Homo Magi Archiv

Wöchentliche Ansichten eines Magiers über den Jahreslauf und die Welt

Teil 7

 

Das neue Jahr

 

Hallo Salamander,

ein neues Jahr hat begonnen. Das siebte, wenn ich die Jahre zähle, die ich dir schon Briefe schreibe. Sieben Jahre sind eine lange Zeit. Sieben Jahre, die ihren Lohn bei mir gefordert haben.

Ich bin nicht mehr so blauäugig wie vor sieben Jahren. Nicht mehr so vertrauensselig, so leicht zu überzeugen, so enthusiastisch, wenn mir jemand erzählt, er hätte eine tolle neue heidnische/magische Theorie oder Technik entwickelt/entdeckt. Und natürlich erwartet er, dass ich sie gleich mit ihm ausprobiere!

Ich bin nicht mehr davon zu überzeugen, dass alles magisch ist, was auf den ersten Blick wie Magie aussieht. Viel ist Lug und Trug, viel ist Blendwerk.

Doch ich bin auch sicherer in dem geworden, was ich wirklich will. Ich weiß, wer ich bin. Ich weiß, was ich kann. Und ich weiß, was ich will.

 

Ich denke manchmal, dass es auch schwieriger mit mir geworden ist. Ich bin ungeduldiger geworden, schroffer im Umgang. Das mag sein. Es ist sicherlich nicht böse gemeint. Ich bin nicht wirklich böse oder bösartig, ich bin nur manchmal ungeduldig, manchmal schroff und manchmal unverständlich. Ich verstehe mich selbst, lebe in meinem Bezugsrahmen, existiere mit meinen eigenen Regeln und Befindlichkeiten. Aber ich bin mir nicht immer sicher, ob es gelingt, das auch zu kommunizieren.

Die letzte Woche ist dann alles zusammen gekommen. Der Tod meines Vaters und Samhain. Die Anstrengungen der letzten Monate. Mein Leben. Eine fette Bronchitis und ihre Virenarmeen invasierten meinen Körper. Ich lag flach, auf mich reduziert und zurück geworfen. War auch mal ganz interessant. Samhain im Fieberwahn hat seine ganz eigene Symbolik und Kraft.

 

Sieben Jahre sind eine magische Zahl. Ich habe mein Buch über Magie veröffentlicht. Ich bin älter geworden. Ich habe Trennungen verkraftet, Schicksalsschläge aber ich hatte auch Dinge, die mich erfreut haben, die mir Kraft gaben.

Das Leben ist ein Rad, das Jahr ist ein Kreis. Alles dreht sich, alles verändert sich.

Ich bin noch da, kleiner Lurch.

Und ich liebe dich immer noch wie am ersten Tag.

 

Dein Homo Magi

 

Wunder gibt es immer wieder

 

Hallo Salamander,

 

ich dachte immer, der Kobold wäre eindeutig dadurch bloßgestellt worden, dass ich mehrmals schon bewiesen habe, dass die Kobolde der Märchen heute mit den Besatzungen von UFOs identisch sind. Das lässt sich ja auch eindeutig belegen, wie Du sicherlich weißt.

 

Aber der Einfluss der Kobolde geht noch viel weiter. Viel tiefer greift ihr Wirken und Handeln in die Geschichte der Menschheit ein! Eigentlich sind sie nämlich auch an ganz anderen Dingen schuld (der Kobold als vermeintlicher „Freund der Menschheit“ spielt hier eine wichtige Doppelrolle). Ich zitiere: „Sie können die Zukunft vorhersagen und wissen, wo Schätze verborgen sind. Daher kam die Vorstellung, Zwerge arbeiteten in Bergwerken, das Mineral Kobalt erhielt den Namen wegen seiner Farbe, die die Bergarbeiter an die blauen Anzüge der Zwerge erinnerte.“[1]

Hier sind Zwerge genannt, aber gemeint sind die Kobolde als Teil des „kleinen Volkes“. Die ganze Geschichte konnte ich nicht richtig glauben (warum sollten Bergarbeiter blaue Anzüge tragen – das sind doch die Matrosen!). Daher bildete ich mich fort.

„Der Name Kobalt leitet sich von Kobold ab, weil Kobolde in früherer Vorstellung Erz mit diesem (damals) unbearbeitbaren Mineral verunreinigten bzw. sie das kostbare Silber auffräßen und an seiner Stelle wertlosere silberfarbene Erze ausschieden. Diese Erze wurden dann von den Bergleuten des Mittelalters dann mit Spottnamen wie Nickel, Wolfram (etwa »Wolfsspucke«, lat. Lupi spuma) und eben Kobolderz, also Kobalt belegt.“[2]

Während „Wolfsspucke“ viel cooler klingt, ist Kobalt auch ein super Tarnname für einen Versuch der Kobolde, uns chemisch auszurotten. Denn: Zu was ist Kobalt gut? Es ist Teil des Vitamins B12 (Cobalamin), welches im Darm eine wichtige Rolle spielt. Und: „Als man in Kanada früher Biere zur Schaumstabilisierung mit Kobalt anreicherte, stieg die Mortalitätsrate bei starken Biertrinkern auf annähernd 50 % an – bedingt durch Herzmuskelschwäche (»kanadisches Biertrinkerherz«).“[3]

Die Kobolde haben also die Kontrolle über ein Element, das für uns Menschen wichtig ist. Nicht für alle. Für wen? Für Biertrinker und Darmkranke – die leiden also unter dem Koboldelement, der Wolfsspucke, den Ausscheidungen des „kleinen Volks“. Darmkranke Bietrinker wie ich – wir sind die größten Feinde der Kobolde, weil wir ihre Geheimnisse aufdecken. Daher jagen sie uns und wollen uns vernichten. Aber das werde ich zu verhindern wissen!

Kein Handbreit Boden den Kobolden! Das soll das Motto sein! „Schlagt die Kobolde, wo immer ihr sie trefft!“

 

Dein Homo Magi

 

Restaurant für eine Nacht

 

Hallo Salamander,

 

immer wieder werfen Anbieter von Schnellrestaurants Zettel in meinen Briefkasten. Meist werfe ich einen Blick auf die erste Seite, kalkuliere kurz das Produkt aus Schreibfehlern gegen Lieferpreis und entschließe mich dann doch, den Zettel in den Papiermüll zu werfen.

Jetzt kam endlich mal ein Zettel, der mich doch dazu bewogen hat, ihn aufzuheben. Denn dieser „Pizzeria Heimservice“ hatte jenen eigenartigen Touch, den andere Lieferservices nicht zu bieten hatten. Er war nicht billiger als andere, er hatte nicht weniger Schreibfehler als andere Anbieter (ganz im Gegenteil – die Klassiker waren alle vertreten: „verschiedne Nudeln“, „Käse sorten“, „aus Schwein Fleisch oder Puten“, „Corden Blue“, „Königspspilsner“, „Grünersalat“) und die Optik war mit den selben schlechten Illustrationen verziert wie die anderen Flyer, die ihren Weg über meinen Briefkasten direkt in meinen Altpapierkasten fanden.

Was mich überrascht hat, war der magische Aspekt dieses Angebots. „Jetzt neu Bis Morgen 5.00 Uhr“. Eine Pizzeria für eine Nacht. Ein Ort, der kurz in meiner Heimatstadt auftaucht, sich für eine einzige Nacht materialisiert und dann in die nächste Stadt verschwindet. Herden von mystischen Wesen, die am Tag des Auftauchens Werbezettel verteilen („Bis Morgen 5.00 Uhr“!!!), die auf die Ausnahmesituation hinweisen. Hektische Aufbauarbeiten unter der angegebenen Adresse, damit der „Pizzeria Heimservice“ seine Arbeit aufnehmen kann.

Und dann das Angebot. Alleine das „Königspspilsner“ macht Geschmack auf mehr. Dazu gibt es Essen aus anderen Dimensionen („Corden Blue“) und wahrscheinlich beeindruckenden Service von leichtbekleideten Frauen.

Nachts um 5.00 Uhr gibt es dann das letzte Essen. Der Laden wird demontiert, die Herden von mystischen Wesen verteilen schon in der nächsten Stadt Zettel „Bis Morgen 5.00 Uhr“, während der abgebaute „Pizzeria Heimservice“ am neuen Ort neu aufgebaut wird.

Wow. Es gibt sie noch, die mystischen Orte. Avalon, Ys, Heimservice, Lemuria, Atlantis.

 

Dein Homo Magi

 

Uralte Weise

 

Hallo Salamander,

 

andere Menschen müssen suchen, bis sie jemanden finden, er alt und weise ist. Ich kann glücklicherweise mit einer einfachen Fahrt in der Straßenbahn auf dieses Potential zurückgreifen. Meine Großmutter ist heute 102 geworden.

Damit kannte sie noch Menschen, die zurzeit von Napoleon gelebt haben. Sie hat zwei Weltkriege erlebt. Mein Großvater fiel im zweiten Weltkrieg, so dass sie seit über sechs Jahrzehnten Witwe ist. Sie hat das Kaiserreich, die Weimarer Republik, das III. Reich, zwei Besatzungszeiten und die Bundesrepublik bis zur Wiedervereinigung erlebt.

Sie hat Musikstile überlebt, Moderichtungen und politische Wirrungen. Attentate und Selbstmorde gingen an ihr vorbei. Sie war politisch immer interessiert, das will ich nicht leugnen. Sie bereut es bis heute, dass sie bei der ersten Reichstagswahl die NSDAP gewählt hat. Aber sie hat daraus gelernt und ist bis heute eine glühende Antifaschistin.

Zu einer Zeit, als kein Mensch daran dachte, hat sie Juden, die im III. Reich aus ihrem Dorf fliehen musste, angeschrieben. Sie hat Privatbesitz aufbewahrt, den sie jüdischen Mitschülerinnen über dreißig Jahre nach Kriegsende wiedergeben konnte.

Sie hat meine Mutter als Witwe alleine groß gezogen – einverstanden, deutlich unterstützt von ihrem Familienklüngel aus insgesamt neun Geschwistern.

Sie hat immer wieder gearbeitet, aber auch jahrzehntelang von Rente gelebt.

Jetzt ist sie halbtaub und halbblind. Heute musste sie bei der Feier dann mittendrin mal zwei Stunden ins Bett, weil sie nicht mehr konnte. Aber sie ist geistig noch hellwach und erkennt jeden Menschen wieder, der nahe genug an sie heran geht.

Viele Dinge, die ich mir über Magie und über das Heidentum überlege, werden sinnlos, wenn ich sie an ihrem Leben messe. Was kann ich schon an Erfahrungsschatz bieten, was sie nicht schon hat? Sie ist mir immerhin sechzig Jahre voraus, die ich erst einmal einholen muss.

Ihr wohnt – ohne rot zu werden sage ich das – ein gewisser Zauber inne. Und ich bin dankbar, dass ich das noch erleben darf; dass sie noch gesund und bei klarem Geist ist.

Wow. Das musste mal gesagt werden.

 

Dein Homo Magi

 

Weihnachtsbrieffreunde

 

Hallo Salamander,

 

wie jedes Jahr bietet die Deutsche Post für Freunde des Weihnachtsbriefs Informationsmaterial an. Als Schrift-Autist und Brieffeind habe ich die Materialien, die man mir durch ein Faltblatt im Briefkasten andiente, gleich beim Postanbieter selbst bestellt. So erhielt ich den wunderschönen Umschlag samt dem Anschreiben von Katrin Langfeld, Deutsche Post mit der unschlagbaren Begrüßungsformel „Lieber Weihnachtsbrieffreund“ (was ist mit den „-freundinnen“?). Von Frauenfreundlichkeit wird hier nichts gehalten – oder schreiben Frauen keine Briefe, weil sie andauernd telefonieren?

Der Umschlag enthält „Karten mit weihnachtlichen Grüßen und den dazu passenden Umschlägen“. Zusätzlich erhält man für die „ganz besondere winterliche Note“ noch „ein paar Deko-Schneeflocken“ im Plastikbeutel.

Und die drei Karten sind optisch der Reißer.

Variante 1. Aufschrift: „Hallo Flocke!“. Umschlag: Keramisch blau, innen weiß, aufgedruckte Flocken. Dazu passender Umschlag.

Variante 2. Aufschrift: „Schneegestöber“. Umschlag: Keramisch blau, innen weiß, aufgedruckte Flocken (nur außen), innen Anleitung für „Schneegestöber (für 6 Portionen)“ in die Karte eingedruckt. Achtung: „Heißer Tipp für kalte Tage“ enthält Alkohol. Dazu passender Umschlag.

Variante 3: Aufschrift: „Frohe Weihnachten“. Umschlag. Stahlblau, innen weiß, je eine aufgedruckte Flocke innen und außen, zusätzlich Innen den Text „(Sternchentext)“. Dazu passender Umschlag.

Angesichts überquellender Briefkästen voll miserabler Werbetexte sind Hinweise wie der folgende auf dem Umschlag der Sendung obsolet: „Und was wäre Weihnachten ohne Weihnachtspost im Briefkasten?“ Ich vermute: Glücklich.

Der buntene Umschlag wird von einem kitschigen Bild geziert. Ein Einfamilienhaus steht alleine vor einem Waldhintergrund auf einer zugeschneiten Wiese. Fußstapfen im Schnee, vorne ein roter Briefkasten. Mit eine Lupe (!) konnte ich erkennen, dass auf diesem Briefkasten „Familie Frieden“ steht. Wow.

Also schicke ich jetzt meine drei optischen Highlights „Hallo Flocke!“, „Schneegestöber“ und „Frohe Weihnachten“ an Familie Frieden im roten Haus. Aber nicht, ohne vorher künstliche Schneeflocken in die Umschläge zu verteilen. Dann ist Weihnachten ganz toll. Für Menschen, die das brauchen. Ich gehöre wohl nicht dazu.

 

Dein Homo Magi

 

Es werde Licht

 

Hallo Salamander,

 

wir nähern uns mit weiten Schritten dem Yul-Fest. Das heißt auch: Lichterpracht, Kerzenmeer, Feuerschein, Wiederkehr des Lichts.

Für mich heißt die Vorbereitung auf Yul im Moment etwas anderes. Durchgebrannte Glühbirnen.

Vorgestern explodierte beim Heimkommen im Flur die Birne. Zappendusterkeit, besonders weil just in diesem Moment die Zeitschaltuhr im Treppenhaus das Licht hinter mir abschaltete. Da es, wenn ich von der Arbeit komme, draußen schon lange dunkel ist, stand ich auch im Dunkel. Also mit Schuhen und Mantel in die Wohnung, einen weiteren Lichtschalter suchen, der etwas Licht in den Flur werfen würde. Rumms, platz, bong. Ich fand das nächste Licht und durfte erst einmal die Kiste wieder einräumen, die ich umgerannt hatte.

Aber ich wollte die Birne nicht alleine austauschen. Also wartete ich auf „das Kind“. Dieses kam gestern und durfte mir gestern Abend beim Austausch der Birne assistieren. „Das Kind“ half auch gerne. Sicherung raus, Lampe herunter, alte Birne raus, neue Birne rein, Lampe wieder festgeschraubt, Sicherung rein. Großspurig wollte ich zeigen, dass nach Hereindrehen der Sicherung wieder Licht in der gesamten Wohnung möglich ist. Pong! Da verabschiedete sich das Küchenlicht. Im Flur war ja jetzt Licht, deswegen leuchtete spärlich helles Funkeln in die Küche herüber. Ich machte mich also auf, hoppelte in die Küche und demontierte die Lampenfassung.

Nach einigem Husten war mir klar, wo sich die toten Motten der letzten Monate verborgen hielten. Nämlich in der Fassung der Küchenlampe. Nachdem ich spuckend und schnaufend und unter den hämischen Kommentaren des Kindes wieder in den beleuchteten Flur vorgestoßen war, machte ich mich daran, die Birne zu ersetzen.

Die erste Birne passte nicht in die Fassung.

Die zweite Birne passte nicht in die Fassung.

Die dritte Birne passte, gab aber kein Licht.

Das Kind mutierte inzwischen zum Elektriker und gab fachkundige, aber völlig überflüssige Hilfestellungen ab. Genau das war es, was man in diesen Momenten braucht. Ich installierte ein Notlicht und notierte mir brav die Bezeichnung der Lampe von der Fassung, um am nächsten Tag eine Birne zu kaufen.

Pustekuchen. Es gibt im deutschen Lampenhandel keine Birne, die zu der Bezeichnung passt. Also kaufte ich vier unterschiedliche Birnen zu 40 Watt, die jetzt alle in der Fassung ausprobiert werden müssen. Und wenn die nicht in die Fassung passen, DANN VERLIERE ICH DIE FASSUNG! LICHTFESTMASSAKER! YUL-BLUT!

So, das musste raus. Das Universum weiß jetzt, zu was ich bereit bin, wenn die Birne nicht passt. Ich beuge mich nicht der Lichtlosigkeit. Yul rulez?

 

Dein Homo Magi

 

P.S.: Lampe geht.

 

Herrschaft

 

Werter Salamander,

 

kein Satz hat mich in der „Illuminatus“-Trilogie mehr beeinflusst als „Es gibt keine Wächter, nirgends“.

„Illuminatus“ war voll mit Anspielungen, Sex, poppigen Schilderungen und brillanten Kurswechseln. Man wurde unterhalten, verwirrt, belogen und irritiert. Zwischen den Zeilen gab es aber auch Informationen und Hinweise, die ich erst in späteren Jahren enträtselt habe (und einige entziehen sich bis heute der Deutung). So gab es Malaclypse den Jüngeren, Informationen über untote SS-Einheiten, Sex mit Hunden, die „Beatles“ und diverse andere Dinge, die einem nachdenkenswert erscheinen.

Beeindruckt haben mich die Aussagen über Herrschaft und die Rolle der Anarchie. Die endgültige Konsequenz für mich ist klar: Herrschaft ist eine Illusion. Herrschaft ist eine Fiktion, auf die sich Menschen einigen. „Es gibt keine Wächter, nirgends.“ Es braucht immer Menschen, die zum beherrscht sein gezwungen werden und Menschen, die zum herrschen gezwungen werden. Niemand ist automatisch zu seinem Schicksal gezwungen. Wir können nur sterben, schlimmere Dinge sind mit uns nicht möglich (auch Schmerz führt letztendlich zum Tod, sonst nirgendwohin). Wenn wir bereit sind, dieses Risiko in Kauf zu nehmen, dann kann uns nichts passieren. Dann sind wir wirklich frei, weil uns niemand mehr irgendetwas nehmen kann, was wir nicht zu verlieren einkalkuliert haben.

Wer zulässt, dass Herrschaft über ihn ausgeübt wird, der akzeptiert Regeln, die er nicht selbst gemacht hat. Der Druck, den er zulässt, ist genau das – ein Druck, den er zulässt. Im Gegensatz zu objektiven Dingen wie Tier und Tod ist Herrschaft eine weltanschauliche Fiktion, aufrechterhalten dadurch, dass wir an sie glauben.

Wenn ich bereit bin, mit vollem Risiko an die Dinge heranzugehen, dann gibt es nichts, was mich noch erpressen kann. „Woran du glaubst, dafür sollst du leben und sterben.“ So ist es mit der Herrschaft, so ist es mit der Magie.

Nur wenn ich alles wage, kann ich alles gewinnen. Nur wenn ich alles zu ertragen bereit bin, wird mir alles aufgebürdet. Nur wenn ich Schmerz und Leid als Teil der Schöpfung akzeptiere, kann ich mit ihnen leben.

„Es gibt keine Wächter, nirgends.“ Zumindest keine, die mehr fordern könnten als meinen Tod. Und keine, denen ich mehr androhen könnte als ihren Tod. Die Grenzen sind in meinem Kopf, in meiner Seele, in meinem Glauben, in meinen Ansichten, nicht in der echten Welt. Eine Welt ohne Grenzen bleibt komplett erfahrbar. Ob ich dann auch gehe, um zu schauen, ob ich dann auch zaubere, um zu erfahren – es ist meine Entscheidung. An den Wächtern wird es nicht scheitern, wenn ich bereit bin, alles zu geben.

 

Dein Homo Magi

 

Nordische Sagen

 

Hallo Salamander,

 

für einen Vortrag im nächsten Jahr beschäftige ich mich im Moment mit der „Edda“. Ganz ehrlich: Ich habe den Arbeitsaufwand völlig unterschätzt. Natürlich dachte ich, dass ein einfacher Blick in „meine Edda“ (Übersetzung: Häny), die bei mir im Regal steht, alle Fragen beantworten würde. Pustekuchen.

Das Problem wurde schnell groß. Scheinbar war diese „Edda“-Ausgabe nämlich nicht vollständig. Also begann ich, mir auch andere Übersetzungen der „Edda“ zu besorgen – einen Häny besaß ich, also kamen Simrock, Genzmer, Grimm und der zweite Häny hinzu.

Eine erste Durchsicht ergab weitere Probleme: Der Inhalt dieser Werke unterscheidet sich in Reihung, Auswahl und Benennung der einzelnen Teile. Dazu kommt, dass die gleichnamigen Teile auch nicht immer identisch und/oder gleich lang sind (was sich aber erst bei einem Inhaltsvergleich herausstellte).

Bei der ersten Häny-Ausgabe stellte sich früh heraus, dass sie weder über einen einführenden Artikel, noch über Kartenwerk, Glossar oder ähnliche hilfreiche Dinge verfügt.

Die zweite gelesene Ausgabe war die von Simrock. Viel ist hier dem Zeitgeist der Zwischenkriegszeit geschuldet, z.B. die Erklärung „Diese gemeingermanische Tragweite der Eddadichtung, ihr Zeugniswert auch für Deutschland lag Simrock am Herzen“ und die Worte vom Volkstum. Dazu kommen Aussagen wie die über die „heilige Zahl“ 9 der Indogermanen im Vergleich zur 7 der Semiten – auch mal die 3 als heilige Zahl der „germanischen Überlieferungen“ im Widerspruch zur „semitischen Herkunft“ der 7 – und die Thesen vom Einfließen eines „südlichen Mythos“ in die „germanische Anschauung“.

Simrock neigt zu schwülstigen Übersetzungen, die für den heutigen Leser schwierig sind. Zugunsten des Reims werden altertümliche Wörter verwendet, mancher Satz wird gebogen. Als Beispiel mögen die Einführungszeilen zur „Wolüspa“ dienen:

Allen Edeln gebiet’ ich Andacht, / Hohen und Niedern von Heimdalls Geschlecht;

Ich will Walvaters Wirken künden, / Die ältesten Sagen, der ich mich entsinne.

Riesen acht’ ich, die Urgeborenen / Die mich vor Zeiten erzogen haben.

Neun Welten kenn’ ich, neun Äste weiß ich, / An dem starken Stamm im Staub der

Erde.

Genzmer ist wiederum mythisch ein wenig uferlos. So bezieht er die zwölf Götterwohnungen auf die Sternbilder des Tierkreises und spricht von den die Sonne bedrohenden Wölfen als dem „mythische[n] Abbild der Nebensonnen“ (was sind Nebensonnen???). Auch politisch ist hier eher Vorsicht geboten: „Bemerkenswert ist, wie er den Mitgliedern des Knechtstandes ungermanische Rassenmerkmale verleiht, während er die Edeln durch nordisches Aussehen kennzeichnet.“

Ich besorgte mir dann die Übersetzung der Brüder Grimm. Sprachlich sind diese Übersetzungen (eher Nacherzählungen, da die Versform aufgegeben wird) sehr schön:

In uralten Zeiten, als Vögel weissagend sangen und heilige Wasser von himmelhohen Bergen herab rauschten, da gebar Burghild Helge, den großherzigen in Brawald.

Und politisch war hier nichts auszusetzen.

Aber meine mythologischen Fragen, die ich hatte – bis jetzt sind mehr Rätsel aufgetaucht als Rätsel beantwortet worden. Also sitze ich Heiligabend in meiner Wohnung und kämpfe mich durch einen Berg von „Eddas“. Aber es gibt kitschigere Mythen, die man heute lesen könnte – oder hören. Daher bleibt das Radio aus und ich lese „Edda“. Ein Asatru werde ich nie, aber sprachlich – wow –, da kann mich einiges begeistern, was ich hier las.

Inhaltlich folgt eine längere Kritik in meinem Vortrag. Bis dahin verharre ich in Verwirrung.

 

Dein Homo Magi

 

P.S.: Verwendete Literatur

  • Genzmer, Felix „Die Edda.“ Übertragen von Felix Genzmer. Jena, 1933
  • Grimm, Brüder „Walthari-Lied, Der arme Heinrich, Lieder der alten Edda“, Hamburg (Gutenberg-Verlag Dr. Ernst Schultze), 1905
  • Hansen, Walter „Die Edda. Germanische Göttersagen aus erster Hand“. Nach der Übersetzung von Karl Simrock neu herausgegeben, bearbeitet und kommentiert von Walter Hansen, Wien-Heidelberg (Carl Ueberreuter), 1981
  • Häny, Arthur „Die Edda – Götter- und Heldenlieder der Germanen“. Aus dem Altnordischen übertragen, mit Anmerkungen und einem Nachwort versehen von Arthur Häny, Zürich (Manesse Verlag), 4. Auflage 1992
  • Häny, Arthur „Snorri Sturluson Prosa-Edda“. Aus den Altisländischen übertragen, mit Anmerkungen und einem Nachwort versehen von Arthur Häny, Zürich (Manesse Verlag), 1991
  • Neckel, Prof. Dr. G. „Die Edda“. Übertragen von Karl Simrock, herausgegeben von Prof. Dr. G. Neckel, Berlin (Deutsche Buch-Gemeinschaft GmbH), 1927
  • Stange, Dr. Manfred (Hrsg.) „Die Edda. Götterlieder, Heldenlieder und Spruchweisheiten der Germanen“, Wiesbaden (Marix Verlag), 2004 [vollständige Simrock-Übersetzung]

 

Weihnachten

 

Hallo Salamander,

 

dieses Jahr war das Weihnachtsfest ein eigenartiges Weihnachtsfest. Bis wenige Tage vorher kam bei mir überhaupt kein Weihnachtsgefühl auf. Verstehe mich nicht miss: Man kann Heide sein und sich trotzdem an der Wiederkehr des Lichts und angenehmer Stimmung erfreuen. Hoffe ich zumindest.

Die Käuferschaben (oder heißt das wirklich Käuferscharen?) waren wieder in den Innenstädten unterwegs, der Weihnachtsmarkt verkaufte wieder Dinge, die keiner braucht. Die Parkhäuser der Innenstädte waren mit Autos gefüllt, welche die eigenartigsten Kennzeichen trugen. Also war zumindest dieser Teil der Welt so weihnachtlich wie jedes Jahr. Aber das Gefühl – ach, das Gefühl, es fehlte. Zum einen war es der Kaufrausch, der durch die angedrohte Erhöhung der Mehrwertsteuer gelenkt wurde. Man erwarb keine Geschenke, sondern „high price items“, um angeblich 3 % zu sparen. Dann war da noch der mangelnde Schnee, der sich wegen frühlingshaften Temperaturen nun wirklich nicht einstellen wollte. Dazu kamen die üblichen Probleme, die eine unsichere Wirtschaftslage (trotz der Hochrufe der Wirtschaftsweisen) so mit sich bringt. Arbeitslosigkeit, Verelendung, schlechte Nachrichten über die Weltpolitik (wer außer Albanien hat eigentlich noch keine Atombombe?). Aber das sind Dinge, die wir auch wegstecken könnten, wenn sie zu einer anderen Jahreszeit geschehen.

Das Gefühl fehlte. Im Herzen wie in der Seele. Und ich meine nicht das Gefühl, dass das Jesuskind bald wieder in der Krippe liegt oder sich alle Menschen der Welt völlig überraschend für einen Tag ganz schrecklich lieb haben. Das meine ich nicht, weil es Quatsch ist. Ich meine irgendein Gefühl, das mit Mittwinter und der Wiederkehr des Lichts zu tun hat.

Ich gestehe es: Ich war am Heiligabend in einer christlichen Kirche. Nicht, weil mich der Glaubenseifer gezogen hätte, sondern weil ich mit dem Chor, in dem ich singe, dort auftrat. Gospels, um die Kritiker gleich ruhig zu stellen. Schöne Lieder, die nett zu singen sind. Singen ist gut für die Lunge und der Chor ist gut für meine sozialen Kontakte.

Es war auch ein Abschied, der letzte Auftritt mit meiner Cousine, meiner Nichte und meiner Schwester. Meine Schwester geht im Januar für zwei Jahre mit der Familie nach Südafrika und nimmt meine Nichte gleich mit. Also war es auch ein kleiner Abschied, ein kleines Abschiedskonzert.

Und dann lief alles ganz toll. Erst Bescherung mit den Neffen, dann der Besuch des spätabendlichen Gottesdienstes. Da sind dann die in der Kirche, die wirklich wollen – und man hat nicht die einmal im Jahr prall gefüllten Bänke zum „normalen“ Weihnachtsgottesdienst. Keine bekannte Predigt, sondern Lesungen von Texten zeitgenössischer Autoren, keine Weihnachtslieder, sondern Dinge, die man nicht so oft singt, und die Gospels. Und Licht, überall Kerzen, bekannte Gesichter (ich bin in der Gemeinde groß geworden) und ein üppiges Händeschütteln zum Abschied.

Dann durfte ich meine Großfamilie noch heimfahren, nachdem ich meine Mutter geknuddelt hatte, und fuhr durch die nächtliche Stadt heim. Die Straßen waren leer, überall brannten Lichter und draußen war Frost.

Weihnachten. Für wenige Minuten, aber immerhin. Weihnachten. Die geweihte Nacht, das Licht kommt wieder. Drei Tage zu spät, wenn man von Yul ausgeht, aber besser als nie.

