Kategorisierung und Vereinfachung. Wir haben das hoffentlich nicht mehr nötig.

 

Dein Homo Magi

 

Afrika 2 – Nightflight to Africa

 

Hallo Salamander,

 

unser Flug nach Südafrika war ein Nachtflug. Ich weiß nicht, ob es überhaupt Tagflüge „darunter“ gibt. Aber der Nachtflug hat halt die üblichen Nachteile, die man bei einem solchen Flug erwarten darf. Schlafprobleme, weil man in den Stuhl weder sitzen noch liegen kann. Dafür hat man andauernd das Fach vor den Knien an den Knien und die Rückenlehne des Vordermanns am Bein, während die Füße unter dem Vordersitz von den Schuhen oder den Füßen des Vordermanns belagert werden.

Das Essen ist grottig, irgendeiner ist nachts immer wach und liest (mit störendem Licht) oder schaut auf seinem Bildschirm flackernd irgendwelche obskuren Filme (samt störendem Licht und ablenkenden Bildern). Von Geräuschen oder Gerüchen möchte ich überhaupt nicht reden. Oder von der Schlange vor der Bordtoilette oder von dem Geräusch, wenn der Inhalt der Toilette hinaus gezogen wird (um dann nach zehn Kilometern Fall im Vorgarten irgendeines armen Farmers zu landen ...).

 

Aber.

Es gibt Dinge, die einen mit dem Nachtflug versöhnen. So zum Beispiel, wenn man nachts in zehn Kilometer Höhe aus dem Fenster schaut und unter sich ein Gewitter in den Wolken sieht. Das macht einem keine Angst, weil man nicht darüber nachdenkt, was das heißt, dass man sich nicht unweit (wenn auch über) einem Gewitter befindet.

 

Die Farben. Die Lichteffekte.

Die Wolken glühen, als würde auf einer nebligen Lichtung ein helles orangenfarbenes Licht entzündet, das den Nebel durchdringt, ihn zum leuchten, wabern und glühen bringt. Die Blitze schlagen nicht sofort zum Boden hin zu, sie zucken erst in einem irren Zickzack durch die Wolke, bevor sie in einer Kaskade aus kleinen Lichtexplosionen nach unten verschwinden.

 

Man ist dann irgendwann dankbar, dass man nicht durchgeflogen ist. Aber man ist dann auch dankbar für dieses Schauspiel.

 

Pure Zauberei. Wunder der Schöpfung.

Wow.

 

Dein Homo Magi

 

Afrika 3 – Kaffee mit Jesus

 

Hallo Salamander,

 

dass die Südafrikaner eine eigenartige Einstellung zur christlichen Religion haben, das war mir schon aus der Reiseliteratur bekannt. Das vor Ort jedes Kaff seine eigene Kirche hat, war mir auch klar. Unklar war mir, dass im Radius von 50 km um einen beliebigen kleinen Ort wahrscheinlich 30 christliche Gemeinden existieren, die 25 unterschiedlichen christlichen Splittergruppen angehören.

Wahrscheinlich sind es in Wirklichkeit auch 30 unterschiedliche Gruppen bei 30 Kirchen in diesem Radius, aber da ich kein Xhosa oder Zulu spreche, konnte ich nicht alle Schilder an den Kirchen wirklich vollständig entziffern.

 

Als wir mit der Familie meiner Schwester irgendwo im Nirgendwo unterwegs waren, fanden wir auch ein Schild „J.C.’s Diner“. Ich hatte schon im Auto gelästert, dass der Laden wahrscheinlich Jesus Christus gehört. Ich hatte recht.

Der Diner ist vom Montag bis Samstag ein Diner, sonntags wird der ein Kirchenraum für die Versammlungen. Im Vorraum konnte man sehr schön Kleinigkeiten einkaufen, so von christlichen Lehrbüchern und christlichen Kassetten über einheimischen Schmuck und Kleinigkeiten. Im Hinterraum – der sehr modern eingerichtet war – konnte man dann sehr gut essen und in netter Atmosphäre einen Kaffee, ein blutiges Steak, Bratkartoffeln und Fruchtsäfte konsumieren.

Auf der Speisekarte stand ein Text, der einen darüber informierte, dass dieser Diner sich Jesus Christus verpflichtet fühlte, der hier wahrscheinlich aber überrascht wäre, wenn er erführe, dass er auch ein Cafe in Südafrika führt. Die Welt ist voller Überraschungen.

 

Ich bin mir jetzt nicht sicher, ob ich in Skandinavien „Odins Restaurant“ finden würde. In Deutschland ist das aber für Heiden noch eine Marktlücke, die ihren Glauben und einen vernünftigen Beruf leben können, wenn sie an einer Autobahn oder eine Bundesstraße „Friggas French Fries“ oder „McCeltoi“ aufmachen. Geht alles.

Und da Delling ein Gott ist, der mit Butter eng verbunden ist, könnte ich mich auch aufraffen, mit Dellings Butterküchlein ins Geschäft einzusteigen. Aber noch sind wir nicht so weit ...

 

Dein Homo Magi

 

Afrika 4 – Im Reservat

 

Hallo Salamander,

 

natürlich waren wir auch in einem Reservat. 5000 Hektar Fläche[19] mit einer kleinen Hütte in der Mitte, die WC, Dusche und genügend Betten für uns hatte. Ringsherum: Landschaft. Wilde Tiere. Die Gefahr, dass ein Nashorn beim Grillen vorbeikommt und die Möglichkeit, mit dem Auto eine Fahrt durch das Reservat zu unternehmen, wo man dann unter anderem Zebras und Nashörner sehen kann.

 

Darüber wollte ich aber gar nicht schreiben. Am Eingang war ein Schild zu lesen, das ich mir abgeschrieben habe, weil es mich so begeistert hat:

 

Take only photographs.

Leave only footprints.

Kill only time.

 

Manchmal wünsche ich mir seitdem, dass magisch Reisende in anderen Welten – oder deren Reiseführer – so vorsichtig wären, wie es in dem Reservat in Südafrika verlangt wird.

 

Dein Homo Magi

 

Afrika 5 – Kein Gandalf

 

Hallo Salamander,

 

dadurch, dass wir fast 24 Stunden unterwegs waren, fiel im Flugzeug natürlich auch eine Rasur aus. Mein Bartwuchs war noch nie so toll, dass ich mich darauf eingelassen hätte, mir einen Bart stehen zu lassen. Aber in Afrika kannte ich wenige Menschen, die etwas über meinen Bart (der Nicht-Bart) hätten sagen können, von daher ging ich das Risiko ein.

Ich hätte es besser gelassen. Obwohl ich nur ein paar graue Haare auf dem Kopf habe (na ja, immerhin habe ich noch Haare), wurde mein Bart zur Hälfte eisgrau. Nun gut, ich bin über 40, von daher gehört das zu den Risiken, die man mit dem Altern in Kauf nimmt.

Wenig vorbereitet war ich aber darauf, dass mein Bartwuchs in den letzten fast 30 Jahren nicht zu-, sondern eher abgenommen hat.

Auf meiner rechten Wange ist ein etwa fünf Zentimeter breiter Streifen, auf dem nichts wächst. Null. Nada. Nothing. Über den restlichen Bartwuchs sollten wir lieber den Mantel des Schweigens legen, weil der ist auch nicht gerade legendär oder der Erwähnung wert. Genug zu sagen, dass da Haare wachsen, aber ein Bart wird das nicht (es sieht eine Woche lang so aus, als hätte ich mich 24 Stunden nicht rasiert, dann habe ich das Experiment voller Selbstzweifel abgebrochen).

