Homo Magi Prophezeiungen 08.02.2026 |
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Hallo Salamander,
es ist immer wieder erstaunlich für mich, wenn ich aus der ersten Hälfte
des 20. Jahrhunderts deutsche Texte finde, in denen es um germanische
Mythologie geht – und die dann nicht von rechtsextremen, sondern von
deutlich linksextremen Personen verfasst wurden.
Unkritisch als Linker gilt wohl Erich Mühsam:
Erich Kurt Mühsam (geboren am 6. April 1878 in
Berlin; gestorben am 10. Juli 1934 im KZ Oranienburg) war ein
anarchistischer deutscher Schriftsteller, Publizist und Antimilitarist.
Als politischer Aktivist war er 1919 maßgeblich an der Ausrufung der
Münchner Räterepublik beteiligt, wofür er zu 15 Jahren Festungshaft
verurteilt wurde, aus der er nach 5 Jahren im Rahmen einer Amnestie
freikam. In der Weimarer Republik setzte er sich vorübergehend in der
Roten Hilfe für die Freilassung politischer Gefangener ein. Seine
politische Heimat fand er seit Mitte der 1920er Jahre in der
„Anarchistischen Vereinigung“.
In der Nacht des Reichstagsbrandes wurde er von
Nationalsozialisten verhaftet, und am 10. Juli 1934 wurde er von der
SS-Wachmannschaft des KZ Oranienburg ermordet.[1]
Aus Westfalen bekannt ist die (mindestens 300 Jahre alte) Prophezeiung von
der Schlacht am Birkenbaum, in der Ost und West zum Ende der Welt
gegeneinander antreten:
Es wird ein fürchterlicher Krieg kommen. Auf der einen Seite werden
alle Völker des Westens, auf der anderen alle des Ostens stehen. In
fürchterlichen Scharen werden jene heranschreiten. Lange wird man mit
unentschiedenem Glücke kämpfen, bis man endlich in die Gegend des
Rheines kommt. Dort wird man kämpfen drei Tage lang, so daß das Wasser
des Rheines rot gefärbt sein wird, bis es bald nachher zur Schlacht am
Birkenbäumchen kommt. Da werden weiße, blaue und graue Soldaten
kämpfen mit solcher Macht und Wut, daß jene Scharen vollkommen
aufgerieben werden, und dann wird Ruhe und Frieden sein.[1]
Der Zusammenhang dieser Sage mit der germanischen Mythologie wird an
diversen Orten gezogen, hier nur ein Verweis:
Ist die Sage von der Schlacht am Birkenbaum ein Nachhall des Glaubens
in der germanischen Naturreligion an einen letzten und entscheidenen
[sic] Weltkampf? Wurde der Birkenbaum mit der Weltenesche Yggdrasil in
Bezug gesetzt, die in der germanischen Naturreligion eine zentrale
Funktion hat?[2]
Doch zurück zu Erich Mühsam. 1915 schrieb er folgendes Gedicht:
Die Schlacht am Birkenbaum
Glaubt nicht, die Schlacht am Birkenbaum
sei nur ein Traum.
Sie wird geschlagen werden.
Schon lernt die ersten Schritte gehn,
der sie wird sehn
als Ältester auf Erden.
Glaubt nicht, am Birkenbaum die Schlacht
werd über Nacht
aus Völkerhaß geboren.
Aus gleichem Volk bekämpft das Heer
der alten Wehr
die Schar, die sich verschworen.
Und ist die tapfere Schar besiegt,
gleichwohl, so fliegt
von ihrem Geist ein Funke
hinüber in der Feinde Reihn,
und alle werden Brüder sein,
gelabt vom selben Trunke.
Die Sieger als Besiegte dann
ziehn Mann für Mann,
zum Hungervolk die Satten,
Befreiung feiernd von der Not
bei Wein und Brot,
unter der Birke Schatten.
Glaubt nicht, die Schlacht am Birkenbaum
sei nur ein Traum
und eines Wahns Gebilde.
Der schönste Sieg ist nicht mehr fern,
da ohne Herrn
Recht wird erstehn und Milde.[3]
Was für ein schöner Text …
Das Erinnern an linke Stimmen zur germanischen Mythologie in der
ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts gibt mir auch immer wieder die
Kraft, den Missbrauch der Mythologie durch Rechtsextreme anzuprangern
– die germanische Mythologie hat ihnen nie alleine gehört und wird
ihnen nie alleine gehört.
Eigentlich müsste man das Gedicht mal bei einem Ritual verlesen …
Glaubt nicht, die Schlacht am Birkenbaum
sei nur ein Traum
und eines Wahns Gebilde.
Der schönste Sieg ist nicht mehr fern,
da ohne Herrn
Recht wird erstehn und Milde.
[1]
https://de.wikipedia.org/wiki/Erich_M%C3%BChsam
(05.02.2026)
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