Homo Magi - Teambeitrag

Viktorianisches im Rollenspiel
Teil 2


Königlicher Salonwagen, 19. Jahrhundert

Space 1889 (Fortsetzung)

1.1.5. Hintergrundmaterial

Ich will – kurz – im Überblick erwähnen, wo man welches Hintergrundmaterial zu den im „Space 1889“-Universum liegenden Welten findet (leider gibt es nämlich keine solche Liste im GDW-Material, und es langt ja wenn einer – sprich ich – suchen musste).

·                    Merkur

Eine kurze Weltbeschreibung (4 Seiten) findet sich im „Conklin’s Atlas of the Worlds“. Außerdem gibt es noch den Artikel „Mercury – the Nodding World“ in „Challenge“ 45 (samt dem Kurzabenteuer „Le Durieux’s Mad Journey“).

·                    Venus

Kurzinformationen sind im Grundregelwerk enthalten, sehr viel detaillierter und mit vielen Karten (insgesamt 20 Seiten) ausgestattet ist hingegen die Weltbeschreibung im „Conklin’s Atlas of the Worlds“. Im „Solier’s Companion“ werden die Armeen der Venus vorgestellt (z.B. deutsche Schutztruppen, die auf die Echsenmenschen aufpassen dürfen).

·                    Erde

Verständlicherweise sehr detaillierte Beschreibung (mit den besten Karten ...). eine ausführliche Weltbeschreibung mit guten Hintergrunddaten (Reisezeiten, Schiffsrouten, Karten; insgesamt 24 Seiten) findet sich im „Conklin’s Atlas“. Hier erfährt man endlich, wo auf dem Balkan Graustark, Ruritania, Wallachia und Rumelia liegen.

Das „Soldier’s Companion“ enthält genaue Auflistungen aller Armeen (so z. B. der legendären „Parhoon Mountain Artillery“ – eine der vielen englischen Einheiten auf dem Mars!) und viel Hintergrundmaterial für jemanden, der seiner Figur einen militärischen Hintergrund verpassen möchte. Schön sind hier die Armeelisten für Graustark und Ruritania ... Die Grenzen zwischen Realität und Phantasie sind fließend, viele Informationen, die erfunden wirken, sind völlig wahr (z. B. „Rabehs Imperium“); das lesen lohnt sich für Geschichtsfreaks schon alleine wegen des Unterhaltungs- und Informationswertes.

·                    Mond

Über den Erdtrabanten finden sich 5 Seiten im „Conklin’s Atlas“, die Hinweise auf die Abstammung der Mondmenschen vom Vulkan (nunmehr Asteroidengürtel) enthalten. Die Armeen der Mondmenschen werden dann im „Soldier’s Companion“ dargestellt. Ebenso wird in „The River of Life“ (in „Tales from the Ether“) vieles über den Mond berichtet, das vorher noch nicht bekannt war.

Eigenartigerweise ist der Mond der „Planet“, über den am wenigsten geschrieben wird. Irgendwie wirken die Veröffentlichungen hier auch nicht ganz in sich schlüssig.

·                    Mars

Im „Space 1889“ wird der Mars am ausführlichsten dargestellt, immerhin ist er der für die Spieler reizvollste Planet. dort gibt es alles: exotische Außerirdische, fremde Gewürze, schöne Frauen, Flugschiffe, versunkene Städte, Piraten, uralte Legenden, Verschwörungen, Intrigen, wahnsinnige Kultisten usw.

Hintergrundmaterial (u. a. über Sprachgebiete, 12 Seiten) findet sich im „Conklin’s Atlas“, einschließlich guter Übersichtskarten (Bodenschätze!). Das „Soldier’s Companion“ enthält Armeelisten für den Mars und eine Auflistung der wichtigsten Staaten auf dem Mars. Der „Space 1889“-Übersichtsartikel („Challenge“ 34) enthält auch einen Artikel über „The Canals of Mars“ samt Illustrationen und Erläuterungen zum Wasserkreislauf auf dem Mars.

·                    Der Äther

Der Artikel „The Ether“ (Challenge“ 34) widmet sich dem Aufbau des Äthers zwischen de Planten, der Äthertheorie und der Anwendung dieser Theorien in „Space 1889“.

 

Abenteuer

·                    Merkur

„The Burning Desert“ (in „Tales from the Ether“): Eine Reise auf den Merkur hat man sich doch schon immer gewünscht, und in diesem Falle ist der Gegner nun wirklich ein „mad scientist“ der höchsten Güte.