Wie soll ich denn jetzt ohne Bart jemals den alternden Magier geben? Soll ich mir einen ankleben? Soll ich mir einen malen? Soll ich mir einen tätowieren lassen? Alle hatten doch einen Bart – Merlin und Gandalf und wie sie alle heißen sahen aus, als wüssten sie nicht einmal, wie man Rasierschaum schreibt (von Moses ganz zu schweigen, der nicht nur als Charlton Heston aussieht, als wäre er das absolute Gegenstück zu einer Gilette-Werbung).

Ich bin blamiert.

Obwohl. Ich könnte doch einfach behaupten, dass das die perfekte Tarnung wäre. Auch Crowley hat auf den meisten Fotos wenige Haare am Kopf (egal an welcher Seite), und die Glatzen-Option halten sowohl das Altern als auch mein Rasiermesser weiterhin für mich zur Verfügung.

Das Experiment des „Gandalf-look-a-like“ ist in Südafrika also heroisch gescheitert, aber man muss halt neue Rollenbilder schaffen, wenn die alten für einen nicht funktionieren. Genau. Das wollte ich ja eigentlich von Anfang an, mich selbst definieren. Scheißbart.

 

Dein Homo Magi

 

Afrika 6 – Keine Muttersprache

 

Hallo Salamander,

 

in Afrika durfte ich Menschen kennen lernen, die keine Muttersprache haben. Ist kein Witz.

 

Wir haben in Afrika mit einigen Menschen gesprochen, die als Weiße in Südafrika groß geworden sind. Sie können sich auf Englisch, Deutsch, Afrikaans und Zulu verständlich machen. Aber sie sprechen keine dieser Sprachen fließend. Meine Schwester bezeichnete sie richtig als „Menschen ohne Muttersprache“.

Das erinnert ein wenig an „Neger ohne Seelen“ aus „Kentucky Fried Movie“. Aber es ist – so tragisch es auch ist – wahr. Aufgewachsen in einem Land vieler Kulturen sind sie oft in der vierten oder fünften Generation deutschstämmig, ihr Dialekt ist oft noch von der Herkunftsregion ihrer Vorfahren geprägt. Aber der Wortschatz ist eingefroren, irgendwo im 19. Jahrhundert stehen geblieben.

Ich habe einige von ihnen gefragt, in welcher Sprache sie träumen – in jeder. Aber sie können sich auf Deutsch und Englisch (hier kann ich es beurteilen) nicht flüssig verständlich machen. Es reicht für eine Unterhaltung, es reicht auch – mit Nachfragen und einer gedanklichen Übersetzung ins Englische, um manche Wendungen zu verstehen – für eine Diskussion. Aber bei tiefergehenden Themen versagt die Kommunikation.


Es ist erschreckend. Auf einmal ist man dankbar für die eigene Sprache, ist dankbar für das, was einem die eigene Kultur an Literatur, an Liedtexten und Gesprächen mitgegeben hat. Der Reichtum der eigenen Sprache wird auf einmal zu einem Schatz, den man hüten und bewahren möchte.

Eigenartig.

Nach einigem Nachdenken wird einem aber auch klar, dass man eine fremde Kultur nie verstehen wird, ohne ihre Sprache zu verstehen. Jede Übersetzung muss verlieren, schon gar wenn sie vom Verfassenden um Jahrhunderte getrennt ist. Das macht einen dann schon irgendwie nachdenklich.

Aber ich habe eine Muttersprache. Ich bin immer noch kein Nationalist, immer noch kein überzeugter Deutscher. Aber ich bin dankbar dafür, diese Sprache fließend zu sprechen – und in ihr zu träumen.

 

Dein Homo Magi

 

Afrika 7 – Zebra-Schuhe

 

Hallo Salamander,

 

natürlich waren wir in Südafrika auch „shoppen“. In einem Schuhgeschäft fand ich ein paar Schuhe mit Zebramuster. Sie waren stark herabgesetzt und passten mir auf Anhieb. Ich gebe zu: Ich hatte mich gleich in sie verliebt. Aber ein zweiter Blick ergab auch, dass es sich offensichtlich wirklich um Zebrahaut handelte. Und mit diesen Schuhen wäre ich bei jeder Zollkontrolle raus gezerrt und von den Zöllnern verprügelt worden.

Zu Recht.

 

Die Verkäuferin sah meine nachdenkliche Miene, schaute auf mich, schaute auf die Schuhe und sagte dann: „You will have no problems with customs. These shoes are made from Brazilian Zebra.“

 

Ich habe sie gekauft. Dankbar über meine Selbstbeherrschung, im Laden nicht vor Lachen zusammengebrochen zu sein, habe ich sie gekauft.

Und ich habe sie auch durch den Zoll bekommen. Ich bin einfach durch den „Nichts zu verzollen“-Gang gelaufen und mein Koffer wurde nicht geöffnet. Ich weiß aber nicht wirklich, ob die Chuzpe gehabt hätte, dem Zöllner zu erzählen, dass die Schuhe kein Problem seien, denn es wäre brasilianisches Zebra. Und das brasilianische Zebra ist wirklich nicht vom Aussterben bedroht – so wenig wie das europäische Känguru und der Grönland-Elefant.

 

Glück gehabt! Mein privater Dank an die Globalisierung …

 

Dein Homo Magi

 

Sommerlich

 

Hallo Salamander,

 

die Welt ist momentan so schön sonnig, dass ich fast vergessen könnte, dir zu schreiben. Es ist angenehm, diesen Teil des Jahreskreises erreicht zu haben.


Das Leben ist für mich eine Wassermühle, deren Rad Jahr für Jahr einen Kreis beschreibt. Manchmal ist man unten, es ist kalt und nass und man möchte nur noch raus. Manchmal ist man oben, kann in den weiten Rund der Landschaft blicken und freut sich darüber, dass es trocken und warm ist. Manchmal ist man aber auch auf dem Weg nach oben zum Sonnenhoch oder hinab in die Kälte und Nässe. Trotzdem weiß man, dass man schon einige Runden hinter sich gebracht hat und mit ein wenig Glück noch viele Runden vor einem stehen.

Die Mühle ist ein schönes Bild, weil sie auch Bodenständigkeit, einen massiven Bau und einen Rhythmus vorschreibt, der sich durch das Jahr zieht.

So ist mit meinem Leben auch. Ich versuche, die Jahreszeiten wahrzunehmen (wahr zu nehmen), so wie sie kommen. Ich bin kein Mensch, der im Winter schnell mal auf warme Inseln jettet, um dem kalten Winter zu entgehen. Im Winter trage ich einen hochgeschlossenen Mantel und stelle mich den Naturgewalten. Im Sommer hingegen – ach, da werfe ich im Büro manchmal meine Schuhe weg und ziehe die Socken aus, so dass ich barfuss durch die Gänge wandern kann. Das ist angenehmer, als es klingt. In der Straße, wo ich arbeite, muss es irgendwo eine Firma geben, die einen Barfußgänger angestellt hat. Sommers wie winters läuft er mit nackten Füßen zur Straßenbahn, steht im Schnee barfuß an der Straße und raucht in aller Gemütsruhe eine.

Ich glaube nicht, dass ich meine Füße ohne längeres Training dazu kriegen würde, über Asphalt zu gehen. Teppichboden geht erstaunlich gut, ebenso Wiesen oder Rasen. Aber Steine – und sei es nur unser eigener Raucherhof – gehen gar nicht. Brrr.