 

Dein Homo Magi

 

P.S.: Es ist für mich das erste Weihnachten ohne meinen Vater. Ich gebe zu, dass mich das trifft. Aber der Teddy, den ich zu meinem ersten Weihnachten geschenkt bekommen habe, wacht neben meinem Bett. Lieber ein Bärentotem als gar kein Totem. Hugh!

 

Das Jahr geht – wo geht es hin?

 

Hallo Salamander,

 

bald ist wieder Jahreswechsel. Raketen werden in den Himmel geschossen, Wunderkerzen hoch gereckt und Glühwein und Sekt werden in ungeahnten Mengen vernichtet. Was ich nicht verstehe, denn sowohl Glühwein als auch Sekt sind sichere Garanten dafür, dass man am nächsten Morgen mit brutalen Kopfschmerzen aufwacht. Scheinbar ist das aber gewollt. Eine Art kollektives Vergessen ist hier geplant, welches das vergangene Jahr aus den Gedächtnissen löscht, darüber eine Schicht Kopfschmerzen ablegt und den Kopf erneut leer macht für die Eindrücke des neuen Jahres. Die zurückbleibenden Schmerzen im Kopf stammen vom formatieren der Gehirnzellen.

Klingt gut, ist aber unrealistisch.

Auch die Hoffnung, die Raketen und Wunderkerzen sollten das elektrische Feuerwerk im Hirn stimulieren, das beim Aufräumen für das neue Jahr nötig ist, geht fehl. Das Gehirn braucht keine Stimulation von außen, um aufzuräumen. Es räumt nicht auf zum Jahreswechsel, von daher ist jede Stimulation überflüssig.

Nachdem also offensichtlich diese beiden ersichtlichen Reize ausfallen und sich das kulturelle Gedächtnis einer Bevölkerung nicht – wie von mir erhofft – zugunsten der Gehirnaufräumung auslegen lässt, bleibt mir nur die These, dass niemand ernsthaft darüber nachdenkt, sein Gehirn zum Jahreswechsel aufzuräumen. Naja gut, niemand stimmt nicht. Ich tue es.

Ich benutze seit Jahren, Jahrzehnten fast die Tage zwischen Weihnachten und Silvester dazu, meine Wohnung und – soweit damit verbunden und überhaupt leistbar – mein Leben aufzuräumen. Es ist immer ein Kampf mit Aktenordnern, Papierstapeln, Regalmetern und meiner eigenen Ordnungssucht.

Dazu kommt, dass natürlich nach Weihnachten die Papiercontainer bis zum Rande voll sind mit Geschenkpapier. Und dann komme ich mit zwei Kisten voll alter Briefe, die auch noch in den Container sollen. Meistens stapele ich meine Kartons dann im Treppenhaus und harre eines günstigeren Zeitpunkts für die Müllentsorgung. Aber ich kann schon glücklich sein, dass ich in diesem Treiben antizyklisch zu sein scheine, sonst ständen zwischen den Jahren alle Treppenhäuser Deutschlands voll mit Altpapier.

Scheinbar passiert das in anderen Leben nur zu Tod und Umzug. Dafür im großen Stil und mit Kisten, die unsortiert in den Container wandern. Das erspare ich mir und – weise voraus denkend – meiner Nachwelt.

 

Dein Homo Magi

 

Schwestern

 

Hallo Salamander,

 

vor einigen Tagen ist meine Schwester samt Familie (zwei Kinder und Mann) für zwei Jahre nach Südafrika „verschwunden“. Ihr Mann hat dort eine Lehrerstelle an einer deutschen Schule. Natürlich gönne ich es den allen, aber ebenso natürlich war der Abschied am Flughafen eine Katastrophe.

Meine Großmutter ist inzwischen über 100 und kann sich ausrechnen, dass sie meine Schwester nicht lebend wiedersieht. Also war der Abschied sehr tränenreich und sehr schmerzhaft für beide. Meine Neffen habe ich am Flughafen noch dick gedrückt, meinen Schwager umarmt und meine Schwester mehrfach umarmt, bis sie endlich darauf bestand, durch das Gate zu gehen, damit sie uns entkommt.

Für meine Mutter war es besonders schwer. Sie hat im letzten Jahr ihren Mann verloren und verliert jetzt auch – wenn auch auf Zeit – ein Kind und zwei Enkel. Das ist für sie sehr schmerzhaft, wie man sich sicher vorstellen kann. Mit Trennungen hat sie es nicht so – ihr Vater starb, als sie noch sehr klein war, und seitdem ist aus ihrer Kernfamilie (schlimmes Wort) kein Mensch mehr gestorben. Also hat sie jetzt einige Abschiede zu verarbeiten, was ihr naturgemäß nicht leicht fällt.

 

Ich konnte am Flughafen nicht weinen. Es waren zu viele Menschen da, um die ich mich kümmern wollte und sollte. Schulfreundinnen meiner Nichte (die auf ein halbes Jahr mitgeht, um in Südafrika die Schulbank zu drücken), die alle später heimgefahren werden wollten. Mein Neffe (der Bruder jener Nichte), der auch zu seinem Auto kutschiert werden musste. Meine Mutter und die Mutter meiner Nichte, die beide geheult haben wie Schlosshunde. Also war es für alle Beteiligten nicht einfach.

Ich habe auch nicht geweint, weil mir Tränen in der Öffentlichkeit immer sehr schwer fallen. Ich konnte das noch nie gut, werde es wohl auch nie gut können (wobei sich die Frage stellt, ob da noch alte Sprüche wie „Männer weinen nicht“ eine Rolle spielen, die sich tief in mein Gehirn und meine Seele gefressen haben).

Meine Trauer ist meine Sache, die mache ich mit mir selbst aus. Sehr un-magisch wie ich erkennen darf, denn eigentlich soll man Gefühle ja ausleben können. Immerhin kann ich darüber schreiben. Ein erster Schritt der Heilung für mich, für den geschriebene Worte schon immer einfacher waren als gesprochene Worte. Eigentlich auch eigenartig für jemanden, der Magie mit Worten betreibt. Aber: Man muss nicht alles können und mein Leben besteht aus Lücken, die ich zu umschiffen oder zu schließen suche. Das stetige Weiterarbeiten am eigenen Charakter – das ist Magie.

In diesem Fall war es keine schöne Form, keine angenehme Form, aber eine Form, mit der ich umzugehen lernen musste.

 

Dein Homo Magi

 

Pati

 

Werter Salamander,

 

am letzten Sonntag durfte ich (als vierter Pate) meinen Neffen taufen. War schön. Ich bin beim Gebet nicht aufgestanden (mit der cleveren Ausrede, meinen Neffen auf dem Schoß zu haben), ich bekam kein Patenbuch (weil ich kein Kirchenmitglied bin), ich durfte in der Kirche nichts zur Taufe sagen (dito) und ich sah in meinen schwarzen Klamotten sicherlich malerisch hübsch aus (meine Mutter meinte, ich hätte „andächtig“ ausgesehen, was auch immer das heißen mag).

Von den vier Paten waren zwei nicht in der Kirche und zwei waren Heiden. Aber natürlich waren nicht die beiden Nicht-Kirchenmitglieder Heiden, sondern die Mischung war ordentlich. Ein Heide in der Kirche, ein Christ in der Kirche, ein Heide nicht in der Kirche, ein Christ nicht in der Kirche. Die Verwirrung, die wir theologisch erzeugt haben, muss im Himmel gewaltig gewesen sein.

Die Rede, die ich in der Kirche nicht halten durfte, wollte ich dann im Gemeindehaus nicht halten. Von daher kann ich an dieser Stelle den Brief präsentieren, den ich meinem Patenkind (und seinen Eltern) geschrieben habe. Ich hoffe, er amüsiert dich, werter Salamander.

 

Wertes Patenkind,

werte Eltern meines Patenkinds!

 

Das, was man einem Patenkind schenken könnte, ist begrenzt. Einmal bleiben materielle Geschenke (also: Geld), was aber dem Kind zur momentanen Zeit wenig bringt. Ein Kind von weniger als einem Jahr hat keine Möglichkeit, Geld selbst auszugeben und bis es volljährig ist, verbleibt Geld sowieso bei seinen Eltern. Ebenso verhält es sich mit Dingen, die auch materielle Geschenke sind. Mit ihnen könnte das Kind dann immerhin spielen, aber es ist davon auszugehen, dass es weder das Geschenk mit dem Schenkenden in Verbindung bringt, noch einen Mangel an Spielzeug sein eigen nennt (zumindest ist dies meine Beobachtung).

Bleiben die ideellen Geschenke. Man kann versprechen, sich um das Kind zu kümmern (eine Art Hypothek auf ein freundliches Verhalten in der Zukunft), man kann eine Menge Wünsche äußern (die noch dazu kostenlos und unverbindlich sind), aber so richtig hilfreich ist das alles auch nicht.

 

Ich habe versucht einen anderen Weg zu gehen (der aber die obigen Optionen von späteren Geschenken, Wünschen und so weiter nicht ausschließt). Im Märchen ist es immer die vierte Fee, welche die bösen Wünsche äußert. Und so darf ich es mir erlauben, in meiner Rolle als vierter Pate einen Kommentar abzugeben, der nicht in das gängige Klischee der Äußerungen von Paten passt.

Erstens ist es so, dass die meisten anderen Paten dem Kind Dinge wünschen. Ich verzichte darauf und wünsche dem Kind lieber, dass seine (vernünftigen) Wünsche Realität werden. Denn Erwachsene wünschen Kindern doch nur, was sie sich wünschen würden, wenn sie noch einmal in der Rolle des Kindes wären – aber ob das für das Kind gut und richtig ist, sei dahingestellt.

Zweitens hat das Kind schon viel von dem, was es eigentlich geschenkt oder gewünscht bekommen sollte. Es hat nette Eltern, süße Geschwister, eine coole Frisur und einen Schrank voller Patinnen und Paten. Auch aus dieser Warte mache ich mir wenig Gedanken und sehe wenig Anlass zum Handeln.

Drittens ist es so, dass immer der dritte Königssohn das Königreich und die hübsche Prinzessin abgreift. Also auch auf dieser eher mythischen (und den Bogen zurück zu den Gebrüdern Grimm schlagenden) Ebene ist wenig Platz für Sorge um das Kind angesagt.

 

Mir bleibt also nur, das Versprechen abzugeben, dass ich versuchen werde, des Patenkindes Wünsche zu erkennen und zu erfüllen – wenn sie vernünftig sind (denn die Vernunft sollte man schon als Beigabe des Erwachsenen an das Kind mit in die Geschenksuppe mischen). Außerdem verspreche ich, für das Kind da zu sein, wenn es mich braucht (und verweise voller Freude darauf, dass mein eigener Patenonkel mir zu meinem vierzigsten Geburtstag 50 Euro schenkte, damit ich in Ruhe davon mit einer schönen Frau essen gehen kann – so etwas wünscht man sich doch von seinen Paten, oder?).

 

Das muss langen.

Euer Pate #4

 

Soviel dazu. Ich hoffe nur, dass ich das Richtige getan habe ...

Dein Homo Magi

 

Zombies im Vormarsch

 

Hallo Salamander,

 

Philip K. Dick beschrieb in dem englischen Original von „Blade Runner” ein Polizeirevier, welches komplett vom Androiden übernommen war.[4] So ähnlich ging es mir auch, als ich vor einigen Tagen im Postamt war.

Die Hauptpost in der Innenstadt hat keinen Parkplatz und immer lange Schlangen vor der Theke. Daher nutze ich die Gelegenheit, wenn ich meine Mutter im Vorort besuche, und marschiere auf die dortige Filialpost. Es gibt dort einen riesigen Parkplatz samt Altpapier- und Altkleidercontainer, von daher kann man die Fahrt immer praktisch mit einer Besorgung/Entsorgung verbinden.

Also marschierte ich mit meinem großen Poststapel in die entsprechende Filiale. Leider musste ich feststellen, dass an diesem Tag die creme de la creme der deutschen Postmitarbeiter in der Filiale Dienst tat. Drei Personen standen hinter der Theke. Links der übergewichtige Chef der Postfiliale, der im Zeitlupentempo Kartons von einem Gittercontainer in den anderen Gittercontainer stapelte. Rechts die offensichtlich gerade unter schweren Psychopharmaka stehende Berufsrückkehrerin. Die Fingernägel waren weiß lackiert und mit kleinen Strasssteinen geschmückt. Die Haare waren wirr, die Bluse zu weit offen, die Jacke hatte Joghurtflecken (zumindest hoffe ich, dass es Joghurt war und keine Körperflüssigkeiten). An der Bluse ein spiritueller Anhänger in grob keltischem Format, dazu an jedem Finger einen Ring. Mit ruhigen Bewegungen gab sie die Buchung eines Kunden bei der Postbank in den Rechner ein. Die erste Buchung löschte sie aus Versehen, beim zweiten Mal löste sie durch eine fahrige Geste die Verbindung zum EC-Karten-Stecker und beim dritten Versuch musste sie dann den Filialleiter fragen, was sie jetzt machen sollte. Der löste sich von seinem Gitterboxenproblem und schlich zu ihr herüber. Ich konnte seine Füße nicht sehen, aber sie steckten bestimmt in Filzpantoffeln.

Für die Schlange von immerhin fünf Personen vor mir blieb also nur der mittlere Arbeitsplatz übrig, da die Mitarbeiter rechts und links in harter Arbeit versunken waren. Die Dame in der Mitte war vielleicht einen Meter sechzig groß, trug eine Postblouson und ein Kreuz um den Hals. Ideale Voraussetzungen. Dazu ein blonder Pagenkopf und eindeutig ein harter russischer Zungenschlag in der Stimme. Ich weiß nicht, wie sie es geschafft hat, irgendwelche Anstellungstests bei der Post zu bestehen. Einfachste Anfragen beantwortete sie falsch oder verstand sie erst gar nicht, immer wieder musste der arme Vorgesetzte (der immer noch am PC rechts herumschlief) einfachste Fragen beantworten. Harsche Antworten wie „können wir nicht“ oder „geht nicht bei der Post“ verwirrten schon die Dame vor mir.

Dann kam ich dran. 20 identische Umschläge mit CD. Jeder Umschlag wurde brav durch die Größenmessung geschoben, so dass das Porto exakt berechnet werden konnte. Meine Hinweise auf den identischen Inhalt bei identischem Gewicht wurden ignoriert, bis alle 20 Umschläge durch waren. Dann kam meine Luftpost nach Südafrika. Genau so gut hätte ich versuchen können, ein Lastpaket mit Sondermüll in die Ukraine per Einschreiben mit Rückschein zu versenden. Südafrika zählt schon zu den hochentwickelsten Ländern Afrikas, also kann ich nur darauf hoffen, dass an deren Ende der Welt die Zustellung besser funktioniert als an meinem Ende der Welt.

Irgendwann waren die 20 Umschläge verschickt. Auch mein Schreiben nach Südafrika war raus. Meine restlichen Postkarten und Briefe wurden in der üblichen Arbeitsgeschwindigkeit von 2 m/min. erledigt.

Die Schlange hinter mir wurde immer länger. Die beiden anderen Mitarbeiter waren immer noch am PC beschäftigt. Da wurde es mir klar. Das sind keine Menschen, das sind Zombies. Wahrscheinlich sind sie eines Nachts gestorben und trotzdem zur Arbeit gegangen. Gewöhnung halt beim deutschen Beamten. Und jetzt sind sie hier, untot und verstorben, aber immer noch arbeitswillig. Einfach gestrickt, geistig tot – aber für die Filiale des Todes reicht es noch.

Ich bin verwirrt. Vielleicht hätte ich doch gestern nicht „Die Nacht der reitenden Leichen“ sehen sollen. Aber es erklärt einiges.

 

Dein Homo Magi


Sturm

 

Hallo Salamander,

 

der Sturm letzte Woche war eigenartig. Natürlich war er auch meteorologisch eine Ausnahmeerscheinung für unsere Breiten. Früher gab es auch Stürme, früher gab es auch große Zerstörungen durch die Stürme. Aber im Umfeld von Klimakatastrophe und Erderwärmung betrachtet man natürlich Stürme anders, als man es noch vor einem Jahrzehnt tat.

Wie vermisse ich die Leute, die eigenartige Wetterlagen fast schon gebetsmühlenartig auf die russischen Wettermaschinen schoben. Mit dem Wegfall der UdSSR als Weltmacht scheinen deren Wettermaschinen wohl verschrottet worden zu sein – und jetzt ist das Ozonloch schuld, zusammen mit dem Ausstoß der Energiestaaten an Müll in die Atmosphäre. Immerhin werden in diesem Ansatz die Heiden nicht verdächtigt.[5]

Früher wurden die weisen Männer und Hexen herbeigezerrt, wenn der Hagel die Ernte vernichtet hat. Glücklicherweise ist das jetzt nicht mehr der Fall – was meiner körperlichen Unversehrtheit deutlich entgegen kommt.

Der Sturm war eigenartig, weil er energetisch so tot war. Natürlich wehte der Wind, natürlich bewegten sich die Bäume, die Schindeln fielen vom Dach und so weiter und so fort. Aber auf der magischen Ebene tat sich wenig; ein laues Lüftchen wehte, das in keinem Zusammenhang mit dem stand, was auf der irdischen Ebene passierte. Eigenartig.

Nachforschungen sind hier auch sinnlos. Die irdische Ebene verändert sich im Moment durch unsere massiven Eingriffe in das Gleichgewicht der Natur zu schnell, als dass wir den Veränderungen auf der magischen Ebene folgen könnten. Die magische Ebene ist auch von der Definition her immer ein wenig langsamer (und auf längere Wirkungen angelegt), so dass kurzfristige Veränderungen hier nicht sofort Wirkung zeigen.

Wirkung zeigen sie, aber das wird noch eine Weile dauern. Die Windgeister werden unruhig, die Informationen der Winde werden mehr und mehr unzuverlässig (kein Wunder, wenn die Winde auf einmal neue Wege gehen müssen). Das ist so, als würde man einem Postboten, der 30 Jahre lang immer die selben zwei Dörfer bedient hat, auf einmal zwei neue Dörfer zuweisen. Er muss sich erst mit dem Land vertraut machen, die Leute kennen lernen, die Hunde bestechen und so weiter. Das ist mit den Winden genauso. Und wenn dann ein Sturm wie Kyrill dazwischen schlägt, dann sind die Winde erst einmal verwirrt (magisch wie irdisch/materiell).

Diese Situation haben wir im Moment. Es ist auch interessant, dass kein mir bekanntes magisches Warnsystem vor dem Sturm gewarnt hat. Nachher sind wir alle klüger und bei 100 Vorhersagen wird irgendeine immer zutreffen – das ist wie beim Lotto, irgend jemand gewinnt immer.[6] Aber sichere Vorhersagen sind nicht möglich, sind auch akkurat durch die sich verändernden Faktoren (siehe oben) nicht möglich.

 

Was heißt das? Etwas genaues weiß man nicht. Ich bleibe dran. Erst habe ich die Sturmschäden zu vermeiden gesucht (Auto vor dem Haus weg geparkt, Fenster geschlossen, technische Geräte vom Netz genommen), dann habe ich die Sturmschäden beseitigt (gelbe Säcke wieder eingesammelt, die wahrscheinlich im Hof uralte Runen bilden wollten, aber ich war nicht in der Lage, ihre Botschaft zu lesen) und meinen Vermieter darüber informiert, dass wohl wieder Wasser in den Dachboden eingedrungen ist (was kein Wunder ist).

Jetzt geht es um die „magische Nachbereitung“. Ich bin dran, kleiner Lurch. Aber es wird ein wenig dauern. Vielleicht gibt es auch keine Antworten. Manchmal muss man damit zufrieden sein, dass man es ernsthaft versucht hat. Antworten sind nicht immer zu erwarten, aber die Suche nach ihnen ist der richtige Weg. Wer nicht fragt, der bleibt dumm.

 

Dein Homo Magi

 

Peter

 

Hallo Salamander,

 

technisch bin ich ein wenig hinter der Zeit zurück. Das gebe ich gerne zu, dazu stehe ich. Zum Teil ist das gewollt, zum Teil Zufall. Doch kein Bereich meines Lebens wird so technisch unter Druck gesetzt wie der Großbereich Technik (Telekommunikation/Computer).

Beim Hinweis darauf, dass ich mir nicht Filme aus dem Netz herunterladen kann, höre ich „dass doch heute jeder Depp DSL hat“ und „dass ein lahmes Modem keine Ausrede ist“.

Ich besitze keinen Anrufbeantworter und kein Handy. Mein Festnetztelefon notiert sich brav, wenn jemand mit ISDN anruft. Das macht es automatisch, dagegen kann ich nichts tun. Ich habe aber schon Freunde, die man ohne übertragene ISDN-Kennung nicht anrufen kann. Es gibt wohl einen Service der Telekom, der das möglich macht. Wenn ich meine Nummer nicht rausgebe, dann kann ich niemand erreichen ... welch Glück, dass mein Telefon das tut. Nur stelle ich immer wieder beim Anruf bei der Bringpizzeria fest, dass die übertragene Nummer eine von drei Nummern meines ISDN-Anschlusses ist, jedenfalls nie die, die ich vermute und bei der Bestellung angebe. Aber ich habe ja auch kein Handy. Im Team meines Arbeitgebers bin ich der einzige Kollege, der nicht überall erreichbar ist. Ich finde das keinen Makel, andere schon.

Wir reden auch nicht von der Konfiguration meines Rechners. Er rechnet vorbildlich, kann Textdateien öffnen und verwaltet unter einem Kalkulationsprogramm meine monatlichen Ausgaben. Okay, er kann wahrscheinlich nicht mithalten, wenn es um das modernste PC-Spiel geht und auch Videos laufen nur ruckelnd – aber wer braucht das schon?

Heute habe ich dann versucht, für meinen Drucker die Kartusche auffüllen zu lassen. Das ging. Dann wollte ich feststellen, ob es für meine Kartusche (die ich im teuren Original leer als Vorführobjekt dabei hatte) auch einen Billiganbieter gibt. Auf die Frage des Verkäufers, wie mein Drucker heißt, antwortete ich „Peter“. Damit konnte der Verkäufer nichts anfangen. Dabei war meine Antwort ehrlich.

 

Ich komme mir bei solchen Unterhaltungen immer wieder vor, als wäre ich in der Steinzeit verblieben. Aber dann verfalle ich in das Nachdenken. Muss man denn alles, was technisch möglich ist, auch umsetzen? Ist denn alles, was machbar ist, auch gewollt in meiner Wohnung?

Nur weil es Laseraugenoperationen gibt, um meine Fehlsichtigkeit zu korrigieren – muss ich das tun? Werde ich von meinem Bekanntenkreis zur Rechenschaft gezogen, weil ich noch eine Brille trage? Nein.

Narben kann man operativ inzwischen fast restlos entfernen. Will ich das? Zwingt mich jemand dazu? Nein.

Ich könnte mir auch einen Sender unter die Haut pflanzen lassen, in meinem Schlüsselanhänger einen USB-Stick unterbringen, mein Auto auf Biogas umstellen, darauf sparen, an einem Raumspaziergang teilzunehmen oder mit einem Handy in meiner Wohnung und in zwei Kilometer Umkreis billig telefonieren. Werde ich dazu gedrängt? Brauche ich das?

Der Druck findet in einem bestimmten Bereich statt, weil es hier um Geld, Waren und Umsatz geht. Das „meiner ist länger als deiner“-Spiel, umgelegt auf Festplatten und Zugriffszeiten, Ladezeiten und Grafikkarten. Dem werde ich mich weiterhin entziehen.

 

Ein guter Magier wird nicht daran gemessen, wie prunkvoll sein Mantel, wie lang sein Stab, wie silbern seine Ringe und wie prachtvoll seine Folianten sind.

 

Man sollte sich auf das konzentrieren, was wichtig ist.

Und nicht alles unkritisch übernehmen, was einem von der Umwelt als wichtig gemeldet wird. Magie heißt auch, Dinge zu tun, die ungewöhnlich sind – und Dinge nicht zu tun, die gewöhnlich sind.

 

Dein Homo Magi

 

Traumberuf

 

Hallo Salamander,

 

wie ich schon mehrmals erzählt habe, arbeite ich indirekt für die Agentur für Arbeit. Diese weise Institution, zu vergleichen nur mit den atlantischen Hohepriesterzirkeln, den Druiden des Carnutenwalds und den aufgestiegenen Meistern Tibets, überrascht mich immer wieder.

Es ist schon eigenartig, dass die Agentur für Arbeit es geschafft hat, in der Öffentlichkeit ein Bild von sich zu verbreiten, als wäre sie eine profane Organisation, so weit von Magie entfernt wie nur irgend möglich.

Ablenkung! Nebelschleier! Verwirrungstaktik!

Die Agentur für Arbeit ist in Wirklichkeit eine esoterische Hochgradorganisation, die versucht, über geheime Vorgänge die Welt – zuerst natürlich Deutschland – zu übernehmen und komplett in ihrem Bilde umzuprogrammieren.

Endlich ist es mir gelungen, die Wahrheit herauszufinden. Die Agentur für Arbeit hat sich verraten.

 

Zuerst die Fakten, bevor die mich für völlig irrsinnig erklärst. Man nehme einen Internetzugang und begebe sich auf die Seite: http://www.berufenet.arbeitsagentur.de/berufe/index.jsp

Man befindet sich jetzt auf der Startseite des Berufenet der Agentur für Arbeit. Man klicke auf „Suche von A-Z“. Jetzt gebe man den Suchbuchstaben „H“ ein. Langsam runterscrollen und zwischen „Helfer/in im Gastgewerbe“ und „Herbergswirt/in“ findet sich „Hellseher/in“. Natürlich mit dem Verweis „sonstige Fachkräfte“ (und nicht zufällig mit der Nummer 100 in der Liste unter „H“!).

 

Keine Fragen mehr. Alles geklärt. Wahrscheinlich muss man auch Hellseher sein, um jemandem einen Job zu vermitteln. Ich werde mal versuchen, mich auf Kosten der Agentur für Arbeit umschulen zu lassen.

Hähähä.

Entlarvt.

 

Dein Homo Magi


Losungen

 

Hallo Salamander,

 

vor wenigen Tagen war ich zu einer Lesung in eine mitteldeutsche mittelgroße mittelprächtige Stadt eingeladen. Eigentlich war alles perfekt geplant. Freitag Anreise in das gemietete Hotel, dann abends Stammtisch mit den örtlichen Heideneliten, Samstag einige Einkaufsbummel durch die Innenstadt, dann die Lesung, danach ein freundliches Essengehen und vielleicht irgendwo ein Cocktail als Absacker. Zurück ins Hotel, am nächsten Morgen ein wenig spazieren gehen und dann die fröhliche Heimfahrt.

 

Pustekuchen.

Die Hinfahrt gestaltete sich Freitag-Nachmittag-typisch frühlingshaft-regnerisch. Am Ziel stellte ich fest, dass ich in einem eigenartigen Hotel gelandet war. Kein Mensch im Eingangsbereich, kein Mensch zu hören, keiner zu sehen – aber ein Schild auf der Rezeption: „Bei Fragen wählen Sie bitte die 20“. Das tat ich. Ob ich jetzt mit einem Telefoncenter auf den Malediven oder mit einem Mitarbeiter im Haus verbunden war, das entzog sich meiner Kenntnis. Mit französischem Zungenschlag meinte der Hotelgnom, der Rest sei schon da und auf dem Zimmer, von daher müsste ich hoffen, dass man mich reinlässt, weil ... Auf meine Frage, was passieren würde, wenn ich nicht reinkäme, beschied man mir, dass dann jemand käme, der mir einen Zweitschlüssel gäbe. Ich traute dieser Aussage nicht, ging aber trotzdem am avisierten Zimmer klopfen. Man ließ mich ein. Gut, weil sonst hätte das Telefoncenter auf den Malediven jemanden herschicken müssen. Das kann dauern.

Später kam dann der Wunsch auf, irgendwo einen Kaffee zu trinken, bevor der Stammtisch beginnt. Im Erdgeschoss des Hotels konnte man, wenn man einem dunklen Gang folgte und an den Toiletten der Bar vorbeiging, ein nettes Cafe erreichen. Der Notausgang des Cafes führte in das Hotel, von daher war die abendliche Rückkehr geklärt, so lange das Cafe auf war. Das Hotel war irgendwann nämlich zu – kein Wunder, wenn es da auch kein Personal gibt. Wenn das Cafe auch war, konnte man über eine Hoftür mit einem separaten Schlüssel ... aber das war nicht nötig.

Vom Cafe aus ging es zurück ins Hotel, dann auf den Weg zum Stammtisch. Die Bestätigungsmail, wann und wo der Stammtisch genau war, kam Freitagabend bei mir daheim an – das nutzte mir natürlich in der Situation vor Ort herzlich wenig. Aber ich hatte mir am Telefon beim Erstkontakt einen Zettel geschrieben, den konnte ich jetzt nutzen, um herauszukriegen, wo der Stammtisch war (ich hatte immerhin den Namen des Lokals in ungefähr notiert).

Von der freundlichen Bedienung im Cafe waren wir um den Block geschickt worden – nur um nachher festzustellen, dass der zweite Ausgang des angepeilten Restaurants vom Cafe aus deutlich zu sehen war. Aber wir mussten erst einmal um den ganzen Block.

Im Restaurant warteten wir im Vorraum, bis man uns endlich auflas – also: bis jemand mit Heidenmetall um den Hals hereinkam, den wir ansprechen konnten. Das ließ sich aber lösen. Das ungenießbare Essen bekam meine Nachbarin, dafür ich immer erst nach einer halben Stunde mein Bier. Aber es ging und war lustig. Abends konnten wir dann durch das Cafe in das Hotel vordringen.