„Dwellers in the Dark“ („Challenge“ 52): Eigenartige Lebensformen auf dem Merkur, die es zu erforschen gilt.

„Le Durieux’s Mad Journey“: Ein Kurzabenteuer in „Challenge“ 45.

·                    Venus

„Drums Along the Border“ (in „Tales from the Ether“): Für Deutsche ist das „Space 1889“-Spielen auf der Venus immer besonders reizvoll, weil hier die Deutschen einen echten Heimvorteil haben. Wo sonst findet man Personen wie Oberst Hans Kurt oder die Orte Sumpfstadt und Neuregensberg? Ach ja, und das Abenteuer ist auch ganz nett.

„Valley of the Hunters“ („Challenge“ 56): Nettes Forschungsreiselchen durch die Dschungel der Venus (lustig sind auch hier die eigenartigen deutschen Namen, die die Engländer so gerne verteilen.

„Valley of Twisted Apes“ („Challenge“ 64): Eigentlich ein „Cthulhu“-Abenteuer, für das aber eine Ansiedlung im „Space 1889“-Universum vorgeschlagen wird. Erschreckende Reise, auf der man mal nicht mit Kreaturen aus dem Cthulhu-Mythos in Konflikt gerät.

·                    Erde

„Anarchy in the Ether“ (in „Tales from the Ether“): Um die Erde kreist – wie um den Mars – eine Raumstation, Harbinger genannt. Diese sichert die Heliographen-Verbindungen zwischen Erde und Mars, also eine Art Licht-Morsen durch das All. Diese Station wird nun das Ziel eines anarchistischen Anschlages, den nur die Abenteurer verhindern können. Ein Abenteuer, das geradezu ideal für eine frühe Phase der Kampagne ist, da – außer logischem Denken – kaum Fähigkeiten vorausgesetzt werden müssen und die Abenteurer nach diesem Erlebnis sicherlich einschlägigen (englischen) Regierungskreisen bekannt sein werden.

„Fist of Allah“ („Challenge“ 47): Ein pyramidenförmiges Raumschiff in der Wüste Nordafrikas, wahnsinnige Araber und die Fremdenlegion. Schnuckelig.

„Secret of the Lost City“ („Challenge“ 66): Und wieder eine verlorene Stadt in Südamerika!

„Sub African!“ („Challenge“ 57): Solo-Abenteuer, ziemlich miserabel.

„Time Voyager“ („Challenge“ 48): Da sich diese Spiel mit H. G. Wells und Zeitreisen beschäftigt und solche Zeitreisen eigentlich in den „Space 1889“-Kosmos passen, habe ich dieses Abenteuer immer auf Con benutzt, um das System vorzustellen. Das Abenteuer ist sehr gut gemacht und spielt sich sehr flüssig, passt aber – wie gesagt – schlecht in eine Kampagne.

„Tom Fleet and His Steam Colossus“ („Challenge“ 61): Hier hat sich jemand viel Mühe damit gemacht, im Rahmen des „Space 1889“-Universums „BattleTech“ durch den Kakao zu ziehen. Tom Fleet wohnt in Nevada, und er baut menschenähnliche, überlebensgroße, dampfgetriebene Roboter, die man auch herumfahren kann. Der Diener im Haus heißt natürlich nur rein zufällig Kurita ... Ein sehr schönes amüsantes Abenteuer.

·                    Mond

„The Crash“ (in „Space 1889“): Einführungsabenteuer, in dem die Abenteurer an ein Raumschiff und (mehr oder weniger unabsichtlich) an ihr erstes Abenteuer kommen. Sollte man als erstes mit seiner Gruppe spielen (und sei es nur, damit sie nachher ohne Gefahr im Regelwerk stöbern kann!).

„River of Life“ (in „Tales from the Ether“): Dieses Abenteuer schließt sich zeitlich an das Abenteuer im Grundregelwerk an und bietet weitere Informationen über den Mond, einschließlich einiger Begegnungen mit den Mondbewohnern; Nachkommen der Vulcanier oder Phaetoniden, die vor der Explosion ihres Planeten (des heutigen Asteroidengürtels) in den Mond geflohen sind.

·                    Zwischen Erde und Mars

„Ether Ship Etiquette“ („Challenge“ 39) gibt Informationen über die Reise in Ätherraumschiffen (Kleidung, Verhalten etc.) und Daten für die „RMS Servia“ (samt Passagierlisten), so dass man eine Reise Erde-Mars nett und erheiternd durchspielen kann (und sei es nur, um die Äther-Äquivalente zu irdischen Äquatorfeiern kennenzulernen).