Zurück zum Sommerhoch. Mir geht es gut. Meine Rückenschmerzen sind fast auf Null zurückgegangen, da es an nass-kalter Witterung mangelt. Die Sonne lacht den ganzen Tag und macht es einem einfach möglich, lange wach zu bleiben und früh aufzustehen. Man kann draußen sitzen und mit Freunden klönen.

Danke, Sommerkönig, Weizenkönig, Jäger, Gefährte. Danke, Baldur, danke, Heimdal, danke Mithras. Schmatzer.

 

Dein Homo Magi

 

Jahreszeitenmonster

 

Lieber Salamander,

 

ich glaube inzwischen fest daran, dass es Jahreszeitenmonster gibt. Nein, kein Monster für den Winter und keines für den Herbst, aber Monster, die für bestimmte Jahreszeiten „passend“ sind.

Der Winter ist kalt. Da passt der Yeti oder man mag an den Wendigo im kalten Norden denken. Auch der Werwolf macht sich besser im Winter, wenn er in den Schnee verschwinden kann, nachdem er sein Opfer gerissen hat.

Der Herbst ist windig. Dschinnies machen sich bestimmt gut im Herbst, wenn es noch warm ist und der Wind durch die Bäume streift. Einen Berserker stelle ich mir durch die Tür kommend vor, während draußen die Blätter braun werden und innen ein Feuer im Kamin flackert. Aus den englischen Schauerromanen wissen wir auch, dass der Herbst ideal ist für durchscheinende weibliche Gespenster.

Der Frühling ist bunt und verspricht Erneuerung. Nicht nur Schmetterlinge sind unterwegs. Hier stelle ich mir Elfen vor, die mit bunten Flügeln durch das Gebüsch huschen. Und Elben, die hinter sprossenden Bäumen hervorlugen, ihren Bogen halb gespannt in der Hand.

Bleibt der Sommer. Mir – fällt – kein – Sommermonster ein. Nicht ein einziges passt zu grünen Wiesen, lauer Luft und knallender Sonne.

Gibt es ein Sommermonster?

Hmpf.

Ich habe lange nachgedacht. Dann fiel es mir ein. Ja, es gibt ein Sommermonster. Es trägt kurze Hosen, buntes T-Shirt mit Bandnamen auf dem Rücken, hat bunte Haare, schreckliche Sandalen an den Füßen und schwenkt eine Bierflasche in der Hand. Dazu singt es am Strand von Malle deutsche Schlager und wedelt die Deutschlandfahne. Das Sommermonster. Entdeckt. Wenn ich es erlege – darf ich sein Fell dann über meinen Kamin hängen? Hähä.

 

Dein Homo Magi

 

Meine Nächte sind gezählt ...

 

Hallo Salamander,

 

kürzlich lag ich abends noch ein wenig wach und kam ins Rechnen. Eigentlich schlafe ich nämlich nicht gerne. Viel lieber würde ich nachts durcharbeiten. Außerdem finde ich die Vorstellung weiterhin erschreckend, dass mein Geist meinen Körper nachts alleine lässt. Aber das wären schon Inspirationen für Dutzende Briefe an dich ...

Ich kam also ins Rechnen. Folgende Daten setzte ich voraus:

 

Im Moment schlafe ich im Schnitt unter acht Stunden pro Nacht.

Ich werde 90 Jahre alt.

Als (kleines) Kind habe ich deutlich mehr geschlafen als jetzt.

Als Jugendlicher habe ich mehr geschlafen als jetzt.

Alte Leute schlafen weniger als Leute meines Alters.

 

Einfache Rechnung:

 

0-2 Jahre     12 Stunden pro Nacht

3-5 Jahre     10 Stunden pro Nacht

6-18 Jahre   8 Stunden pro Nacht

19-50 Jahre 7 Stunden pro Nacht

51-70 Jahre 6 Stunden pro Nacht

71-90 Jahre 5 Stunden pro Nacht

 

Der Durchschnitt berechnet sich aus:

 

(2*12 + 3*10 + 13*8 + 32*7 + 20*6 + 20*5)/90

= (24 + 30 + 104 + 224 + 120 + 100)/90

= 602/90

= 6,68 Stunden im Schnitt

 

Da liege ich noch drüber mit meinen 7 Stunden pro Nacht. Aber habe ich schon die Hälfte meiner Lebensschlafzeit hinter mir? Ja. Ab jetzt wird meine Tagesschlafleistung kürzer und ich habe schon mehr als die Hälfte meiner Lebensschlafzeit hinter mir.

Uff. Meine Nächte sind gezählt. Beruhigt bin ich eingeschlafen.

 

Dein Homo Magi


Einweg

 

Hallo Salamander,

 

nach dem Fall der Mauer besuchte ich eine Brauerei im Westen. Im Hofe stapelten sich Container voll mit Recycling-Flaschen, die leise vor sich hin stanken, weil sie weder gesäubert noch vernünftig entleert waren. Auf meine Nachfrage hin führte man mich in die Flaschenwaschstraße, wo Pfandflaschen brav gereinigt und hygienisch perfekt wieder dem Markt zur Verfügung gestellt werden. Das Band der Waschstraße stand still.

Auf Rückfrage erklärte man mir, dass durch die Anlieferung von Ost-Glas das Band immer wieder ins Stocken geriete. Das Ostglas wäre so dünn, dass es beim Reinigen mit heißem Wasser spränge und dann Stück für Stück aus dem Mechanismus geklaubt werden müsse. Deswegen hätten sie gerade einen Rückstau bei den Pfandflaschen.

Ich dachte jetzt nicht darüber nach, was das über die hygienischen Saft-Verhältnisse in der ehemaligen DDR zu sagen hatte. Glücklicherweise war mein Saftverbrauch aus dem sozialistischen Ausland immer gering, so dass ich mir kaum Gedanken über Infekte machen musste.

Bis vorgestern. Vorgestern ging ich durch den Supermarkt und wollte mir für eine Veranstaltung am Sonntag, die Stimmbänder-aufreibend zu werden versprach, was zu trinken holen. Da ich eine verschließbare Saftflasche wollte und nicht jeder Saft in Frage kommt, steuerte ich zielsicher das Regal an, in dem die pfandfreien Produkte standen.

„Einwegsaft“ prangte das große Schild über dem Regal.

„Einwegsaft“. Ich stutzte kurz. War dann der Saft, den ich normalerweise trank, „Mehrwegsaft“? Die Wiederverwendbarkeit von Urin hatte ich immer anders eingeschätzt, aber die Farbe manches Orangensaftes ... Nein, das konnte hier nicht gemeint sein. Der Saft in diesem Markt war immer „Einwegsaft“, weil er nicht recycled wird (wir ignorieren den längeren Umweg über Erdreich, Pflanze, Saftpresse, Saft – das ist ein natürlicher Kreislauf, kein gewolltes Recycling). Es sind die Flaschen, die Behältnisse, die „Einweg“ sind. „Einwegflaschen“/„Mehrwegflaschen“, nicht „Einwegsaft“/„Mehrwegsaft“.

 

Wie so oft: Das was man auf den ersten Blick zu verstehen glaubt, ist oft nicht immer das, was da wirklich steht. Schon an Saftregalen kriegt man Lektionen für das ganze Leben.

 

Dein Homo Magi

 

Wir haben gewonnen

 

Hallo Salamander,

 

es freut mich, wenn ich erkennen darf, dass die Esoterik und das Heidentum die Welt eigentlich schon durchdrungen haben ... Mein neuestes Beispiel ist der Veranstaltungsführer „Glaube Bildung und Kultur“ des „Offenen Hauses“ meines örtlichen „Evangelischen Forums“.

