Homo Magi Lyrik

Gedichte von Homo Magi und Teammitgliedern

alle Gedichte: Homo Magi, sofern kein anderer Autor explizit angegeben ist

 

Zu mir ist gekommen a Schamane (Di grine Kuzine)

Melodie:
www.youtube.com/watch?v=HggW2tdn6p8
www.klesmer-musik.de/grine_kusine.htm

Zu mir ist gekommen a Schamane,
mit ‘nem alten Indianername.
/: Mit dem Krafttier, welches alte Elche,
und Tarot-Tattoos mit Schwert und Kelche. :/

Tat ganz viel mit seinem Wissen strunzen,
darum gab ich ihm ganz viel Penunzen.
/: Dass ich dort an viele Wochenende
Weisheit, Krafttier und die Chakren fände. :/

Klangschalen durft‘ stundenlang ich rühren,
sollten Weg zur Weisheit für mich führen.
/: Doch mein Krafttier waren wohl die Schafe,
bin bei Geistreis‘ tiefig eingeschlafe. :/

Während and’re schnell zu Wissen fanden
hab‘ ich Medizinrad nicht verstanden.
/: Indianergeister haben mich verlasse,
tat ich 100 Euro mehr in Kasse. :/

Eingeweiht in alle Meistergrade
wurd‘ ich dann zum Stammesrat gelade‘.
/: Hab‘ beim letzten Test ich dann gelitten,
weil mein halber Meter war beschnitten. :/

Wechsel jetzt den Glauben und die Welten,
nächstes Ziel ist Avalon und Kelten.
/: Weil ganz früh die Stämme von Germanen
dorthin von Atlantis direkt kamen. :/

Lieder, in den Wind gepupst

Sing‘ ich dem Winde meine Lieder,
geb‘ ich sie dem Säuseln hin.
Und die Brise bringt sie wieder,
weht ganz sanft, mein Lied im Sinn!

Bring ich den Wellen meine Klänge
dar, an eines Meeres Strand.
Hör‘ ich im Rauschen, so als sänge
das Lied zurück mir an das Land.

Geb‘ ich den Flammen meine Reime,
knistern Silben in der Loh.
Glüh’n in der Asche noch die Keime
neuer Zeilen, hell und froh.

Tanz ich der Erde meine Zeilen,
dröhnt der Boden meinen Takt.
Endlos könnt‘ ich so verweilen,
wenn die Schwinge Schwingung packt.

Doch schenke ich den Menschen Singen,
schweigt sie schnell, die stille Schar.
Mir stattdessen Labsal bringen
alle Elemente dar.

Stumm sind so, die Stimmen bringen,
wortreich die, die wortlos sind.
Doch die Elemente singen,
wenn die Menschen sangesblind.

 

Neubeginn

Es liegt in jedem Neubeginn
ganz innen tief ein Zauber drin,
welchen, wenn man lang ihn sucht,
man am Ende doch verflucht.

Weil, was am Ende man gefunden
nach suchend zugebrachten Stunden
ist kleiner, als man sich erhofft –
so ist es nun bei Zaubern oft.

Manchmal fühlt man sich betrogen
wenn der Zauber schnell verflogen,
flüchtig, wie halt Zauber sind,
weht er fort im ersten Wind.

Und man sieht ihn langsam steigen,
wie es ist den Zaubern eigen,
und er wird schnell klein und kleiner.
Oft fragt man sich so: „War da einer?

Oder hab ich nur empfunden,
dass den Zauber ich gefunden?“
Egal. Im nächsten Neubeginn
Steckt ein neuer Zauber drin.



Deren Füße sanftes Schreiten

Wie einst Priesterinnen schritten,
durch das siebentor’ge Theben,
deren Füßen sanftes Schreiten
füllten Troja einst mit Leben.

Wie Vestalinnen gegangen,
gold’ne Bänder um das Bein,
Fesseln, schlank wie junge Birken,
Priesterinnen; edel, rein.

Deren Zehen leises Tappen
Marmorglanz zum Jauchzen bringt.
Alte Tempelmauern preisen
die, die gehend leise singt.

Schlanke Fesseln, da der Schimmer –
teuren Öles matter Glanz.
Weiß nicht – schreiten sie zum Tempel
oder schreiten sie zum Tanz?



Zur Magie

Ihr, die ihr euch Meister deucht
seid doch nur Tandgestalten,
braunes Laub im kalten Wind
der ew’gen Gottgewalten.

Ihr, die ihr euch Meister nennt
seid doch nur alter Plunder,
trifft der göttlich’ Funke euch
verpufft ihr doch wie Zunder.

Ihr, die ihr euch Meister schimpft
könnt nie Magie regieren,
die Magie regiert kein Mensch,
Magie sucht sich die ihren.

Ihr, die ihr euch Meister heißt,
ihr seid nur Wissens-Klauber,
mal stehlt ihr einen Gegenstand,
mal klaut ihr einen Zauber.

Doch der Zauber des Gedichts,
den Geist der Melodien,
dass ihr den regieren wollt,
das hab’ ich nicht verziehen.

Eine sanfte Melodie
mit zaubermächt’gen Zeilen
lockt viel mehr als jedes Buch
den Sucher zum Verweilen.

Und hab’ ich ihn in meinen Netz
mit Worten und mit Tönen
kann ich ihn auch solang ich will
von eurer Macht entwöhnen.



Die Welt

Die Welt, sie stand in Flammen,
verbrannt war alles Sein,
verloren und vernichtet
im hellen Feuersschein.

So griffen dann Dämonen
nach meines Herzens Glut,
zu zerreißen und zu trinken,
mein Leben und mein Blut.

Sie rissen mir die Därme
aus meinem wunden Leib,
und fraßen meine Seele,
im Anbeginn der Zeit.