Samstag. Der Frühstücksraum des Hotels entpuppte sich als das Cafe des Vorabends. Wir waren nicht überrascht. Die Bedienung im Cafe meinte auch, es gäbe schon immer Schwierigkeiten mit dem Hotel – das unsichtbare Personal, die mangelnde Absprache und so weiter.

Das Einkaufen ließ sich dadurch stoppen, dass es in dieser Stadt scheinbar keinen einzigen Laden gibt, den zu besuchen interessant wäre. Der Rollenspielladen war nett, der Rest schier langweilig. Also ging es in den Esoterik-Laden, wo die Lesung stattfinden sollte.

Das „Plakat“ für meine Lesung war immerhin A4 groß, dafür hing es laut Aussage von Zeugen erst eine halbe Stunde. Der Hinterraum des Ladens hatte letzte Woche gebrannt, so dass es ein wenig nach Asche roch und man auch keine Gelegenheit gefunden hatte, mein Buch zu bestellen. Also musste ich nicht signieren – aber eigenartig war das schon. Umsatz mit Büchern, die man liest, wird allgemein überschätzt.

Von den 10 oder so Zuhörern kannte ich 8. Die beiden anderen waren der übliche nette und der übliche eigenartige Esoteriker. Letzterer fragte immer zwischendurch nach von mir nicht-genannten Verschwörungstheorien (Chem-Trails, Illuminaten, Bilderberger) und wollte wissen, was ich davon halte. Und natürlich ist die amerikanische Regierung die größte Verschwörung und und und ... Da fällt einem als höflicher Vorleser irgendwann kein Kommentar mehr ein, der nicht unter das Strafgesetzbuch fällt. Ich habe aber durchgehalten und wurde nicht allzu sehr ausfällig.

Der folgende Kaffee war wieder nett, doch dann ging die Suche nach einem vorgeschlagenen indischen Restaurant los. Ein Pärchen, das nachfahren wollte, musste erst das Auto aus dem verschlossenen Parkhaus holen (in Metropolen wie jener schließen Parkhäuser samstags schon um 18.30 Uhr), dafür haben wir uns verlaufen. Irgendwann fanden wir den Inder. Irgendwann kam auch das Essen. Die andauernde Berieselung mit Ölduft und Bratensaft führte aber dazu, dass wir doch noch lieber in einer Kneipe einen trinken wollten.

Kneipe. Scheint hier Mangelware zu sein. Studentenstadt hin, Karneval her – Bruchbuden, unter-aller-Sau-Etablissements und volle Räume. Der brillant als „Irish Pub“ getarnte Schuppen, wo wir endeten, hatte nur (!) Guinness – kein anderes irisches Bier, keine Chips, nix. Ich war beeindruckt.

Also blieb nur der Alkohol.

Auf der Heimfahrt – man fuhr mich ins Hotel – ging dann meine Tür auf der Rückbank erst nicht zu. Anfangs lag es daran, dass ich noch gar nicht im Auto war (das ist ein Hemmnis; schon gar, wenn man die Knie auf der Heimfahrt mitnehmen will), dann lag es daran, dass ich die Tür nicht wieder zuschlagen konnte, weil die Kindersicherung eingerastet war. Ich kommentierte nicht mehr, hörte Loki leise lachen und fuhr ins Hotel.

Im Cafe unter uns war Party bis 2.30 Uhr, was wir durch den dünnen Boden nett mithören durften. Dafür begann um 8.00 Uhr das Schlagwerk der Uhr, die auf der Außenseite unseres Zimmers angebracht war, laut den Tag zu künden.

Jetzt war jemand an der Rezeption, aber die wollten ja auch Geld. Wir fuhren. Mein Auto blieb vor dem Schlagbaum stehen, weil der Rezeptionssklave verpeilt hatte, dass wir mit mehreren Autos da waren. Also wieder rein, Ausfahrt beantragen.

Fahren. Stadt verlassen. Aus dem Auto springen und den Boden küssen. Scheibe runterlassen, Zigarillo anzünden, leise lachen und den Tag abhaken.

Lesung. Ha. Losung. Wäre ehrlicher gewesen.

Trotzdem habe ich mich über die Einladung und die Gäste gefreut. Aber ich soll wohl nicht an meinem Buch reich werden.

 

Dein Homo Magi

 

Trauer

 

Hallo Salamander,

 

es ist jetzt fast ein Jahr her, dass mein Vater gestorben ist. Geht man nach dem normalen Kalender, so ist morgen der Todestag. Geht man nach dem Mondkalender, dann war es letzten Montag (Rosenmontag). Auf jeden Fall bin ich zurzeit gefangen darin, mir über seinen Tod Gedanken zu machen. Es ist nicht immer schön, weil umso länger er tot ist, umso schwerer fällt es, an die miesen Dinge zu denken, für die er verantwortlich ist und umso einfacher ist es, ihn in guter Erinnerung zu behalten. Denkt man zumindest. Verstehe mich nicht miss: ich will sein Bild nicht mit aller Gewalt als schlecht im Gedächtnis behalten, aber als realistisch. Und realistisch ist, dass die Erinnerungen an meinen Vater eher negativ als positiv sind.

Vielleicht macht es mir das die letzten Wochen schwer, um ihn zu trauern, zu weinen, an ihn zu denken und dabei so etwas wie ein Gefühl des „Verlusts“ oder des „Fehlens“ zu fühlen. Vielleicht.

Es ging sicherlich auch darum, dass ich mir überlegt habe, welche Lücke er in meinem Leben hinterlässt. Was vermisse ich eigentlich? Ich erwische mich dabei, dass ich mir denke, dass ich ihn doch vermissen MUSS –immerhin war er mein Vater.

Es gibt wenige Bilder, die ich positiv mit ihm in Verbindung bringen konnte. Es gab wenig gemeinsame Ausflüge, praktisch keinen gemeinsamen Urlaub, wenige Szenen, die ich als „schön“ im Gedächtnis hatte. Das machte mir die Trauer fast unmöglich – da, wo es nichts zu trauern gibt, kann man auch keinen Grund finden, um zu trauern.

Aber dann sang mein Kollege letzte Woche auf der Arbeit leise ein Lied vor sich hin: „Du hast Glück bei den Frau’n, Bel Ami“. Das war das erklärte Lieblingslied meines Vaters. Mir lief ein kalter Schauer den Rücken herunter, weil ich mir überhaupt nicht erklären konnte, wie mitten in meinem Nachdenken über meinen Vater auf einmal mein Kollege mit diesem Lied anfing.

Aber es machte mir es möglich, zu trauern. Mir fielen die Lieder ein, die mein Vater für mich gesungen hatte – vielleicht nicht für mich als einziges Publikum, aber in meiner Gegenwart. Schlager der 30er Jahre, Soldatenlieder, Arbeiterlieder. Ich musste an den zugerauchten Kellerraum denken, in dem er mir kleine Bildchen gemalt hatte – Soldaten oft, aber auch kleine Stilleben mit glücklichen Familien oder Bilder von sich und mir. Oder die Platten mit Marschmusik, die ich rauf und runter mitsingen konnte. Peter Alexander. Freddy Quinn.

Und dass es mir Schach und Skat beigebracht hat (bei letzterem mussten wir sogar meinen kleinen Bruder einspannen, um auf drei Personen zu kommen).

Es war sicherlich ein Fehler, über mein Gehirn trauern zu wollen. Mein Herz blieb dabei draußen vor. Aber jetzt ging es auf einmal. Ein Lied hatte mein Herz gerührt ... und ich konnte trauern.

 

Warum mein Kollege auf einmal begann, dieses Lied zu singen? Es gibt Dinge zwischen Himmel und Erde ...

 

Dein Homo Magi

 

Kommunikation

 

Hallo Salamander,

 

sich zu unterhalten oder Dinge klar zu formulieren ist ein schwieriges Gut. Wie viele Magier mögen wohl versucht haben, akzentfreies sumerisch zu sprechen (und sind daran gescheitert)? Oder sie haben versucht, das enochische komplett zu deklinieren oder schreiben ihre Weihnachtskarten in Voynich?

Immer wieder schön ist auch die Frage, warum Magier keinen Hund haben. Der geht immer kaputt, wenn sie „Platz!“ sagen. Haha. Späßche gemacht.

Kürzlich bewies die Post (früher mal eine staatstragende Organisation, fehlerfrei und pünktlich) mir wieder einmal ihre überlegene Ausstattung mit begnadeten[7] Mitarbeitern. Ich wollte ein Paket abholen, für das ich eine Zustellkarte im Briefkasten gefunden hatte. Also ging ich an den Schalter, mich der Schlange hinten als Verlängerung anbietend. Kaum war ich endlich dran, entstand folgender beeindruckender Dialog:

Schalterbeamter: „Haben Sie Ihren Ausweis dabei?“

Homo Magi: „Ja.“

Danach war Schweigen. Bestimmt zehn Sekunden starrte er mich an wie ein Goldfisch, dann ging er das Paket holen. Die Zeit nützte er, um eine Frage vorzubereiten, die das gewünschte Ergebnis bringen würde.

Schalterbeamter: „Kann ich ihren Ausweis sehen?“

Homo Magi: „Ich vermute: Nein.“

Schalterbeamter: „???“

Homo Magi: „Er ist im Portemonnaie.“

Ich bekam mein Paket, weil ich mich entschloss, dieses Gespräch nicht auf die Spitze zu treiben. Mir wären noch einige Satzfetzen eingefallen, die dazu geführt hätten, dass sein Großhirn – welches er scheinbar selten nutzt – sich in Mayonnaise[8] verwandelt, aber mein Paket hätte ich dann doch nicht erhalten. Aber das Ganze gipfelte dann noch in einem Schlussdialog, der mich endlich an der menschlichen Herkunft meines Gegenüber zweifeln ließ.

Schalterbeamter: „Kennen Sie schon unser neues, kostenloses Girokonto?“

Homo Magi: „Nein.“

Und dann ging ich.

Und ohne ein einziges Mal lügen zu müssen habe ich Wahnsinn und Verwirrung in die Mauern der Post gebracht. Aaaayaaaaah! Die große Ziege mit den tausend Jungen! Aaaayaaaaah.

 

Dein Homo Magi

 

Betten

 

Hallo Salamander,

 

ich besitze seit Jahren die Gabe, beim Einschlafen fest zu stellen, in welchem Winkeln ein Bett zu meinem Bett im Elternhaus steht beziehungsweise in welchem Winkel ich zu der Einschlafposition in meinem Kinderzimmer liege.

Das Phänomen ist ganz lustig, zuweilen etwas störend. In fremden Betten justiere ich meinen Winkel unbewusst immer um ein paar Grad (und liege dann eventuell quer im Bett, weil das so mit der Ausrichtung stimmt), manchmal überkommt mich aber der Wunsch, mich andersrum ins Bett zu legen (nein, nicht aufs Gesicht, sondern mit dem Kopf am vermeintlichen Fußende), um die Ausrichtung zu korrigieren.

Jetzt gibt es zwei mögliche Lesarten dieser „Begabung“. Entweder aktiviere ich in mir uralte Sinneswahrnehmungen und fungiere als humanoide Brieftaube oder ich bin ein wenig wahnsinnig.

Letztere Möglichkeit wäre natürlich einfach zu bejahen, wenn ich damit nicht Grundzweifel an meiner geistigen Gesundheit zulassen müsste, die ich eigentlich ungern zulasse, weil sie ein schlechtes Bild auf meine sonstigen Fähigkeiten werfen. Dass ich ein wenig unter Defiziten leide, das dürfte jedem bekannt sein, der mich kennt. Ich möchte jetzt auch keine Vorschläge hören, welche Defizite ich zeitnah bearbeiten könnte, werter Salamander ... ich hätte das hier nicht geschildert, wenn ich wirklich davon ausgehen würde, dass ich einfach nur einen an der Klatsche habe.

Es ist doch eher so, dass ich mit dir über Magie rede, weil ich der Ansicht bin, dass wir viele Faktoren in unserem tatsächlichen Leben ausblenden, die eigentlich magisch sind. Vielleicht geht es noch vielen Menschen wie mir, die sich abends im Bett herumwälzen und sinnieren, warum sie schief liegen (tolles Wortspiel ...). Schweigende Minderheiten, die sich nicht trauen, über ihre Weltnetzwahrnehmung im Bett zu reden. Magische Gruppen, die verstummt sind.

Das ist es doch. Ich habe mich als Kind in meinem Kinderzimmer in das magische Weltnetz (lies auch Feng-Shui-Ordnung, Kraftlinien, Wasseradern, Erdstrahlen, Orgon-Feld oder was auch immer hier gerade weltanschaulich opportun ist) und habe es irgendwie versäumt, mich nachher wieder auszuklinken. Ich bin also noch netz-technisch in meinem Kinderzimmer verortet und versuche mich adäquat zu den Kraftlinien nachts immer wieder auszurichten. Also der Versuch, sich wieder zu erden und wieder Kind zu werden ... oder was?

Doch wahnsinnig, wenn ich darüber nachdenke. Vielleicht hängt das doch mit dem Effekt zusammen, dass das Zimmer sich dreht, wenn ich Alkohol getrunken habe. Da gibt es sicherlich einen untersuchenswerten Zusammenhang ... den ich ignorieren werde, weil ich nicht bereit bin, aus experimentellen Gründen Alkohol oral einzunehmen.

Ich habe also keine Antwort auf das Problem. Aber eigentlich ist es kein Problem, denn wenn ich mal „eingelogged“ bin, dann geht es mir gut und ich bin in zwei Minuten eingeschlafen. Alleine das ist als Antwort für die eingangs gestellte Frage nach dem Grund dieser Fähigkeit genug. Trick: Es gab keine eingangs gestellte Frage. Aber das ist ein weiterer Charaktermangel von mir. Anderes Thema.

 

Dein Homo Magi

 

Ostara

 

Hallo Salamander,

 

die letzten Wochen hast du nicht viel von mir gehört, ich weiß. Ich war arbeitsmäßig sehr stark eingespannt – einmal durch meinen Job, dann durch die Vorbereitung meines Epoche-machenden Vortrags über die wahren Inhalte der „Edda“. Ich will dir hier jetzt nicht zuviel darüber verraten, immerhin hoffe ich darauf, dass ich den Text in einem richtigen Buch unterbringen kann. Es ist doch immer schön, wenn man publiziert wird, nicht wahr?

Dafür kann ich berichten, dass ich ein schönes Frühlingstreffen hinter mir habe. So Ostara feiern, das habe ich mir immer gewünscht. Eine wunderschöne Burg an einem Fluss gelegen, mit einer hervorragenden Bewirtung, einem netten Ambiente, genügend Platz zum Drinnen und Draußen sitzen oder feiern. Für die „Taufe“ (einverstanden, man nannte es heidnisch „Kindsleite“, aber „Taufe“ ist das Wort, das du wahrscheinlich eher verstehst) hatten wir auf einer wunderschönen, blühenden Wiese unter blühenden Bäumen einen Platz in der Sonne. Das Feuer war zentral und immer warm, wenn man es brauchte (den Rauch brauchte ich nicht, aber der scheint zwingend dazu zu gehören).

Was mich am meisten überrascht hat, war, wie viele nette neue Leute ich kennen gelernt habe. Okay, es gab auch einige alte Gesichter, die ich freudig wiederbegrüßt habe. Aber die neuen Leute waren sehr aufgeschlossen und interessant, die alten Leute vermittelten einem das Gefühl, als hätte man sich nicht über fünf Jahre nicht gesehen, sondern wäre nach einigen Monaten der Trennung hier zusammengekommen, um wieder einmal zusammen zu feiern. In kurzen Worten: Es war ein Traum.

Gutes Bier, schöne Frauen, ein schönes Ritual, ein großes Feier, eine traumhaft schöne Kindsleite, nette Leute, tolle Gespräche. Dazu ein Rahmenprogramm, das sich sehen lassen konnte – Gesang, Vorträge, Puppenspiel. Abends ging dann ein gefühlter Altersschnitt durch den Raum, als die Band „Science Fiction Double Feature“ aus der „Rocky Horror Picture Show“ sang und alles ab 35 – zum Teil mit Tränen in den Augen und mit hochgereckten Feuerzeugen – laut mitsang. Wow.

 

Aber ich gebe zu, das war es nicht, was mich am meisten überrascht hat. Du musst ja wissen, dass ich ein Ordnungsfanatiker bin. Deswegen führe ich seit Jahren eine Excel-Liste mit allen Heidenadressen in meinem Umfeld. Was man halt so braucht, wenn man keinen Terminkalender jährlich vollmalen möchte (das mag ich nämlich nicht), aber trotzdem Daten griffbereit haben möchte. Die letzten Jahre wurde diese Liste kontinuierlich kürzer. Leute starben, zogen sich aus der Szene zurück oder entpuppten sich als heidnische Arschlöcher und/oder Schaumschläger. Oder man stritt sich und ich löschte flugs den Namen aus der Liste. Zapp.

Am Sonntagabend ist meine Liste zum ersten Mal seit fünf Jahren wieder länger geworden, weil ich die Notizzettel vom Wochenende eingearbeitet habe. Das lässt hoffen – Ostara war, das Leben blüht und ich werde wieder wacher.

 

Dein Homo Magi

 

Die Arbeitswelt

 

Lieber Salamander,

 

in den letzten Monaten habe ich mich – wenn auch gezwungenermaßen – immer wieder mit den Themen Arbeit und Lohn beschäftigen dürfen. Eigentlich nicht mein Thema, aber wenn man jahrelang Betriebsrat war und mit der Ausbildung von Jugendlichen beruflich zu tun hat, dann ist das ein Thema, um das man nicht herumkommt.

Besonders, wenn man – wie ich – im Unterricht bei WiSo („Wirtschaft & Soziales“, bei mir hieß das in der Schule noch wahlweise Sozialkunde oder Politik) Auszubildenden Zusammenhänge erklären soll, die man eigentlich nicht erklären will, weil sie dämlich sind.

Mein neues Lieblingswort in diesem Zusammenhang ist „Binnennachfrage“. Wenn man in Deutschland Arbeitsplätze schaffen will, dann geht das angeblich nur, wenn die Binnennachfrage steigt. Das heißt: Wenn die Leute mehr Geld ausgeben, dann werden in Deutschland auch mehr Jobs geschaffen, weil irgendjemand das Zeug herstellen und verkaufen muss.

Toller Plan.

Wo soll denn diese „Binnennachfrage“ herkommen, wenn die Leute kein Geld haben? Die Zahl der Arbeitslosen steigt, wenn man die verdeckte Arbeitslosigkeit (Frauen, die es längst aufgegeben haben, in den Beruf zurückzukehren und sich daher gar nicht bewerben, Jugendliche und Arbeitslose in Beschäftigungsmaßnahmen wie 1-Euro-Jobs und ähnlichem Blödsinn usw.) dazuzählt. Aber uns geht es ja gut; wenn ich mir anschaue, was Spitzenverdiener (wie der Chef der deutschen Bank) im Jahr verdienen, dann bekomme ich den Brechreiz. Soviel kann ein Mensch alleine gar nicht arbeiten, dass er diesen Lohn wert wäre.

Wir sollen konsumieren, aber wir dürfen nichts verdienen. Mein Gehalt ist real in den letzten Jahren um über ein Drittel geschrumpft, weil der Markt für Sozialarbeiter/-pädagogen immer schlechter bezahlt wird. Allen Menschen im Gesundheits- und Sozialbereich geht es genauso (was nicht heißen soll, dass das in anderen Branchen besser ist – nur hier kann ich es überblicken). Da kann ich den Aufruf zur „Binnennachfrage“ nur als Hohn verstehen. Oder ist „Binnennachfrage“ schon die Bezahlung der Miete, des Autos und der Grundversorgung? Dann „frage ich nach“ wie ein Blöder, kriege nur keine Antworten.

Natürlich wäre es möglich, mit noch weniger Geld auszukommen. Aber dann müsste ich auf vieles verzichten, was mein Leben lebenswert macht (Auto, aber auch Bücher und den Besuch von Gaststätten). Von Rücklagen oder gar einer Riester-Rente kann ich nur träumen, weil die offensichtlich für Menschen zugeschnitten ist, die mehr verdienen als ich (oder weniger essen).

Beim Eintritt ins Rentenalter bleibt mir nur der Bankraub – wenn ich erwischt werde, bin ich warum und wohlig untergebracht, wenn ich nicht erwischt werde, bin ich auch saniert. „Binnennachfrage“. Pah.

Das können sich nur Menschen ausdenken, die politisch abgesichert sind und sich daher finanziell keine Sorgen machen müssen. Manchmal vermisse ich die Kriegsgeneration der Politiker – Wehner, Brand, Strauß, Dregger, Börner. Die haben noch richtig gearbeitet, bevor sie Politiker wurden – und sind nicht so lebensfremd und weltfern wie diejenigen „Eliten“, die uns gerade regieren.

Jetzt ist Helmut Kohl noch für den Friedensnobelpreis vorgeschlagen worden. Warum nicht auch den Wirtschaftsnobelpreis für die Wiedervereinigung? Oder den Literaturnobelpreis für seine Erinnerungen?

 

Ich weiß nicht. Wenn ich wirklich ein guter Magier wäre, dann hätte ich einen Dackel, der Gold scheißt und die großen Konzernchefs hätten alle jeden Morgen erst einmal zwei Stunden Dauerdurchfall mit Magenkoliken. Verdientermaßen.

Aber zum Glück bin ich kein guter Magier – ich bin nur kein schlechter, aber das hilft nur mir, am Leben zu bleiben und solche Texte wie diesen abzusondern.

 

„Binnennachfrage“. Puh. Das ist wie Atlantis. Jeder kennt es, aber keiner weiß, wo es ist.

 

Dein Homo Magi

 

Technische Wunder

 

Hallo Salamander,

 

vor zwei Wochen war ich auf ein Wochenende weg – Ostara feiern mit einem schönen Platz voller Heiden. War sehr schön; aber das hatte ich dir schon berichtet.

Nicht berichtet habe ich von den technischen Schwierigkeiten, die sich entfalten, wenn man versucht, mit drei Heiden im Auto einen Platz zu finden, wo sich die anderen Heiden sammeln.

Es begann unproblematisch. Heide 1 (= ich) stellte Auto und Sammelpunkt, Heide 2 und Heide 3 trafen sich am Bahnhof und fuhren zu mir. Dann wurde dort das Auto von Heide 2 abgestellt und man machte sich daran, das Auto von Heide 1 (also mein Auto) zu beladen. Die verfängliche Frage nach der Wegbeschreibung wurde von Heide 2 damit beantwortet, dass er alles im Griff habe. Ob ich einen Zigarettenanzünder im Auto hätte? Habe ich. Aber mein Auto sei ein Nichtraucherauto. Kein Problem, es ginge um den Strom für „Aldi-Else“, das günstig gekaufte Navigationsgerät.

Eigentlich mag ich Geräte nicht, die versuchen in meinem Auto eigenartige Netzverbindungen zum Universum herzustellen. Ich habe kein Handy und die Dinger machen mir auf Dauer eigentlich Kopfschmerzen, wenn sie ihr Netz suchen. Was blieb? Nichts. „Aldi-Else“ wurde installiert und begann auch relativ bald, sich in das globale Netzwerk einzuwählen. In Sekundenfrist hatten wir nichts – keinen Kontakt zur Stauwarnung, keinen Kontakt zum GPS. Scheinbar war mein Strom für das Gerät nicht akzeptabel, weswegen wir es auf der Autobahnzufahrt neu starteten. Bis jetzt wusste ich nicht, wo es hingehen sollte – aber wir überlegten anhand unserer Schulkenntnis in Geographie, in welche Richtung ich wohl fahren müsste.

Tolle Planung.

Auf der Autobahn sprang das „Ding“ dann an, um gleich nach einem Zielort zu fragen. Heide 2 (der sich eigentlich hatte um alles kümmern wollen) murmelte irgendwelche Angaben vor sich hin, programmierte die Zieladresse ein – „nicht gefunden“. Toller Zugang.

Ob wir anderen beiden den Straßennamen von dem Zielort wüssten ... wussten wir natürlich nicht. Also musste Heide 2 mit Hilfe von Heide 3s Handy (in dem die richtige Nummer der Kontaktperson zufällig gespeichert war) einen der Veranstalter anrufen, um in Erfahrung zu bringen, wo wir uns eigentlich treffen.

Ich rief nur „Oh, ist mir das peinlich!“ während des Gesprächs. Dann konnte die Zieldaten eingegeben werden und wir erlebten – von einigen innerörtlichen Querführungen abgesehen – eine ruhige Fahrt.

 

Ich möchte jetzt nicht darüber spekulieren, was Heide 2 unter „Ich kümmere mich um eine Wegbeschreibung“ versteht, oder darüber, was Heide 3 sich wegen unserer Unprofessionalität gedacht hat (er fuhr nicht mit uns zurück ...), aber ich kann erklären, was Heide 1 dazu einfällt:

1. Ich will nicht, dass ich oder mein Auto per GPS überall geortet werden können.

2. Ich will nicht überall telefonisch erreichbar sein.

3. Ich finde es schön, wenn man bei einer Autofahrt selbst ungefähr weiß, wo man ist, wo man herkommt und wo man hinwill.

4. Ich will beim Vorbeifahren an schönen Orten oder schönen Strecken nicht wissen, wo „Aldi-Else“ hin will, sondern ich will meiner eigenen Nase nachfahren.

5. Ich kann Karten lesen.

 

So, das musste mal geschrieben werden.

Alles Gute, Dein Homo Magi

 

Aberglaube

 

Hallo Salamander,

 

heute schreiben wir Freitag, den 13. Und wie du sicherlich weißt, bin ich als Hochgradmagier, lemurischer Eingeweihter und Herr der Gezeiten frei von jeder Form von Aberglauben.

Okay, natürlich stelle ich Milch raus, um die Naturgeister friedlich zu stimmen. Und ich gehe unter keiner aufgeklappten Leiter durch, lege Brot immer richtig rum in den Brotkasten und versuche, schwarze Katzen als Straßenüberquerer vor mir zu vermeiden.

Aber das ist doch kein Aberglauben, oder?

Ich spucke nicht über die Schulter, trage brav zu Ritualen meinen silbernen Schmuck, vergesse nie die Anrufung auch nur einer einzigen Himmelsrichtung vor dem Hochfest und bin mir völlig sicher, dass das Ablegen meiner Uhr vor einem magischen Werk sinnvoll ist.

Warum ist das eine mehr oder weniger sinnvoll als das andere?

Ich glaube, es geht um die Reflektion. So lange mir klar ist, dass das Brot „richtig herum“ keinen wirklichen mythischen Zweck erfüllt, sondern nur eine Referenz an die Wichtigkeit von Grundnahrungsmitteln ist, so lange ich weiß, dass das Spucken in der Öffentlichkeit sich einfach nicht gehört und das mit der Katze eine Schrulle ist, ist das alles in Ordnung.

Die Uhr ziehe ich ab, weil sie mir einfach zu „weltlich“ für ein Ritual ist. Außerdem habe ich die Erfahrung gemacht, dass in der Magie Zeit nur eine ausgesprochen relative Konstante ist. Von daher macht es für mich Sinn, nicht auf die Uhr zu schauen, bevor das Ritual völlig vorbei ist – um dann immer wieder überrascht zu sein, wie viel Zeit schon vergangen ist. Also sind das Dinge, über die ich nachgedacht habe, die ich reflektiert habe und tue, weil ich es will.

Der Aberglaube ist unreflektiert; er speist sich aus obskuren, mythischen Quellen und ist nicht nachvollziehbar und/oder überprüfbar. Der 13. ist ein Datum wie jedes andere auch – und ich finde es immer wieder erstaunlich, dass zum Beispiel Hotels auf diese Zimmernummer oder auf das Stockwerk mit dieser Nummer verzichten. Warum? Hat man Angst, dass Menschen, die im 13. Zimmer im 13. Stock übernachten, nachts schmerzhaft vollständig durch Flammen konsumiert werden? Oder handelt es sich um einen Wettbewerbsvorteil („Wir haben gar keinen 13. Stock!“) oder wird einem das auf der Hotelfachschule beigebracht? Das würde darauf schließen lassen, dass Hotelfachschulen in den Händen von Menschen sind, die den Aberglauben vehement vertreten. Daran mag ich dann doch nicht glauben.

Hotelfachschulen. Pah. Nie, aber wirklich nie wird jemand darauf kommen, dass sich dort alle überlebenden atlantischen Priester aufhalten und ihr geheimes, uraltes Wissen weitergeben – ging nicht Atlantis an einem Freitag, dem 13. unter, weil die Hohepriesterin Uhwuguwunnugu im 13. Zimmer im 13. Stock im „Atlantis Royal“ schlafen musste? Genauso war es.

Ehrlich.

 

Dein Homo Magi

 

Zwangsbegegnungen

 

Hallo Salamander,

 

ich bin ein Freund von „Zwangsbegegnungen“ und ein Feind der „Vereinsamung“ zwischen Menschen.

Ich fahre gerne Zug – nicht nur, weil ich entspannt ankomme, sondern auch, weil ich immer wieder mit Menschen ins Gespräch komme. Und wenn ich Auto fahre, dann benutze ich kein GPS oder ähnliche Tändelkram, und sei es nur, damit ich gezwungen bin von Eingeborenen – im Tausch gegen Glasperlen? – eine weitere Wegbeschreibung zu erhalten.

Ich habe kein Handy und ziehe das Gespräch von Angesicht zu Angesicht selbst dem Telefon vor.

Ich schreibe Briefe lieber als Mails. Briefe haben die Möglichkeit, auf einem schönen Papier, sogar mit einem eigenen Duft beim Empfänger anzukommen. Und bei einem Brief denkt man viel länger nach als bei einer doch sehr schnell aus der Hüfte geschossenen E-Mail (die dann oft zu Missverständnissen verleitet).