Da finden sich für den Zeitraum September bis Dezember 2008 unter anderem:

 

  • „Alles im Fluss ...“ Über die religiösen Dimensionen des Wassers.
  • „Quellheiligtümer im Odenwald“ – „Keltische Orte und die Christianisierung“
  • „Richard Wagner und die Theologie“
  • „Vom Fischer und syner Frau“
  • „Enneagramm“
  • „Begegnungen mit dem Islam“
  • „6 Tage Fasten und Bonding“ (hey, das klingt richtig gut pervers)
  • „Zen-Tage“
  • „Syrtaki – Tanzen für Männer“
  • „Eutonie“
  • „Königsstädte und »Straße der Kabash«“

 

Den christlichen Kern vieler dieser Themen würde ich leugnen wollen, aber immerhin beweist die Broschüre vom Broschüren-Grabbeltisch der Stadtverwaltung, dass die Esoterik auch in die Burgen des Christentums Einzug genommen hat.

Auch was wert.

 

Dein Homo Magi

 

Der Sitz der Magie

 

Hallo Salamander,

 

manchmal sitze ich in meinem Zimmer und frage mich, wo in meinem Körper die Magie sitzt. Mein „Ich“ befindet sich vom Gefühl her im Kopf – eine sicherlich abendländische Vorstellung, über die andere Kulturen den Kopf (sic) schütteln werden. Oder doch im Bauch? Sitzt da nicht mein Gefühl? Und in der Niere dann die Seele.

Alles von mir ist ich. Meine Fingernägel schmerzen mich, wenn ich an ihnen vorbei in den Finger schneide. Die Fingernägel? Sind die nicht totes Gewebe? Haben meine Haare Gefühl oder sind es nur die Wurzeln, die schmerzen, wenn man an den Haaren zieht?

Denkt meine Milz? Fühlt mein Darm? Zaubert meine Niere?

Hmpf.

Also noch einmal. Mein Ich-Bewusstsein sitzt im Kopf, sicherlich gesteigert dadurch, dass ich durch Augen, Ohren und Nase das an Sinneswahrnehmungen erhalte, was mein Verhältnis zur Umwelt definiert. Und die Hände? „Magie nur mit den Händen“ war das höchste Ziel der von Vincent Price gespielten Magierfigur in „Der Rabe“. Ist das nicht auch das, was ich zu erreichen versuche? Doch heißt das, dass man Magie „nur mit den Händen“ machen soll oder bedeutet es nicht eher, dass man Magie anstatt mit Büchern und vielen Gegenständen eben „nur mit den Händen“, also auch sich selbst heraus erzeugen soll?

Mein Gehirn ist der Sitz meines Denkens, doch ohne meinen Körper erhält es keinen „Input“ an Daten. Mein Gehirn ist Zentrum, Schaltstelle – aber nicht mein ganzes Ich. Mein Körper ist aber auch weniger als mein ganzes Ich, weil ich sehr wohl Informationen aus der nahen Umgebung empfange (ich erspare dir jetzt einen Exkurs über die Kirlian-Aura oder ähnliche Phänomene, die einige Zentimeter über meine Körperoberfläche spielen).

Mein Gehirn ist das Zentrum meines Denkens, aber nicht das Zentrum meiner Magie. Mein Bauch ist es auch nicht, obwohl der gerne zuerst auf Gefühle reagiert (wobei ich hier einen Zusammenhang zwischen Magie und Gefühl impliziere, der nicht immer eindeutig ist).

Mist. Wo ist die Magie in meinem Körper?

Ich bleibe dran. An mir und der Magie. Und an der Frage.

Klang so einfach …

 

Dein Homo Magi


Messerspiele

 

Hallo Salamander,

 

heute hatte ich ein seltsames Erlebnis. Ich ging drei oder vier Meter hinter einer Frau auf dem Bürgersteig her. Als sie mein parkendes Auto gerade passierte, fingerte ich in der Tasche nach meinem Autoschlüssel und drückte auf den Knopf, so dass der Schlüssel ausfuhr. Ich hätte dann gleich die Türen per Fernsteuerung aufgemacht – aber so weit kam ich überhaupt nicht mehr. Sie sprang einen Meter nach vorne, drehte sich um, wich einen halben Schritt zurück und kämpfte offensichtlich damit, die Beherrschung zu behalten.

Ich war erst verwirrt. Dann war mir klar, was wahrscheinlich passiert war. Sie hatte gemerkt, dass jemand hinter ihr läuft, das aber geflissentlich ignoriert. Ist ja nicht schlimm. Dann aber hörte sie das Geräusch, das sich für ihre Ohren wohl wie ein Schnappmesser anhören musste. Sie war – soweit man das nach ein paar Blicken sagen kann – Südeuropäerin, ich würde auf Italienerin tippen. Mit einer Deutschen wäre das wohl kaum passiert, weil hier Schnappmesser nicht sehr üblich sind. Uns fehlt auch die nötige Hintergrundgeschichte mit Mafia und Camorra und Messerstechereien auf dem Bürgersteig. Aber bei ihr hat das „Klick“ wohl im Gehirn „Klick“ gemacht und sie wurde richtig panisch.

Ich war überrascht, wie schnell man Erinnerungen im Gehirn anwerfen kann. Ein wenig peinlich war es mir auch, weil ich die gute Frau auf gar keinen Fall erschrecken wollte. Das lag nicht in meiner Planung.

 

Was lernen wir daraus?

Ein einfaches „Klick“ kann ausreichen, um Angst zu machen.

Erinnerungen sind oft ganz tief eingesperrt; aber aus diesem Gefängnis kann sie ein akustisches Signal wieder hervorholen.

Man sollte vorher überlegen, was für Geräusche man macht, bevor man sie macht.

 

Was fragen wir uns jetzt?

Welches Geräusch macht ein Zauberstab, der gerade zum Leben erweckt wird?

Wie klingt das Beschwören eines Dämons aus dem zehnten Kreis der Hölle?

Wie klingt ein Blitz, der aus den Fingern schießt?

 

Wenn ich diese drei Fragen beantwortet habe, bin ich der perfekte Kampfmagier. Wird aber wohl noch eine Weile dauern.

 

Gruß, Dein Homo Magi

 

Der Sitz der Magie II

 

Hallo Salamander,

 

wenn man meinem Körperempfinden glauben schenken kann, dann liegt in meinem Körper das Zentrum der Magie eindeutig im Unterkiefer.

Ich hatte mir im Urlaub an einem Müsli (böse! böse! böse!), genauer an einem Stück getrocknete Banane wieder einmal ein Stück Zahn ausgebissen. Irgendwann habe ich keine Zähne mehr übrig, wenn ich in dieser Geschwindigkeit weiter mache … aber das ist ja auch egal in diesem Zusammenhang. Fakt ist, dass das Stück Zahn sich von mir verabschiedet hat, sozusagen meinen Körper verließ und konsequent nicht bei mir bleiben oder gar zurückkehren wollte.

Ich habe es natürlich gleich an einem Ort vergraben, den niemand je finden wird und den ich trotzdem magisch geschützt habe, damit kein böser Voodoo-Zauberer irgendwie damit gegen mich vorgehen kann.

Beim Zahnarzt fiel mir dann wieder schlagartig auf, dass der Sitz meiner Magie im Sitz meiner Gefühle sitzen muss. Und das war an diesem Tag eindeutig mein Unterkiefer. Aber ich kann doch mit meinem Unterkiefer nicht zaubern … ich konnte stundenlang nicht einmal kauen, als der Zahnarzt mit der Voruntersuchung (alter Sadist) fertig war.