Bevor die Schmerzen kamen
erstarrte ich und fror,
am Ende alles Lebens,
das sich im Nichts verlor.

Oh Mutter, hör mein Rufen.
Gebrauche deine Macht!
Hättest du mich nie getrieben
hinaus in jener Nacht.


Lied des Things (Die Partei hat immer recht) (1950)
Bearbeitung: Hermann Ritter (2014)

Es hat uns alles gegeben,
Sonne und Wind und nie geizte es.
Wo es war, war das Leben,
Was wir sind, sind wir durch es.
Es hat uns niemals verlassen,
Fror auch die Welt, uns war warm.
Uns schützt der Vater der Massen,
Uns trägt sein mächtiger Arm.

Refrain:
Denn das Thing, denn das Thing,
das hat immer recht
Und Asatru, es bleibe dabei,
Denn wer kämpft für das Recht,
Der hat immer recht
Gegen Lüge und Ausbeuterei.
Wer das Leben beleidigt,
Ist dumm oder schlecht,
Wer die Menschen verteidigt,
Hat immer recht.
So aus Odin‘schem Geist
Wächst als Ring fest geschweißt
unser Thing, unser Thing, unser Thing.

Es hat uns niemals geschmeichelt.
Sank uns im Kampfe auch mal der Mut,
Hat es uns leis nur gestreichelt:
„Zagt nicht!“ und gleich war uns gut.
Zählt denn noch Schmerz und Beschwerde,
Wenn uns das Gute gelingt,
Wenn man den Ärmsten der Erde,
Freiheit und Frieden erzwingt?

Refrain:
Denn das Thing, denn das Thing,
das hat immer recht
Und Asatru, es bleibe dabei,
Denn wer kämpft für das Recht,
Der hat immer recht
Gegen Lüge und Ausbeuterei.
Wer das Leben beleidigt,
Ist dumm oder schlecht,
Wer die Menschen verteidigt,
Hat immer recht.
So aus Odin‘schem Geist
Wächst als Ring fest geschweißt
unser Thing, unser Thing, unser Thing.

Es hat uns alles gegeben,
Sumbeln und Bloten und den großen Plan.
Es sprach: „Meistert das Leben,
Vorwärts Asatru, packt an.“
Hetzen die Riesen zum Kriege,
Bricht euer Bau ihre Macht.
Zimmert das Haus und die Wiege,
Asatru, seid auf der Wacht!

Refrain:
Denn das Thing, denn das Thing,
das hat immer recht
Und Asatru, es bleibe dabei,
Denn wer kämpft für das Recht,
Der hat immer recht
Gegen Lüge und Ausbeuterei.
Wer das Leben beleidigt,
Ist dumm oder schlecht,
Wer die Menschen verteidigt,
Hat immer recht.
So aus Odin‘schem Geist
Wächst als Ring fest geschweißt
unser Thing, unser Thing, unser Thing.

Am Kreuzweg der Zeit

Am Kreuzweg der Zeit steht seit uralten Zeiten
die Kneipe, die lang‘ vor uns Menschen bestand.
Von dort führen Straßen und Wege und Pfade
in jedes am Anfang erschaffene Land.

Wo bemooste Pfeiler, Zinken am Baume,
metallene Schilder die Straßen markier’n,
wo Lieder, Gedichte, Sinnsprüche, Zauber
für wissende Wege und Tore tradier’n.

Früh hier nackte Sohlen den Boden verehrten,
flog SPQR als der Römer Geleit.
Vandalen, Awaren, Zigeuner wie Kelten,
sie alle hier reisten im Ablauf der Zeit.

Kreuzritter mit Weihrauch und Goden mit Runen,
drei Wicca-Touristen und Avalons Brut,
Templer und Ketzer, Häretiker, Hexer,
Stella Matutina und Silberweg-Blut.

Ein Bier an der Theke wird jedem geboten,
die Münze ist Silber, doch langt auch ein Lied.
Das Gastrecht ist ehern und uralte Sitte –
Wer weiß schon, was hier nach dem Fortgang geschieht?

Der Ort hier – so hell wie die Kerze im Fenster –
spendet dem Wanderer klärendes Licht.
Drum wartet nicht länger, los: bucht eure Betten!
Die Kneipe am Kreuzweg ist Ostara Pflicht!

Im Haus des Gehängten schweigt man vom Strick

Mein Wagen lag am Straßenrand,
weit draußen in der Walachei.
Die Gegend war mir unbekannt,
die Karte hatt‘ ich nicht dabei.

Drum stieg ich aus und schritt voran;
die Dämmerung hernieder fiel.
Wie dankbar war ich endlich dann –
ein Wirtshauslicht wurde mein Ziel.

Ein Hammer hing als Zeichen dort.
Die schwere Holztür drückt‘ ich auf,
beäugte kritisch diesen Ort,
die Hand noch sichernd fest am Knauf.

Einäugig funkelte der Wirt
mich an mit seinem glühend‘ Blick,
und murmelt leis, doch hör‘ ich’s wohl:
„Im Haus des Gehängten schweigt man vom Strick.“

An den Tischen – zwanzig Mann,
und Schweigen liegt wie schweres Tuch.
Zwanzig Gesichter schau‘n mir zu,
schweigend – wie unter einem Fluch.

„Mein Wagen“, wispere ich leis,
und schreite forsch der Theke zu.
Die Maid taucht auf – „Heut‘ keine Speis!“
und klappt dabei die Karte zu.

„Ein Bier – und dann ein Telefon?“
„Beides führen wir hier nicht!“
Ich schau mich um und fühle schon
verdutzt entgleist mir mein Gesicht.

