Homo Magi 

Blutsbrüder

20.09.2026

Hallo Salamander,

Ich habe viele Berichte über 9/11 gelesen. Gerade jetzt, zum 25-jährigen Jahrestag, da kommt die Erinnerung wieder hoch. Damals in Darmstadt war das die Nacht der Erinnerung an die Brandnacht, nachts läuten die Glocken und erinnern an die fast komplette Zerstörung der Innenstadt.

Aber ich selbst habe eine ganz persönliche Erinnerung an diesen Abend. Ich kam von einem Stammtisch heim und wurde von meinem Vermieter vor der Tür abgefangen, der mich zwang, erst einmal drei Schnaps zu trinken, bevor er mit mir redete. Es hatte einen Wohnungsschwelbrand gegeben, Freundin und Kind waren schon ohnmächtig oder schlafend gewesen, als der Vermieter wild klopfend dafür sorgte, dass sie den Sauerstoffmangel bemerkten. Er hat das Kind dann selbst aus dem Haus getragen.

Ich brauchte mehr als drei Schnaps, um das zu verarbeiten.

Am nächsten Tag hatte ich frei, um die Wohnung zu reinigen. Ich will jetzt nicht auf die Details eingehen – es war alles voll mit Asche-Schmodder, das muss reichen. Zur Ablenkung machte ich den Fernseher an – und beobachtete mehr oder weniger „live“, was in New York an diesem Tag geschah.

Brandnacht, Kind fast gestorben, Anschlag auf das World Trade Center. Genug für einen Tag und eine gewisse Erklärung für meine Sprachlosigkeit in dieser Zeit, wenn es um die Vorgänge ging.

Jetzt habe ich doch ein wenig zum Thema gelesen. 25 Jahre sind eine lange Zeit, da kann ich mich einfacher mit dem Thema beschäftigen.

Es war ein Bericht aus „The Guardian“ über zwei Überlebende, der mich berührt hat. Sein Titel ist „25 years ago, two strangers met in the twin towers and escaped on 9/11. What happened next?“[1]

Darin heißt es:

Clark noticed that Praimnath had a puncture wound on his palm, while his own hand was cut and bleeding from moving debris. Clark recalls his instinctive gesture of solidarity: „I smooshed our hands together and said, »In fact, we’ll be blood brothers for life. Come on, buddy. Let’s go home.«“[2]

Da habe ich fast geweint. Dieser verdammt gut beschriebene Bericht schreibt über Freundschaft, über Blutsbrüderschaft – und da ist mehr Ehrlichkeit drin, als ich in 50 Artikeln über Männerbünde, Blutsbrüderschaft etc. im esoterisch/magischen/heidnischen Kontext gelesen haben.

Und ich konnte etwas damit anfangen …

 

 

 

 

 


 

 

 


[

 


 

Kolumnen

vorherige

nächste

Mail an Homo Magi

Inhalt

Beiträge des Teams:

RezensionenMär & Satire
Essais
Sachartikel Nachrufe
Bücherbriefe
PR-Kolumnen
Lyrik

Forum