Ich war gerade darüber am grübeln, wie ich die Magiezentrale aus dem Unterkiefer wieder in das Großhirn kriege, als mir klar wurde, wie sich Voodoo-Priester immer wieder auf arme Magier einschießen können, obwohl die sogar ihre Fingernägel vergraben und wahrscheinlich sogar ihr Urin verbrennen. Die bösen Voodoo-Priester haben Verträge mit den Zahnarzthelferinnen, die – um nicht erkannt zu werden – illegal vermummt hinter einem weißen Mundschutz arbeiten.

Nur mit einem Bruchteil der gefühlten 16 Liter Speichelflüssigkeit, welche die bei einer Behandlung absaugen, können Hunderte von Voodoo-Priestern über Jahrzehnte hinweg Todesflüche gegen mich aussprechen, wenn sie ihre Figuren nur mit einem winzigen Tropfen …

 

Nein, ich will das nicht weiter drüber nachdenken. Die Magiezentrale ist sicher wieder in meinem Kopf verankert, das Leben ist schön und ich bin glücklich – bis zum nächsten Zahnarzttermin.

 

Dein Homo Magi

 

Ritual-Mob

 

Hallo Salamander,

 

wer kennt die Szene nicht. Es ist Ostara, die ganze Gemeinschaft steht im Welt – nur der Westwind ist nirgends aufzutreiben. Sein Handy ist aus, seine Mutter weiß auch nicht, wo er ist ... und der Westwind hat die bunten Steine, die Haschkekse und die Kondome im Gepäck.

Abgang Ritual.

Die modernen Massenkommunikationsmittel geben uns hier eine Möglichkeit an die Hand, solche Fehler einfach und aufwandfrei zu verhindern. Ich nenne es „Magic Mob“ und verweise nur unwillig auf meine Inspiration:

 

Der Begriff Flashmob (flash – Blitz; mob – von mobilis – beweglich), auch Blitzauflauf, bezeichnet einen kurzen, scheinbar spontanen Menschenauflauf auf öffentlichen oder halböffentlichen Plätzen, bei denen sich die Teilnehmer üblicherweise persönlich nicht kennen. Flashmobs werden über Weblogs, Newsgroups, E-Mail-Kettenbriefe oder per Mobiltelefon organisiert. Obwohl die Ursprungsidee explizit unpolitisch war, gibt es mittlerweile auch Flashmobs mit politischem Hintergrund.

Eine verwandte Aktionsform ist der Smart Mob, der mit dem öffentlichen Auftritt einem politischen oder gesellschaftlichen Ziel zu Aufmerksamkeit verhelfen will. (...)

Flashmobs gelten als spezielle Ausprägungsformen der virtuellen Gesellschaft (virtual community, Online-Community), die neue Medien wie Mobiltelefone und Internet benutzt, um kollektive Aktionen zu organisieren.

(...) Einem Aufruf aus dem Internet folgend treffen sich die Teilnehmer an einem Ort, an dem sie weitere Instruktionen über den eigentlichen Aktionsort und Ablauf des Flashmobs bekommen. Typisch für Flashmobs sind die blitzartige Bildung des Mobs aus dem Nichts, das identische Handeln im Mob (z.B. applaudieren, telefonieren mit gleichen inhaltlichen Texten), und die schlagartige Auflösung nach wenigen Minuten.

Die Beteiligten, »Blitzaufläufer«, »Smart Mobber« oder »Flash Mobber« genannt, tauchen am vereinbarten Ort zur vereinbarten Zeit auf, um dort kurz und für die unwissenden Passanten völlig überraschend einer gänzlich sinn- und inhaltslosen Tätigkeit nachzugehen.

So schnell wie die Menschen zusammengekommen sind, löst sich ihre Gruppe vor den Augen der verdutzten Zuschauer dann auch wieder auf. Dieses merkwürdige Verhalten wird vor allem durch die immer schnelleren zwischenmenschlichen Kommunikationsmöglichkeiten beeinflusst und unterstützt.[20]

 

Das kann man doch beinah wortwörtlich übernehmen:

 

Die Beteiligten, »Heiden«, »Wicca« oder »Ritualkreisteilnehmer« genannt, tauchen am vereinbarten Ort zur vereinbarten Zeit auf, um dort kurz und für die unwissenden Passanten völlig überraschend einer gänzlich sinn- und inhaltslosen Tätigkeit nachzugehen.

 

In dem System sind wenigstens alle da, die man eingeladen hat – die Rettung für den Kreis ohne bunte Steine und Haschkekse. Ob man die „Blitzaufläufer“ so beeinflussen kann, dass sie auch an einem Ritual teilnehmen – hier hilft nur der Test mit mindestens 80.000 Teilnehmern, um das zu klären. Wir arbeiten dran. Später heißt es dann über mich irgendwann mal:

 

Magic Mobs gelten als spezielle Ausprägungsformen der virtuellen Gesellschaft, die neue Medien wie Mobiltelefone und Internet benutzt, um kollektive Aktionen zu organisieren.

 

Dein Homo Magi

 

Magische Rechnungen

 

Hallo Salamander,

 

ich bin ganz einfach der Meinung, dass es eine Weltformel gibt, welche das Geringerwerden der Magie in den letzten Jahrhunderten (speziell: Jahrzehnten) erklärt. Diese sehr einfache Formel ist:

 

E (Erde) = E (Magie) + E (Technik) + E (Rest)

 

Oder in längeren Worten: Es gibt eine Gesamtsumme für alle auf der Erde erlaubte Energie. Diese Gesamtsumme nenne ich die irdische Gesamtenergie oder „E (Erde)“.

Diese irdische Gesamtenergie verteilt sich auf drei verschiedene Werte. „E (Magie)“ ist die Gesamtsumme aller irdischen Magie. In den letzten Jahrhunderten wird dieser Wert kleiner; magische Orte verschwinden, Tore bleiben geschlossen, große Zauber wirken nicht mehr und so weiter und so fort. Dafür gibt es einen Grund: Die Gesamtsumme aller irdischen Technik „E (Technik)“ nimmt in den letzten Jahrhunderten dramatisch zu. Bis jetzt war das kein Problem, weil sich „E (Technik)“ zugunsten von „E (Rest)“ vergrößerte, der ungenutzten Restenergie.

Wenn aber „E (Rest)“ auf Null gesunken ist (wovon ich seit spätestens 1995 ausgehe), beginnt „E (Technik)“ sich zugunsten von „E (Magie)“ zu vergrößern. Steigender technischer Fortschritt geht also auf Kosten der magischen Gesamtenergie.

 

Jetzt muss ich nur noch ein 300-Seiten-Buch zu diesem Thema schreiben, es gut vermarkten & kann mich dann zur Ruhe setzen. Juhuuuu!

 

Dein Homo Magi

 

Jüdischer Speichel

 

Hallo Salamander,

 

unter www.igenea.com sieht man das Bild von Peter Schmidt aus Niedersachsen mit dem schönen Zitat „Ich stamme aus Schottland und meine Vorfahren waren Wikinger.“[21] Angeboten werden Speicheltests (ab 105 Euro), mit denen man seine Herkunft verfolgen kann.

Das Resultat „bezieht sich auf 3 verschiedene Epochen“. Die erste zeigt einem die Herkunft während der Urzeit, das „Urvolk“ zeigt die Abstimmung während der Antike (900 v. Chr. bis 900 n. Christus – auch eine nicht gerade kleine Hausnummer), mit der Angabe „Ursprungsland“ erfährt man dann, wo die Vorfahren im 11., 12. und 13. Jahrhundert gelebt haben.