Grollend spricht der große Wirt:
„Mit sowas habt ihr hier kein Glück!“
Wendet den Blick und spricht zu sich:
„Im Haus des Gehängten schweigt man vom Strick.“

„Was habt ihr denn für einen Mann,
der verloren und durstig vor euch steht?“
Der Wirt schaut nachdenklich mich an.
„Verloren … ach … wir haben Met.“

Wie Eis, das laut und krachend bricht,
erhellen Mienen sich im Raum.
Aus manchen Augen bricht ein Licht,
so hell – ich kannte so was kaum.

Ein Grummeln hier, und dort ein Klang,
wie ein erster Ton der Melodie
die mein Vater leise sang,
als ich schlief auf seinem Knie.

Lächelnd fast der alte Mann,
aus einem Auge bricht ein Blick,
der mich berührt, und er spricht laut:
„Im Haus des Gehängten schweigt man vom Strick.“

Bald kamen die ersten und tranken mir zu,
ein Becher mit Met stand auf einmal vor mir.
Wir sprachen, wir tranken, und wie im Nu
wechselten wir vom „Euch“ zum „Dir“.

Vergessen mein Unglück, vergessen die Nacht,
die draußen die Menschen in Alpträume treibt.
Und langsam das Reden, das Singen erwacht,
die Erinnerung an die Sagen mir bleibt.

Die Stunden verschwinden in fröhlicher Schar.
„Wer sind diese Menschen?“ Vergessen die Frag‘.
Ich schwöre nur, es war alles wahr,
wir endeten erst, als klopfte der Tag.

Ein Auge, es blitzte nun unter ‘nem Hut –
er sprach: „Geht heim, genießt euer Glück.
Der Wagen ist heil und ihr seid es auch.
Im Haus des Gehängten schweigt man vom Strick.“


 

Ich trag den Gürtel eines Toten

Ich trag den Gürtel eines Toten,
einen Ring von lieber Hand,
ein Hemd, geschenkt von einem Fremden,
von dem Freund ein buntes Band.
Ein Loch im Ohr, von alter Liebe,
die krumme Nase – alter Streit.
Und manche Linie grub der Finger-
Nagel mir im Lauf der Zeit.

Refrain:
Wortverdreher, Wyrdversteher,
Wanderer auf toten Wegen,
Wirker, Wandler, Wunderheiler,
Namen sind oft Fluch wie Segen.
Zauberer und Zäunereiter,
Seelensucher, Streiteschlichter,
Tor und Tor und Tyr und Tür,
Romancier und Liederdichter.

Mein Körper, der ist voller Narben,
die mancher Klinge Stahl mir schnitt.
Ein Eid, ein Streit, und viele Ärzte
unter deren Schnitt ich litt.
Mein Haupt wird herbstlich, wie ein Nebel
senkt sich die Gräue auf das Haar.
Und wie beim Baum mit seinen Ringen
markiert die Gräulichkeit das Jahr.

Refrain:

Doch wenn du glaubst, ich würde weichen,
beschimpfst mich gar als alten Sack –
dann sei gewarnt, es gibt Kanonen
auf manchem müden, morschen Wrack.
Ich duze alle die Dämonen,
die dir heut Nacht den Schlaf geraubt.
Und als du noch Eiweiß und Wasser
hab‘ ich dem alten Weg getraut.

Refrain:

Komm komm, ich wart auf deinen Zauber,
lehn‘ mit dem Rücken an der Wand,
halt‘ meinen Stock, rauch‘ eine Pfeife
und mustere dich ganz entspannt.
Mir geben Narben, Nägel, Nieten
und Schicksalsfäden meinen Halt.
Ein letztes Wort noch vor dem Ende:
Nur gute Magier werden alt.

Refrain:

 

Ferner Schatten schlanke Finger

Ferner Schatten schlanke Finger
tanzen auf dem Wiesengrund,
und sehr schläfrig liegt im Dunkel
der alte, heil’ge Steinenrund.

Dolmen steh‘n wie alte Zähne,
das Moos sie wie ein Kleid verziert,
wenn des Mondes volles Funkeln
sich auf ihnen fast verirrt.

Leise liegt das Gras, fast schlafend,
liegen Wald und Wiese hier,
und ganz leise, nicht mal wispernd,
wartet schweigend das Getier.

Wie in Hauch, ein leises Flüstern,
spricht der Hexer seinen Fluch;
und das Sternenzelt bedecket
alles mit dem klaren Tuch.

Und ein Gott erhört die Worte,
hört sie fern im Firmament,
hört den Fluch und den Gedanken,
der dem Fluche immanent.

Hebt die Hand mit einer Geste,
die man nur von Göttern kennt,
deutet nieder, auf die Wiese,
zeigt herab vom Firmament.

Wo gerade noch stand ein Hexer,
auf den Lippen seinen Spruch,
ist jetzt Ruhe, wieder Schweigen
und ein wenig Brandgeruch.

Wenn du rufst die alten Götter
auf der alten Steine Platz –
merke dir die weisen Worte,
Wunsch, nicht Fordern, sei dein Satz.

Lass die alten Götter schlafen,
halte dich vom Fordern fern,
denn die alten, weisen Götter,
hören nur dein Wünschen gern.

Felder

Felder stehen für die Nahrung,
Elysium für Göttlichkeit,
Mysterium für das Geheimnis,
Spiele für die Fröhlichkeit.

Nähren soll uns altes Wissen,
nähren wir der Menschen Geist;
vergessen niemals, dass dies Lernen
bis zur letzten Reise heißt.

Doch: Im Vergleich zu jedem Gotte
sind wir Menschen plump und dumm.
Manchmal brennt ein Wetterleuchten –
göttliches Mysterium.

Felder stehen für die Nahrung,
Elysium für Göttlichkeit,
Mysterium für das Geheimnis,
Spiele für die Fröhlichkeit.

Nähren soll uns altes Wissen,
nähren wir der Menschen Geist;
vergessen niemals, dass dies Lernen
bis zur letzten Reise heißt.