Ich mag Cafes. Einfach nur sitzen, Zeitung lesen und Leuten zuschauen.

Ich mag Menschen. Nicht immer und nicht bei jeder Gelegenheit. Doch ich will nicht in einem technisch hochgerüsteten Elfenbeinturm verenden, in dem ich Menschen nur noch über den Bildschirm oder das Handy „zu sehen“ kriege, wo ich frei bin von Körpergeruch, wehenden Haaren im Wind, dem Geruch von Moschus, dem Geruch von frisch entzündeten Streichhölzern, dem Geruch von frisch gemähten Gras und ähnlichem.

Ich mag Schokolade mit Sahne im Cafe, die Menschen, die vorbei flanieren, ich liebe Spaghetti-Eis im schnuckeligen Eis-Cafe im Flair der 50er und ich liebe Parkbänke und ein gutes Buch in der Hand.

Ich bin ein Exot. Aber ich bin sehr glücklich damit.

 

Dein Homo Magi

 

Vergessen

 

Hallo Salamander,

 

heute wieder eine (fast wahre) Szene aus dem Leben deines Lieblingsmagiers.

Hexe 1: „Sag mal, wir sind schon ein wenig spät für das Ritual ...“

Hexer: „Kein Problem. Ich habe doch ein schnelles Auto.“ (Greift nach dem Autoschlüssel).

Hexe 2: „Dann jetzt mal hopp!“

Hexer: „Kein Problem.“ (Springt in die Schuhe, greift nach dem Rucksack und hechtet mit den drei Hexen die Treppe herunter. Vor dem Haus sieht er sich suchend um.)

Hexe 3: „Was suchst du?“

Hexer: „Mein Auto.“ (Wird rot.)

Hexe 1: „Wo hast du es denn hingestellt?“

Hexer: „Auf die Straße.“

Hexe 2: „Brillante Antwort!“

Hexe 3: „Tolle Planung.“

Hexe 1: „Wir sind schon ein wenig spät für das Ritual ...“

Hexer: (Hält Autoschlüssel hoch und bedient mit dem Schlüssel in verschiedene Richtungen winkend die Fernbedienung.) „Wenn es hier in der Nähe ist, müsste man jetzt hören, wie die Entriegelung klackt und sich öffnet.“

Entriegelung: „–“

Hexe 1: „Ich höre nichts.“

Hexe 2: „Ich auch nicht.“

Hexer: „Dann steht er weiter weg.“

Hexe 1: „Wir sind schon ein wenig spät ...“

Hexer: „Kein Problem.“ (Wendet sich ab, da er schon leicht rot wird, und sprintet zur naheliegenden Kreuzung. Dort betätigt er wieder die Fernbedienung in alle Himmelsrichtungen.)

Entriegelung: „–“

Hexe 1: „Das Ritual ...“

Hexer: „Ich komme gleich wieder. Wartet ihr hier, ich suche das Auto.“ (Verschwindet mit der Fernbedienung klickend um die Ecke.)

Entriegelung: „–“

 

Einige Minuten später kommt ein rot gewordener Hexer mit dem Wagen um die Ecke. Die drei Hexen steigen ein.

Hexe 1: „Wir sind jetzt deutlich zu spät für das Ritual ...“

Hexe 2: „Mir wäre das peinlich ...“

Hexer: „Mir ist das auch peinlich.“

Hexe 3: „Um was soll es heute im Ritual gehen?“

Schweigen.

Hexe 3: „Hallo?“

Hexe 1: „Wir wollten Atlantis suchen ...“

Hexe 2: „... und fanden nicht einmal das Auto.“

Hexer: „Hochgradwissen. Das Auto finden ist Hochgradwissen.“

Hexe 3: „Kann ich noch aussteigen?“

Hexer: (Drückt einen Knopf.) „Nein. Der Wagen ist jetzt von Innen verriegelt.“

Hexe 3: „Immerhin geht das ...“

 

Mehr kann ich dazu nicht sagen.

 

Dein Homo Magi

 


Global Krankenkassing

 

Hallo Salamander,

 

seit Jahren geistert nun die Diskussion durch die Presse, dass Deutschland überaltert. Okay, egal was passiert – natürlich sind irgendwie du und ich schuld, weil wir nicht jeder zehn Kinder gezeugt, groß gezogen und dabei auf gut bezahlten Posten feist in die Rentenkasse einbezahlt haben. Unser Fehler, wie ich vermute, denn an allen Punkten, wo wir uns hätten dafür entscheiden können, waren wir es, die abgelehnt haben.

Naja, fast.

Auf jeden Fall überaltert Deutschland, wir mussten eine Pflegeversicherung einführen, das Renteneinstiegsalter ist gestiegen, der Anteil der Rentenversicherung an den Löhnen ist gestiegen, die Zahl der Altenpflegedienste ist gestiegen und was der Probleme so mehr sind.

 

Als Magier weiß ich auch, dass sich alles (fast) von alleine regelt. Und natürlich weiß ich, dass uns die großen weißen Brüder von Shangri-La nie im Stich lassen würden. Daher habe ich mich gefragt, welcher andere Effekt diese Problematik der Überalterung bekämpfen könnte. Schnell kam ich auf die globale Erwärmung.

Der April ist der wärmste seit Beginn der Aufzeichnungen 1906 oder so, alle Bauernregeln stehen Kopf, die Pole schmelzen, die Flüsse treten über die Ufer, es wird wohl eine Insektenplage geben und den wärmsten Sommer seit Menschengedenken ... Die Skigebiete kann man nur noch wegen Kargheit räumen und sich daran machen, günstige Strandgrundstücke bei Hastings zu erwerben.

„Aber was hat das jetzt miteinander zu tun?“ wirst du mich sicher verwirrt fragen. Ich nenne den Gesamt-Effekt „Global Krankenkassing“. Auf der einen Seite werden wir älter, aber nicht reicher oder gesünder. Auf der anderen Seite entstehen mehr Sandstrände und in Deutschland wird das Klima für Kranke schlechter. Was soll mir das sagen?

  1. Wer reich ist, wird nun älter. Dieses Alter kann er bequem auf einem Sandstrand an der Nordseeküste oder am Kanal erleben.
  2. Wer arm ist, wird auch älter. Aber da er kein Geld für die Krankenkassenzuzahlungen hat, wird er elendiglich verrecken. Das warme Wetter mit hohen Ozonwerten macht ihm eher früher als später den gar aus.
  3. Wenn es immer überall in Deutschland warm ist, sparen wir Unmengen Strom.

Bis jetzt habe ich noch keine Lücke in meiner fehlerlosen Argumentation finden können. Ehrlich. Schade eigentlich.

 

Dein Homo Magi

 

Scientologisches Pissen

 

Hallo Salamander,

 

der technische Fortschritt macht ungeahnte Sprünge. Der PC-Laden, wo ich heute einkaufen war, braucht ungefähr zwei Minuten, um eine Quittung auszudrucken. Auf meine Frage, ob die Datei vom Rechner auf den Drucker (Strecke: 7 cm) über China umgeleitet wird beantwortete der Verkäufer mit „Nein, über Berlin.“ Mein verblüfftes Gesicht führte dazu, dass er erklärend hinzufügt „Da steht unser Server.“ Aber mich kann in diesem Land nichts mehr verwirren.

 

Kürzlich wollte ich im Bekanntenkreis die Frage nach dem „Klick“ beim Urinal klären. Bitte, gib mir eine Chance, meine Problematik zu erklären. Öfters auf dem Wege über die deutsche Autobahn überkommt mich der Wunsch, mir die Beine zu vertreten, eine zu rauchen und unter dem Absingen uralter Hymnen mein Wasser in ein Keramikgefäß abzuschlagen.

Schon lange hat die Firma Kago (www.kago.de) mit ihren Heizkaminen die Lufthoheit über den Urinalen erobert. Wenn man also öfters fährt und inzwischen begriffen hat, dass es nur eine begrenzte Kaminzahl auf den Werbungen gibt, dann fällt der Blick – wenn er nicht homophil zum Nachbarn schweift – auf das Urinal. Dort lächelte mir dann Albert Einstein entgegen, den ich mit Urinalen nicht instinktiv in Verbindung bringen würde.

Scientology hatte auch schon einmal mit Einstein geworben[9], von daher lag der Verdacht nahe, hier würde man beim Pissen auf Scientology verwiesen. So war es aber nicht. Es ging um „wasserlose Urinale“.

Mein Interesse war geweckt. Erkennen konnte ich keine Reinigungsmethode, weswegen ich versuchte, meine Beobachtungen auszuwerten. Da war erst einmal das „Klick“, wenn man ging und zweitens die Beleuchtung, die anging, wenn man sich dem Werbeschild näherte. Mehr Informationen hatte ich nicht.

Ich begann zu grübeln, wie das Urinal wasserlos funktioniert, und kam zu keiner Lösung. Also präsentierte ich die Frage im Bekanntenkreis – wo ich tolle Antworten erhielt. „Ultraschall“, „Säure“, „Lotus-Effekt“ und „Vibrationen“ war nur einige der gegebenen Antworten. Eine Verbindung zu Einstein konnte keiner herstellen. Eine Verbindung zu Scientology auch nicht (zumindest keine, die über eine gedankliche Brücke zu Fäkalien hinausging).

Ein Freund löste das Problem dann durch eine Internetrecherche. Da fand ich dann auch meinen Einstein wieder.[10] Das beobachtete Licht hat mit der Funktion nichts zu tun, es ist ein „beleuchtetes Infodisplay“.[11] Und zur Technik: „Durch die berührungslose Funktion ist ein hygienischer Betrieb garantiert. Es gibt keine zu bedienenden Teile und durch die spezielle patentierte Form auch keine Rückspritzer. (...) Die besondere Beschaffenheit des Beckens bietet keinerlei versteckte Ecken und Flächen für Bakterien oder Ablagerungen. Das Becken ist aus einem Guss und bietet keinerlei Unterschlupf in Form von Spülrinnen o.ä.“

Weiter: „Unangenehme Toilettengerüche sind unter anderem die Folge von durch Bakterien zersetztes organisches Material. Quell des Lebens dieser Bakterien ist unser Trinkwasser! Da gesunder Urin steril und frei von Keimen ist und nicht mit Wasser in Verbindung tritt, entstehen bei dem Einsatz von URIMAT keine Gerüche. Durch den patentierten Siphon werden aus der Kanalisation stammende Gerüche unter Einhaltung der gesetzlich geforderten Geruchsdichtigkeit ganz ohne Sperrflüssigkeit oder aufwendige Technik zurückgehalten.“[12]

Und der Siphon beantwortet auch die Frage nach dem Klacken. Von wegen Ultraschall. Pah.

 

Eine Illusion ist gestorben (also keine Weltraumtechnologie in Urinalen), ein weiterer Punkt zur Entzauberung der Welt wurde hinzugefügt. Keine Relativitätstheorie beim Urin, keine schwarzen Löcher und Ereignishorizonte im Herrenkloo auf der Autobahn. Aber eine Erfahrung habe ich gemacht: „male bonding“. Denn nur Männer wollten mit mir über Urinale diskutieren. Warum nur?

 

Dein Homo Magi


Die Überwachung ist real (nämlich real dämlich)

 

Hallo Salamander,

 

vor wenigen Tagen bekam ich folgende E-Mail von Herbert Klein alias Burl@c2i.net:

Sehr geehrter Internetnutzer,

im Rahmen unserer ständigen automatisierten Überprüfung von sogenannten Tauschbörsen im Internet, wurde folgende IP-Adresse auf unserem System ermittelt.

IP: 81.123.147.179

Der Inhalt Ihres Rechners wurde als Beweismittel mittels den neuen Bundestrojaner sichergestellt.

Es wird umgehend Anzeige gegen Sie erstatten, da sich illegale Software, Filme und/oder Musikdateien auf Ihren System befinden. Durch die Nutzung sogenannter Tauschbörsen, stellen Sie diese auch anderen Nutzern zu Verfügung und verstoßen somit gegen §§ 249ff StGB.

Das vollständige Protokoll Ihrer Online-Durchsuchung finden Sie im Anhang dieser Email.

Die Strafanzeige und die Möglichkeit zur Stellungnahme wird Ihnen in den nächsten Tagen schriftlich zugestellt.

Herbert Klein, Kriminaldirektor, LKA Rheinland-Pfalz

Am Sportfeld 9c, 55124 Mainz

Tel.: 06131 – 970738

Fax: 06131 – 970731

Mobil: 0171 – 7504699

Mail: Hcklein51@aol.com

 

Brillant. Meine Lieblinge:

1. Tolles Deutsch in „mittels den neuen Bundestrojaner“, „auf Ihren System“ und „Es wird umgehend Anzeige gegen Sie erstatten.“

2. Neue Wortschöpfungen beim „Bundestrojaner“ (was war eigentlich der „alte Bundestrojaner“, wenn es einen „neuen Bundestrojaner“ gibt?).

3. Eine andere echte Absenderadresse als die, die im Text genannt wird.

4. Dateien im Anhang, die man öffnen soll.

 

Orwell lässt zwar grüßen, wenn man sich die Pläne unseres Bundesinnenministers so anschaut, was die Durchsuchungen von PCs betrifft – aber den „Bundestrojaner“ kann auch der nicht schlagen.

Hahahaha.

 

Dein Homo Magi

 

Die erneute Konjunktur der klassischen Mythen

 

Hallo Salamander,

 

im Moment sind ja – dank „300“ – die Spartaner, aber auch Griechen und Römer allgemein wieder „hip und trendy“. Überall hört man vom Mut der Spartaner, von den schönen Rüstungen der Griechen, der straffen Organisation des römischen Staates und überhaupt von den wundervollen Dingen, die damals möglich waren.

 

Die letzten Tage habe ich mir darüber Gedanken gemacht, ob diese Bewegung auch irgendwann droht, auf das Heidentum überzuschwappen. Das hieße dann, dass nicht länger keltische oder nordische Haupt- und Nebengötter angerufen werden, sondern dass man sich auf Jupiter/Zeus einrichten muss oder gar Rituale erleben darf, wo Teilnehmerinnen und Teilnehmer als Pan oder Bacchus geschmückt sind. Wäre zwar vom Weingenussaspekt her interessant, aber kulturell eher uninteressant.

Vielleicht liegt es daran, dass die römisch-griechischen Mythen nie „out“ waren. An ihnen haben sich die deutschen Klassiker ausgetobt, von daher ist es sozusagen völlig in Ordnung, wenn man die entsprechenden Mythen als Bezugsrahmen nimmt. Die nordischen Götter sind dank dem III. Reich eher „bäbä“, die keltischen Gottheiten (unsichtbar hinter dem „Nebel von Avalon“) sind eher reizvoll und eigenartig.

Und ein echter „heidnischer Widerspruch“ ist mit römisch-griechischen Mythen viel weniger möglich als mit der Rückbesinnung auf Kelten und nordische Vorlagen. Natürlich ist das auch besonders einfach, weil über diese wenig bekannt ist ... zumindest deutlich weniger als über das griechisch-römische Pantheon.

 

Heute morgen im Bus durfte ich mir eine Unterhaltung zwischen zwei Bauarbeitern anhören, die sich über die zuletzt geschauten Sandalenfilme unterhielten. Die waren total begeistert von Mut und Massaker, von Schwert und Schweinerei in diesen Werken. Da gibt es noch richtige Schwertkämpfe und tolle Rüstungen. Leider verstanden beide nicht, warum die Fußsoldaten Sporen anhatten ... Ich musste eine Weile lang zuhören, um in Erfahrung zu bringen, dass sich dieses Missverständnis auf die Standarten bei den Fußsoldaten im letzten Sandalenfilm bezog – Spor.

Ich musste an mich halten, um nicht laut loszulachen. Gemeint war SPQR – „Der Senat und das römische Volk“[13]. Soweit her kann es also mit dem verbreiteten Verständnis der klassischen Sagen nicht sein, wenn die armen Fußtruppen zu pferdelosen Reitern gemacht werden. Die Sandalenfilme bieten da noch eine Menge Raum für Missverständnisse.[14]

 

Immerhin scheine ich mir keine Sorgen machen zu müssen, dass ein griechisch-römisch geschulter Magier mir den Garaus macht. Erstens erkenne ich ihn gleich an seinen Sandalen, zweitens an seinen Sporen und drittens am Helm. Im öffentlichen Nahverkehr bin ich denen tarnungsmäßig weit überlegen.

 

Dein Homo Magi

 

Klimakatastrophe

 

Werte Heidinnen und Heiden,

 

wegen der bevorstehenden Erderwärmung und der allgemeinen Klimakatastrophe hat der Rat der weißen Erleuchteten folgende Maßnahmen beschlossen:

 

1. Ab jetzt darf bei der Anrufung der Elemente das Element „Feuer“ nicht mehr angerufen werden. Die klassische Elementreihenfolge Feuer-Erde-Wasser-Luft wird durch Kälte-Erde-Wasser-Luft ersetzt, bis sich das Klima wieder normalisiert hat.

 

2. Die Anrufung von Feuerwesen im Ritual wird verboten. Empfohlen wird stattdessen die Anrufung von Eisgeistern, Yetis und Murmeltieren.

 

3. Die Anrufung von Feuergottheiten im Ritual (Loki/Lohe oder Vulkan z.B.) wird verboten. Stattdessen empfehlen wir den Übergang zu Erdgottheiten als Energiebringer.

 

4. Wegen der schlechten karmischen Übertragung wird die Anrufung von untergegangenen Inseln/Kontinenten (Lemuria, Atlantis, Rungholt etc.) verboten. Stattdessen bitten wir um Energie für die Gletscher und von der Überflutung bedrohten Landstriche.

 

5. Der Verzehr von an warme Tage gebundenen Speisen (Eiscreme etc.) während des Rituals wird verboten. Stattdessen empfehlen wir einen Schluck Eiswein oder Kaffee.

 

6. Hinweise auf die Klimakatastrophe – auch und gerade in Anrufungen – wird verboten. Auch Formulierungen wie „bis die magische Flut alle Dämme bricht“, „steigendes Energieniveau“ etc. werden verboten.

 

Wer diesen Anweisungen zuwider handelt, stellt sich nicht nur gegen den Willen der aufgestiegenen Meister, der Erdmutter Gaia und des Konzils der Heinzelmännchen, nein, er ist auch ein Handlanger des Industriekapitals und überhaupt ein schlechter Kerl.

 

Im Auftrag des Rates der weißen Erleuchteten

Homo Magi

 

Kofferhoffer

 

Hallo Salamander,

 

ich überlege seit Tagen, was in meinen großen „Homo Magi Außeneinsatz-Koffer“ kommen müsste. Ich bin noch nicht sicher, ob ich erst einmal austeste oder gleich im esoterischen Umfeld vermarkte. Aber ich vermute, dass die anfänglichen Investitionen zu hoch sind, um gleich auf den esoterischen Massenmarkt zu zielen (immerhin hätte ich gerne „Homo Magi“ auf einen Metallkoffer geprägt, was sicherlich nicht billig ist).

 

Also: Was sollte der Koffer enthalten, der jede paranormale, heidnische und magische Angelegenheit locker bewältigen hilft?

  • Ohrenstöpsel
  • Schutzbrille (am besten etwas, das meine Augen nicht sehen lässt)
  • Handschuhe (Leder – sieht einfach besser aus)
  • Geruchsmittel (da gibt es tolles Zeug, was man sich unter die Nase reibt, damit der Geruchssinn betäubt wird)
  • Geschmacksmittel (dito)
  • Klinge (am besten so scharf, dass man auch Glas damit schneiden kann)
  • Hammer
  • Holzpflock (wenn man mal einem Vampir begegnet ... damit kann man aber auch Türen verbarrikadieren)
  • Meißel
  • Maßband
  • Kompass
  • Einmalkamera
  • Schreibzeug
  • Kreide
  • Wachsmalstifte
  • Kleber (flüssig und als Klebeband)
  • Aufnahmegerät (ein Diktaphon sollte ausreichen)
  • Rauchwerk (besonders Weihrauch)
  • Öl
  • Feuer
  • Waffe

 

So, jetzt muss ich nur noch schauen, was das kostet damit ich den Preis verfünffachen und es in Eso-Kreisen vermarkten kann. Wenn du Anregungen hast – her damit. Ich beteilige dich auch am Gewinn.

 

Dein Homo Magi

 

Chatten im History-Space

 

Hallo Salamander,

 

auf der intensiven Suche nach meinen historischen Wurzeln geriet ich zwangsläufig an die Frage, von wem ich eigentlich abstamme und was „meine Religion“ (im Sinne von „die Religion meiner Vorfahren“) sein könnte.

Meine Vorfahren sind alle größtenteils Hessen oder Westfalen (aus der Lahn-Gegend), von daher bietet sich historisch der Stamm der Chatten an. Ein kurzer Blick in einen längeren Auszug aus der Wikipedia bestätigte meine erste Vermutung[15]:

Die Chatten (...) (auch Katten geschrieben) waren ein germanischer Volksstamm, der im Bereich der Täler von Eder, Fulda und des Oberlaufes der Lahn seinen Siedlungsschwerpunkt hatte, was zu großen Teilen dem heutigen Niederhessen und Oberhessen, bzw. Nordhessen und z.T. Mittelhessen entspricht. Die Bezeichnung Hessen ist eine spätere Abwandlung des Stammesnamens der Chatten. Die Chatten sind damit die Namensgeber des modernen Hessen. (...)

Kerngebiet des chattischen Siedlungsraumes waren die Ebene von Fritzlar-Wabern und das Kasseler Becken sowie die westhessische Senkenlandschaft. Der Ursprung des Stammes liegt bis heute weitestgehend im Dunkeln, nach neuestem Forschungs- und Kenntnisstand wanderten die Chatten aber nicht als gesonderter Stamm in das Gebiet zwischen Rothaargebirge und Rhön ein. Vielmehr gerieten kleinere versprengte Sueben-Gruppen aus der Zeit des Ariovist sowie andere rhein-weser-germanische Völkerschaften und kleinere keltische Ethnien in der zweiten Hälfte des 1. Jahrhunderts v.Chr. unter die Oberhoheit eingewanderter elbgermanischer Neusiedler. Mit der Errichtung des Markomannen-Reiches unter Marbod, 3 v. Chr. in Böhmen geht der Abzug der elbgermanischen Bevölkerungsgruppen aus Hessen einher. Zeitgleich wandern neue, mit der rhein-weser-germanischen Kultur verbundene Gruppen ins nördliche Hessen ein und füllen das dort entstandene Machtvakuum. Im Vergleich zur eingesessenen Bevölkerung dürfte sich die Anzahl der Neusiedler auf einige hundert Waffen tragende Männer, sowie deren Familien beschränkt haben. Dieser als „chattischer Traditionskern“ in der Wissenschaft angesehene Sippenverband hat vermutlich für die Ethnogese des gesamten Stammes eine wichtige Rolle gespielt. Funde lassen darauf schließen, dass im späten 2. Jahrhundert n. Chr., zur Zeit der Markomannenkriege, ein erneuter Zuzug elbgermanischer Bevölkerungsgruppen einsetzt, der in seiner Größenordnung jedoch noch schwer abzuschätzen ist. Ob die Stammesbildung friedlicher Natur war oder kriegerisch erfolgte, liegt weiterhin im Dunkel der Geschichte verborgen und kann vorerst wohl noch nicht aufgeklärt werden.

(...) Im Jahre 9 n. Chr. nahmen die Chatten an der Rebellion des Arminius gegen Varus teil und gingen in den folgenden Jahren eine anti-römische Koalition unter Führung der Cherusker ein. (....) 69 n. Chr. beteiligten sich die Chatten am Bataveraufstand unter der Führung des Julius Civilis. Gemeinhin werden die Bataver, die im Gebiet der späteren Niederlande ansässig waren, als ein nach inneren Konflikten abgespaltener und ausgewanderter, früherer Teil der Chatten angesprochen. (...) 162 n. Chr. fielen die Chatten in Obergermanien und Rätien ein, 170 n.Chr. plünderten sie die römische Provinz Belgica. Um 213 n. Chr. begingen chattische Frauen Suizid, um nicht in die römische Sklaverei verschleppt zu werden.

 

Die Chatten in der Germania des Tacitus

Der römische Geschichtsschreiber Tacitus berichtet in seiner Germania, dass die Chatten mehr als andere germanische Stämme Bergbewohner seien und aus diesem Grund über festere Körper, sehnigere Glieder und einen regsameren Geist verfügten. In ihrer Disziplin und ihrem Organisationsgeschick vergleicht Tacitus die Chatten mit den Römern. (...) Des weiteren nennt Tacitus einen Brauch der Chatten: Diese würden, sobald sie erwachsen seien, ihr Haupt- und Barthaar wachsen lassen und einer Gottheit weihen. Über dem getöteten Feind und den Beutewaffen schneiden sie sich Haupt- und Barthaar ab und verkünden, dass sie nun ihres Stammes und ihrer Eltern würdig seien und ihre Geburt bezahlt hätten.

 

Eingliederung in den fränkischen Stammesverband

Gegen Ende des 5. Jahrhunderts gerieten die Chatten wohl langsam unter die Oberhoheit der Franken und wurden unter der Herrschaft Chlodwigs I. endgültig in das fränkische Königreich eingegliedert. Das Gebiet der Chatten diente den Franken zudem als Ausgangsbasis für Feldzüge gegen die nördlich siedelnden Sachsen, die immer wieder in chattisches und fränkisches Gebiet eindrangen. Die Behauptung einer gewissen Teilautonomie der Chatten gegenüber den Franken führte dazu, dass sich ihr Stammesname, in abgewandelter Form, bis heute halten konnte. Die Eingliederung in das fränkische Stammeskönigtum führte allerdings auch dazu, dass aus dem Siedlungsgebiet der Chatten bzw. Hessen im Frühmittelalter kein eigenes Stammesherzogtum hervorging.

 

Wandlung des Stammesnamen

Im Jahre 738 n.Chr. trat der neue Name Hessen zum ersten Mal in der Geschichte auf: In einem Sendschreiben Papst Gregors III. an Bonifatius wird von einem chattischen Teilstamm, dem Volk der Hessen (populus hassiorum), berichtet, das an der unteren Fulda siedelte. Der Name Hessen wurde fortan als Sammelname auf alle chattischen Teilstämme in Ober- und Niederhessen angewendet. Die linguistische Herleitung der Namenswandlung von Chatten zu Hessen verlief in mehreren Zwischenschritten: Chatti (ca. 100 n.Chr.) Hatti Hazzi Hassi (um 700 n.Chr.) Hessi (738 n.Chr.) Hessen

(...) Die etymologische Herleitung des Namens der Hessen blieb – mangels der langen Überlieferungslücke zwischen der letzten Erwähnung der Chatten 213 und der ersten Erwähnung der Hessen 738 – nie unumstritten. Versuche, durch archäologische Befunde eine Kontinuität zwischen Chatten und Hessen zu begründen, werden in der Forschung als überzeugender betrachtet. (...)

 

Wichtig war der Satz „Der Ursprung des Stammes liegt bis heute weitestgehend im Dunkeln“. Also war eine weitere Recherche angesagt. Der Versuch, über die Suchworte „Germanen“ und „Chatten“ bei google.de etwas zu finden, verlief im Sande – mein Lieblingstreffer ist „vegetarisch leben, daten und chatten für Vegetarier“[16]. Aber das Internet kann einem natürlich immer weiterhelfen, deswegen ist die Herkunft der Chatten jetzt kein Problem mehr (man verzeihe mir den längeren folgenden Text, der kaum noch zu kürzen war, weil er so brillant ist):

(...) Das Deutsche Reich ist die älteste staatliche Institution in Europa. Als Heiliges Römisches Reich Deutscher Nationen beherrschte es über ein ganzes Jahrtausend den Kontinent und war in diesem Jahrhundert durch zwei Kriege nahe daran, die Kontrolle über die GANZE WELT zu erlangen. Könnte ein Volk mit einem solch schwerwiegenden Einfluss auf die Menschheitsgeschichte in der Bibel völlig unerwähnt bleiben, wie Gelehrte behaupten?

Der Name „Deutschland“ wird in der Bibel nicht erwähnt. Auch der Ausdruck „Germanen“ war nicht bekannt gewesen, bis die Römer vor etwa 2000 Jahren die kollektive Bezeichnung Germani aufbrachten. Die Deutschen selbst nennen sich deutsch und nicht germanisch. Ihr geliebtes Land betiteln sie Deutschland. Wenn wir das deutsche Volk in der Bibel erwähnt finden wollen, dann muss es unter einem anderen Namen stehen. Nicht unter dem, den die Römer ihm gegeben haben!

Seit einigen Jahren nun lehren wir, dass das heutige Deutschland (...) von dem Volk abstammt, das die Bibel mit Assyrien bezeichnet. (...) Natürlich ist die Bibel die beste historische Quelle überhaupt. Ja, in Hinsicht auf die menschliche Zivilisation IST SIE TATSÄCHLICH DIE EINZIGE VOLLSTÄNDIGE HISTORISCHE QUELLE, DIE WIR HABEN. (...)

