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Magi - Sonderthema Mars Leben auf dem Mars? Von Kanälen, Gesichtern und Meteoriten |
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Die „Marskanäle“ Kanäle nach Lowell Bei der Marsopposition von 1877 glaubte der italienische Astronom Giovanni Schiaparelli, auf dem Mars ein feines Netz von Linien entdeckt zu haben. Er publizierte seine Entdeckung in italienischer Sprache und nannte die Linien „canali“ (was auf italienisch soviel wie „Rinne“ bedeutet). Bei der Übertragung ins Englische wurden daraus „canals“, dies bedeutet jedoch nicht „Rinne“, sondern „künstliche Wasserstraße“. Eine künstliche Wasserstraße implizierte aber, dass jemand sie erbaut haben musste. Der Mythos der „intelligenten Marsbewohner“ war geboren. Er sollte jahrzehntelang die Science Fiction prägen. Beispiele dafür sind "Der Krieg der Welten" von Herbert G. Wells (1898) sowie die bekannte Kurzgeschichte "Mars-Odyssee" von Stanley G. Weinbaum (1934). Der "Krieg der Welten" führte übrigens 1938, von Orson Welles als Radio-Hörspiel umgesetzt, zu einer Massenpanik. So tief war der Mythos der Marsbewohner in den Köpfen verankert, dass viele Zuhörer Welles' Hörspiel für bare Münze nahmen. Nach Schiaparelli sahen auch viele andere Beobachter die Marskanäle. Zu den prominentesten Beobachtern der Kanäle gehörte der amerikanische Geschäftsmann und Astronom Percival Lowell, der eigens für Marsbeobachtungen 1894 in Flagstaff/Arizona eine Privatsternwarte einrichtete, die heute noch (als Lowell-Observatorium) existiert. An dieser Sternwarte wurde übrigens 1930, vierzehn Jahre nach Lowells Tod, der Planet Pluto entdeckt. Andere jedoch wiederum konnten von den Kanälen keine Spur entdecken. Bereits frühzeitig wurden Zweifel geäußert, ob in der dünnen Atmosphäre des Mars überhaupt flüssiges Wasser existieren könne. Am 14. Juli 1965 erbrachte die Raumsonde Mariner 5 den Beweis, dass es auf dem Mars keine „canali“ gab: sie machte die ersten hochauflösenden Nahaufnahmen des Mars, als sie in 9850 km an ihm vorbeiflog. Ähnliche Fotos schossen 1971 auch die sowjetischen Sonden Mars 2 und Mars 3. Heute führt man die „Marskanäle“ auf eine optische Täuschung zurück, das sog. „Kontrastlinienphänomen“. Dieses bewirkt, dass das Gehirn zwischen undeutlichen dunklen Flecken dazu neigt, Linien zu ziehen. Die Viking-Sonden1975 startete die NASA die beiden Viking-Sonden, die mit je einer Landekapsel ausgestattet waren. Beide Landekapseln setzten 1976 erfolgreich auf dem roten Planeten auf. Sie untersuchten als erstes direkt die Marsatmosphäre und den Marsboden, entnahmen einige Bodenproben und schossen auch Fotos von ihrer Umgebung. An Bord der beiden Sonden waren je drei Experimente, die in den entnommenen Bodenproben Mikroben nachweisen sollten. Alle drei Experimente erbrachten jedoch keinen Beweis für Leben. Aber durch die Untersuchung der Viking-Sonden stellte sich heraus, dass die Marsoberfläche chemisch anders zusammengesetzt war, als man erwartet hatte. Auf diese Zusammensetzung der Marsoberfläche waren die drei Experimente aber nicht vorbereitet. Insofern können nach heutiger Ansicht diese drei Experimente keine Aussagen über das Vorhandensein von Leben auf dem Mars machen. Das Marsgesicht Die Viking-Mission bestand aber nicht nur aus den Landekapseln, sondern auch aus zwei Orbitern, die den Mars umkreisten und dabei auch die Oberfläche kartographierten. Beim Überfliegen der Region Cydonia machte Viking 1 das folgende Foto einer Gesteinsformation, die aufgrund des Schattenwurfs wie ein menschliches Gesicht aussieht. Durch dieses „Marsgesicht“ erhielten Spekulationen über vergangenes Leben auf dem Mars neue Nahrung. Sogar in dem mystischen SF-Film „Red Planet“ von Brian de Palma tauchte das Marsgesicht auf. 1998 überflog jedoch die Marssonde „Mars Global Surveyor“ erneut die Region Cydonia und machte ein zweites Foto der „Marsgesicht“-Gesteinsformation. Das Ergebnis ist ernüchternd: das „Gesicht“ entpuppt sich als ein Berg mit Kratern – der zweifellos natürlicher Herkunft ist.
Marsmikroben in Meteoriten?
Zwei Jahre vor „Mars Global Surveyor“ jedoch hatte ein anderer Fund die Forscher aufgerüttelt. In der Antarktis war 1984 der Meteorit ALH84001 gefunden worden, der zweifelsfrei vom Mars stammt (wahrscheinlich wurde er durch einen Asteroideneinschlag auf dem Mars aufgewirbelt, verließ das Schwerefeld des Mars und stürzte letztendlich auf die Erde). Im Inneren dieses ca. 3.5 Milliarden Jahre alten Meteoriten fand ein amerikanisches Forscherteam 1996 kristalline Spuren, die sie als fossile Überreste von Mikroben deuteten. Der Befund wurde jedoch von einigen anderen Forschern bezweifelt. FazitDie bisherige Suche nach Leben auf dem Mars war weitestgehend erfolglos, sieht man von den möglichen Lebensspuren in ALH84001 ab. Ein eindeutiger Beweis steht bis heute aus. Auf die Ergebnisse der aktuell laufenden Marsmissionen darf man gespannt sein.
Volkmar Kuhnle, August 2003 |
Mars - astronomisch
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