Doch: Im Vergleich zu jedem Gotte
sind wir Menschen plump und dumm.
Manchmal brennt ein Wetterleuchten –
göttliches Mysterium.

Farbenspiele

Während ich aufs Heilen warte
ließ ich wachsen meinen Barte.
Und als ich in den Spiegel schau:
Mist! Da war der Bart dann grau.

Wo in den vergang’nen Jahren
kopfwärts dunkle Haare waren
sind nun in der Lockenlücke
winzigkleine graue Stücke.

Auch am Hals bleibt nichts beim Alten –
Kinn an Kinn mit vielen Falten.
Wo rosig einst die Körperhaut
nun die Haut ein wenig graut.

Seufz, diese Farbe kann ich tragen,
doch ich muss es leider sagen:
Statt dem Grau auf dieser Reise
wär ich lieber weiß und weise.

Als die Ahnen...

Eichen, Eiben, lichte Lücken,
Sonnenseen im dunklen Tann,
Holler, Hasel, bunte Blumen,
trotzten tausend Jahre lang.

Hier erhoben grimm die Götter
weise wirkend hoch ihr Haupt,
sprachen Sätze, kiesten Kunde,
was verbogen, eh‘ erlaubt.

Als die Ahnen noch gezogen
weiland wandelnd durch den Wald;
hielten Hof in heilg’gen Hainen,
gaben Gaben hin beim Halt.

Ach die Ahnen, denen dräute
Göttergeist im freien Feld –
wir vertrieben alte Orte
Fortschritt fordernd von der Welt.

Heute heulen wilde Wölfe
Mondes Muster nächtlich nie.
Keine Krieger beugen bange
Hohe ehrend gern das Knie.

Saumselig sind sterblich‘ Schritte,
meiden Moore, flieh‘n die Flur.
Kleine Geister, glaubt die Götter
weilen wild‘ im nächt‘gen nur?

Grabt im Keller, sucht auf Straßen,
holt im Hochhaus klare Kraft –
Götter gleißen Weisheit wirkend,
dort, da Göttlichkeit sie schafft.



Einmal noch

Einmal noch, bevor ich sterbe,
will ich einen Zauber weben.
Alle jene soll er grüßen
die berührten je mein Leben.
Er soll ihnen Bilder schenken
und die alten Lieder singen,
aus dem Zauber meines Lebens
ihnen einen Abglanz bringen.

Einmal noch, bevor ich sterbe,
will ich auf die Klippen steigen,
wo die Väter ihren Söhnen
fremde, ferne Küsten zeigen.
Will in blaue Wellen schauen,
will von fernen Ländern träumen,
deren Städte, deren Äcker
jene fernen Küsten säumen.

Einmal noch, bevor ich sterbe,
will ich beim Feind die Schuld begleichen,
weil mit den Zeiten vor den Augen
alte Feinde Freunde gleichen.
Will mich nicht der Narben schämen,
die die Jahre eingegraben,
denn ich weiß, dass Feind wie Freunde
selber von mir Narben tragen.

Einmal noch, bevor ich sterbe,
will ich deine Lippen küssen
die von Liebe und vom Leben
mehr als jeder Seher wissen.
Kann nur hoffen drin zu finden
Kraft für einen Neubeginn,
denn die Bläue ihrer Tiefe –
sie gibt meinem Leben Sinn.



Ewiges Suchen

Ach wäre das ewige Suchen
doch eines Tages vorbei
und wehte der Wind leise säuselnd
mir jede Antwort herbei.

Das Schreiten von Leben zu Leben
und dort noch von Jahr zu Jahr;
das ewige Ringen und Sinnen
was kommen wird und was war.

Die Schleier der Zeit vor den Augen,
Klammern aus Stahl um den Geist,
und immer erneut wieder lernen,
was man seit Leben schon weiß.

Um viele Äonen zu schlafen
bis das Elysium harrt,
und dort bis zum Ende der Zeiten
güldene, glückliche Wart.

Die Rast, die vergönnt, ist nicht lange,
ich greife wieder zum Stab
und wiege das sterbliche Schicksal
gegen das Gut, das ich hab.

Ich schreite, ein Lied auf den Lippen,
durch dunklen Tann hin zum Licht,
das Leben wurd‘ mir übergeben,
darum fürcht‘ ich die Sterblichkeit nicht.

Lila Segel

Unter den lila Segeln ihrer Traurigkeit
segelt mein Schiff die Küste entlang.
Oft scheute ich das Meer, lauschte nur
hinaus über der Brandung Klang.

Die Borde ist mir gut vertraut,
dort stehe ich und schaue nur
und wähne hinterm Horizont
von El Dorado eine Spur.

Den Anker lichten wir heut Nacht
und lassen alles, was uns teuer,
und fahren auf die hohe See,
nur der Wind bewegt das Steuer.

Und wenn wir dann vom Meer verschlungen
oder an einem Riff zerschellt,
dann sind wir ganz und gar verschwunden
vor den Augen aller Welt.

Doch vielleicht, wer weiß es wirklich,
finden wir der Sel’gen Strand,
finden hinter Wasseröde
eine Art verheiß’nes Land.

Dort dann werden wir uns betten,
irgendwo, weit fern von hier,
und können dort für immer träumen,
von Göttern, Wundern und von Ihr.


Der Kreis

Der Kreis, der ist nicht Asatru,
und sie versteinert starren
bringt einer seine Klampfe mit –
Wicca, das sind Gitarren.
Der Opferdolch, er ist verpönt
und niemand schützt den Osten,
Hauptsache der Asatru
kann 14 Mete kosten.

Refrain:
Obwohl den Kreis der Wicca teile
ham wir keine Vorurteile.
Doch was nicht historisierend
ist für viele irritierend.
Dank Phoenix, Arte, BBC
irrt sich der wahre Nordmann nie.
Er kennt den Wert der wahren Quellen
und muss sich niemals Fragen stellen.