 

Israel kommt in assyrische Gefangenschaft

(...) Herbert W. Armstrong schreibt in „Die Vereinigten Staaten und Großbritannien in der Prophezeiung“ „In den Jahren 721-718 vor Christus wurde das Haus Israel erobert und eingenommen. Israels Bevölkerung wurde aus seinen Häusern, seinen Städten und dem Land vertrieben und nach Assyrien deportiert. Es wurde gefangen an die Südküste des Kaspischen Meeres gebracht! Danach VERLOR DIE GESCHICHTE ISRAEL AUS DEN AUGEN!“ (Seite 68, Ausgabe 1980). Zu diesem Zeitpunkt war Israel völlig aus dem geschichtlichen Blickpunkt verschwunden. Man sprach von den „verlorenen zehn Stämmen“ Israels. Aber weiß man auch, warum sie aus den Augen der Welt „verschwunden“ waren? Der Grund liegt darin, dass HISTORIKER UND GELEHRTE AUCH DIE ASSYRIER AUS DEN AUGEN VERLOREN HATTEN! Als Israel in ASSYRISCHE Gefangenschaft geriet, bewohnten diese die südliche Küste des Schwarzen und Kaspischen Meeres. Gemäß unserem kostenlosen Buch „The United States and Britian in Prophecy“ (...) führt die Spur der Wanderungen Israels nach Nordwesten geradewegs nach Westeuropa, auf die Skandinavische Halbinsel und auf die Britischen Inseln. Dazu kam es, als die Assyrier nach Mitteleuropa ausgewandert waren, wobei sie Israel mitführten!

Als beide Völker nach Europa kamen, hatten sich die Israeliten aus der assyrischen Sklaverei gelöst und ließen sich in den oben genannten Regionen nieder. Die Assyrier dagegen besiedelten vor allem Mitteleuropa, das heutige Deutschland und Österreich. (...)

 

Zurück zu den Wurzeln Deutschlands

(...) Herausragend unter diesen damaligen deutschen Stämmen waren die Chatten (Vorfahren der heutigen Hessen) (...). Chatti bedeutet wörtlich „gewaltsam niederreißen“ und „in Angst und Schrecken versetzen“. Die Vorfahren dieses deutschen Stammes lebten vor ihrer Wanderung hauptsächlich in Kleinasien und waren bekannt als die assyrischen Chatten (...).

 

Deutschland in der Prophezeiung

Es gibt einen Grund, warum die wahre Identität des deutschen Volkes den meisten Menschen in dieser Endzeit verborgen bleibt. Satan wusste, dass, wenn er die deutsche Identität verdeckt, er die wahre Bedeutung der meisten endzeitlichen Bibelprophezeiungen hinsichtlich der Assyrier verschleiern kann. (...)

Unglücklicherweise wird es all das Schlimme brauchen, um der Menschheit endlich klar zu machen, unter welchem Deckmantel das alte Assyrien sich heute verbirgt. Und es ist auch notwendig, der Menschheit verständlich zu machen, warum Gott Assyrien als Seine Zornesrute auf Israel angesetzt hat. (...)

 

Der ehemalige Stamm der Chatten

Der Name „Chatten“ oder „Hatti“, wie man ihn auch manchmal lesen kann, bedeutet im Hebräischen „gewaltsam niederreißen“, „durch Verwirrung außer Kraft setzen“, „umstürzen“, „Furcht einflößen“, „verängstigen“ und „erschrecken“. Das Wort Chatten leitet sich vom hebräischen Wort „Hethiter“ ab, das oft in der Bibel vorkommt. Die kanaanitischen Hethiter waren ein finsteres Volk, das nach biblischen Berichten im fortwährenden Konflikt mit den Israeliten lag. Diese Hethiter waren Abkömmlinge des dunkelhäutigen Ham.

Es gab aber noch ein anderes Volk mit hellerer Haut, das unter dem Namen Chatten oder Hatti bekannt war. Die Assyrier! Die Geschichtsschreiber wissen und vermerken, daß es zwei unterschiedliche Völker gab, die beide den Namen Chatten oder Hethiter, wie die Bibel sagt, trugen. (...) Was die kanaanitischen Hethiter angeht, so glaubt Dr. Hoeh, daß sie, nachdem Alexander der Große Asien erobert hatte, ebenfalls in Richtung Nordwesten nach Europa auswanderten. „Dann überquerten sie den Atlantik nach Nordamerika, wo die Kolonisten sie als Chatti-Indianer der mittleren Prärie wieder ausfindig machten.“

Die assyrischen Chatten blieben jedoch in Mitteleuropa, was die Encyclopedia Britannica und jeder Student der deutschen Geschichte klar bestätigen kann. Die Britannica bezeichnet die „Chatten“ als einen alten deutschen Stamm, der zu Beginn des ersten Jahrhunderts mit den Römern häufig in Konflikt geraten war.“ (Band 6, Stichwort: „Chatti“). (...) Die deutschen Chatten stammten von den Söhnen Assurs ab und waren ein hellhäutiges Volk. Von diesem alten Stamm leiteten die späteren Hessen ihren Namen ab.

Dr. Hoeh schreibt in seinem bereits erwähnten Plain Truth Artikel: „Der westliche Teil des Assyrierreiches war das Hatti-Land ... Die damaligen Assyrierkönige nannten sich selbst Khatti-sars, was soviel wie »Kaiser der Hatti« oder »Könige der Hatti« bedeutet. Die Großen und Mächtigen der Hatti betrachteten sich selbst als Assyrier ... (...)

 

Die historische Stadt Trier

(...) Die deutsche Stadt Trier führt ihren Ursprung sowohl auf Trebeta, den Sohn des Nimrod und der Semiramis, als auch auf die ehemalige assyrische Hauptstadt Ninive zurück. Der Grund dafür liegt darin, dass der Großteil des heutigen Deutschlands von assyrischer Bevölkerung gestellt wird!“

Entnommen aus „The Philadelphia Trumpet“, März 1997[17]

 

Der religiöse Ursprung der assyrischen Hessen ist damit klar. Auch unsere Rolle im geheimen Plan Satans (sind Chatt-Rooms Treffen von satanischen Hessen zur Durchsetzung des sinistren Meisterplans?)

Was soll ich jetzt anbeten (Jesus scheidet aus naheliegenden Gründen aus, da ich ja ein Kind Satans bin)? Die Lösung bietet die Fachliteratur.

 

Babylonisch-assyrische Religion

Die im Gebiet des Euphrat und Tigris ansässigen Stämme der Sumerer, Akkader, Babylonier und Assyrer standen in enger Verbindung und haben sich z.T. bedingt durch gegenseitige Eroberung miteinander vermischt. (...)

Nach Eroberung des Landes durch die Hethiter und Kassiten herrschten diese, bis um 1350 vuZ die Assyrer in Babylon eingriffen. Die Hauptstadt Assur wurde später durch Kalach (heute Nimrud) und Ninive (bei Mosul) abgelöst. 612 vuZ erlagen die Assyrer dem Angriff der Babylonier und Meder. 539 vuZ wurde Babylon von den Persern erobert. Übereinstimmend berichten Daniel 5, und Herodot 1,191, dass dies während eines von Belsazar gegebenen Festes stattfand. Die aus der Bibliothek des Königs Assurbanipal (669 – 629 vuZ) mit rd. 30.000 Werken, die der König aus seinem Reich abschreiben und katalogisieren ließ, stammenden Überlieferungen religiöser Literatur sind umfangreich. Enthalten sind Hymnen, Gebete, Buspsalmen, Zaubersprüche, Spruchweisheiten, Märchen, mythologische Epen und Werke über die Deutung von Vorzeichen. Die Epen sind im wesentlichen die Geschichte von Gilgamesch und die Geschichte von Ischtars Höllenfahrt. Ein Motiv, das auch in der griech. Mythologie anklingt.

Die Hymnen betreffen die Macht und Handlungsweise der Götter. (...) Der Sonnengott Schamasch wird mit folgenden Worten geehrt:

„Die gewaltigen Gebirge sind umgeben von Deiner Glorie,

von Deinem Strahlenglanz sind voll die flachen Länder.“[18]

 

„Die gewaltigen Gebirge sind umgeben von Deiner Glorie, Von Deinem Strahlenglanz sind voll die flachen Länder“ – das klingt hessisch. Ich bin religiös daheim.

 

Dein Homo Magi

 

Abrissarbeiten

 

Hallo Salamander,

 

mein Nachbar muss wollen, dass ich ausziehe. Im Rahmen eines genialen Plans setzt er nämlich alle seine diabolische Energie daran, mich zu vertreiben.

Ich hätte gewarnt sein sollen, da mein Nachbar eine christliche Schule ist. Aber die letzten Jahre haben sie mich ja in Sicherheit gewiegt. Es gab keinen Grund dafür, argwöhnisch zu werden. Jeden Morgen traf ich die Schülerinnen und Schüler beim Bäcker an der Ecke, außerdem waren sie ganz nett anzusehen und eigentlich immer höflich.

Früh hätte mir zu denken geben müssen, dass um 8.00 Uhr das tägliche Läuten begann und um 22.00 Uhr endete – morgens mit 12 Schlägen, abends mit 14 Schlägen. Dann gab es noch das Zwischenläuten um 8.09 Uhr (dessen rituelle Begründung für ein Dauerläuten mir bis jetzt entgangen sind), das Gottesdiensteingangs- und das Gottesdienstausgangsläuten, das Feiertagsläuten und das Brandnacht-Gedächtnisläuten.

Naja, aber das alles habe ich zu ignorieren gelernt. Jetzt kommt aber der Abriss (getarnt als Renovierung) des Nachbarn hinzu. Erst rissen sie das übernächste Gebäude ab – von morgens um 7.00 Uhr bis 17.00 Uhr hämmerten große Maschinen in den Boden und übelriechende Laster fuhren staubigen Schutt seiner Weiterverwertung entgegen. Große Dieselmaschinen stanken vor dem Haus herum, während Unterhemdenträger mit tätowierten Armen ohne Rücksicht auf Verluste rückwärts in die Einfahrt stießen.

Dann näherten sie sich dem Nachbargebäude. Erst jetzt zeigte sich die perfide Perfektion ihres Plans. Sie begannen innen die Fliesen von den Wänden zu schlagen und vertrieben sich die Zeit damit, höhnisch lachend (zumindest kam es mir so vor) die Arbeitszeit von 7.00 Uhr an dafür zu nutzen, um infernalen Lärm zu erzeugen. Abspringende Fliesen, aufplatzende Kacheln, unter Bohrern jaulender Beton und kreischendes, angebohrtes Metall – dies wurden der Begleiter meiner Tage daheim. Da mein Arbeitgeber mich gerne mal tagelang freistellt, damit ich daheim „in Ruhe“ arbeiten kann, wurde diese grauselige Kakophonie zu meinem täglichen Begleiter, der sich auch mit einer lauten Stereoanlage kaum übertönen ließ.

 

Gut. Ich habe Nerven. Aber sie sind nicht aus Stahl. Ich überstand die Ofenexplosion, den Wassereinbruch, den Verlust von Dachboden (ganz) und Keller (halb), den Glauben an die Verzichtbarkeit von Nebenkostenabrechnungen, die schimmeligen Fensterstöcke, die herausfallenden Steckdosen, die Mottenplage, die Deckenrisse, die auseinanderklaffenden Dielen und anderes. Aber die christlichen Bohrer haben erreicht, was ich für unmöglich hielt. Ich gehe.

Ehrlich. Meine knapp 3000 Bücher, meine paar CDs und diverse andere Sammlungen werden einer Spedition anvertraut werden und dürfen die Reise durch meine Heimatstadt antreten. Okay, ich habe noch keine neue Wohnung und okay, es drängelt mich auch keiner – aber wenn ich jetzt nicht nachgebe, was kommt dann? Brennende Kreuze vor dem Fenster? Exorzisten im Treppenhaus? Nachts lautes Orgelspiel aus dem geöffneten Portal der Kirche gegenüber? Ich will es nicht wissen.

 

Und tschüss!

Dein Homo Magi

 

Deutschland braucht Mariens Hilfe

 

Hallo Salamander,

 

unter dem Titel „Deutschland braucht Mariens Hilfe“ besitze ich schon seit längerer Zeit ein Werbeblatt der „Deutschen Vereinigung für Christliche Kultur“ samt einem wunderschönen Bild der „Pilgerstatue unserer Lieben Frau von Fatima“. „Lieben Frau“ wirklich beide Male groß, ich kann nix dafür.

Also machte ich mich mal im Internet über diesen tollen Verein klug:[19]

Unsere Organisation besteht aus ehrenamtlichen Mitarbeitern, die zusammen mit etwa 50.000 Teilnehmern in Deutschland für die Wiederherstellung der christlichen Zivilisation kämpft.

Zum Schutzpatron haben wir uns den Hl. Bonifatius, Missionar Deutschlands, gewählt.

Die Deutsche Vereinigung für eine Christliche Kultur ( DVCK ) e.V. ist eine private Initiative ohne offizielle Bindung an Kirchen oder politischen Parteien. Die Orientierung ist katholisch, der Tätigkeitsbereich überkonfessionell.

Die DVCK e.V. wurde 1983 gegründet. Hintergrund ist der selbstlose Schutz der geistigen, sozialen und kulturellen Werte der christlich-abendländischen Kultur und Zivilisation die von einer seit mehr als fünf Jahrhunderte anhaltenden zersetzenden Revolution nach und nach zerstört werden soll.

 

Und zum Schutzpatron konnte man dann auch gleich noch mehr lernen:[20]

Bonifatius wurde in den Benediktinerklöstern Adescancastre bei Exeter und Kloster Nhutscelle (Nursling, bei Southampton Grafschaft Hampshire) erzogen und in letzterem im Alter von etwa 30 Jahren zum Priester geweiht. (...)

Wynfreth war nach Willibrord, dem Bischof von Utrecht, der zweite Missionar, der von den britischen Inseln kommend die heidnischen Sachsen zum Christentum bekehrte.

Die Missionsreisen des Bonifatius darf man sich als Expeditionen zu den Heiden vorstellen, auf die er sich mit Kriegern, Handwerkern und größerem Gefolge begab, um Niederlassungen und Klöster zu gründen. Ein besonderes Ereignis wird von Geismar (Fritzlar) in Nordhessen berichtet, wo in Sichtweite der fränkischen Festung Büraburg eine seit langem verehrte, dem Thor – in Deutschland Donar genannt – geweihte Eiche stand. Bonifatius entschloss sich, den Baum mit einer Axt zu fällen. Die anwesenden Wallfahrer und heidnischen Priester erwarteten gespannt die Reaktion ihres Gottes; dass diese ausblieb, beeindruckte sie tief.

 

Jetzt war mir schon klar, welche Organisation der Heide von heute bekämpfen muss – denn das war doch schon starker Tobak. Aber als Gegner fiel die Organisation dann schnell wieder weg, da man sie nicht immer ernst nehmen kann. Ein Beispiel:[21]

BRAVO: So schlimm wie noch nie!

Wenn es nach Bravo ginge, sollten Kinder und Jugendliche so früh wie möglich in einem immerwährenden Erotik-Rausch leben

 

Da wird einem doch relativ bald klar, dass die einen an der Mütze haben. Also wollte ich mich weiter informieren und suchte nach Fremdurteilen über die DVCK. Bald geriet ich in den Strudel des Wahnsinns:[22]

Kurze Beurteilung der DVCK

Wir unterstützen den DVCK nicht.

Gründe:

(...)

2. Der „Feind Nr. l der Kinder“ und generell der gottgewollten Ordnung ist NICHT die Zeitschrift BRAVO, die nur ein Symptom unserer gottlosen Zeit ist. Viel schlimmer, sowohl hinsichtlich der Sittenverderbnis als auch v.a. hinsichtlich der Breitenwirkung sind der Staat, also die Völkermordrepublik Deutschland, und die „römisch-katholische Kirche e.V., also die V2-Sekte. Exemplarisch sei hier an die staatliche Initiative „Mach’s mit„ oder den „katholischen“ Weltbild-Verlag erinnert. Seitens „Bravo“ haben wir noch keine sadistische Verfolgung erlebt, aber von Staat und V2-Sekte kennen wir solche Aktionen bis zum Erbrechen.

 

Obwohl ich auch nicht glaube, dass die „Bravo“ ein Feind der Kinder ist, bin ich auch nicht der Meinung, dass die „Bravo“ ein Symbol unserer gottlosen Zeit ist.

Die Fällung der Donar-Eiche ist Geschichte – wie man auch dazu inhaltlich stehen mag. Aber ob Deutschland eine „Völkermordrepublik“ ist, wage ich zu bezweifeln.

 

Nachdem ich mich eine Stunde durch solche und ähnliche Dinge durchgeklickt habe, wurde mir eines klar: „Deutschland braucht Mariens Hilfe“ ist wohl die Selbsterkenntnis der Betreiber, dass sie dringend Hilfe brauchen. Der Verein DVCK hat seinen Sitz in 60439 Frankfurt am Main – und in 60439 Frankfurt/Main sitzt auch Maria (!) Grazia (!!) Albert, die auch Psychologie, Therapie, Pädagogik und Sozialarbeit anbietet.[23] Also braucht Deutschland wirklich Mariens Hilfe – und mit etwas Glück zahlt die Krankenkasse.

 

Dein Homo Magi

 

Anrufbeantworter

 

Hallo Salamander,

 

kein Gegenstand der Welt ist so falsch benannt wie der Anrufbeantworter. Natürlich beantwortet ein Anrufbeantworter keine Anrufe (so wenig, wie das Jägerschnitzel aus Jägern besteht). Man kann auf den Anrufbeantworter nur drauf sprechen (auf das Jägerschnitzel auch), aber der Anrufbeantworter zeichnet den Anruf – im Gegensatz zum Jägerschnitzel – auch auf.

Ich rufe also einen Teilnehmer an, der zur Zeit nicht daheim ist (oder nicht ans Telefon gehen will, was es angeblich auch geben soll). Der Anrufbeantworter spult einen Hinweis ab („Sie sind verbunden mit dem Anschluss von Peter Müller. Ich bin zur Zeit nicht daheim. Sie können jedoch nach dem Signalton eine Nachricht hinterlassen. Pieeeeeep.“), dann hat man – je nach Einstellung des Zielgerätes – zwischen (gefühlten) 10 Sekunden und (mitgestoppten) 3 Minuten Zeit, um einen Text auf das „Ding“ zu sprechen.

Wenn man jetzt in der Kindheit nie gesündigt hat, dann hört der Empfänger das Ding irgendwann mal ab und freut sich an der Mitteilung. Dann weiß er auch, wann und wer warum angerufen hat und hat die Option (!), zurückzurufen. Wenn er will.

Aber noch einmal zur Erklärung: Der Anrufbeantworter beantwortet keine Anrufe (und das Jägerschnitzel schnitzelt keine Jäger – ich habe diesen Vergleich vielleicht jetzt ein wenig überstrapaziert. Ab jetzt werde ich ihn nicht mehr verwenden.).

Der Anrufbeantwortet ist also nicht nur falsch benannt und erfüllt die Aufgabe nicht, die sein Name verspricht. Ich glaube an eine viel sinistere Aufgabe dieses Gerätes, die ich kurz erklären will. Der Anrufbeantworter (der gar nicht funktioniert, wie sein Name behauptet – ich würde jetzt den Vergleich zum Zigeunerschnitzel wagen, in dem auch kein Zigeuner ist) ist nämlich falsch benannt. Er beantwortet keine Anrufe (das tut er sicherlich nicht, wie ich eben dargelegt habe), sondern er ist ein Anrufungsbeantworter.

In Wirklichkeit verbirgt sich ein hoch (!) religiöses Gerät hinter diesem Namen. Wenn ich das nächste Mal eine Gottheit anrufen (!) will, dann suche ich aus meinem großen Telefonbuch eine Nummer heraus, wo sicher ein Anrufbeantworter dran geht, weil der Empfänger meines Anrufs daneben sitzt, um nicht wieder gestört zu werden. Dann geht meine Anrufung los. „Aaaaah, du große Ziege aus dem Wäldern am Rande der Welt. Aaaaayaaaahahahah, höre mein Flehen und erhöre mich, der du auf diesen Anrufungsbeantworter antwortest. Aaahahahaa. [lautes jodeln, dann auflegen]“

Ich denke, das verwirrt meinen Bekanntenkreis genug und sorgt dafür, dass meine Anrufung (ab)gehört wird. So einfach ist Magie.

 

Dein Homo Magi

 

Winkfleisch

 

Hallo Salamander,

 

vor wenigen Tagen hatte ich das Glück, von meinem Arbeitgeber einen Aufenthalt auf Mallorca gezahlt zu bekommen. Es ist wenig passiert, über das ich in diesem Rahmen reden möchte. Zu sehr treibt mich die Angst, dass es gegen mich verwendet werden könnte. Also werde ich hier keine Details zum besten geben, die sich mit dem „Bierkönig“ in der Schnitzelstraße oder ähnlichen Phänomenen beschäftigen. Auch sage ich kein Wort über romantische Strandspaziergänge oder die Innenstadt von La Palma.

 

Aber ich kann etwas sagen über ein neues Wort, das ich gelernt habe im Zusammenhang mit diesem Arbeitsauflug. Wir standen an der Promenade und schauten hinunter auf den Strand. Dort rieben sich eingeölte Körper an der Brandung, am Sand oder aneinander. Wenn ein Fitzel Kleidung verrutschte, dann sah man das bleiche, weiße Fleisch, das man wie toter Hummer unter der Kleidung hervorblitzen sah.

Dazu kamen die Farben, welche die Fitzel trugen. Es gab keine unifarbenen Badeanzüge, es gab nur tigerbunt, regenbogenätzend oder Jugendherbergs-Jogurt-Farben. Meine Augen drohten an Linsenkrebs zu verenden.

Doch meine Kollegin schaffte es, mich aus der Lethargie zu reißen. Sie schaute abschätzend auf den Strand und sagte nur „Winkfleisch“. Ich war verwirrt, hatte ich dieses Wort doch noch nie gehört. Also schaute ich sie fragend an. Sie wies hinunter auf den Strand, holte mit breitem Arm aus und sagte nur „Winkfleisch“. Ich verstand immer noch nicht. Sie lachte. Dann krempelte sie ihren T-Shirt-Ärmel hoch und begann heftig zu winken – so wie viele andere Frauen am Strand auch. Mit der freien Hand deutete sie auf das Fleisch, das auf der Unterseite des Oberarms von der Gravitation gezogen und vom winkenden Arm bewegt hin und her wippte. Aber an ihr hing nur wenig Winkfleisch, während sich unten am Strand Gramm um Gramm Winkfleisch in Tonnagenmenge bewegten.

Winkfleisch. Danke, Schicksal, danke. Das hätte ich nicht wissen müssen.

 

Dein Homo Magi

 

Klimakatastrophe

 

Hallo Salamander,

 

die letzten Wochen waren ja wettertechnisch eine echte Katastrophe. Es ist Mitte Juli und der Sommer lässt sich weit und breit nicht mal ein wenig blicken. Dafür regnet es wie aus Kübeln, die Wolken sind dick und regenschwanger, der Himmel morgens und abends düster und wenig anheimelnd.

Das Ganze tarnt sich als Sommer! Widerlich.

 

Aber den guten Magier von nebenan (vulgo: ich) macht so etwas natürlich nicht nervös. Um zu beweisen, dass es aus jeder weltlichen Krise einen magisch-mystischen Ausweg gibt, nun hier exklusiv der „Homo Magi-Weg aus der Klimakatastrophe“ (beziehungsweise drei unterschiedliche Ansätze, die alle nicht ohne mich auskommen).

1. Wir befinden uns am Ende des Maya-Kalenders. Große Umwälzungen sind also „an der Tagesordnung“, bevor die Menschheit (um das Jahr 2107 herum)[24] eine höhere Bewusstseinsstufe erreicht und eins wird mit dem Strahlen der Protonen aus dem Sternbild des Schwans.[25] Daher ist also keine Panik angesagt.

Wer aber ganz sicher gehen will, dass er/sie (oder seine/ihre Nachkommen) Teil der Protonenmenschheit[26] wird, der sollte sich sofort aufmachen und mir Geld schicken/überweisen, damit ich seine Erbinformationen aus der Ferne protonisch auflade.

 

2. Ich bin in Wirklichkeit ein Schwarzmagier, der es leid ist, in Armut und Elend zu leben (na ja). Von daher habe ich mich entschlossen, die Menschheit zu erpressen. Es gibt keine Klimakatastrophe – es gibt nur mich und meine gigantischen magischen Fähigkeiten. Wenn ihr also nicht wollt, dass die Erde untergeht, dann überweist Geld auf mein Konto. Erst wenn für jeden Menschen auf der Erde (ich gehe von über den Daumen 6 Milliarden Menschen aus) ein Euro auf meinem Konto gelandet ist, bin ich gutwillig, die Katastrophe aufzuhalten. Anderenfalls wäre es an der Zeit, sich ein Faltboot zu kaufen. Da ist ein Euro für mein Stillhalten doch sinnvoller angelegt – schon gar, weil das Faltboot deutlich teurer wird.

 

3. Das alte Atlantis liegt unter dem Eis der Antarktis verborgen. Wenn die Pole endlich abschmelzen, wird Atlantis in seiner ganzen Pracht wieder erstehen.

Es sind nicht wir (zeitgenössischen) Menschen, die hinter der Klimakatastrophe stehen – es sind die Atlanter, die hier ihren 30.000 Jahresplan umsetzen, der sie um das Jahr 28.000 vor Christus vor den Lemurern rettete.

Die Lemurer waren nämlich kurz davor, die Atlanter auszurotten. Da die Lemurer aber echsenartig sind, konnten sie in Kälte nicht kämpfen. Die Atlanter zogen sich in ihre Stadt (heute: Antarktis) zurück und verkühlten die Erde, bis der Südpol unter Eis lag. Die Lemurer froren ein. Die Atlanter wollten erst wiederkommen, wenn ihre Schützlinge (die Menschen) weit genug wären, um an ihrer Seite den Kampf gegen die Lemurer aufzunehmen.

Der Zeitplan für die nächsten Jahre dürfte also klar sein. 2009 beginnen die ersten Angriffe der Lemurer gegen Menschen, 2014 sind die ersten Atlanter wieder wach. In diesen fünf Jahren von 2009 bis 2014 ist unsere Wachsamkeit am meisten gefragt. Die wiedererwachten Atlanter sind schwach und verwirrt.

Sei ein Teil der Lemurerwacht! Unter www.Lemur-erwacht.de[27] sind sowohl unsere Hinweise auf die „Lemurerwacht“ als auch auf die Gefahr „Lemur erwacht“ zu finden.

Dort ist auch ein Spendenkonto angewiesen, wo wir Geld sammeln, um eine Armee aus Freiwilligen zum Kampf gegen die Lemurer zu bilden.

Spende soviel du kannst – das Abschmelzen der Polkappen können wir nicht stoppen, aber den Siegeszug der Lemurer verhindern, das können wir!

Für Atlantis! Für die Erwärmung! Für Glück und Zufriedenheit!

 

Du siehst: Was auch immer passiert: ich verdiene daran.

 

Dein Homo Magi


Sticks and Stones may hurt my bones ...

 

Hallo Salamander,

 

alle guten Magier trugen einen Stab. Vom keltisch-romanischen Merlin bis zum Fantasy-angehauchten Gandalf war kein guter Magier ohne Stock denkbar. Wenn ich mir nun meine zeitgenössischen Kollegen anschaue, so muss ich voller Schrecken feststellen, dass die wenigsten von Ihnen mit dieser alten Tradition leben.

Ich trage oft einen Stock. Einen Gehstock. Okay, er ist nicht unbedingt als Magierstab zu erkennen – aber wer will das schon? Ich brauche in der weltlichen Gegenwart nicht jedem zeigen, dass ich mit Magie beschäftige. Weiß Gott nicht.

Außerdem brauche ich den Stock. Ganz banal. Zum gehen. Was nicht heißen soll, dass alle großen Magier eine (Geh-)Behinderung haben, aber in meinem Falle passt das ganz gut zusammen. Ich bin nicht dankbar dafür, dass ich öfters einen Stock brauche, aber ich versuche der Situation das Beste abzugewinnen.

Ja, ich trage einen Stock. Ich kann mit ihn nicht verteidigen, ich kann mit ihm mich nicht angreifen, ich kann mit ihm gehen. Es ist ein Gehstock, dafür ist er gemacht und geeignet.

 

Auf den ersten Blick.

 

Magie funktioniert auf der Grundlage von Sprache. Und Sprache hilft nur in 99 % aller Fälle. Das restliche 1 % der Menschheit reagiert nicht auf (An-)Sprache. Und da gilt das englische Kindergedicht: „Sticks ans stones may break my bones / but words will never hurt me.“

 

Dein Homo Magi

 

Kreise

 

Hallo Salamander,

 

wie ich Dir sicherlich schon mehrmals geschrieben habe, war ich vor vielen Jahren Mitglied in einem „Kreis“. Man könnte es im Rückblick eine Arbeitsgruppe zum Wiedergewinnen heidnischer Rituale nennen.

Aber damals, damals war ich voll darin involviert. Wir haben gemeinsam (soweit möglich) die Mondfeste gefeiert, genauso wie auch (eigentlich immer) die großen Jahreskreisfeste. Es war schön. Nicht nur in der Zeit, als es tatsächlich „geschah“, sondern auch im Rückblick. Es waren schöne Jahre, die ich dort verbracht habe. Kraftvolle, leuchtende Rituale haben wir gefeiert. Bis der Kreis zerbrach.

Die Gründe sind vielfältig. Wir haben uns viele Jahre etwas in die Tasche gelogen, was unser privates Verhältnis zueinander betraf. Wir waren eben nicht alle nur Freunde, sondern wir hatten auch handfeste Eigeninteressen. Viele Dinge wurden nicht geklärt, sondern unter den Teppich gekehrt, nicht thematisiert. Natürlich war das ein Fehler. Ein Fehler, der sich bitter gerächt hat.

 

Es hat Jahre gedauert, bis ich wieder an dem Punkt war, mich mit dem Wunsch zu beschäftigen, es noch einmal zu versuchen. Im zweiten Anlauf ging es dann ein wenig besser, weil wir uns auf eine lokale Nähe zurückgezogen haben. Nur wer nicht länger als eine Stunde zum Ritual anreisen muss, der hat Chancen, auch entspannt und ohne Schwierigkeiten mit Familie und Arbeit regelmäßig teilzunehmen.