Tolle Vorfahren, die 1800 Jahre im selben Land bleiben, hundert Jahre zum Umziehen nutzen und dann wieder 300 Jahre an der selben Stelle wohnen.

Interessant ist, dass im anklickbaren Beispiel das „Urvolk“ der „Juden“ erwähnt wird. Da hätte man früher drauf kommen können, denn die Frage am Anfang war ja „Haben Sie vielleicht keltische, germanische oder jüdische Wurzeln?“

Die Anbieter haben erst ein „keltisches Profil“ aus „über 2.000 Speichelproben“ isoliert. Diese stammen aus 25 Gebieten, die „heute als typisch keltisch gelten“. „Die Probanden stammten aus Gebieten in der Bretagne, in Schottland und Irland, wo noch heute gälisch oder andere keltische Sprachen gesprochen werden.“ Die Untersuchung ging weiter, so dass durch „das verwendete Ausschlussprinzip“ „für die germanische Herkunft typische Marker entdeckt“ wurden.

Bei den Juden ist das natürlich ein wenig komplizierter. „Wenn viele ihrer genetischen Vettern Juden sind, dann haben Sie mit hoher Wahrscheinlichkeit auch jüdische Wurzeln.“ Also wird hier eine Religion vererbt; man kann nicht Mitglied werden oder wieder austreten. Einmal Jude – immer Jude. Der ewige Jude ist jetzt mein ewiger jüdischer Vetter, aber ansonsten ist alles da.

Weiter heißt es: „Nach halachischem Recht ist jüdisch, wer von einer jüdischen Mutter geboren wurde oder zum Judentum konvertiert. Die enge Verbindung von Kultur, Tradition, Religion und Volkszugehörigkeit zeichnet das Judentum im Besonderen aus. Es entwickelte sich über die Jahrhunderte eine gewisse genetische Homogenität, die durch einen DNA-Test sichtbar wird.“ Wenn also ein australischer Ureinwohner 1750 Jude wird, dann wird er nur noch Jüdinnen heiraten, damit er Teil der „genetischen Homogenität“ wird.

 

Irgendwie bin ich da skeptisch. Vielleicht auch Technik-feindlich. Aber mein Speichel ist heidnisch, weil ich davon ausgehe, dass religiöse Zugehörigkeit eine freie Wahl sein sollte und nicht über meine Gene programmiert ist. Und die nicht-umziehenden Stämme, welche die Völkerwanderung, den Aufstieg und Niedergang Roms, die Christianisierung und diverses andere in ihrer angestammten Siedlung überstanden haben – na ja. Muss man nicht glauben. Aber teilnehmen will ich nicht – sonst bleibt mir die Spucke weg.

 

Dein Homo Magi

 

Eigenartige Mitteilungen

 

Lieber Salamander,

 

heute fand ich folgenden Zettel an meiner Windschutzscheibe:

 

Sehr geehrte/r Autobesitzer/in!

 

Sofern Ihr Wagen weiterhin während unserer Dienstszeiten (6.00 – 18.00 Uhr) einen der von hier gemieteten Parkplätze blockiert, wird er nächstes Mal abgeschleppt werden.

 

Mit freundlichen Grüßen

 

Hessisches Amt für (…)

 

Ich find so etwas immer großartig, gibt es mir doch die Gelegenheit, ein wenig Sand ins Getriebe zu streuen. Meine Antwort möchte ich Dir nicht vorenthalten:

 

Sehr geehrte Damen und Herren,

 

beiliegendes Schreiben fand ich heute an der Frontschreibe meines Autos.

 

Ich gehe davon aus, dass sich da jemand auf Ihre Kosten einen Spaß erlaubt hat. Sicherlich würde eine Behörde wie die Ihre Absender und Ansprechperson angeben, wenn Sie solche Zettel verteilt. Außerdem würde eine Behörde „Dienstszeiten“ richtig schreiben.

 

Interessant ist, dass ich auf einem Parkplatz stand, der überhaupt nicht mit Ihrer Stelle in Verbindung gebracht werden kann. Als ich um 12.00 Uhr nicht auf meinen Parkplatz konnte, weil da ein anderes Auto stand (wir haben im Hof drei Parkplätze gemietet), stellte ich mich auf einen leeren Parkplatz mit einem Kennzeichen-Schild (also kann das nicht ein Parkplatz sein, der auf das Amt gemietet ist).

 

Ich kann Ihnen nur empfehlen, auf solche Fälschungen zu achten und im Wiederholungsfalle Anzeige gegen Unbekannt zu erstatten. Es geht nicht an, dass jemand sich auf Ihre Kosten einen solchen Spaß erlaubt und eventuell Ärger hervorruft.

 

Hähä. Wieder eine Seele verwirrt.

 

Dein Homo Magi


Geschäftsvorschläge

 

Hallo Salamander,

 

manchmal kriegt man E-Mails, die man einfach lesen muss. Wahrscheinlich weil einem Titel wie „Eilig Geschäftsvorschlag“ schon darauf vorbereiten, dass die Nigeria-Connection wieder zuschlägt. Also:

 

Attn.Geschäftsvorschlag.

 

Zuerst muß ich um Ihre Zuversicht in dieser verhandlung bitten.

Das ist auf Grund seiner lage, als das sein total VERTRAULICHund Geheimnisvoll.

 

Aber ich weiss, dass eine verhandlung dieses Ausmaßes irgendeinen Ängstlich und besorgt machen wird,aber ich versichre Ihnen, dass alles am Ende des tages in ordnung sein wird.

Wir haben uns entschieden Sie durch eine E-mail sendung,wegen der Dringlichkeit diese verhandlung zu erreichen, als wir davon zuverlassig von seiner schnelligkeit und vertraulichkeit Überzeugt worden sind.

 

Ich möchte mich nun vorstellen. Ich bin Herr Peter Maputu (Rechnungprüfer bei der Chartered Bank von Süd Afrika).

Ich kam zu ihrem kontakt in meiner persönlichen suche nach einer zuverlassigen und anstandige person, um eine sehr vertrauliche verhandlung zu erledigen, die Übertragung von einem fremden Konto das maximale zuversicht erfordert.

Der vorschlag:Ein Ausländische,verstorbener Ingenieur Joseph Haider, ein Diamante-Handler/unternehmer mit der Republik Süd Afrika.

 

Er war bis seinem Tod vor drei jahren in einem Flugzeug absturz,als unternehmer bei der Regierung tatig. Herr Joseph war unser kunde hier bei der Chartered Bank von Süd Afrika Johannesburg und hatte ein Konto guthaben von US$14.3 million (Vierzehnmilliondreihunderttausend United States Dollar). welches die Bank jetzt fraglos erwartet durch seine Verwandten das Sie sich melden, wenn Sie sich nicht melden wird alles zu einem Afrikanischen vertrauens fond für waffen und munitions besorgungen bei einer freiheitsbewegung hier in Africa gespendet.

 

Leidenschaftliche wertvolle Anstrengungen werden durch die Chartered Bank gemacht,um einen kontakt mit jemanden von der Joseph familie oder Verwandten zu bekommen.Es hat aber bis jetzt keinen Erfolg gegeben.

Es ist wegen der wahrgenommen moglichkeit keinen verwandten der Joseph zu finden (er hatte keine frau und kinder) dass eine Anordnung für den fond als nicht zubehaupten deklariert werden,sollte, und dann zum vertrauens-fond für waffen und munition bersorgung ausgeben,die dem kurs vom krieg in Afrika gespendet wird.