Die Wikinger ha’m nie geduscht,
und konnten nicht rasieren,
d’rum würde eine Dusche nie
dem Asatru passieren.
Das Buch? Verpönt! Ist Pfaffenspuk,
das kann kein Mensch gebrauchen.
Leif E. war in der neuen Welt,
nur deshalb darf man rauchen!

Refrain:
Obwohl ...

Das Vinland ist uns wohl bekannt,
darum wird Wein gelitten.
Der Met, das Bier, dazu ein Korn,
darum wird nicht gestritten.
Und irgendwo in Uppsala
gab’s früh T-Shirt Maschinen,
weil nur im echten Baumwoll-schwarz
kann man den Asen dienen.

Refrain:
Obwohl ...

 

Die Nornen

Die Nornen, die das Schicksal weben,
besitzen Macht über das Leben,
und ihre Herzen sind beladen
mit Wissen um des Schicksals Faden.

Gewirkt aus grauen Spinnenfäden
erreichen ihre Bänder jeden,
und binden, was die Welt sonst trennt;
auf das man durch das Band erkennt,
wessen Seele wem verbunden,
wessen Herz für viele Stunden,
nur in seiner Brust laut schlägt
doch wo anders sich bewegt,
weil es dort, so fern geschieden
findet Platz zum niederliegen,
findet Platz, um auszuruh‘n,
und dort Schlag um Schlag zu tun,
was es kann und selten kennt –
das, was man Glück und Liebe nennt.

Die drei Frauen spinnen, weben,
stricken, flicken alle Leben,
und manches Schicksal hier verrinnt
am Stoff, aus dem die Träume sind.

 

Alte Sitte

Trägt der Nordmann bunte Westen
und zwei Blumen am Revers,
setzt er sich dann gegen Gegner
stets mit Löffeln nur zur Wehr,
singt er dabei Heimatlieder,
wenn er wandern geht an Land,
malt dann heidnische Symbole
mit den Füßen in den Sand.

Träumt vom fernen Heimatlande
Daheim, an seinem wilden Fjord.
Singt laut schrecklich lange Lieder –
denn sein Herz, das sehnt sich fort!
Plündert nur sehr widerwillig,
fühlt wie das Opfer seinen Schmerz.
Im Traum, da tut er Lieder singen,
und macht mit Christen einen Scherz.

Refrain:
/: Hei-ho, die Energien fließen,
hei-ho, wir spüren’s in der Mitte!
Hei-ho, zurück zu uns’ren Wurzeln,
hei-ho, vorwärts, alte Sitte! :/

Sind die Klorollen umwickelt
in deinem Asatru-Mobil?
Zur Musik von Bert & Cindy
nähern wir uns dann dem Ziel.
Blumengesteck und Tagesdecken
sind tatsächlich unser Ding.
Nur mit Pril-Blumen am Auto
nähern wir uns dann dem Thing.

Refrain:

Spinat gibt es zum Abendessen,
denn das Eisen ist gesund!
Abends dann am Lagerfeuer:
Afri-Cola in den Schlund!
Nach dem Frühstück einen Sprechkreis,
hier hat jeder selbst die Wahl –
dürfen Frauen auch mitsprechen
dann in uns’rem Ritual?

Refrain:

Doch wenn nachts die Donner rollen
Und am Himmel zuckt der Blick,
hält es uns, wir stolzen Heiden,
dann nicht länger auf dem Sitz.
Während draußen Sterne funkeln
gehen wir dann früh ins Bett –
morgens sind wir ausgeschlafen
und zu uns’ren Frauen nett.


Dem Antares Lieder singen

Schlafend unter alten Hügeln,
tief im Erdreich eingegraben
oder in den Ackerfurchen,
in den Wurzeln, in den Garben.

In den schroffen Felsenklippen,
wo sich die Gezeiten tauschen –
und man hört ihr leises Wispern
sanft in jedem Muschelrauschen.

Mancher Pass übers Gebirge
kreuzt ihre fels’ge Ruhestätte –
Eis und Gletscher geben Kieseln
leise ihre große Glätte.

Ihnen ist die Kraft der Quelle,
die das Erdreich stolz durchbricht.
Höre auf die alte Sprache,
in der nur noch das Wasser spricht.

Was? Du weißt nicht, wessen Träume
dem Antares Lieder singen?
Wessen schlafend‘ Atemzüge
hoch zu den Plejaden klingen?

Nein, du wirst natürlich leugnen,
doch tief drin wissen wir beide:
du bist blind und nennst dich sehend,
ich bin magisch, nenn‘ mich Heide.

 

Freund

Freund, wo deine Lieder hallten,
sind des Herbstes Farben fort.
Grau in Grau, die Nebel wallen,
löschen aus vertrauten Ort.

Freund, wo deine Schritte fielen,
liegt nun bald der erste Schnee.
Meine Augen sind voll Tränen,
weil ich dich verschwinden seh‘.

Freund, wo deine Worte klangen,
liegt bald Nebel morgens dicht.
Traurig, düster die Gefühle,
meinem Innen fehlt das Licht.

Freund, wo du den Freund umarmtest,
blieb im Herz der Funken licht.
Kann dich nicht sehen oder hören
– und vergessen kann ich nicht!

 

Aus Pfuhlen tönen Unkenrufe

Aus Pfuhlen tönen Unkenrufe

dunkle, alte, düst’re Kunde.

Nachts träum‘ ich des Sleipnirs Hufe,

schau‘ verwirrt in düst’re Runde –

einäugig und stolz erhaben,

starken Stock in seiner Hand,

seh‘ die Banner, kenn‘ die Farben,

doch nie betritt mein Fuß dies Land.

 

Asgards hohe, hehre Wälle

funkeln hell im Sternenschein,

draußen rauschen Wasserfälle

in das tiefe Nichts hinein.