Dieses Mal war es relativ schnell die Frage, wer wo und wie am meisten und am höchsten initiiert ist, die uns spaltete. Die Zahl der Leute, die „oben“ sein kann, ist eben in einer heidnischen Gruppe begrenzt. Und ein Dutzend Leute braucht keine zwei Hohepriesterinnen und Hohepriester – es muss Leute geben, die leiten, aber es muss auch genauso Leute geben, die mitmachen. Das war hier schwierig. Zu viele Köpfe, zu wenige Hände.

Also war das auch erledigt. Aber immerhin war ich in diesem Falle noch klug genug, darauf zu drängen, dass der Kreis ordentlich aufgelöst wird. Wir haben unsere Eingangsversprechen gelöst und trennten uns mehr oder weniger in Frieden.

 

Auch das ist wiederum Jahre her. Jetzt bin ich wieder so weit, dass ich denke, dass ich die Fehler der ersten beiden Male nicht wiederholen würde. Nun gut, Fehler sind dazu da, dass man sie macht. Aber ich glaube wirklich, dass ich hier meine Lektion gelernt habe. Von daher würde ich es erneut versuchen.

 

Ich sehne mich danach, die großen Jahreszeitenfeste wie auch die Mondfeste in einer Gruppe von Heiden zu feiern. Was denkst du dazu?

 

Dein Homo Magi

 

Umzug

 

Hallo Salamander,

 

im Moment wird mein Leben (vielleicht ein wenig zu arg) von Umzugsvorbereitungen geprägt. In erster Linie war es mein Arbeitgeber, der durch seinen Umzug und die damit verbundene Hektik in meinem Leben für ein wenig Aufruhr verantwortlich war.

Aber vielleicht auch für ein zu wenig Aufruhr, wie folgendes (ganz gut wiedergegebenes) Gespräch zwischen einem Kollegen (der stundenweise bei uns arbeitet) und mir widerspiegelt:

Kollege: „Warum ist denn hier so eine Hektik?“

Ich: „Wir planen einen Umzug.“

Kollege: „Ist doch kein Problem, habe ich auch schon ganz oft gemacht.“

Ich: „Und?“

Kollege: „Naja, die ersten Male hat es auch noch – trotz der Arbeit – Spaß gemacht.“

Ich: „Spaß?“

Kollege: „Schaffen, schaffen und dann Bierchen, Bierchen, Bierchen!“

Ich: „Beeindruckender Plan. Und jetzt?“

Kollege: „Jetzt sitze ich immer nur noch im Hof und schaue zu.“

Ich: „Wie bitte?“

Kollege: „Naja, nur noch saufen, trotz Umzug.“

Ich: „Und die anderen?“

Kollege: „Die saufen auch.“

Ich: „Und wer macht den Umzug?“

Kollege: „Naja, halt die ganzen anderen Sportvereine ...“

Ab hier war mir dann klar, dass sein Umzugswagen mit Blumen und Bierkisten geschmückt ist und dass der Hof, in dem er säuft, entlang der Umzugsstraße liegt und sie bei offenem Tor dem Umzug zuschauen können, während sie saufen.

Ein klarer Fall von Fehlkommunikation.

Mist.

Fing so vertrauenerweckend an, sein Plan.

 

Dein Homo Magi

Wunsch

 

Hallo Salamander,

 

da stand ich in der kleinen Stehbäckerei. Niemand war hinter mir, niemand war vor mir in der Schlange; bis auf die Verkäuferin und mich war der Laden leer. Gerade hatte sie meinen „Coffee-to-go“, mein Schokoladenbrötchen und das Käse-Schinken-Croissant eingetippt, da schaute sie mich mit großen braunen Augen unter langen Wimpern an.

„Noch ein Wunsch?“

„Ja!“ sprudelte es mir heraus. „Nicht nur einen.

Ich wünsche mir, dass Frieden herrscht auf der Welt. Ich wünsche mir, dass kein Kind mehr hungern muss, dass kein Mensch mehr aus Schmerzen weinen muss und dass kein Baum, kein Busch, keine Blume mehr stirbt, weil wir Menschen wegsehen.

Ich wünsche mir, dass der Wind wieder in den Lärchen singt, ich wünsche, dass das Tau der Wiesen im Mondlicht blinkt und ich wünsche, dass wieder Pan in den Lichtungen tanzt, wenn das Sternenlicht sich über die Olivenhaine ergießt.

Ich wünsche, dass wir Menschen lernen, dass keine Menschen mit anderen Hautfarben, Religionen, sexuellen Vorlieben, politischen Ansichten oder aus anderen Gründe mehr benachteiligt, bekämpft oder verlacht werden.

Ich wünsche, dass Menschen lernen können, in Würde zu sterben.

Ich wünsche, dass wir unsere Kinder zu einer Gemeinschaft heran erziehen, die es wieder lernt, gemeinsam zu lachen, zu tanzen und kraftvolle Rituale zu feiern.

Ich wünsche, dass all das Gestalt annimmt. Das wünsche ich mir mit aller Kraft meines Seins.“

Ich schaute sie wieder direkt an. Ihre schönen Augen unter den langen Wimpern schauten mich belustigt an. „Ich dachte mehr an Wünsche, die ich erfüllen kann.“

Ich taxierte sie langsam von oben bis unten. Unter meinem Blick wurde sie rot. Zum Glück kam dann – wie bestellt – ein Schüler herein, um irgendeine Süßigkeit zu erwerben.

„Ich kann das jetzt nicht sagen – es sind Minderjährige anwesend.“ Mit diesen Worten schaute ich erst sie herausfordernd an, dann vielsagend den jungen Schüler, dann wieder sie. Sie wurde von oben bis unten rot und wusste nicht, was sie sagen sollte.

 

Schade, irgendwie hätte ich schon gerne erlebt, was sie geantwortet hätte. Aber ich muss mir einen neuen Bäcker suchen, bis ich eine Fee finde, die meine Wünsche erfüllt. Zumindest den ersten Teil – den mit dem Weltfrieden und so.

Moralischerseits ist es einfacher, von einer Bäckereifachverkäuferin Weltfrieden und Glück zu wünschen, als sexuelle Wünsche auszusprechen. Magischerweise ist es einfacher, Weltfrieden und Glück zu wünschen, als sexuelle Wünsche zu formulieren. Rein menschlich wären die sexuellen Phantasien wahrscheinlich das, was den meisten Männern in den Sinn kommt – aber nicht einmal das sprechen sie aus.

Als Magier kann ich das Naheliegende umschiffen und Dinge tun, die kein anderer sich traut. Tchaka!

 

Dein Homo Magi


Klimakatastrophe

 

Hallo Salamander,

 

gestern saß ich im Raucherzimmer meines Arbeitgebers. Unser Raucherzimmer befindet sich im Innenhof, von daher sind wir Raucher eindeutig bereit, die noch nicht geltenden gesetzlichen Bestimmungen umzusetzen.

Wir haben es uns da draußen so schön gemacht, dass uns öfters sogar Nichtraucher besuchen kommen. Da steht eine Gartenbank samt Aschenbecher, dazu gruppieren sich drei Klappstühle und wir planen den Erwerb eines Pavillons, damit wir auch bei Regen oder Schnee in Ruhe und trocken rauchen können.

Gestern also saß ich da und ließ den Blick in die Runde schweifen. Meine Kollegin saß im T-Shirt da, mein Kollege saß im T-Shirt da, beide rauchten brav ihre Zigaretten. Die Sonne brannte hell vom Himmel und wir hatten ein wenig über 30 Grad Celsius.

Ich trug einen Pullover.

Alle schauten mich verwirrt an, als ihnen klar wurde, dass ich gerade verwirrt an mir herunterschaute. Diskussionen waren sinnlos, denn es war klar, dass es mir trotz der Hitze gut zu gehen schien.

Ich kam ins Nachdenken. Ich mag Hitze, besonders wenn es eine trockene, trockene Hitze ist. Dann geht es meinem Rücken gut. Ich mag Kälte nicht, wenn es feuchte Kälte ist. Jetzt bin ich sowieso in einer der Gegenden Deutschlands aufgewachsen, wo es am wärmsten ist. Aber mein Rücken ist nur dann völlig schmerzfrei, wenn es schön warm ist.

Dann wurde es mir schlagartig klar: Ich bin schuld an der Klimakatastrophe. Denn die Erwärmung der Erde führt dazu, dass meine Heimat auf die nächsten drei oder vier Jahrzehnte hin noch ein wenig wärmer werden wird.

Gut, ich kann damit umgehen. Wenn ich 70 bin dürften sie Sommer immer 35 Grad und die Winter maximal 0 Grad haben. Dann ist mein Rücken endgültig marode und mir geht es das ganze Jahr hindurch erträglich gut. Ich gebe zu, es ist von meinem Unterbewusstsein her sehr egoistisch, dass es das für mich gemacht hat. Aber irgendwie ist das goldig von ihm, oder?

 

Aber ich bin ein wenig vorsichtig geworden. Was mache ich als nächstes kaputt, ohne es zu wissen?

 

Dein Homo Magi

 

Heidentum, Teil I

 

Werter Salamander,

 

ich denke mal wieder über das nach, was ich bin. Und ich tue es wieder einmal anhand einer Struktur, dieses Mal der Sprache.

 

Im III. Reich gab es die standesamtliche Konfessionsbezeichnung „gottgläubig“ für diejenigen, „die sich zwar von den anerkannten Religionsgemeinschaften abgewandt haben, die jedoch nicht glaubenslos sind.“[28] Im Vorwort zu einer Rede von Heinrich Himmler heißt es weiter: „Sie mögen uns aus Nichtbegreifen und Unverstand leichthin oft »Heiden« nennen. Wenn sie zu sehn möchten, hätten sie hier wahre und deutsche Frömmigkeit erlebt, wie sie unserer Art und unserem Glaube entspringt.“[29]

Natürlich mag ich mich nicht einer Definition des III. Reiches unterwerfen, was ich bin und was ich glaube – schon gar, weil ich Himmlers Art und Glauben nicht teilen möchte und kann.

Mein „Etymologisches Wörterbuch der deutschen Sprache“[30] vermerkt: „Heide. M. mhd. Heiden ahd. Heidan. (...) Kulturgeschichtlich ist Heide schwer zu beurteilen; wegen der Verbreitung des Wortes über alle altgerm. Dialekte haben wir es offenbar nicht einem Worte zu thun, das die ahd. biblischen Texte und Übersetzungen uns geschaffen haben Die gewöhnliche Annahme, lat. Paganus »Heide« sei das Vorbild des germ. Wortes, bedarf insofern einer Einschränkung, als es unwahrscheinlich ist, dass alle altgerm. Dialekte unabhängig von einander paganus mit einer jedenfalls ungenauen Übersetzung wiedergegeben haben könnten, zumal da die slav. Sprachen das lat. Wort direkt entlehnt haben (...). Lat. Paganus »Heide« (..) kommt in der zweiten Hälfte des 4. Jahrhs. auf, nachdem durch Konstantin und seine Söhne das Christentum Staatsreligion geworden und die alte Religion aus den Städten auf das Land zurückgedrängt worden war. (...)“

Wenig hilfreich.

Eine moderne Ausgabe[31] führt aus: „Heide (...) Das Wort ist offenbar übernommen aus dem Gotischen (...). Das gotische Wort ist aber seinerseits entlehnt aus gr. ta ethne »die Heiden«, eigentlich »die Völker«, mit sekundärem Gebrauch für Einzelpersonen (...). Die Wendung »die Völker« bezeichnete zunächst bei den Juden die Nicht-Juden, später bei den Christen die Nicht-Christen, die germanischen Wörter sind dann nicht mehr durchsichtig. (...)“

Das Wörterbuch[32] schriebt banal: „(...) aus Sicht einer gläubigen Person jmd., der keiner Religionsgemeinschaft angehört, sich nicht zu (ihrem) Gott bekannt.“

Damit wäre Heide eine Negativbezeichnung. Für einen „Gläubigen“ ist jeder Nicht-Gläubige seiner Glaubensrichtung ein Heide – also ist auch für den „Heiden“ ein Christ ein Heide, wenn man dieser Bezeichnung folgen will.

Wenig hilfreich.

Zu kurz greift auf jeden Fall das „Gegenwort-Wörterbuch“[33], das „Heide“ gegen „Christ“ setzt. Hier sind also nur Nicht-Christen Heiden – was auch wieder zu kurz greift, für das, was ich bezeichnen will. Denn ich bin zwar Nicht-Christ, aber auch kein Buddhist, Moslem, Jude etc. pp. Und nun?

Ich denke weiter nach.

 

Dein Homo Magi

 

Heidentum, Teil II

 

Hallo Salamander,

 

die Bibel ist auch wenig hilfreich, wenn man versucht, das Wort „Heide“ zu erklären. Hier sind die Heiden (je nach Altem oder Neuem Testament) einfach nur diejenigen, die nicht den eigenen Glauben (hier wahlweise Jude oder Christ) haben.

Schön sind natürlich die ganzen Kommentare über Heiden im Wortlaut der Bibel.[34]

Das Alte Testament liefert hier (wie nicht anders zu erwarten) die deftigeren Kommentare.

Bei Samuel heißt es: „einen König (...), wie ihn alle Heiden haben“[35] (daran kann ich mich nicht erinnern?), oder im Psalm „dass die Heiden erkennen, dass sie Menschen sind“[36] (was bin ich dann, wenn ich kein Mensch bin?), „vor ihm anbeten alle Geschlechter der Heiden“[37] (männlich-weiblich-heidnisch?) und „Die Götzen der Heiden sind Silber und Gold“[38] (das wüsste ich ... und es gibt viele Christen, sie Silber und Gold verehren).

Auch das Neue Testament ist reich an schönen Stellen. So schreibt Matthäus: „Sollt ihr nicht viel plappern wie die Heiden“[39] (immerhin mal eine Bemerkung, die ich als treffend akzeptieren würde), oder „was die Heiden opfern, das opfern sie den (...) Geistern“[40] (na ja, ob Götter Geister sind – aber der Sinn trifft zu); aber alles gipfelt in „dass die Heiden Miterben sind“[41] und „dem will ich Macht geben über die Heiden“[42].

In der Bibel liest sich das dann doch weniger angenehm im Gesamtzusammenhang als nur als kurzes Zitat. „Und wer da überwindet und hält meine Werke bis ans Ende, dem will ich Macht geben über die Heiden, und er soll sie weiden mit einem eisernen Stabe, und wie eines Töpfers Gefäß soll er sie zerschmeißen, wie auch ich’s von meinem Vater empfangen habe; und ich will ihm geben den Morgenstern.“[43]

Nicht meine Welt. Also finde ich sicherlich hier keine Antwort zur Frage, was ich bin, wenn ich mich Heide nenne. Mir war das vorher klar, aber es ist doch interessant, solche Einschätzungen zu überprüfen.

 

Dein Homo Magi

 

Harz

 

Hallo Salamander,

 

kürzlich bin ich nachts durch den Harz gefahren. Eine schöne Erfahrung, nur leider anstrengend. Die Fahrerei war es nicht, es war eher das „Drumherum“. Ortsschilder versteckten sich vor mir, Wergbeschreibungen waren auf einmal inakkurat. Und die Orte, die man durchfuhr, hatten nur beleuchtete Tankstellen zu bieten, die ihm Rahmen der umgebenden Dunkelheit wie Karawansereien dalagen und dem müden Reisenden Rast versprachen, aber keine Wegbeschreibung boten, die zielführend gewesen wäre.

Die Eingeborenen verschanzten sich schon in ihren Häusern, weil es war ja nach 21.00 Uhr. Hätte ich geklingelt, hätte man mich wahrscheinlich mit vorgehaltener Schrotflinte gezwungen, die Tochter des Hauses zu heiraten – wahrscheinlich war ich auch der erste Fremde seit 200 Jahren, welcher den Genpool hätte aufmuntern können.

Aber es ging weiter durch das Dunkel; ich tastete mich mit dem Auto von Lichtung zu Lichtung und folgte den Hinweisen auf von Moos überwachsenen Schildern.

Es gab keine Wanderer, der hohe Meißner lag menschenleer. Nur von der Spitze des Naturschutzgebietes blinkten zwei rote Fackeln, hohe Signalmasten mit ihrem blakenden Licht.

 

Es war gespenstisch. Es war einsam. Aber es war auch wunderschön. Die Nacht und ich und mein treues Ross äh Auto. Als Stadtkind muss man lernen, solche Erfahrungen zu genießen, wenn sie sich einem bieten. Es ist schon so selten genug.

 

Ein Zauber wehte durch die Nacht ...

 

Dein Homo Magi

 

Am Feuer

 

Hallo Salamander,

 

wieder einmal saß ich nachts mit Heiden um das Feuer. Es war dunkel und nasskalt. Der Nebel hatte sich dicht an den Boden geschmiegt. Ich hatte einen dicken Pulli an und einen langen, schwarzen Mantel, der mich wärmte.

Aber nach wenigen Augenblicken hätte ich auch ohne Mantel nicht mehr gefroren. Ich sah nämlich in die Flammen und verfolgte das Spiel der Lichter.

 

Drachen sah ich, dunkele Flecken im hellen Licht, wie Augen in der Glut. Zuckend, flirrend, glosend, gleißend.

Bilder Bilder Bilder.

 

Viel habe ich gesehen in diesen wenigen Momenten. Kobolde, die ihre Mützen schwangen, während sie durch das Feuer flirrten. Den Salamander – ja, mein Liebling, auch ihn – sah ich, wie er seinen schuppigen Körper unter dem Holz hervorscheinen ließ, wie er immer wieder nach mir lugte, so wie ich nach ihm lugte.

Und ich sah mich in Vergangenheit und Zukunft. Meine Beschäftigung mit dem Heidentum war auf einmal eine nicht enden wollende Kette von immer anders und doch immer gleich aussehenden Ichs, die Jahre hinab und Jahre hinauf den Zeitstrom entlang immer wieder am Feuer saßen.

Manche Gesichter sah ich immer wieder, manche Gesichter nur einmal. Aber ich sah Gesichter im Feuer, Bilder sah ich, Träume sah ich und Gesichte hatte ich.

 

Das Feuer sprach zu mir und ich sprach zu ihm.

Es sprach zu mir „sei nicht verzagt, viele Feuer werden noch kommen, an denen du mit Freunden sitzen kannst“.

Und ich war glücklich am Feuer.

 

Dein Homo Magi

 

Religiöse Superhelden

 

Hallo Salamander,

 

bei meinen obskuren Versuchen, dem Internet sinnvolle Informationen zu entlocken, stieß ich auch auf die Seite www.adherents.com/lit/ocmics/comic_collage.html. Was soll ich zu einer Aufstellung sagen, die (brav mit Bild) Comic-Superhelden nach Religionszugehörigkeiten sortiert?

Natürlich war ich nicht überrascht, dass die verschiedenen christlichen Kirchen die meisten Gläubigen in der Gemeinde der Lange-Unterhosen-als-Kostüm-Träger zu bieten hatten. Davon war ich durch die Prägung dieser Literatur durch die USA einfach mal ausgegangen. Dass Superboy Methodist ist, überrascht bei den überall herumirrenden amerikanischen Freikirchen auch nur wenig.

Aber sieben Zigeuner? Davon alleine vier aus dem Marvel-Universum (neben DC – aus deren Comicwelten die Inspiration zum Namen „Homo Magi“ stammt), das sich hier offensichtlich aus stark Zigeuner-lastig darstellt (auch wenn das ein wenig geschummelt ist, weil zwei Geschwister die Situation hier etwas verzerren).

Bei den Wicca kann mein Lieblingscomicuniversum von DC nur mit Zatanna punkten. Aber bei dem Namen, Netzstrümpfen und einem weißen Hemd mit Fliege ist das wohl kaum überraschend, dass die gute Dame eine Wicca ist. Aber dass die Wicca nur vier Namen in ihrer Liste haben, während die Druiden (!) drei Superhelden benennen können, das hat mich schon verwirrt. Obwohl ich hier nicht weiß, ob ich lachen oder weinen soll. „Druid“, „Doctor Druid“ und „Ham, the Weather Wizard“ überzeugen schon durch ihren Einfallsreichtum. Wer hätte Angst vor einem druidischen Superhelden namens „Ham, the Weather Wizard“? Kein Mensch.

Aber wirklich überrascht hat mich die Liste der teutonischen/nordischen Superwesen. Neben klassischen Figuren wie Valkyrie (4 x) und Thor (2 x) gibt es so beeindruckende Figuren wie „Krystallin“, „Red Norvell“, „Ultramagnis“ und (Trommelwirbel) „Thor Girl“. Die müssen mir beim Lesen der „Edda“ oder der Sagen des klassischen Altertums entgangen sein.

„Macht Platz für Thor Girl!“

„Ist es ein Flugzeug? Ist es ein Vogel? Nein, es ist Red Norvell.“

Ich weiß nicht, irgendwann wird das dann lächerlich, wenn jedes mythische Wesen ein Superheld ist.

Oder vielleicht mache ich doch mal das Ritual mit Superhelden und gucke, ob Loki nicht vielleicht mal enge Radlerhosen und ein toffes Oberteil anhat, wenn ich ihn anrufe.

Anything goes!

 

Dein Homo Magi

 

Heidentum, Teil III

 

Hallo Salamander,

 

es ist offensichtlich sehr schwierig, herauszuarbeiten, was das Bekenntnis „Ich bin ein Heide“ eigentlich bedeutet. Noch schwerer ist es, wenn man sich dabei nur auf „Fremdwahrnehmungen“, also Beschreibungen von Nicht-Heiden stützt (wobei – um die Konfusion perfekt zu machen – ein Nicht-Heide offensichtlich jeder ist, der sich nicht selbst als Heide bezeichnet).

Aber es gibt es, das „gefühlte Heidentum“ – jeder, der sich selbst als Heide bezeichnet, muss doch einen Grund haben, das zu tun. Für ihn oder sie ist „Heide“ eine positiv besetzte Wertung, die man gerne benutzt, um sich damit selbst zu beschreiben (oder beschreiben zu lassen). Und diese Wertung beruht doch auf irgendwelchen Gefühlen oder Gedanken, die er/sie sich gemacht hat.

Aber was sind Heiden? Ich versuche, ein paar gemeinsame Punkte herauszuarbeiten, die mir in den letzten 20 Jahren bei meiner Beschäftigung mit dem Heidentum aufgefallen sind.

  1. Heiden sind nicht Anhänger einer wie auch immer gearteten Offenbarungsreligion.
  2. Heiden glauben daran, dass Götter Menschen und dass Menschen Götter werden könn(t)en. Damit ist impliziert, dass Heiden an Gott(heiten) glauben.
  3. Heiden glauben daran, dass es Effekte/Dinge gibt, die wir nicht direkt wahrnehmen können, die aber trotzdem „zwischen den Dingen“ existieren (vulgo Magie).
  4. Heiden glauben daran, dass nicht nur der Mensch, sondern auch Natur/Umwelt/Tiere/Pflanzen beseelt/bewusst sind.
  5. Heiden glauben daran, dass unsere Welt zu technisiert/zu „modern“ ist. Viele Weisheiten/Erkenntnisse kann die moderne Welt nicht liefern, sondern wir müssen sie wieder finden im „Raunen der Wälder“.

Ooops. Wenn ich das jetzt so durchlese, dann erscheinen mir die Heiden als weltferne, tierliebende, waldverehrende Magiegläubige.

Aber ist das so? Gib mir ein paar Tage, kleiner Lurch, ich muss nachdenken.

Mist.

 

Dein Homo Magi

 

Rote Galaktische Erde

 

Hallo Salamander,

 

ich habe wieder ein neues Spielfeld gefunden, auf dem ich mich mystisch amüsieren kann. Im Internet findet sich unter www.playmaya.com endlich die von mir lang vermisste Möglichkeit, mein Leben auch Maya-magisch zu erfassen.[44]

Jetzt weiß ich endlich, dass mein Dreamspell-Name „Rote Galaktische Erde“ ist, kenne meine KIN-Nummer und meinen KIN-Namen, mein Geburts-Siegel, mein Führungs-Siegel, mein Heimspiel-Siegel (wow!) und meinen Geburts-Ton („Harmonisiere! Die Acht bringt Harmonie und Resonanz.“).

Außerdem weiß ich, wann meine Monde (!) beginnen (der nächste ist am 11.10., falls das irgendwas hilft), ich kenne meine Geburtswelle, meine analogen und antipodalen Partner und meine okkulten Partner.

Mein Mond ist nebenbei „Mond 2“, der „sogenannte »Elektrische«“. „Der Schirmherr dieses Mond ist OC, der Weiße Rhythmische Hund (KIN 110).“ OC hat die Lichtweisheiten „Beziehungen, Gefühlstiefe, Weggefährten, Verbundenheit, sich Freunden öffnen, Loyalität“. Wow! Oder besser: Wuff. Denn immerhin ist mein Mond ein Hund.

Mein 52-Jahres-Plan (der mit meiner Geburt beginnt und zu meiner Verzweiflung schon 2017 endet) gibt mir Welle und Führung für die ganze Zeit, was mich doch sehr glücklich macht. Ab 2017 muss ich mir halt was neues einfallen lassen.

Ich bin nämlich ansonsten ein Wellenreiter für die Welle von ETZNAB, dem Weißen Spiegel, alles im Jahr des Weißen Lunaren Magiers. Also bin ich eine Art Etznab-Surfer – ich höre schon die „Beach Boys“ leise im Hintergrund singen. „We’ll got Etznab-surfing around the U.S.A.!”

„Spiel mit! Sei ein aktiver galaktischer Spieler und öffne Dich 13 Tage lang ganz besonders der Energie von ETZNAB, dem Weißen Spiegel! Lasse zu, dass seine Botschaften zu Dir gelangen und heiße die Veränderungen in Deinem Leben willkommen.“ Willkommen, Etznab, nur herein! Rückwärts heißt Etznab ja auch Banzte – das klingt auch schon mystisch.

Von der 10. Welle der Weißen Energie, die mir Ordnung anbietet, überschwemmt, sind meine nächsten Aufgaben klar: „An erster Stelle ist hier die Selbsterkenntnis zuhause, die in diesem Zeitfenster durch schonungslose Reflexionen in der Außenwelt vorangebracht wird. Alle schöpferischen Impulse kehren als Ergebnisse zu ihrem Verursacher zurück.“ Aha. „Schonungslose Reflexionen“ klingt gut. „Reflektiere mich, du Sau!“

Aber ETZNAB und seine „Welle der Wahrhaftigkeit“ gelten nicht länger für mich, denn schon am Freitag betrete ich TZOLKIN, „einen 20-tätigen Zeitraum, der bekannt ist für seine spirituelle Kraft“. „Für die Alten Maya stellte der Tzolkin einen galaktischen Code dar, das bedeutet es handelt sich nicht nur um einen linearen pragmatischen Zeitbemessungsmodus, sondern um real im Universum vorhandene Energieströme und -qualitäten.“ Aha, endlich real vorhandene Energie – nicht länger nur irreale Energie in der Magie.

„Der Maya-Kalender ist eigentlich weniger ein Kalender als ein »Zeit-Instrument«, das Dir hilft, Dein Wahres Selbst besser zu erkennen und zu lernen. (...) Der Prozess ist vergleichbar mit dem Lernen einer neuen Sprache (...). Im Maya-Kalender findet Du Deinen perfekten Vokabeltrainer für dieses Vorhaben.“ Maya-Lernen gehört jetzt nicht wirklich zu meinen Zielen für die nächsten Tage oder Wochen. Mist.

Aber die Aufforderung ist eindeutig: „Darum: Spiel mit! Sei ein aktiver galaktischer Spieler und öffne Dich 13 Tage lang ganz besonders der Energie von ETZNAB, dem Weißen Spiegel!“

Da ich ein aktiver galaktischer Spieler bin, werde ich also Etznab wirken lassen.

 

Etznab!

Etznab!

Etznab!

Genug gespielt. Alles Gute, Deine rote galaktische Erde aka Homo Magi

 

Heidentum, Teil IV

 

Hallo Salamander,

 

meine Definitionsversuche der letzten Wochen haben zu keinem zufriedenstellenden Ergebnis geführt. Weder ist die sprachliche Bestimmung über Wörterbücher sinnvoll, noch möchte ich den Heidenbegriff des III. Reiches übernehmen – nicht nur aus politischen Gründen, sondern auch einfach, weil er falsch ist.[45]

Ich verstehe Heide auch nicht als einfachen Gegensatz zum Christen und bin daher von vorneherein nicht der Ansicht, dass die christliche Nutzung des Begriffs für mich zutreffend ist.[46] Ich bin nicht aus der Kirche ausgetreten, um jetzt deren Sprache zu sprechen.

Mein letzter Ansatz waren dann die Gemeinsamkeiten. Aber hier ergab sich, dass die Heiden bei dieser Definition eher als weltferne, tierliebende, waldverehrende Magiegläubige gelten.[47]

 

Was nun?

Klar ist weiterhin, dass meine letzten Definitionsversuche für mich inhaltlich zutreffend sind. Hier[48] ging es um:

  • Nichtzugehörigkeit zu einer Offenbarungsreligion
  • Den Ansatz, dass Menschen Götter und Götter Menschen werden können
  • die Existenz von Magie
  • die Beseeltheit der Natur
  • die Ansicht, dass die jetzige Welt zu modern sei
  • die Sehnsucht nach einem „Raunen der Welt“

 

Langt das? Nein. Es sind weitere Aspekte, die ich mitdenken muss. So ist der Heidenbegriff, den ich benutze, nur für die „europäische Welt“ (und da denke ich Nordamerika mit) griffig. Es geht hier um die Rückbesinnung auf eine andere Welt, die eben nicht christlich ist. Aber ich würde einem Menschen, der indigen in einer naturreligiösen Kultur groß werden ist, kaum das Prädikat „heidnisch“ aufpfropfen wollen. Jemand, der von vorneherein aus seiner Erziehung/Weltsicht heraus all jene Punkte unterschreibt, die ich oben aufgelistet habe, ist kein Heide in meiner Begrifflichkeit. Er ist heidnisch, naturreligiös – aber kein Heide?