 

Um dieser negative Entwicklung abzuwenden, haben ich und einige meiner bewährten kollegen in der Bank beschlossen das Geld nach Ihre zustimmung zu Überweisen und suchen jetzt Ihre Erlaubnis das Sie sich als verwandter des verstorbenen Ing.Joseph Haider deklarieren,damit der Fond in der höhe von USD$14.3m infolgen dessen als der Nutznießer(Verwandter des Haider)auf Ihr Bank Konto Überwiesen werden.

 

Alle beurkundungen und Beweist die Ihnen ermöglichen diese Fonds zu behaupten werden wir zu Ihrer verfügung stellen,damit alles gut verläuft und wir versicheren Ihnen ein 100% Risiko freie Verwicklung.

 

Ihr Anteil wäre 30% von der totalen Gange, während die restliche 70% ist für mich und meine kollege.

Wenn dieser vorschlag für Sie OK ist und Sie Wünschen das vertrauen auszunutzen, das wir hoffen auf Ihnen und Ihrer Gesellschaft zu verleihen,dann senden sie mir netterweise sofort per meine personal E-mail Adresse, Ihre Voll Namen, Adresse, Telefonnummer, fax-nummer und Ihre vertraulicher E-mail adresse,damit ich Ihnen die relevanten details dieser

 

Bitte schicken Sie Ihre Antwort auf meine Vertraulichen Email

Adresse: pmaputu1@ymail.com

 

verhandlung senden kann.

Danke in voraus.

 

Mit freundlichen Grüße.

Peter Maputu

 

Kaum ist Jörg Haider tot, schon suchen die Afrikaner im Namen eines Verwandten nach Empfängern von riesigen Überweisungen, damit das Geld nicht in Waffen und Munition geht. Das Ganze sieht aus wie ein schlechtes Übersetzungsprogramm – aber lachen musste ich doch.

Unterstütze ich jetzt den Krieg in Afrika, weil ich nicht zur Familie Haider gehören will? Irgendwie seltsam …

 

Dein Homo Magi

 

Weisheit aus Afrika

 

Hallo Salamander,

 

in meinem Briefkasten fand ich kürzlich zwei orangefarbene Werbezettel in A6, die beide vom selben Anbieter aus Werbung für unterschiedliche Dinge machen. Anbieter war ein Internetportal namens www.servicekanal24.de, was mich erst einmal nicht überraschte. Mein Briefkasten ist Kummer gewohnt.

 

Nummer 1 war ein Flyer gegen „Vorzeitige Ejakulation, Ausdauerprobleme, Potenzschwäche, Schwaches Glied“ mit dem unschlagbaren Hinweis „In 2 Minuten alles schon wieder vorbei?“. Nummer 2 warb mit „Cellulite, Orangenhaut, Falten und unreine Haut dauerhaft und effektiv bekämpfen“ und versprach endlich „jung aussehen“.

 

Was mich verwirrte, waren nicht die wundervollen Zahlungsvorgaben („Zahlen Sie mit Paypal und genießen Sie den Käuferschutz“ oder „Mit Geld-Rückgabe-Garantie bei Nicht-Erfolg“), sondern die Quelle dieser Weisheit.

Die Potenzmitteln stammen aus Afrika – „natürlich, gesund“, wie man da lesen kann. „Aus einfachen Lebensmitteln, Hausmitteln und Getränkemischungen des täglichen Gebrauchs in Deutschland“.

Wie bitte? Ich soll mir das vielleicht selbst mischen – aus Mezzo Mix, Spülmittel und einem Brotkanten? Oder wie ist diese Arbeitsanweisung zu verstehen? Was erwerbe ich dann für das Geld – eine Herstellungsanleitung a la „Mischen Sie altes Brot unter dem steten Zustrom von kaltem Wasser mit einem wenig Spülmittel zu einer klebrigen Masse. Dann geben Sie ½ Liter Mezzo Mix dazu und lassen alles über Nacht abgedeckt stehen. Am nächsten Morgen rollen sie aus der Masse Kugeln und verzehren immer eine etwa Daumengroße Kugel vor dem Verkehr.“

Okay, das Rezept ist von mir. Aber die Assoziation kam mir automatisch.

Für die Haut wirkt auch die „Urweisheit der afrikanischen Frau“ mit „erstmalig veröffentlichte[n] Rezepte[n]“. Juhu! „Aus einfachen Lebensmitteln des täglichen Gebrauchs in Deutschland“. Woher weiß die afrikanische Frau, was in meinem täglichen Gebrauch ist? Warum isst die in ihrer Urweisheit dasselbe wie ich (Müsli mit kaltem Kaffee?) – und was soll ich damit anstellen, um meine Haut zu straffen?

 

„Schatz, ich kann nicht, ich habe gerade meine Müslimaske auf dem Gesicht.“ Aaargh. Ich mag da gar nicht weiter drüber nachdenken. Tue ich auch nicht. Gedanke gelöscht.

 

Dein Homo Magi

 

Samhain

 

Hallo Salamander,

 

dieses Jahr war das Sterben vor und zu Samhain eigenartig.

 

Vor vielen Jahren bat mich ein Freund auf sein Sofa, schaltete die Stereoanlage an und ging hinaus, einen Kaffee kochen. Als er Minuten später mit dem Kaffee wiederkam, saß ich immer noch wie gelähmt vor der Anlage. An meine Ohren gedrungen war Yma Sumac.

Ich bin von dieser Faszination nie losgekommen. Inzwischen dürfte ich 95 % ihrer Werke besitzen, habe viele Stunden mit dem Stöbern und Suchen zugebracht und bin trotzdem immer wieder begeistert, wenn ich ihre Stimme höre (zuletzt überraschend in „The big Lebowski“ eingebaut, wo ich mit allem rechnete, nur nicht mit Sumac).

 

Zu ihrer Person:

 

Yma Sumac (Quechua Ima sumaq „Wie schön“, auch Imma Sumack oder Ima Sumack; eigentlich Zoila Augusta Emperatriz Chavarri del Castillo ; * 10. September 1922 in Ichocán, Peru; † 1. November 2008 in Silver Lake, Los Angeles, Kalifornien) war eine peruanische Sängerin.

Sie konnte mit ihrer Stimme den erstaunlichen Tonumfang von viereinhalb, in jungen Jahren sogar sechs Oktaven abdecken, d.h. dass sie von tiefen Alt-Noten bis hin zu hohen Pfeifstimmen-Noten Lieder perfekt intonieren konnte. Als Volksliedsängerin der Anden wurde sie in ihrer Heimat, der Stadt Ichocán, entdeckt. Sie studierte in Lima und trat in Peru live und auch im Rundfunk auf. Sie trat in Moisés Vivancos Tanzgruppe Compania Peruana de Arte auf und heiratete Vivanco 1942. (...) 1954 trat sie in dem Film „Secret of the Incas“ auf, 1957 in dem Film „Omar Khayyam“. 1992 drehte das deutsche Fernsehen die Dokumentation „Hollywoods Inkaprinzessin“ über sie.

1998 wurde ihre Musik Teil eines Spielfilms der Coen-Brüder: The Big Lebowski.

Im Mai 2006 wurde ihr der Orden El Sol del Perú verliehen. Im gleichen Jahr wurde ihr Titel „Xtabay“ ein Teil des deutschen Kinospielfilms „Die Österreichische Methode“, (...).[22]

 

Wenige Tage später verstarb eine andere Frau mit einer großartigen Stimme: Miriam Makeba. Hier war es vor vielen Jahren mein Bruder, der mir Makeba vorspielte und mich durch ihre Schnalzlaute total vom Hocker riss. Später – nach dem Ende der Apartheid in Südafrika – trat sie auch wieder in das Bewusstsein der Weltöffentlichkeit, aber damals kannte sie kein Mensch. Okay, mein Bruder, der meistens auch ein Mensch ist.

