Homo Magi - Sonderthema Mars

Die Erdnähe des Mars aus astrologischer Sicht

von XXX, Astrologin

Die besondere Erdnähe von Mars ist auch aus astrologischer Sicht von gewissem Interesse -  aber nur indirekt und mit Sicherheit ganz anders, als man auf den ersten Blick erwarten würde. Besonders seit dem Anschlag auf das WTC verfolgen Astrologen weltweit mit Argusaugen, wo Mars gerade steht. Die Hauptverdächtigen sind jedoch Saturn und Pluto, die sich damals am Himmel genau gegenüberstanden. In zahllosen Veröffentlichungen spiegelt sich der Versuch, stetig wachsende Ängste irgendwie in den Griff zu bekommen. In dieser sensiblen Grundstimmung werden gerne auch Faktoren registriert und integriert, die sonst niemand zur Kenntnis nehmen würde. Sprich - für die Berechnung und Interpretation eines Horoskops spielt es keine Rolle, wie groß der momentane Abstand zur Erde ist. Es geht nicht um Helligkeit, Größe oder Dichte, warum sollte es dann um Lichtjahre gehen. Das Himmelsmodell der Astrologie folgt geometrischen Regeln, nicht physikalischen.

Seit Menschengedenken, nein, seit Menschheitsgedenken gab es zu keiner Zeit eine bessere Möglichkeit, den roten Planeten mit eigenen Augen zu sehen. Auf der ganzen Welt werden unzählige Menschen in den Himmel blicken, um diesen Anblick zu erleben. Manche werden lange darauf vorbereitet sein und mit ihren Teleskopen auf günstigen Beobachtungsposten hocken. Andere werden zufällig in einer weiteren lauen Sommernacht am Himmel einen auffallenden, rötlichen Lichtpunkt bemerken und irgendjemand wird dann wissen: „Das ist der Mars!“  

Der durchschnittliche Astrologe des Jahres 2003 hat kein Teleskop, sondern einen Computer und eine Menge Bücher. Er kennt die Planeten in erster Linie als Symbole auf einer Zeichnung. Falls er von der Erdnähe des Mars zufällig Kenntnis erlangt hat, wird er vielleicht sein Astro-Programm ein bisschen vorab herumrechnen lassen und das Horoskop des Augenblicks der maximalen Nähe erstellen. Papier.

Welch ein Unterschied zu Astrologen von früher, sagen wir mal vor tausend Jahren. Wie beeindruckt wären sie wohl gewesen, wenn der Mars immer größer und größer zu werden scheint? Mars ist nicht umsonst die römische Entsprechung des griechischen Kriegsgottes Ares und hatte einen völlig anderen Bedeutungsinhalt als heute. Er stand für Krieg, Blut, Feuer, Waffen, Eisen, Gewalt und Tod. Er herrschte über die Zeichen Widder und Skorpion. Ähnlich gefürchtet war nur der Saturn, der zur Zeit ebenfalls in maximale Nähe kommt. Er stand für den Gevatter Tod, das jüngste Gericht oder gar den Teufel persönlich. Im Zusammenhang mit der Beobachtung von Mars und Saturn erwartete man nichts Gutes und sah kommenden Ereignissen bangend entgegen; um so mehr, wenn es eine Verbindung zwischen beiden gab.

Aber die Zeiten ändern sich und mit ihnen ändern sich die Denkmodelle. Gerade die radikalen Seiten des Mars ordnete man dem 1930 entdeckten Pluto zu, der auch der neue Herrscher des Skorpion wurde. Damit sollte der Mars eigentlich entschärft sein, aber es gibt wohl kaum etwas, was man schwieriger los wird als ein schlechtes Image.

Fortschrittliche astrologische Schulen beurteilen den Mars relativ neutral als die Fähigkeit, die Initiative zu ergreifen, als Durchsetzungskraft und Erstimpuls. Auch die von Mars symbolisierte Aggression wird nicht negativ gewertet, sondern wörtlich aus dem Lateinischen abgeleitet als „auf (etwas) zugehen“. Dies erinnert uns daran, dass der mythologische Ares mit seiner Geliebten Aphrodite (Venus) mehr als zwei Kinder hatte. Die zwei Monde des Mars heißen nach seinen Söhnen Phobos und Deimos: Furcht und Schrecken. Es gibt aber noch weitere Kinder: Eros und Antares, das sind Liebe und Gegenliebe,  und ... Harmonia. (Gibt es eigentlich Himmelskörper mit diesen Namen? Falls nicht, wäre es mal höchste Zeit, sie zu finden.) Falsch ist definitiv die beliebte, aber vorschnelle Schlussfolgerung, dass Mars nun gleich der Planet der Leidenschaft sei. Irgendetwas Gutes muss ja auch für Pluto bleiben.

Ich habe eingangs festgestellt, die Erdnähe des Mars habe eine andere astrologische Bedeutung, als man erwarten würde. Geh doch mal abends raus und sieh selbst. Das faszinierende Schau-Spiel unseres Nachbarn im Weltall kann uns nämlich daran erinnern, dass es einst eine reine, puristische Astrologie gab, in der man wesentlich näher an der Sache war als heute. Eine Astrologie, in der man einfach die Planeten von Sonne bis Saturn - plus später Uranus, Neptun und Pluto - anschaute. Sie sind nach wie vor die Basis. Wenn man die Basis hat, kann man immer noch die Ephemeriden von 57 Asteroiden nachschlagen, drei unterschiedlich ermittelte Arten von Lilith berücksichtigen und dann per Computer alle nur denkbaren Prognosemethoden drüberlaufen lassen.

Natürlich kommt man damit zu jedem gewünschten Ergebnis und die Unterschiede zu einer altertümlich-abergläubischen Sichtweise beginnen zu verschwimmen. Nach einer Stunde Surfen auf Astro-Seiten im Internet weiß man, dass sämtliche Kreuz-und-quer-Vergleiche der Horoskope von Bush sen., Bush jr., Blair, Hussein und dem Gründungshoroskop der USA mit dem Horoskop der Erdnähe eine besondere Betonung von  - na, wem wohl? – Mars aufzeigen. Darauf wären die alten Sterndeuter locker auch gekommen, dass da gerade irgendetwas mit Mars (und Saturn!) im Gange ist, und ihre Spekulationen könnten nicht wilder sein.

      

 

 XXX, August 2003

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