 

Drei Aspekte sind es, die mir beim Nachdenken in den letzten Tagen aufgefallen sind.

1. Heide ist jener, der sich gegen eine andere Religion (hier: die christliche) entschieden hat und in einer christlich geprägten Kultur all jene Dinge leben will, die in dieser Kultur genau nicht möglich sind.

2. Heide ist jener, der sich nach Wurzeln zurücksehnt, die ihm sein Land, seine Geschichte und seine Kultur mitgeben. Ich halte indianische oder buddhistische Glaubensbekenntnisse für einen Deutschen zwar für naturreligiös, aber nicht für heidnisch.

3. Heide ist jener, der sich dafür erklärt. In den letzten 20 Jahren wurde in Deutschland niemand in Deutschland als Heide geboren und sozialisiert, sondern man findet einen Punkt in seinem Leben, an dem man sich aktiv zum Heidentum bekennt.

 

Du siehst, werter Salamander, ich bin einen Schritt weiter. Keinen großen, aber es wird langsam. Ich melde mich, wenn ich weiter gedacht habe.

 

Dein Homo Magi

 

530

 

Hallo Salamander,

 

es ist eine Weile her, da sprach alle Welt über „300“. Ich kann eine ähnlich mysteriöse Zahl bieten, die mein Leben beeinflusst hat: Die „530“.

Vor einigen Tagen war ich am Geldautomaten, um dort mal so eben 300 Euro abzuheben (der BuchmesseCon stand bevor, man wollte ja auch shoppen, das Auto muss umgemeldet werden und so weiter und so fort). Ich führte also in der Hauptstelle meiner Bank die EC-Karte ein und wollte 300 Euro abheben.

Der Automat teilte mir mit, dass 300 Euro völlig unmöglich seien, ich könnte maximal 530 Euro abheben. Ich brach ab, begann den Vorgang von neuem. Die Antworten waren die selben. 300 Euro wären auf gar keinen Fall drin, ich solle mich doch mit 530 Euro zufrieden geben.

Ich war schon ein wenig verwirrt, aber ich nahm die 530 Euro. Dadurch ging mein Konto tief in den Keller. Also rief ich am nächsten Morgen die Bank an.

Die konnten sich das nicht erklären. Die Verlaufsbeobachtung der Bank gab klar an, dass ich die 300 Euro nicht, die 530 Euro aber problemlos erhalten hätte (obwohl mein Konto das schon nicht mehr hergab). Aber eine Erklärung, nein, die hätten sie auch nicht. Das Gerät sei jetzt durchgetestet worden, sie hätten jetzt alle Fehlerquellen beseitigt (was meistens nichts anderes heißt als „lass uns in Ruhe, Depp“) und das würde nicht mehr vorkommen. Außerdem sei ich die einzige Beschwerde (klar, alle anderen hätten das Geld problemlos und ohne zu Maulen mitgenommen).

Ich bin verwirrt. Nicht nur verwirrt, weil der Geldautomat zu mir spricht (nicht umsonst heißt das Gerät auf englisch „money teller“), sondern auch, weil er wirr spricht.

Hilf mir. Ich weiß nicht, was mir die Zahl „530“ sagen soll. Weißt du es?

 

Dein Homo Magi


530²

 

Hallo Salamander,

 

mein Bruder[49] hat das Geheimnis um die 530 gelöst. Ich zitiere:

„Hallo Bruda,

eine Erklärung:

5 entspricht: a b c d e, also »E«

3 entspricht: a b c, also »C«

0 entspricht: »Leerzeichen«

5 + 3 + 0 = 8 entspricht: a b c d e f g h, also »H«

Was wollte der Automat Dir sagen? »EC? – H!«“

Also wollte die Maschine mit mir reden. Wow. Ich erstarre in Erfurt.

 

Dankbar, Homo Magi

 

Heidentum, Teil V

 

Hallo Salamander,

 

es ist immer schwierig, etwas zu definieren, was einem nahe am Herzen oder an der Seele liegt. Wahrscheinlich hätte ich als Fingerübung, bevor ich versuche den Begriff „Heidentum“ zu erklären, erst einmal „Freiheit“, „Liebe“ und „Wahlversprechen“ erklären sollen, damit ich darin geübt bin, Dinge zu beschreiben, die sich eigentlich nicht beschreiben lassen.

Meine bisherigen Definitionsversuche waren gut gemeint, aber „gut gemeint“ ist bekanntlich das Gegenteil von „gut gemacht“. Ein letztes Mal will ich dich mit meinen Definitionsversuchen behelligen, danach hast du zu diesem Thema Ruhe vor mir (zumindest so lange, bis mir etwas grundlegend neues einfällt, um mich dem Thema zu nähern).

 

Heidentum ist das Singen im Wald, den Rücken an die Borke eines Baumes gelehnt, die Stimme sich erhebend zum Blätterdach.

 

Heidentum ist das Stehen auf einer Wiese, Hand in Hand mit dem Kreis, während einem der feine Sprühregen die Nase hinunterläuft. Man wagt es nicht, die Hand vom Nachbarn zu lösen, um das Regenwasser abzuwischen, und spürt, wie die Tropfen langsam über das Gesicht fließen.

 

Heidentum ist das Knistern der Scheite im Lagerfeuer, während man in einen dicken Mantel gehüllt unter dem sternenklaren Himmel steht, eine Pfeife im Mundwinkel und ein Bier in der Hand.

 

Heidentum ist das Anrufen von Etwas, das viel größer ist als man selbst. Das Spüren der Energie, die einen durchflutet. Das Loslassen, das Eins-Sein, das Hineinfallen in das Andere, Fremde und doch Vertraute.

 

Heidentum ist das Sprechen über den Tod – ohne Leid, ohne Wehmut, aber unter Tränen und mit Freunden um einen herum, die schweigen, wenn sie schweigen sollen.

 

Heidentum ist das Feuer im Kamin, das Schatten an die Wände wirft. Man sitzt und schaut auf die Formen, die das Licht aus dem Dunkel zaubert und spürt dabei den Schatten des Schattens der Wahrheit auf einem ruhen.

 

Dein Homo Magi

 

Lemurische Ermächtigung

 

Hallo Salamander,

 

manchmal wird man auf Dinge hingewiesen, die so unglaubhaft sind, dass man sie nicht glauben mag. Aber wahr sind sie dann doch.

 

Um was geht es? Ich zitiere:

GUTSCHEIN

für Ferneinweihung

Lemurische Ermächtigung (Lemurian Facilitator)

inkl. Zertifikat

 

Der Text beantwortet die Frage, die sich einem aufdrängt („Facilitator?“) sofort:

Was ist ein Facilitator?

Gleich zu Beginn sollten wir sollten wir den Begriff des Facilitator klären, der keine deutsche Entsprechung hat, obwohl er „neudeutsch“ gerne in vor allem wirtschaftlichen Bereichen verwandt wird.

Ein Facilitator ist ein Vermittler, Lehrer, Begleiter, Mentor, Trainer und das alles in einem!

 

Hier seine eine kurze Worterklärung erlaubt. Der „Facilitator“ ist mitnichten ein „Lehrer, Begleiter, Mentor“. Stattdessen heißt es:[50]

Ein Facilitator ist eine Person, die kenntnisreich einer Gruppe hilft, ihre Ziele zu erreichen, ohne sich selbst einer teilnehmenden Partei zuzuordnen.

Der Facilitator unterstützt die Gruppe in der Erreichung von Konsens in Bezug auf die im Gruppenprozess relevanten Themenbereiche. Damit wird gemeinsam eine tragfähige Basis für zukünftigen Erfolg geschaffen.

Da er sich keiner Gruppe zuordnet – auch nicht dem Käufer der Ferneinweihung –, kann er kein Begleiter oder Mentor sein (zumindest sicherlich nicht so, wie er im magischen Zusammenhang gerne verstanden wird).

Zurück zum Angebot.

Mit der Lemurischen Ermächtigung erhältst Du also Kontakt zu Deinen lemurischen Facilitatoren und wirst ermächtigt auch für Andere als Facilitator zu wirken.

 

Ich verweise auf die Begriffserklärung ebenso. Über Kommasetzung diskutiere ich in diesem Zusammenhang nicht. Aber es wird noch spannender.

Du wirst in die Lage versetzt nicht nur selbst vermittelt durch Deinen Spirituellen Facilitator die Weihen des Lemurischen Tempels, Die dimensionale Resonaz Aktivation [sic][51], Die dimensionale Resonanz Ausrichtung, und alle weiteren lemurischen Schwingungserhöhungen zu erfahren, sondern auch Anderen den Zugang dazu zu ermöglichen.

Du kannst jederzeit in den Tempel zurückkehren und Dich mit den Lemurischen Priestern und Priesterinnen beraten, Ratschläge von ihnen empfangen und von ihnen spirituell unterwiesen zu werden.

 

Abgesehen vom schönen Wort „Resonaz“ (samt „Resonaz Aktivation“) und den klaren Problemen bei der Großschreibung (kennt lemurisch so etwas nicht?) ist der Rest natürlich völliger Bockmist. Was soll ich in einem lemurischen Tempel? Das ist doch immerhin ein erfundener Kontinent im Pazifik – oder? Weit gefehlt. Weiter geht der Text:

Über Lemuria

 

Lemuria

Ein Name, mystisch wie die Kultur von Atlantis.

 

Beweise für die physische Existenz von Lemuria gibt es (noch) keine. Es wird gesagt, dass Lemuria vor den grossen [sic] Erdverschiebungen ca. 30 - 90´000 Jahre BC im Pazifischen Ozean existiert hat. Verschiedene glaubwürdige Channellings verweisen auf diese Existenz, und verweisen auch darauf, dass Hawaii ein Teil Lemurias darstellt.

Lemuria ist unsere erste Erinnerung an unsere frühe Existenz auf dem Planeten Erde. Diese Existenz war in völliger Harmonie mit uns selbst und unserer Umgebung, der Natur und den Elementen, dem Universum, mit Gott/Göttin, Allem, was ist.

 

Es war ein Goldenes Zeitalter, das Paradies oder der Garten Eden.

Die meisten von uns haben Erfahrungen in Lemuria gesammelt und diese sind in unseren innersten Zellerinnerungen vorhanden.

 

Die Lemurische Ermächtigung trägt dazu bei, leichter Zugang zu diesem unserem innersten Kern, zu unserem innersten Selbst zu erhalten. Der Vorhang zu den anderen Dimensionen ist dünn.

 

Wundervoll. „Beweise für die physische Existenz von Lemuria gibt es (noch) keine.“ Aber zum Glück gibt es „glaubwürdige Channelings“ (als wäre das nicht ein Widerspruch in sich) und man weiß schon genau, wann das passiert sein soll (die nicht bewiesene Existenz, natürlich). Denn man weiß ja von den großen „Erdverschiebungen ca. 30 - 90´000 Jahre BC“. Ich würde zwar bei einem Zeitraum vor Christus von dieser Größe nicht nur umgekehrt zählen (die größere Zahl zuerst), sondern die 2000 Jahre unserer Zeitrechnung ignorieren und von „Erdverschiebungen vor ca. 92.000 bis 32.000 Jahren“ sprechen. Erdverschiebungen? 60.000 Jahre lang? Oder nur ungefähr in diesem Zeitraum? Warum wissen die „seriösen Wissenschaftler“ nix davon? Geheiiiiim? Wohin hat es die Erde denn verschoben? Auf eine andere Umlaufbahn vielleicht?

Aber die Distanz zum Geheimnis ist sowieso gering: „Der Vorhang zu den anderen Dimensionen ist dünn.“

 

Und was jetzt?

Was ist unsere Aufgabe im JETZT? Erinnern wir uns an diesen ewigen Teil im Zentrum unseres Selbst, an die Einheit, das Einssein. Nehmen wir mit Freude und Kraft die Fähigkeit an, unsere und damit unser aller Zukunft neu zu erschaffen. Die Erde erhöht ihre Schwingungen mit unserem Bewusstwerdungsprozess, und unser Bewusstwerdungsprozess beeinflusst das Grosse Ganze.

 

Mit unserer eigenen Veränderung, verändern wir Alles. Bist Du bereit für diese Veränderung?

Nein. Bin ich nicht. Aber man macht weitere Werbemitteilungen fertig, um mich zu überzeugen:

Die lemurische Zivilisation war viel weiter entwickelt als unsere heutige Zivilisation in der wir zur Zeit leben. Die Lemurier waren kräftig und intelligent. Sie waren hochentwickelt und sehr spirituell. So begabt in der Entwicklung ihrer Kunst, Wissenschaften, Technologien und wissenschaftlichen entdeckung [sic] der Ressourcen die ihnen ihre Inselwelt bot, das sie schnell eine hochentwickelte Zivilisation entwickelten. Sie waren Heiler, Lehrer, Priesterinnen, Priester, Wissensbewahrer, Wissenschaftler, Astronomen und Künstler.

 

Lemuria war ein friedlicher Platz mit großem Wissen, blühendem Handel und hochentwickelter Technologie. Die Schönheit der Hauptstadt die auf ringförmigen Land verbunden mit dem Rest der Insel durch Brücken, erbaut war, wurde noch verstärkt durch wunderschöne Gärten, glitzernde Fontänenbrunnen und blühende Bäume. Große Universitäten, Observatorien, Bibliotheken, Laboratorien und Akademien für Menschen jeden Alters stützten die Hauptströmung dieser Zivilisation.

Das klingt ein wenig wie Donovans „Atlantis“. Aber es wird noch besser:

In dieser Zeit wurden die Menschen nach ihrer Spirituellen Entwicklung in Klassen eingeteilt. Diejenigen mit niedrigerer spirituellen Entwicklung (und somit niedrigeren Energien) konnten die Hoch-Energiebereiche nicht betreten. Dies waren die Tempel aus lemurischen Kristallen.

Fort, du wenig entwickelter niedrigenergetischer Bastard! Hinfort aus unseren Tempeln aus lemurischem Kristall!

Die Alten (die Priester) konnten sich mit den Lemurischen Saat Kristallen verbinden. Lemurische Saat Kristalle wurden genutzt zum Brückenbau, zum erhitzen des Wassers. Einige waren als Werkzeuge bestimmt, andere halfen bei spiritueller Heilung und Lösung karmischer Bänder, und sind heute noch für diejenigen von wichtigkeit [sic] die noch aus vorangehenden Inkarnationen lemurische karmische Verbindungen haben.

 

Vorraussetzung: keine!

Also: Saat-Kristalle (erster Irrsinnspunkt) aus Lemuria (zweiter Irrsinnspunkt) helfen bei:

·        Brückenbau

·        Wasser erhitzen

·        als Werkzeuge

·        bei spiritueller Heilung

·        bei der Lösung karmischer Bänder

·        Problemen mit lemurischen karmischen Verbindungen aus früheren Inkarnationen

Drei Irrsinnspunkte würde ich für diesen Absatz schon geben. Helfen die auch gegen AIDS und ungewollter Schwangerschaft?

 

In allen Einweihungen können sehr starke Energien fließen. Die Einweihungen setzen eine physische und psychische Belastbarkeit des Schülers voraus. Daher ist jeder Schüler selbst dafür verantwortlich was er erhält und erfährt.

Aha! Also keine Geld-zurück-Garantie.

Es gibt keine Masseneinweihungen! Jeder Schüler wird live und nur alleine eingeweiht!

Das alles bietet der Verkäufer „heilzentrum-online“ für momentan „Sofort Kaufen“ 15 Euro an. E-Bay, dann Lemurische Ermächtigung bzw. Ferneinweihung.

 

Ich bin sprachlos. Vielleicht sollte ich doch an meinen Problemen mit lemurischen karmischen Verbindungen aus früheren Inkarnationen arbeiten – für 15 Euro Sofortkauf ein Schnäppchen. Leider habe ich keinen E-Bay-Account ... was mich manchmal auch vor Geldverschwendung rettet.

 

Dein Homo Magi

 

Butter

 

Hallo Salamander,

 

es gibt wenig Themen die mystisch genug sind, um mit ihnen das heidnische Jahr zu beenden (auch wenn ich beim tatsächlichen Schreiben dieses Briefes ein paar Tage zu spät bin, mögest Du mir bitte glauben, dass ich den Inhalt seit einigen Tagen vor mir her trage, aber mich nicht traue, ihn zu veröffentlichen, weil er mir so banal erschien).

Butter. Ich selbst habe ein Problem mit Butter oder eher mit zuwenig Butter. Auf die Frage, was man beim Zusammenleben mit mir beachten müsste, wurde meinem Mitmieter von vor 20 Jahren von seinem Vorgänger mitgeteilt, ich wäre in Ordnung – Hauptsache, es ist genug Butter im Kühlschrank.

Ich gebe von solchen Beweisen niedergerungen zu, dass ich hier ein wenig vorbelastet bin.

 

Aber was ist an Butter mystisch? Nun gut, dass Fliegende Untertassen eben wie Untertassen aussehen, ist im Frühstücks-Zusammenhang interessant, aber für Butter ohne Signifikanz. Aber hat man nicht früher den Heinzelmännchen und Naturgeistern Butter rausgestellt, um sie glücklich zu machen? Werden Götterstatuen nicht mit Butter eingerieben? Und könnte man nicht eine Verbindung zwischen „Buddha“ und „Butter“ herstellen? Nein, so weit wollen wir nicht gehen.

Das Butter eine mythische Seite hat, war mir schon lange bekannt (und nicht erst seit http://www.katze-oder-butter.de/index.php?seite=schema und den Versuchen, Butter & Katze runterzuwerfen um zu schauen, was wie aufkommt).

Butter ist als Opfer in vielen Kulten bekannt. Wenn der Kult seit Jahrhunderten gleich ist, aber die Geister in der Gegenwart nicht mehr (sichtbar) reagieren – liegt das vielleicht nicht an den Geistern, sondern an der Qualität der Butter?

Seit Jahren habe ich mindestens zwei Stücke Butter im Kühlschrank. Und es ist nicht irgendwelche Butter, es ist Süßrahmbutter. Warum ausgerechnet Süßrahmbutter?

Ich wollte mich zum Thema schnell aus dem Internet informieren & die Infos weitergeben. Leider war mein erster Versuch eine Pleite (www.butter.de ist eine Werbeagentur). Aber die Wikipedia – mein treuer Freund für eigenartige Fragen – konnte weiterhelfen:

·              Sauerrahmbutter wird aus mikrobiell gesäuerter Milch, Sahne oder Molkensahne hergestellt. Mit Hilfe von spezifischen Milchsäurebakterien (mesophiler Säurewecker) entstehen Aromastoffe (...), die der Sauerrahmbutter den typischen Geschmack verleihen. Der Säuregrad darf den pH-Wert von 5,1 nicht unterschreiten.

·              Süßrahmbutter kann aus Milch, Rahm oder Molkerahm hergestellt werden. Im Gegensatz zur Sauerrahmbutter wird sie ohne den Zusatz von Milchsäurebakterien hergestellt. Ihr Geschmack ist frisch-sahnig und mild. Der Säuregrad darf nicht unter dem pH-Wert von 6,4 liegen. Sie eignet sich ausgezeichnet, um Saucen aufzumontieren, da sie beim Erhitzen nicht so schnell ausflockt wie Sauerrahmbutter und den Saucen gut Bindung gibt.

·              Mildgesäuerte Butter ist Süßrahmbutter, in die nach der Reifung Milchsäurebakterienkulturen oder Milchsäure eingeknetet werden. Als Mildgesäuerte Butter wird eine Butter bezeichnet, deren Säuregrad mehr als pH 5,1 und weniger als pH 6,4 beträgt.

·              Salzbutter ist Butter versetzt mit verschiedenen Arten von Salz. Es wird grobes und feines Meersalz oder auch Steinsalz in unterschiedlicher Konzentration zugesetzt. In Deutschland wird Salzbutter wenig angeboten. In anderen Ländern, wie z.B. Frankreich, ist sie jedoch weit verbreitet.

Vielleicht mögen die Naturgeister keine Mildgesäuerte Butter? Aber ich habe es auch schon mit Süßrahmbutter versucht, ohne ernsthaft ein Resultat samt herbeieilendem Heinzelmann zu erhalten.

Liegt es an meinem Geiz beim Einkauf? Wieder musste ich die Wikipedia bemühen:

Butter aus Deutschland wird in Handelsklassen eingeteilt. Zur Überwachung der Qualität wird eine Butterprüfung durchgeführt. (...) Bei dieser Butterprüfung werden

·              Aussehen

·              Geruch

·              Geschmack

·              Textur

·              Streichfähigkeit

beurteilt. Der pH-Wert wird ebenfalls durch eine Laboruntersuchung festgestellt. Zusätzlich erfolgt eine stichprobenartige Prüfung der Qualität von Butter einer Handelsklasse in Molkereien, Ausformstellen und im Lebensmittelhandel.

Deutsche Markenbutter

Die Handelsklasse „Deutsche Markenbutter“ wird für die qualitativ höchstwertige Butter vergeben, die in einer Molkerei hergestellt worden ist. Des weiteren darf diese Butter nur aus Milch von Kühen oder daraus unmittelbar gewonnener Sahne (Rahm), die pasteurisiert worden ist, hergestellt werden. Bei der Butterprüfung müssen in jeder geprüften Kategorie mindestens vier von fünf möglichen Punkten erreicht werden. Die Prüfung muss monatlich durchgeführt werden.

Deutsche Molkereibutter

Bei der Herstellung von Molkereibutter darf z. B. anders als bei der Deutschen Markenbutter auch Molkerahm verwendet werden, jedoch muss auch diese Butter in einer Molkerei hergestellt werden. Für die Handelsklasse „Deutsche Molkereibutter“ muss die Butterprüfung alle zwei Monate erfolgen. Dabei müssen in jeder geprüften Kategorie mindestens drei von fünf möglichen Punkten erzielt werden.

Landbutter

Butter aus einem Erzeugerbetrieb darf nur unter der Verkehrsbezeichnung Landbutter in Verkehr gebracht werden. Unter bestimmten Bedingungen darf Landbutter als Rohmilcherzeugnis hergestellt werden (d.h. der Rahm wird nicht pasteurisiert):

·              die Rohmilch muss unter festgelegten hygienischen Anforderungen gewonnen werden

·              die Abgabe muss der zuständigen Behörde gemeldet sein

·              zur Säuerung werden nur spezifische Milchsäurebakterien verwendet

In diesem Fall muss die Butter den Hinweis „aus Rohmilch“ tragen.

Vielleicht mag mein Kobold die Butter nicht, weil der Rahm pasteurisiert ist? Vielleicht wartet er auf ein Paket mit dem Verweis „aus Rohmilch“?

 

Unter www.butter-macht-das-leben-lecker.de findet man Informationen und Bilder der CMA (www.cma.de), der CMA. CMA ist die Abkürzung für „Centrale Marketing-Gesellschaft der deutschen Agrarwirtschaft mbH“: „Das Unternehmen mit Sitz in Bonn kümmert sich um das Gemeinschaftsmarketing für deutsche Agrarprodukte wie beispielsweise Fleisch, Milch, Geflügel, Eier oder Obst und Gemüse“.

Buttervielfalt

 

Natürlich habe ich mir gleich die beeindruckende Broschüre „Butter & Butterschmalz“ heruntergeladen – wer eine E-Mail-Adresse wie deutsche.butter@cma.de angibt, der kann kein schlechtes Wesen sein!

Aber auch hier erhielt ich keine Antwort auf meine Fragen. Ich hatte ein wenig darauf gehofft, dass es an der Butter liegt, wenn trotzdem keine Heinzelmännchen kommen, um meinen Schreibtisch aufzuräumen. Aber daran kann es nicht liegen, denn die CMA schreibt klar in ihrer Broschüre:

Die Butterherstellung erfolgt seit Jahrhunderten nach dem gleichen Prinzip. Heute sorgt jedoch moderne Technik dafür, dass Butter zeit- und energiesparend produziert wird.

Wir sind nur Rationalisierer und Technikfreunde, aber die Butter bleibt gleich.

Es liegt nicht an der Butter. Es liegt an der Art und Weise, wie wir die Welt verändert haben: „zeit- und energiesparend“. Es ging den Kobolden nicht um die Butter, es ging um die Zeit & die Liebe, die wir bei der Herstellung investiert haben.

Sie wollen keine Geschenke aus Maschinen.

Sie wollen nicht Teil einer Welt der Maschinen sein.

Sie sind nicht geflohen. Sie verstecken sich.

 

Ich gehe sie suchen.

 

Dein Homo Magi


XVII. GWUP-Konferenz

Darmstadt, 17.-19.05.2007

Thema: Psycho-Techniken

 

Schon seit einigen Jahren verfolge ich als Neugieriger die Aktivitäten der „Gesellschaft zur wissenschaftlichen Untersuchung von Parawissenschaften e.V.“, kurz GWUP genannt (im Internet unter www.gwup.org zu finden). Da die GWUP ihre Jubiläumsveranstaltung zum zwanzigjährigen Bestehen in meiner Heimatstadt abhalten wollte, konnte ich nicht umhin, diese Gelegenheit zu nutzen und mich für die Teilnahme anzumelden (auch wenn der Beitrag für Nichtmitglieder mit 75 Euro ziemlich happig war).

 

Im Vorfeld lief alles mehr oder weniger problemfrei, so konnte ich am ersten Tag vor Ort meine Tagungsmappe samt Namensschild, Kurzfassung der Vorträge, Programm, Fragebogen und Stadtplan erhalten. Donnerstag begann das Vorprogramm unter dem Motto „Da bin ich erst einmal skeptisch ...“ Start war mit einem Interview unter dem Titel „Wer sind die Skeptiker?“ zum zwanzigjährigen Jubiläum der GWUP mit dem seit-Anfang-an-Geschäftsführer Armadeo Sarma. Das Interview war lebhaft und unterhaltsam.

 

Danach folgte ein Gespräch mit Rechtsanwalt Mark Schmidt über „klagefreudige Heiler und hoch honorierte Hexen“ unter dem Titel „Geld zurück, wenn der Zauber faul ist?“ Hier zeigte sich erstmals, was sich leider wie ein roter Faden durch das gesamte Programm ziehen sollte: die Unfähigkeit des Umgangs mit den Projektionsgeräten. Nicht nur der Folienbringdienst von der Bühne zum Projektor wirkte störend, sondern eigentlich war nicht einmal die Hälfte der Projektionen rechtzeitig und richtig. Trotz angeblicher vorheriger Tests erwiesen sich die Skeptiker bei der Praxisarbeit als Technikfeinde ...

Schmidt war interessant im Gespräch. „Die GWUP hat noch nie verloren,“ war seine Aussage zu Rechtsstreits. Interessant waren seine Aussagen zu Verträgen über unmögliche Leistungen („nichtig“), der Hinweis, dass jemand der „Lebensberatung“ in seiner Berufsberatung stehen hat, keine Zulassung braucht (mit „Lebensberatung“ ist aber nichts übersinnliches gemeint). Einzelne Anbieter (wie die „Astrozentrale“) würden für eine individuelle Beratung bis zu 1000 Euro pro Stunde verlangen ... und nachher schämen sich die Mandanten und reichen daher keine Klage ein. Sie sind daher vierfache Opfer. Erstens haben sie aus Verzweiflung eine Zahlung geleistet. Zweitens erhalten sie einen Rat ohne Verlass. Drittens haben sie eventuell einen Schaden durch die Befolgung des Rates und viertes haben sie nachher die Schadenfreude und die Scham zum tatsächlichen Schaden hinzu.

Das Ziel ist es, die Menschen dazu zu bringen, bei einer Transaktion im Bereich der Esoterik die selben Regeln wie beim Gebrauchtwagenkauf zu beachten: Haftung, Quittung, mitnehmen von Zeugen und das Fordern einer schriftlichen Zusammenfassung.

Ein interessanter Vortrag, der trotz des doch eher langweiligen Themas fesselnd war.

 

Danach begann Martin Lambeck mit „Wie kommt man zum Nobelpreis?“ Er führte aus, dass viele der beschriebenen Para-Phänomene der Physik widersprechen, deswegen beschäftigen sich Physiker nicht damit. Aber es gäbe etwas wie das „Handeln durch Unterlassung“, deswegen handelt er als Einzelperson.

Er diente sich als Testperson für Tests der Hufelandgesellschaft (20.000 Ärzte in Deutschland [www.hufelandgesellschaft.de]) an. Diese verfassen eine Gebührenordnung für Ärzte, die Angebote wie Bioenergie alias Chi alias Lebensenergie alias Teilgebiet der Quantenmedizin enthält. Geschwafel wie „nichtlineare Biophysik“ wird hier zum Teil des ärztlichen Angebots.

Herr Lambeck führte richtig aus, dass Parapsychologen bei der Aufklärung von Verbrechen hilflos sind (er nannte z.B. die Anschläge auf Palme und Schleyer), während „materialistische“ DNA-Tests hier die Aufklärung bringen.

Nach einer kurzen Pause begann Rainer Wolf über „Wer wird Millionär?“ zu sprechen Randi bietet eine Millionen Dollar für den Nachweis eines echten parapsychologischen Phänomens. Die GWUP kann nur 10.000 Euro für den ersten Nachweis eines solchen Phänomens bieten, aber bis jetzt ist keiner der beiden Preise eingefordert werden.