 

Zu ihrer Person:

 

Miriam Makeba kam als Kind einer Haushaltshilfe und eines Lehrers auf die Welt. Sie heiratete im Jahr 1949 und brachte 1950 ihre einzige Tochter Bongi Makeba zur Welt. Sie arbeitete ebenfalls als Hausmädchen.

Ihre musikalische Laufbahn begann Miriam Makeba als Sängerin der Gruppen Cuban Brothers und Manhattan Brothers. Später gründete sie das Frauentrio The Skylarks.

Nachdem sie 1959 durch ihren Auftritt in dem Anti-Apartheid-Film „Come Back Africa“ Aufsehen erregt hatte, kehrte sie nicht sofort in ihre Heimat zurück, woraufhin ihr die Rückreise verweigert wurde. Daraufhin half ihr Harry Belafonte bei der Einreise in die USA und bei ersten Auftritten in Los Angeles und New York. Damit begann ihre Weltkarriere.

1963 sprach sie erstmals vor der UNO und verlangte den Boykott des südafrikanischen Apartheid-Regimes. Von 1964 bis 1966 war sie mit dem südafrikanischen Jazzmusiker Hugh Masekela verheiratet. 1968 heiratete sie den Bürgerrechtler und Black-Panther-Aktivisten Stokely Carmichael. Daraufhin wurden sie vom FBI überwacht, so dass sie nach Guinea auswanderten. Dort wurden sie bald gute Freunde von Präsident Ahmed Sékou Touré und seiner Frau. 1973 trennten sich Makeba und Carmichael.

Makebas größter internationaler musikalischer Erfolg war das in Xhosa geschriebene Lied Pata Pata (1967). Dieses Lied schaffte es in die US-amerikanischen Charts und bis auf Platz 14 in der bundesdeutschen Hitparade. Zu ihren weiteren bekannten Liedern zählen The Click Song, Soweto Blues sowie eine Version von Mbube (The Lion Sleeps Tonight), die sie unter anderem auf der Feier zum 45. Geburtstag John F. Kennedys im Madison Square Garden am 19. Mai 1962 sang.

Im Herbst 1974 trat sie mit James Brown, B. B. King, The Spinners und The Crusaders auf einem Großkonzert in Afrika auf. Es war Teil des Rahmenprogramms für den von Don King veranstalteten historischen Boxkampf Rumble in the Jungle (dt.: „Der Kampf im Dschungel“) zwischen dem damaligen Schwergewichtsweltmeister George Foreman und dem Ex-Weltmeister Muhammad Ali, der am 30. Oktober 1974 in Kinshasa (Zaire, heute: Demokratische Republik Kongo) stattfand.

Miriam Makebas einzige Tochter Bongi Makeba starb 1985. 1986 sang Miriam Makeba ein Duett mit Paul Simon auf dessen Konzert. 1987 begleitete sie ihn auf dessen Graceland-Tour. 1988 trat sie zusammen mit Hugh Masekela beim Nelson Mandela 70th Birthday Tribute Concert in London auf. Nach drei Jahrzehnten Exil in den USA und Guinea kehrte sie 1990, auf Bitte von Nelson Mandela, nach Südafrika zurück und lebte wieder in Johannesburg. 1992 war sie an der Seite von Whoopi Goldberg in der Verfilmung des Musicals „Sarafina!“ zu sehen.

(...) Am 9. November 2008 trat Miriam Makeba auf einem Benefizkonzert für den von der Camorra bedrohten Schriftsteller und Journalisten Roberto Saviano in Castel Volturno in Italien auf. Auf der Bühne erlitt sie während einer Zugabe einen Herzinfarkt und verstarb am frühen Morgen des 10. November im Krankenhaus. (...)[23]

 

Jetzt aber: Mein Bruder und mein Freund waren es eigentlich nicht, die mich jetzt zuerst an die beiden Damen erinnerten. Es war die Eigentümlichkeit, dass beide Künstlerinnen versucht haben, mit „Wimoweh“ alias „The lion sleeps tonight“ bekannt zu werden. Den Hit hatten dann die „Tokens“, aber ich habe beide Frauen mit dem Lied im Ohr. Sonst niemand, wie ich vermute.

 

Und was lief dann an Samhain, als ich gerade am Nachdenken war, was das nächste Jahr mir bringen wird und was das letzte Jahr mir brachte, im Radio?

 

In the jungle, the mighty jungle,

the lion sleeps tonight.

 

Bin mal gespannt, ob er erwacht.

 

Dein Homo Magi


[1] http://www.heise.de/newsticker/meldung/80733

[2] http://dejure.org/gesetze/StGB/203.html

[3] Hierbei wird lustigerweise nicht nur auf Art 140 des Grundgesetzes verwiesen, sondern auch auf Artikel 141 der Weimarer Reichsverfassung.

[4] http://de.wikipedia.org/wiki/Zeugnisverweigerungsrecht

[5] http://bundesrecht.juris.de/bbaug/__1.html

[6] http://bundesrecht.juris.de/javollzo/__19.html

[7] http://bundesrecht.juris.de/sg/__36.html

[8] Einfach „nordisch gläubig“, so mit Wotan/Odin und Thor.

[9] http://de.wikipedia.org/wiki/Naglfar

[10] www.kryonschule.biz/dev/3.0.html

[11] Die folgenden Absätze stammen aus www.kryonschule.biz/dev/99.0.html

[12] „Erläuterungen zum Antrag auf Kontenklärung“ (V110)

[13] Dr. Klingsor „Experimental-Magie“, S. 294 (Freiburg, 1967)

[14] aus www.eldaring.de

[15] Richtig wäre eher „zuständigkeitsbegründenden“

[16] Garhammer, S. 1

[17] Wieners, S. 23

[18] http://www.jurblog.de/2008/04/20/das-neue-bka-gestz-abhoerschutz-gilt-nicht-fuer-imame/

[19] Die Wikipedia muss ran: „Das oder der Hektar (...) ist eine Maßeinheit der Fläche; sie ist vor allem in der Land- und Forstwirtschaft verbreitet. Sie wurde 1879 von der CIPM eingeführt.

Ein Hektar entspricht 10.000 Quadratmeter oder auch 100 Ar oder einem Quadrathektometer.

Ein Quadrat mit diesem Flächeninhalt (1 ha) hat eine Kantenlänge von 100 Metern (1 Hektometer). Der Name besteht aus der verkürzten (griechischen) Vorsilbe Hekto für 100 und der Einheit Ar; also: Hekt-Ar. Zwar gehört diese Einheit nicht zum SI-Einheitensystem, doch sie ist bis auf Weiteres zur Benutzung mit diesem zugelassen.

(...) Beliebter Vergleichsmaßstab für den Hektar ist ein Fußballfeld, das meist allerdings kleiner ausfällt (häufiges Maß für Fußballfelder: 68 mal 105 Meter = 0,714 ha; Maximum laut Regelwerk: 90 mal 120 Meter = 1,08 ha).“

[20] http://de.wikipedia.org/wiki/Flashmob

[21] Alle Zitate stammen von www.igenea.com und diversen Unterseiten.

[22] http://de.wikipedia.org/wiki/Yma_Sumac

[23] http://de.wikipedia.org/wiki/Miriam_Makeba

 

 

 

 


 

 

 


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