·                    Mars

„Ausonian Stalker“ (in „Tales from the Ether“): Eine Mischung aus Frankenstein und Phantom der Oper in den Abwasserkanälen einer marsianischen Stadt (und natürlich ist ein deutscher Wissenschaftler an allem schuld!).

„Beastmen of Mars“: Eine Serie von fünf Abenteuern, die die Spieler mit den Geheimnissen der Steppenmarsianer konfrontieren sollen. Dabei dürfen sie Schätze suchen, Höhlen erkunden und diverse marsianische Verkehrsmittel kennenlernen. Besonders beliebt ist das Auftauchen von König Hattabranx (endlich mal ein Bösewicht, der die Bezeichnung „Wicht“ verdient) und Kleuht Na Vriss, der Macht hinter dem bösen, bösen Wurmkult.

Kleuht Na Vriss ist eine Mischung aus Fu Manchu und Charles Manson, und wenn man ihn und dieses Modul ordentlich ausspielt, dann lehrt man seinen Spielern wirklich das Fürchten. Und das ganz ohne Cthulhu-Monster ...

„Canal Priests of Mars“: Wer sich schon immer mal wie der Dalai Lama auf dem Mars fühlen wollte, ist hiermit gut bedient. Ein obskurer marsianischer Kult erkennt in einem der Abenteurer ihren wiedergeborenen Obermufti wieder (nun gut, man hält ihn für die Wiedergeburt von Seldon, der legendären Gestalt auf dem Mars), und das führt dann doch zu einigen Verwicklungen.

Das Abenteuer ist furios geschrieben, und es beginnt mit einer Reise zum Mars. Alleine die Gästeliste des Schiffes ist genial (ein Marquis, der sich mit Boxen beschäftigt, ein marsianischer Priester, der auf Seldon aufpassen soll, ein Physiker, der nicht an den Äther glaubt, eine junge Millionärin, der weltbeste Cricket-Spieler etc.), und das ist erst ein Viertel des Abenteuers. Wahrscheinlich das beste Modul für „Space 1889“.

„Caravans of Mars“ beschreibt die Aetheria-Elysium-Wüste samt einem Abenteuer, welches eine Reise mit einer Karawane beschreibt. Die Beschreibung der Wüste ist sehr ausführlich und interessant gemacht (eines der vielen Module, an denen man sich festlesen kann), das Abenteuer ist eine nette Reisegeschichte für eine neugierige und interessierte Gruppe.

„Caught in the Mire“ (in „More Tales from the Ether“): Nettes Kurzabenteuer mit Piraten, Sumpfbewohnern und Marsianern aller Couleur.

„City of Death“ („Challenge“ 54): Endlich mal ein Abenteuer, das als „very dangerous“ bezeichnet wird. Und so ist es auch – etwas für Abenteurer, die glauben, alles mit dem Gewehr lösen zu können. Die Gegner sind fanatische marsianische Killer, und viele Killer sind der Abenteurer Tod ...

Genial als unauffälliger Wink an die Spielergruppe, den Spielleiter netter zu behandeln.

„Cloud Captains of Mars“: Karkarham ist der Umschlagplatz für alles, was verboten und gesucht ist. Dazu erhält man hier Informationen über die legendären „Cloud Captains“, Menschen, die in ihren „Cloud Ships“ den Himmel des roten Planten unsicher machen. Echte Helden, wie sie Errol Flynn nicht hätte besser spielen können. Hier kann man ihnen begegnen, während man über die Straßen von Karkarham flaniert (jedenfalls solange man nicht geschnappt und ans Rad gespannt wird). Und Vorsicht! Man sollte sich in marsianische Innenpolitik hineinziehen lassen!

„Cult of Doom“ („Challenge“ 60): Marsianische Sektierer und menschliche Anarchisten arbeiten gemeinsam gegen die Briten. Diese „Challenge“ ist auch eine „Swimsuit-Issue“, man kann daher ein Bild von Marsianern und Menschen in viktorianischen Badeanzügen bewundern.

„Dioscuria“ und „Escape form Dioscuria“ („Challenge“ 58 bzw. 59): Beschreibung einer von den Deutschen kontrollierten Stadt auf dem Mars samt dazugehörigem Abenteuer.

„Exogamous Mating“ („Challenge“ 68): Marsianer-Menschen-Liebesgeschichte mit dramatischem Hergang.

„Imprisoned in Noachis“ („Challenge“ 55): Gefangen im Kerker. Gähn.