Leider war der Vortragende etwas verwirrend in seinem Stil, von daher konnte man ihm nicht immer folgen. Er erzählte von Tests aus Würzburg und referierte über die Preisgestaltung von Anbietern esoterischer Wohnungstests (mit Stand aus dem April 2004 verlangt man auf www.rutengaengeraktuell.de bis zu 300 Euro für eine Grundstücksbegehung, www.telamon-web.de immerhin 320 Euro für eine Gebäudeuntersuchung). Diese „Pop-Parapsychologie“ bietet Phänomene, an die ein großer Teil der Bevölkerung glaubt. Heiler, die Krebs und tote Kinder heilen wollen, sind (leider) en vogue.

Es kommt auf der Bühne zu einem Test mit sechs Freiwilligen, ob man Blicke auf den Rücken wirklich spüren kann. Der Test und die Auswertung sind „live“, doch ein wenig schwer zu verfolgen.

 

Es folgt der Amerikaner Joe Nickell mit „Eine wahre Geschichte?“ Er ist ein amerikanischer „PSI Cop“, der einzige vollbezahlte Para-Ermittler der Welt. Er berichtet (mit einer kurzen Filmeinspielung aus dem entsprechenden Film) über den „Amityville Horror“, ein angebliches „murder house“ in den USA. Die Übersetzung war gut, trotzdem wurde der Vortrag durch die schlechte Technik und die verwirrenden Fragen des Interviewers ein wenig chaotisch, so dass die ersten Gäste den Raum verlassen.

Joe Nickell spricht weiter über den Widerspruch zwischen Horror und Hoax und verweist auf sein Buch „The Real-Life X-Files“. Er geht – im Gegensatz zu Parapsychologen, die mit Statistiken arbeiten – immer selbst an die Tatorte für seine Untersuchungen. Sein Fazit ist, dass viele Wahrsager tricksen, aber auch einige selbst an das glauben, was sie berichten.

Ein schöner, zum Teil sehr lebhafter Vortrag.

 

Beim Vortrag „Trübe Tassen?“ von Ufo-Fachmann Werner Walter wird die Handhabung der Folien endlich zur Katastrophe, was den sehr guten Vortrag von Walter erheblich stört. Walter betreibt seit Jahren unter 0621/701370 eine „Ufo-Hotline“. Er berichtet lebhaft über die Sichtungen eines Körpers neben der Venus aus den letzten Wochen, der sich als Wetterballon entpuppte.

Walter selbst ist Jahrgang 1957 und ein „Kind des Weltraumzeitalters“. Schön sind Folien wie „Andreas aus Neu-Isenburg – nachts holen mich Außerirdische mit dem UFO ab“ aus der „Bravo“ von vor über 20 Jahren (was wurde wohl aus Andreas alias Andreas Schneider?).[52]

Laut Walter ist der UFO-Markt nicht mehr so groß wie noch vor 10 Jahren. Die Aliens „sind raus“, jetzt machen Leute wie van Helsing Geld mit Büchern über „Reichsflugscheiben“ der Nazis.

Schön waren dann noch die UFOs über die Sichtungen 1990 auf Rügen und Greifswald. Die Lichter am Himmel wurden von Tausenden wahrgenommen. Die Aufklärung war dann banal: ein letztes Manöver des Warschauer Pakts.

 

Da Walter überzogen hatte (was dem Vortrag aber gut tat), kam verspätet Krista Federspiel mit „Gibt es eine »andere« Medizin?“ zu Wort. Sie machte gleich zu Anfang klar, dass es eigentlich keine „alternative Medizin“ gibt, nur „wirksame Medizin“ und „unwirksame Medizin“. Von bestimmten Anbietern „alternativer Medizin“ wird (wie bei der Homöopathie) ein „Mythos“ mitverkauft.

So führt die Entenleber-Potenzierung dazu, dass eine einzige Ente für alle entsprechenden verkauften Mittel in den USA reicht. Eine chemische Wirksamkeit kann nicht nachgewiesen werden, Wasser hat auch kein Gedächtnis. Hier heilt nur das esoterische Versprechen, nicht das Mittel. Der Nachweis gelingt auch: Umso größer die Studie ist, umso geringer ist die Effizienz der getesteten homöopathischen Mittel. Auf der Bühne schluckte sie dann drei Globoli, die sie – laut Aussage von Homöopathen – eigentlich töten müssten. Sie sah aber weiterhin ganz lebendig aus.

Die Lücke in der Logik folgte aber dann auch. Auf die Frage, warum Homöopathie auch auf Tiere wirkt, meinte sie, dass das an der engen Bindung von Mensch und Tier liegt. Das Tier spürt, was der Mensch will und reagiert dementsprechend – und schon sind wir wieder im Bereich der Esoterik. Aber der Grundannahme kann ich bedingungslos folgen: Nicht die Homöopathie heilt, sondern die Beziehung zwischen Arzt und Patient führt zur Heilung.

 

Danach kam Michael Kunkel auf das Podium, der seit Jahren unter www.wahrsagercheck.de die Voraussagen von Astrologen etc. zum Jahr rückblickend auswertet. Zur Astrologie und der Zuordnung von bestimmten Gewohnheiten etc. zu Häusern meint er, dass ab einer bestimmten Datenmenge automatisch Cluster erzeugt werden, die aber sinnlos sind. Sein Vortragstitel „Können die Sterne lügen?“ sei außerdem sinnlos, weil Sterne stumm sind.

90% aller beliebigen Testanten stimmen einem beliebigen Horoskop zu. Das Häusersystem ist auch innerhalb der Astrologie unklar. Viele Objekte werden in der Astrologie berücksichtigt, so dass irgendwas auf jeden Fall zutrifft.

 

Abends sprach dann der Psychologe Wolfgang Hell („Ist das wahr, wirklich?“). Ein schöner Vortrag, der mit einem Filmausschnitt zum Gläserrücken eingeleitet wurde. Hell referierte, dass Gedanken minimale Bewegungen auslösen können. Der „Carpenter Effekt“ mit den sogenannten „Ausdrucksbewegungen“ ist Grundlage solcher Phänomene. Also ist das „Gläserrücken“ mit einer „Mainstream-Erklärung“ aufzulösen.

Dann ging es um das Phänomen, dass vor dem 11.09. viele Amerikaner von Flugzeugabstürzen etc. geträumt haben sollen. Hell machte eine einfache Rechnung auf. Wenn es ungefähr 280.000.000 Amerikaner gibt die alle 77 Jahre alt werden (= 28.000 Tage), und jeder träumt im Leben einmal von Flugzeugabstürzen, dann träumen jede Nacht 10.000 Amerikaner von Flugzeugabstürzen.

Er referierte drei Arten des Lesens bei Voraussagen. Bei „hot reading“ ist Vorwissen da, bei „cold reading“ werden vorhandene Infos ausgewertet, Lösungen angeboten und vom Frager vervollständigt, der „Barnum-effect“ beschreibt (nach dem gleichnamigen Zirkusbesitzer) die Trickmöglichkeiten der Propheten. Cooler Vortragsstil, sehr lebhaft!

 

Nach einer Essenspause kam abends Wolfgang Hund mit einer Wissenschafts-Zauber-Show namens „Ist es Wissenschaft oder Zauberei?“ Mit gelieferten Karten durfte man aufzeigen, ob man den Trick für Wissenschaft oder Zauberei hielt – ich lag viel zu oft daneben.

Das „mathematische Hellsehen“ war lustig (und einfach). Man denke sich eine Zahl von 1 bis 9, multipliziere sie mit 9, nehme die Quersumme, suche sich den passenden Buchstaben im Alphabet (A=1, B=2 etc.) und schreibe dann ein Land (nicht Deutschland), eine Pflanze, ein Tier, ein Naturereignis und ein Auto auf. Mit einem Satz, der Dänemark, Dattel, Dackel, Donner und Daimler umfasst waren wohl über 90% der Antworten erraten ...

Dann kamen schöne Präsentationen zu Themen wie Wasser, Schmerzunempfindlichkeit (samt Durchstechen der Zunge) und Pulsanhalten (mit einem Gummiball an der Armschlagader toll präsentiert). Der sehr unterhaltsame Tag ging um 21.35 Uhr viel zu früh zu Ende.

 

Der Freitag begann – nach der internen Mitgliederversammlung – um halb Fünf mit einer Begrüßung durch Armadeo Sarma. Das zentrale Thema des heutigen Tages sei der Psychomarkt. Das Ziel der GWUP sei eine gesetzliche Regelung zu mehr Verbraucherschutz in diesem Bereich. Mit dieser Einführung wurde man in den Thementag entlassen.

Jetzt begann Ingo Heinemann mit seinem Vortrag „Der aktuelle Psychomarkt und die Notwendigkeit einer gesetzlichen Regelung“. Seit 1975 beschäftigt er sich als Jurist und Verbraucherschützer mit diesem Thema. Sein Ziel ist unter anderem, dass der (wie von „Scientology“ gepflegte) Bücherverkauf auf offener Straße aufhört. Von 1982 bis 1995 war er Geschäftsführer des AGPF („Bundesverband Sekten und Psychomarktberatung, siehe www.agpf.de). Seine „Scientology“-Kritik findet sich vollständig im Internet unter seinem Namen (www.ingo-heinemann.de).

Für ihn ist der Psychomarkt ein Dienstleistungsmarkt mit psychologischem Einschlag. Das Ziel der Angebote ist die Verbesserung von Fähigkeiten aller Art. Das Ziel ist immer die Beeinflussung des Einzelnen, es ist keine reguläre Heilbehandlung.

Im Gegensatz zu Ärzten oder Heilpraktikern gibt es keine Überwachung. Die Gesundheit ist das wichtigste Segment des Psychomarktes. Angeboten werden Methoden oder die Ausbildung in den Methoden. Es gibt kein Gesetz über Psychotherapien, das „Psychotherapeutengesetz“ definiert nicht die Psychotherapie. Ausbilden kann man ohne Zulassung. „Coach“ und „Trainer“ sind keine Fachbegriffe.

Das „Gesetz über den unterlauteren Wettbewerb“ können nur Konkurrenten und Verbraucherzentralen zum Klagen nutzehn. Dagegen wird nicht vorgegangen (die Verbraucherzentralen leiden an Geld- und Personalmangel).

Was kann der Gesetzgeber tun? Es geht um eine Abgrenzung zwischen Glaube und Geschäft. Das Strafrecht bietet mit Betrug und Nötigung genug Möglichkeiten., Das Verwaltungsrecht („Heilpraktikergesetz“) verlangt eigentlich, dass die Gewerbeämter die Heiler überwachen ... Das Zivilrecht („da geht es immer um Geld“) braucht eine neue Art von Vertrag. Es gibt einen Entwurf für ein „Lebensbewältigungshilfegesetz“, dessen erster Entwurf durch Nichtbehandlung im Bundestag verfallen ist, der zweite Entwurf (aus Bayern) hat die Länderkammer nicht passiert. Ein neuer Gesetzesentwurf (eigentlich nur ein neuer Paragraph im BGB) sei das Ziel. Ein Vertragsgesetz führt zu Verbraucherschutz, regelt keine Methoden. Die Gesetzeslücke ist hier eine Gerechtigkeitslücke.

Es kam danach zu einigen Diskussionen. Auf die Frage nach Moden meinte der Referent, dass eine Zeit lang „Reiki“ (eigentlich „Handauflegen“) en vogue gewesen wäre. Im Moment sind es Begriffe, die sich im Trend ändern, nicht Methoden.

 

Bärbel Schwertfeger erwähnte in ihrem Vortrag „Auf der Suche nach einfachen Rezepten – Warum Manager oftmals auf fragwürdige Psycho-Angebote setzen“ eingangs ihr Buch „Der Griff nach der Psyche“ von 1998. Schön war ihr Vortragsteil über „Psycho-Physiognomie“, zum Beispiel stehen da abstehende Ohren für streitsüchtige Menschen. Erfinder Dirk Schneemann mit seiner „Schneemann-Methode“ ist gelernter Fahrzeuglackierer, der eine Ausbildung als Zauberer in seiner Vita angibt. Der TÜV Rheinland hat den Einjahreskurs bei ihm zertifiziert.

Unter dem Titel „Eine verräterische Beule am Kopf“ erschien von ihr bei spiegel-online eine Abrechnung mit diesem Thema.[53] Drei Wochen später durfte Schneemann seine irren Theorien bei manager-online vorstellen.[54] Ihre Erklärung ist, dass Menschen einfache Lösungen bevorzugen. Ein Assesment-Center ist wesentlich aufwendiger als eine kurze Einschätzung der Nasenform.

Ein weiteres Thema war der Persönlichkeitstest „Insights MDI“.[55] Der ist angeblich nach DIN Norm 33430 zertifiziert – eine DIN-Norm für Personalwesen, die nur Prozesse, nicht Produkte zertifiziert. Die Methode wurde durch Professoren verrissen.

Unter der Überschrift „Wo sind sie geblieben?“ ging es dann um frühere Methoden, die verschwunden sind. So Emile Ratelband mit „Tjakka – du schaffst es“, Jürgen Höller mit „Alles ist möglich!“ und Bojo Schäfer mit „In sieben Jahren zum Millionär“.

Die Tricks der Anbieter sind gleich:

- Horoskop-Effekt (allgemein verbindliche Aussagen)

- Name-dropping

- Wissenschafts-Bluff

- käufliche Helfer („Gutachter-Unwesen“)

- Widerholung

- Medien-Arbeit

- Referenzen

- Dreistigkeit

Wie man Menschen gefügig macht beschreibt sie anhand von Edgar Scheins „Coercive persuasion“ (1961):

Stufe 1: Aufbrechen („unfreezing”

Stufe 2: Verändern („changing“)

Stufe 3: Fixieren („refreezing“)

Es geht um eine gezielte Zermürbung:

- Verschleierung

- Gruppendruck

- Unterbinden von Kritik

- Strenge Regeln (1. Schritt in Abhängigkeit)

- Kommunikationsverbot

- Allmachtsphantasien

- Claqueure (begeisterte Anhänger als Vorbilder)

Danach kam noch eine Diskussion von ein wenig über zehn Minuten in Gang; die Fragen waren aber zu lang und die Diskussion lief ziemlich aus dem Ruder.

 

Nach einer Pause kam Claudia Barth über „Kosmisch-göttliche Ordnungsmuster: Bert Hellinger und seine »systemische Familientherapie«“ dran. Sie sprach eigentlich nur über Bert Hellinger und seine Familienaufstellung. „Systemtische Familientherapie“ – das sind bis zu 2000 Leute im deutschsprachigen Raum.

Hellingers erstes Buch kam 1993 heraus, es folgten bis heute weitere 30 Bücher in 13 Sprachen. Sein neues Thema ist jetzt „geistiges Familienheilen“.

Virginia Satir hat in den 1960er Familienaufstellung populär gemacht.[56] Hellinger betreibt nur eine Kurzzeittherapie. Es folgte eine Videosequenz von ca. 5 Minuten aus www.stark-film.de – Familienstellen nach Hellinger. Diese Sequenz war eher erschreckend; das dargestellte hat mit einer Therapie nichts zu tun.

Dass von Hellinger und den seinen Seminar zu einem Thema (Sucht, Adoption) angeboten werden sei der Grund dafür, dass auch die aufgestellten Personen Gefühle zeigen, da sie aus ähnlichen Konstellationen stammen. Laut Hellinger erfahren die Stellvertreter in der Aufstellung durch „morphogenetische Felder“ Hintergründe zur Aufstellung, der Therapeut erhält „intuitiv“ Infos und gerät daher in eine Rolle als „Medium“.

Hellinger benutzt Begriffe wie „Sippe“ (statt „Familie“); für ihn hat die Familie eine natürliche Reihenfolge, sie sei eine kosmische Ordnung (natürlich mit dem Vater als Chef ...). Beim Kindesmissbrauch wird laut Hellinger das Kind Opfer, weil die Mutter sich entzieht. Das Kind erfüllt deren Rolle im System.

Das Therapieverständnis ist ein esoterisches Konzept – ohne Beziehungsaufbau, ohne Reflexion bei Allmachtsphantasien des Therapeuten.

Hellinger schrieb ein Buch über einen mit fiktivem Dialog mit Hitler. Er spricht von der „Täter-Energie“ im Nationalsozialismus. Tote/Täter dürfen nicht aus der Gesellschaft ausgeschlossen werden.

Leider sprach die Vortragende viel zu schnell. Manche Formulierungen waren unglücklich (so Hellingers Reisen über alle Kontinente) oder ein wenig zu – Verzeihung – unreflektiert jung-links angehaucht.

Es kam noch eine Viertelstunde lang zu einer „Diskutanten-Aufstellung“ am Mikrophon. Auf die Frage nach der Nachbearbeitung/Kontrolle von Sitzungsergebnissen meinte die Vortragende, dass laut Hellinger Nachforschungen dazu führen, dass der „Energieimpuls abbricht“. 1997 gab es nach einer Hellinger-Aufstellung einen Selbstmord einer Teilnehmerin.

 

Der Samstag begann pünktlich mit dem Vortrag von Herbert Rätz von der Arbeitskammer des Saarlands unter dem Titel „Okkultismus, Esoterik, Para-...? Oder was kann man denn noch glauben?“ Ich sage es gleich: Ich war enttäuscht. Ein schwacher Vortrag, der dazu noch schlecht vorgetragen wurde. Der Autor hatte große Schwierigkeiten, seine Folien in Gang zu bringen – die dann auch älteren Datums und nicht für diesen Vortrag erstellt waren. Toll war auch, dass später einige Folien kamen, die man zwar brav weiterklicken konnte, aber Teile der folgenden Zeile waren schon vorab zu sehen, blieben „hängen“ (mit Textfragmenten wie „Psychokin...“, „Wahrsa...“). Wenn das alles ist, was die „Arbeitskammer des Saarlands“ zu bieten hat, dann bin ich enttäuscht.

Es ging um die Vernunft-verachtenden Aspekte der Esoterik. Bis jetzt würde dieses Thema von Bildungsträgern nicht aufgenommen, er würde im Herbst mit dem DGB in Frankfurt im Rahmen des „Vereins der Generationen“ eine Veranstaltung machen.

Der Begriff „Parapsychologie“ sei 1889 durch Max Dessoir, einen Theosophen und Psychologen geprägt worden. Esoterik sei eine Geheimwissenschaft, der Begriff stamme von Eliphas Levi. Okkultismus sei Geheimwissenschaft, wobei Okkultismus stärker die Praxis betont als Esoterik. Dann kam ein lockerer 2000-Jahre-Sprung zurück zu Hermes Trismegistos und das Verhältnis Mikrokosmos – Makrokosmos („wie da oben, so da unten“).

Er sprach vom Sprachstil „UND“ (unscharf, diffus, Nebel), der zur Bezeichnung von Nazi-Mitläufern verwendet wurde, den er jetzt auch auf Esoteriker anwendet. Sogar sein Seitenhieb auf den Öko-Feminismus bringt einen kurzen Lacher durch das Publikum.

Er unterteilt die Esoterik in fünf Gruppen:

1. Mystik als Vereinigung mit dem Göttlichen

2. Magie als Macht durch übersinnliche Kräfte

3. Wahrsagen/Vorhersage

4. PSI

5. Spiritismus als Kontakt mit Geistern und übersinnlichen Wesen.

Dann kam der unvermeidliche Exkurs auf Armin Mohler und den Hinweis, dass die Romantik schuld sei an der Wiederbelebung der Gralslegende und der Siegfriedssage. Dank voller Blase ersparte ich mir die Diskussion und ärgerte mich nur, dass ich wegen diesem Blödsinn so früh morgens aufgestanden war.

 

Es folgte Mahlon Wagner samt „Kreationismus und Intelligent Design in den USA“, der mit toller Gestik (ein wenig wirkte er so, wie man sich einen Fernsehprediger vorstellt), einem guten Deutsch und schönen Folien sowie Handouts seinen Vortrag begann. Er wäre ohne PC und Internet, von daher diese Form der Präsentation.

Seine Eingangsfrage „Wer glaubt an Evolution?“ gab viele Antworten, obwohl er gleich richtig stellte, dass er sagt, er akzeptiere Evolution, da es hier nicht um eine Glaubensfrage gehe.


Er spricht vom sozialen Nutzen des Kreationismus:

  • Gruppe unterstützt und steuert
  • gibt Antworten auf Sinnfragen
  • bekämpfen der Evolution ist Grundlage des Übels der Welt – Gott ist in der Welt nicht präsent und das führt zu Leid
  • Geographische Isolation („bible belt“)
  • Kulturelle Isolation
  • Fundamentalistische Kirchen sitzen überall. Es gibt 750 Stationen in 49 Staaten mit christlichen Radio- oder TV-Programmen.
  • www.answersingenesis.com
  • Heimschulen
  • Anti-Illektualismus – ein tief verwurzeltes Misstrauen gegen Unis, daher bauen die Kreationisten eigene Hochschulen auf.

Es gibt wichtige Unterschiede zwischen den USA und der EU:

1. Tradition der lokalen Souveränität in den USA (Religion, Schule)

2. Unabhängige Kirchen und kirchliche Hochschulen in den USA, nicht nationaler Klerus wie in den EU

3. Politisierung der Evolution in den USA

4. Wissenschaftliche Unwissenheit in den USA

Zukunft Kreationismus? Pessimistische Schau, selbst Al Gore traut sich nicht, nur für die Evolution einzutreten.

Nach dem Vortrag folgte eine kurze Diskussion.

 

Es folgte Helmut Groschwitz mit „Moderne Mondkalender aus Sicht der Volkskunde“. Ich lernte etwas über „Mond absteigend“ und „Mond aufsteigend“ und über die vier „Mondbrüche“ als Viertelungen der Phase.

Während der Aufklärung verschwinden die meisten Kalender. Im Faschismus waren sie „arisches Weistum“ (so Hermann Bauer, „Mond-Kalender 1939“)

Insgesamt war der Vortrag mit einer tollen Optik (was die Illustrationen betraf) begleitet. So konnte man anhand der Bilder die Genese des Aderlassmännchens bis in moderne Kalender verfolgen.

Für Groschwitz ist der Mond-Kalender auch eine soziale Konstruktion okkulter Wirklichkeit. Der Schlüssel des Mondes gibt alltäglichen Tätigkeiten eine esoterische Komponente.

Es ging in der Diskussion, ob es einen Zusammenhang zwischen Mondstand und Holzqualität gibt. Obwohl sich das Holz nicht verändert, gibt es Preise von plus 10 bis 30 % für zu bestimmten Zeiten geschlagenes Holz.

 

Gegen 14.15 Uhr begannen Bernd Harder und Klaus Schmäh mit ihrem Vortrag „Wir basteln uns eine Verschwörungstheorie“, der klar bewies, dass die GWUP vor hat, die Welt zu übernehmen (und sich daran gemacht hat, die eigentlich echten Wünschelruten zu schmähen).

Am Beispiel wurden Verschwörungstheorien erklärt (die Verschwörungstheorie hier als der Versuch, Ereignisse, Zustände, Entwicklungen durch eine geheime Verschwörung zu erklären). Diese Verschwörungstheorien appellieren an Ängste und Emotionen. Sie geben einfache Antworten auf komplexe Fragen.

Die Diskussion war ein wenig aus dem Rahmen laufend, aber unterhaltsam.

 

Danach sprach Joe Nickel (auf englisch) über „Recent Investigations“ und die „real-life X-Files“. Er benutzte Dias, was der optischen Qualität des Vortrags deutlich half.

Es ging um „spontaneous combustion“ und deren reale Erklärung, es ging um Seemonster (die er als in Reihe schwimmende Otter identifizierte), um Nazcar und die Bedeutung als rituelle Labyrinthe, um Roswell 1947, weinende Jungfrauen, Stigmata und viele, viele Bücher.

Als er in der Diskussion keine Fragen erhielt, beantwortete er Fragen, die ihm telepathisch gestellt worden waren ... Für ihn ist der Respekt vor den Wahrnehmungen anderer wichtig, ebenso ein langsames & gründliches Denken.

 

Es folgte ein Schlusswort von Armadeo Sarma – sehr souverän.

 

Die beiden angekündigten Arbeitsgruppen (AG Bildung und AG Medien) habe ich geschwänzt, denn bis zum Ende war eine Anmeldung für Arbeitsgruppen nicht möglich. Die schienen überhaupt nicht inhaltlich vorbereitet gewesen zu sein ...

 

Der bunte Jubiläumsabend bestand aus einer Vorführung von „Der Spuk von Amityville“ samt Anmerkungen von Joe Nickell (der den Fall mituntersucht hat). Danach gingen wir heim, daher weiß ich nicht, ob die „Comedy zwischen Esoterik und Zauberei mit Hausmeister Ergie“ oder der Auftritt von „connect“ noch stattgefunden haben.

 

Wie auch immer: Es galt, auch inhaltlich die Spreu vom Weizen zu trennen. Es gab einige sehr schöne, interessante und kluge Vorträge – es gab auch puren Mist. Aber interessant war es trotzdem.


[1] Magin, Ulrich „Trolle, Yetis, Tatzelwürmer“ (München, 1993), S. 84

[2] aus der Wikipedia

[3] dito

[4] Wir sparen uns hier die Diskussion, warum der deutsche Titel „Blade Runner“ totaler Quatsch ist. Der Roman von 1982 hieß „Träumen Androiden von elektrischen Schafen?“ – das bringt viel mehr vom Inhalt rüber als der Titel „Blade Runner“, der sich NUR auf die Filmversion bezieht und keinen Bezug zum Inhalt hat.

[5] Ich diskutiere jetzt nicht, ob die Tesla- oder Reich-Maschinen, die immer wieder in der Literatur der letzten Jahre auftauchen, vielleicht aus russischen Depots stammen ...

[6] ... und natürlich gehen nur die richtigen Vorhersagen durch die Presse, die Pleiten nie.

[7] Lies: begnadigten

[8] Das ist nur der Versuch, meine frankophobe Ader hinter Fremdwörtern zu verbergen.

[9] http://www.ingo-heinemann.de/Einstein-Werbung-2.htm

[10] www.urimat.de

[11] http://urimat.de/cms/cms/front_content.php?idcat=74

[12] http://urimat.de/cms/cms/front_content.php?idcat=126

[13] Für Neugierige: http://de.wikipedia.org/wiki/S.P.Q.R.

[14] Für die, die zu jung sind, um die alle im Fernsehen gesehen zu haben: http://de.wikipedia.org/wiki/Sandalenfilm

[15] http://de.wikipedia.org/wiki/Chatten

[16] http://www.vitavegetare.com/de/meetingpoint/forum/index.php?lg=de&group_id=1515&forum_id=1&article_id=1515

[17] http://www.cai.org/de/themesheets-de/category%20ni/si1005de.htm. Cai steht für „Christian Assemblies Europe“ in Feldafing.

[18] http://pinselpark.org/religion/ausgestorbene/altorient.html

[19] http://freewebs.com/dvck/

[20] http://www.freewebs.com/dvck/hlbonifatius.htm

[21] http://www.aktion-kig.de/nachrichten/news33.html

[22] http://www.kirchenlehre.com/dvck.htm

[23] http://www.bildungsnetz-rhein-main.de/index.php?mode=address&submode=read&address=30789

[24] Angaben wie diese haben den großen Vorteil, dass ich dann sicher tot bin.

[25] Den zweiten Halbsatz habe ich schon nicht verstanden, als ich ihn schrieb.

[26] Beeindruckende Aussage von Google heute (23.07.07) zu diesem Thema: „Es wurden keine mit Ihrer Suchanfrage - Protonenmenschheit - übereinstimmenden Dokumente gefunden.“ Wow!

[27] Zur Beruhigung: „The dnsserver returned: Name Error: The domain name does not exist.”

[28] Zitiert nach Tim Lorentzen „Ideologische Ursupation“, Wolfenbüttel, 2005, S. 33 f.

[29] Gunter d’Alquen, zitiert nach ebenda, S. 34

[30] Friedrich Kluge, Straßburg, 1899

[31] „Kluge. Etymologisches Wörterbuch der deutschen Sprache“, bearbeitet von Elmar Seebold, Berlin/New York, 2002

[32] Karl-Dieter Bünting „Deutsches Wörterbuch“, Chur/Schweiz, 1996

[33] „Ein Kontrastwörterbuch mit Gebrauchshinweisen“. Wolfgang Müller, Berlin/New York, 2000

[34] Zitiert nach „Bibel von A bis Z. Wortkonkordanz zum revidierten Luthertext“, Stuttgarter Nachschlagewerk zur Bibel, 1969

[35] 1. Samuel 8,5

[36] Psalme 9,21

[37] Psalme 22,28

[38] Psalme 135,15

[39] Matthäus 6,7

[40] 1. Korinther 10,20

[41] Epheser 3,6

[42] Offenbarung 2,26

[43] Offenbarung 2,26 ff. Zitiert nach „Lutherbibel erklärt“, Stuttgart 1974

[44] Alle Zitate im Text stammen von der dort möglichen Umsonstauswertung (für meine Geburtsdaten) oder direkt von der Homepage.

[45] vgl. „Heidentum, Teil I“

[46] vgl. „Heidentum, Teil II“

[47] vgl. „Heidentum, Teil III“

[48] vgl. „Heidentum, Teil III“

[49] ... nicht im Geiste, nicht in der Loge, aber im Blute.

[50] Ich zitiere gerne die „Wikipedia“.

[51] In wissenschaftlichen Texten markiert man so Fehler im Original (!).

[52] Das ließ sich zum Teil klären: http://cenap.alien.de/schneidera.htm

[53] http://www.spiegel.de/unispiegel/jobundberuf/0,1518,446426,00.html

[54] http://www.manager-magazin.de/koepfe/artikel/0,2828,451210,00.html

[55] www.insights.de

[56] vgl. http://de.wikipedia.org/wiki/Virginia_Satir

 

 

 

 


 

 

 


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