Reifes Glitzern auf den Schilden,

neblig tropft das Wort vom Mund,

frostgeborene Gebilde

tröpfeln, tut man Worte kund.

 

Verlegen schau‘ ich in die Reihen,

stumm neigt sich so manches Haupt,

scheinen mir gleich zu verzeihen,

dass mein Traum mich hier erlaubt.

Sehe drauß‘ den Kreis der Wachen,

Wächterfeuer in der Nacht,

von ferne perlt ein leises Lachen,

Helden steh’n hier auf der Wacht.

 

Schweigend steht die ganze Runde,

da beginnt der Sonnenlauf.

Doch ich weiß die schweigend‘ Kunde

als ich wach zuhause auf.

Denn ich weiß, dass sie dort standen,

weiß, das was ich sah wird sein.

Ich sterb‘ tapfer – jenen Landen

will ich meine Kampfhand leih’n

 

Reduzierungen

Wer Götter ständig reduziert

auf „Deutsch“ oder „Germanen“,

reduziert das Göttliche

herab auf lauter Namen.

 

Wer Altes dumm rekonstruiert,

und Edda-Silben zählet,

der leider statt Lebendigem

das Tote nur erwählet.

 

Wer Titel häuft auf seinem Haupt

Aus ungebroch’nen Reihen,

der verwechselt Titel mit

des Götterodems Weihen.

 

Wer Wikinger tief rezipiert

- auch gerne deren Jugend -

für den ist Ehre Treue noch

und Gehorsam Tugend.

 

Die Götter selbst bleiben nicht steh’n,

sie leben durch die Zeiten.

Denn nur ein Gott, der heute ist,

der darf mich jetzt begleiten.

Wenn schneeige Massen

Wenn schneeige Massen

auf Straßen, den nassen,

Verkehrskavalkaden

im Gestöber abladen.

 

Wenn Wasser gefroren

an Nasen und Ohren,

wenn rutschige Gassen

den Verkehr stehen lassen.

 

Wenn Nebelwogen

durch Täler gezogen,

wenn grimmige Winde

ich überall finde.

 

Die nordischen Recken

tu neu ich entdecken,

denn ich steh den Sippen

viel näher als Krippen.

Wilde Jagd

Es braust vom Berg ein Donnersausen,

und harter Hufe Funkenschlag,

mit Blitzen aus der Wetterwolke –

die wilde Jagd, nur einen Tag.

 

Die wilde Jagd, nur einen Tag

Kündet der Raunächt‘ Ende an.

Erst, wenn ihr Ritt durch’s Nächt’ge brandet,

das neue Jahr beginnen kann.

 

Das neue Jahr beginnen kann,

wenn die wilde Rotte ritt.

Mit auf ihren Geisterpferden

reitet meine Hoffnung mit.

 

Reitet meine Hoffnung mit

für ein friedensvolles Jahr,

weiß, dass nun kein Krieg beginnt,

weil der Ritt einnächtig war.

 

Weil der Ritt einnächtig war

Verbring‘ ich eine Nacht im Grausen –

und hör‘s das nächste Jahr erneut –

es braust vom Berg mit Donnersausen!

Wenn von Atlantis weisen Scharen

wurde vertont von Armin Knorr

 

Wenn von Atlantis‘ weisen Scharen,

die Herrscher in der Vorzeit waren,

die Recken landeten am Strand

und brachten Wissenschaft dem Land,

um Geist und Seele aufzuklaren;

 

Wenn von Atlantis‘ klugen Weisen,

die endlos durch die Urzeit reisen,

das Wissen leuchtet wie ein Stern

(gepriesen wird es heut noch gern)

und uns’re Träume darum kreisen –

 

Atlantis, Reich der Hochmagie,

der Traum von dir, er endet nie.

So mancher als dein Sohn erkoren

zurzeit darum wiedergeboren –

hier ist oft Wissen Phantasie.

 

Denn oftmals ist‘s nicht das Blut

das weckt in manchen Seelen Mut.

Es ist nur ein marmorner Traum

aus nem erfund‘nen Weltentraum,

weder Asche hier, noch Glut.

 

Was malt des Künstlers bunter Pinsel

von jener Unterwasserinsel -

in Farben, welche jeder kennt

und man zu Recht phantastisch nennt –

ist selten Fluss und oft Gerinsel.

Die Dunkelheit mit klammen Fingern

Die Dunkelheit mit klammen Fingern

hält fest das Eis, tagaus, tagein,

die Sonne gibt nur Stippvisiten

und lugt nur ein paar Stunden rein.

 

Der Schnee liegt wie ein kaltes Laken

auf tief gefror’nem Erdengrund,

selbst der Riese Surtur zittert

tief in der klammen Gletscher Schlund.

 

Umwunden mit eiskalten Ketten

der Krokus träumt in dem Verlies,

das ihn die Schreckensmacht des Winters

für Monate beziehen ließ.

 

Doch weiß sogar der mächt’ge Winter,

dass seine Herrschaft ist auf Zeit,

denn in der Nacht ganz ohne Sonne

ist Sommerluft nicht wirklich weit.

 

Drei Mal rollt der Mond den Himmel,

dann ist der Winter schon passe!

Drei Mal rollt die weiße Scheibe,

und kein Mensch denkt mehr an Schnee.

 

Drei Mal rollt lunares Leuchten,

und das Grün weicht bunter Pracht.

Drei Mal noch die runde Kugel

- der Krokus träumt in kalter Nacht.

 

Odins Auge

Odin, wenn dir Tränen kommen –

weinst du dann mit beiden Augen?

Oder tut die leere Höhle

nicht einmal für Tränen taugen?

 

Odin, welches Auge gabst du,

tauschtest es für Weisheit ein?