„Krolik Run“ („Challenge“ 64): Beschreibung einer Villa und eines geplanten Überfalls darauf. Sehr kurz und mangelhaft ausgearbeitet. Da waren wohl noch in aller Eile ein paar Seiten für die nächste „Challenge“ zu füllen!

„Liftwood Conspiracy“. Es geht um eine geheime Expedition und die Expedition ist so geheim, dass sogar die Abenteurer gefragt werden. Ein Gähn-Abenteuer erste Güte, voll mit unterdurchschnittlichen Illustrationen. Nicht umsonst das einzige „Space 1889“-Abenteuer, das nicht von GDW veröffentlich worden ist.

„The Lurker in the Moor“ (in „More Tales from the Ether“): Eine Art „Cthulhu 1889“-Abenteuer, ohne dass „Cthulhu“ wirklich draufsteht. Es geht um einen eigenartigen Wissenschaftler, komische Monster und einen Sumpf. Brrr.

„Madness in the Moab“ (in „More Tales from the Ether“). Leider ist der Plot unter dem Sand verborgenen (!) marsianischen Stadt etwas zu weit hergeholt. aber dafür sind die Beschreibungen der Abenteuergruppe als unter dem Sand gefangene Menschen sehr schön.

„Magical Mystery Tour“ („Challenge” 63). Die Marsianer machen (mal wieder) Ärger, und ein Zauberer von der Erde soll ihnen die Überlegenheit der Menschen mit Hilfe seiner Tricks klarmachen.

„Melas: Portrait of a Martian City“ und „Treasure of Melas“ („Challenge“ 69 und 70): Stadtbeschreibung und dazugehöriges Abenteuer. Die Stadt ist sehr gut ausgearbeitet, das Abenteuer ist hochinteressant und gut geschrieben. Ein kleines Juwel.

„Monastery of Tasharvan“ („Challenge” 62). Kein Kommentar, da peinlich.

„The Mystery of fort Dickerson“ (in „More Tales from the Ether“). Ein „Whodunnit“: Wer hat die armen Soldaten umgebracht, und warum hat er es getan?

„Noorlan Revolt“ („Challenge“ 53): Ebenfalls kein Kommentar, da peinlich.

„Playing Fields of Mars“ („Challenge“ 73): Abenteuer für Kindercharaktere, die gemeinsam mit ihrem Lehrer ein paar „lustige Abenteuer“ auf dem Mars erleben. Eine Art „Hanni & Nanni on Mars“.

„Rescue at Thoth“ (in „Liftwood Conspiracy“): Schlechte Pläne, schlechte Handlung. Hugh, ich habe geschrieben.

„Secret of the Ancients“ („Challenge“ 43): beschreibt eine unterirdische Maschinenanlage mit vulkanisch-marsianischer Technologie. Was für Wissenschaftler, die gerne an Geheimnissen herumknobeln.

„Secret of the Swamp“ („Challenge” 71): Hrmpf.

„Steppelords of Mars“ ist nicht nur ein einfacher Hintergrundband zur Nepenthes-Thoth Steppe, sondern auch eine umfassende Beschreibung dieser Landschaft (Tiere, Klima, die Stadt Stastapsh) samt Modul.

„Thymiamata: 1889“ („Challenge“ 49, 50 und 51): Stadtbeschreibung samt Abenteuer. Ausführlich und schön zu spielen. Kompliment.

„To Rescue a Lady Fair“ („Challenge“ 67): Prinzessin kann man auch auf dem Mars befreien. Man kann’s aber auch lassen ...

„Windsinger Saga“ („Challenge“ 44): Kurzabenteuer mit Daten für „Sky Galleons of Mars“.

„Wreck of the Sloop John B.“ („Challenge“ 72): Ein verlassenes Schiff führt zu einer Ruine in der Wüste (und im Hintergrund singen leise die „Beach Boys“).

·                    Marsmonde

„Moon of Madness“ („Challenge“ 65) beschreibt eine Expedition auf den Phobos. Man findet Überreste der vulkanischen Zivilisation und eine Menge schreckliche Dinge ... Ein Horror-Szenario aus der „Annual Horror Issue“ von „Challenge“.

 

Sonstiges zu „Space 1889“

Ja, es gibt ein „Space 1889“-Computerspiel. Nein, gefallen hat es mir nicht. Ich habe immerhin die Kopie der „London Times“ vom 1. August 1889 behalten, die beilag. Sonst aber auch nichts.

 

 

Hermann Ritter

 

 

 

 

 

       

 

 

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