Konnte dort an Mimirs Quelle

das linke mal das rechte sein?

 

Odin, mit nur einem Auge

kannst du von der Zukunft träumen.

Doch mit der verblieb’nen Sehkraft –

siehst du da Tiefe in den Räumen?

 

Odin, da dein Haar ergraute –

ist für Götter Wissen Last?

Schwer ist es, voll zu erfassen,

was du hingenommen hast.

 

Odin, Kinder sahst du sterben,

lange schon, bevor’s geschah –

schlimmer als durch’s sehend‘ Auge

ist, was das tote Auge sah.

 

Odin, ich lausch‘ nicht jenen Stimmen

die vom verlor’nen Auge sprechen.

Du weißt genau, wo’s Auge ist,

und wirst dich an den Spöttern rächen.

Kennen wir uns nicht woher?

Kennen wir uns nicht woher,
ihr seid mir so bekannt.
Es war nicht hier, es war nicht jetzt,
damals, im fernen Land.

Mein Herz, das schlug beim ersten Blick
Hell wie ein Glockenschlag.
Ich weiß nicht, ob’s an diesem Blick
oder Atlantis lag.

Die Seele – ach! So wohlbekannt! –
den alten Freund erkennt,
ich weiß nicht, ob man’s Schicksal
oder Fügung nennt.

Ich sehe alte Bilder,
Marmor, Wellen, Strand,
die ich noch nie gesehen,
doch die mir wohlbekannt.

Ach, Seele, lass das Zerren,
du Herz, verschon die Brust!
Ach Hirn – such nicht nach diesem Bild,
weißt nicht, was du gewusst.

Ein Wo, ein Wann und ein Warum,
warum sind wir uns nah?
Die Seele hat schon lang geahnt,
was dann das Auge sah.

Wenn dann oft im Hier und Jetzt
das Trennende gewinnt –
ich weiß, der güld’ne Sand der Zeit
noch lange weiter rinnt.

Dann: In der Bahn um Jupiter,
auf einer Raumstation.
Ich weiß: auch wenn in ferner Zeit,
Schicksal erfüllt sich schon.

Ferner Schatten schlanke Finger

Ferner Schatten schlanke Finger

tanzen auf dem Wiesengrund,

und sehr schläfrig liegt im Dunkel

der alte, heil’ge Steinenrund.

 

Dolmen steh‘n wie alte Zähne,

das Moos sie wie ein Kleid verziert,

wenn des Mondes volles Funkeln

sich auf ihnen fast verirrt.

 

Leise liegt das Gras, fast schlafend,

liegen Wald und Wiese hier,

und ganz leise, nicht mal wispernd,

wartet schweigend das Getier.

 

Wie in Hauch, ein leises Flüstern,

spricht der Hexer seinen Fluch;

und das Sternenzelt bedecket

alles mit dem klaren Tuch.

 

Und ein Gott erhört die Worte,

hört sie fern im Firmament,

hört den Fluch und den Gedanken,

der dem Fluche immanent.

 

Hebt die Hand mit einer Geste,

die man nur von Göttern kennt,

deutet nieder, auf die Wiese,

zeigt herab vom Firmament.

 

Wo gerade noch stand ein Hexer,

auf den Lippen seinen Spruch,

ist jetzt Ruhe, wieder Schweigen

und ein wenig Brandgeruch.

 

Wenn du rufst die alten Götter

auf der alten Steine Platz –

merke dir die weisen Worte,

Wunsch, nicht Fordern, sei dein Satz.

 

Lass die alten Götter schlafen,

halte dich vom Fordern fern,

denn die alten, weisen Götter,

hören nur dein Wünschen gern.

Ostara

Wenn andere uns / von außen betrachten

so sehen sie Bilder / und selten den Sinn.

In ihren dunklen / Phantastereien

gibt sich die Priest’rin / dem Gotte hin.

 

Und während dann Herne, / der Hirsch und der Jäger,

den mächtigen Phallus / tief in ihr versenkt,

er – frei nach der Bradley – / dem ganzen Lande

Avalon Friede / und Fruchtbarkeit schenkt.

 

Drum sagten wir „Freunde! / Das was wir hier tuen

in Wahrheit ist allen / Medien egal.

Drum lassen wir hängen / des Hernes Gemächte,

lasst sein was sonst nie / ist Ostaras Fanal!

 

Und siehe, die Beiden, / sie standen im Kreise,

manch eine Hüfte / wiegt sich im Takt.

Aus Kehlen Gesänge, / die sonst man nie hörte,

so hat Parodie / hier die Wahrheit gebracht.

 

Was sonst wir nie taten, / um‘s Klischee zu meiden,

war „Wicca“ und „Bradley“ / und nicht Asatru –

die Beiden, sie waren / im Taumel gefangen,

gebannt schauten alle / dem Ritual zu.

 

Wir dürfen nicht länger / in Ängsten verweilen.

Hinaus aus der Nische! / Mit Volldampf, voran!

Wer sich nie traut, / ganz heidnisch zu leben,

kommt niemals als Heide / im Leben ganz an.

Gegen das Schweigen

(wurde vertont von Armin Knorr, gibt es hier zu hören und hier als Video (wmv) zu sehen)

An des Feuers heller Flamme

geht sie leis‘ von Mund zu Mund,

fliegt gewispert immer weiter

in dem frohen Freundesrund.

 

Und die fernen Sterne funkeln

gleißend in dem alten Licht,

das vom Firmament herunter

alte wahre Worte spricht:

 

/: Singt, trinkt, Sterbliche,

erquickt euch an der Glut!

Doch traut euch – singt hinaus mit Schall

mit neu gewonn’nem Mut!.

Euer Leben ist zu kurz

für Feigheit vor dem Freund!

Sagt ehrlich, dass wir alle hier

in einem Geist vereint! :/

 

Des Nachts, da liegen alle still,

jeder in seinem Raum.

Doch manchen neckt in dieser Nacht

ein alter, grauer Traum.

 

Sie sehen Welten fern von hier

und Götter, eine Schar

von Riesen, welche ungeschlacht

beim lauten Singen war.

 

/: Singt, trinkt, Sterbliche,

erquickt euch an der Glut!

Doch traut euch – singt hinaus mit Schall

mit neu gewonn’nem Mut!.

Euer Leben ist zu kurz

für Feigheit vor dem Freund!

Sagt ehrlich, dass wir alle hier

in einem Geist vereint! :/

 

Des Morgens sind sie dann erwacht

und sprechen eine Zunge;

doch reden sie mit halber Kraft,

singen mit halber Lunge.

 

Verstohlen geht noch oft ihr Blick

hinaus ins Menschenrund,

und mancher strenge, fremde Blick,

verschließt noch manchen Mund.

 

/: Singt, trinkt, Sterbliche,

erquickt euch an der Glut!

Doch traut euch – singt hinaus mit Schall

mit neu gewonn’nem Mut!.

Euer Leben ist zu kurz

für Feigheit vor dem Freund!

Sagt ehrlich, dass wir alle hier

in einem Geist vereint! :/

 

Steht die Sonne im Zenit,

schreitet man ins Grün,

und heimlich sieht man viele dann

den Hammer überzieh’n.

 

Doch mancher spürt die Nähe hier

von manchem, alten Gott,

und laute Stimmen klingen auf

bei einem Ahnen-Blot.

 

/: Singt, trinkt, Sterbliche,

erquickt euch an der Glut!

Doch traut euch – singt hinaus mit Schall

mit neu gewonn’nem Mut!.

Euer Leben ist zu kurz

für Feigheit vor dem Freund!

Sagt ehrlich, dass wir alle hier

in einem Geist vereint! :/

 

An des Feuers hellen Flammen,

mitten in der Nacht,

in den Herzen aller Freunde

neue Kraft erwacht.

 

Laut tönt er nun aus Tausend Kehlen,

der alte, weise Klang,

und alte Götter lässt man preisen

mit lautem, kräft’gem Sang.

 

/: Singt, trinkt, Sterbliche,

erquickt euch an der Glut!

Doch traut euch – singt hinaus mit Schall

mit neu gewonn’nem Mut!.

Euer Leben ist zu kurz

für Feigheit vor dem Freund!

Sagt ehrlich, dass wir alle hier

in einem Geist vereint! :/

 

Nur noch einmal Drachen reiten

Nur noch einmal Drachen reiten,
durch den kalten Winterwind;
droben, wo die Wolken schlafen
und die Sterne nahe sind.

Rund um des Drachen Lederschwingen
ist die kalte Luft bereift.
Und man spürt, wie durch den Mantel,
Kälte nach der Seele greift.

Doch ganz warm klingt aus dem Äther
kristallener Planeten-Klang –
wie sie ziehen seit Äonen,
stets die gleichen Bahnen lang.

Milchstraße, du weißes Bann,
starkes Rückgrat jeder Nacht.
Hat doch dein weißer, feiner Schleier
stets mich wieder heimgebracht.

Steh’ ich auf des Daches Rücken,
seh’ dem Drachen steigend nach,
fühl’ ich tief in meinem Innern
wie mein Herz schon wieder brach.

Kommt er wieder? Kann ich einmal
fliegen noch, dem Himmel nah?
Kann von oben dann erkennen,
was von unten ich nur sah.

Hinaus in die Nacht

Wenn die Nebel sich senken
auf herbstliches Laub,
dann erinnert man Zeiten,
die versanken im Staub.

Wenn die Winde kalt wehen
und der Blätterwald rauscht
man leise im Dunkel
die Gestirne erlauscht.

Wenn der Regen so prasselt
und die Nässe aufsteigt
sich im Wald jeder Wipfel
still herniederneigt.

Dann will ich hinaus,
hinaus in die Nacht,
will ich rufen die Geister
die im Nebel erwacht.

Hinaus in die Nacht,
seh’ die Sterne ich gleißen,
die im Dunkel der Nacht
Himmelswege mir weisen.

Im Auge des Sturms
will die Mächte ich finden,
die hinaus in die Nacht
ihre Siege verkünden.

Suchst du starke Streiter

hat eine eigene Seite bekommen

Das Licht wirft sanfte Schatten

Das Licht wirft sanfte Schatten
auf deine weiche Haut.
Winzige Flitter flattern,
so fremd und doch vertraut.

Ein Duft – wie Anemonen
und Mandelblüten schwer,
dazu weht ganz lau vom Fenster
ein Herbsteslüftchen her.

Du schläfst, die Brust hebt sich im Takte
des Atems wohl der ganzen Welt.
Ich halte Wacht, so dass du sachte
den Traum in deinen Armen hältst.

Wenn ich mir jetzt was wünsche,
bei einer güt’gen Fee,
ich wollt, dass sie verwünsche,
so dass der Moment nie vergeh.

Wenn die Dämonen wieder nagen

Wenn die Dämonen wieder nagen

an des Lebens festem Grund.

Wenn die Windgeister verjagen

Sicherheit aus Meer und Sund.

 

Wenn die bösen Geister raunen,

Alp und Traum sind nachts vereint,

schweißgetränkt sind Tuch und Daunen,

nachts das Kleinkind immer weint.

 

Wenn an eitrig, eklen Orten

sich erhebt der alte Wurm

und der Finsternis Kohorten

rüsten sich zum Festungssturm.

 

Wenn die Engel Schwerter schleifen

und die Teufel Kohlen schür’n

und der Hydra Eier reifen,

um zur Schlachtbank sie zu führ’n.

 

Ach, lasst die dunklen Horden walten,

lasst sie schreien, laut und wild.

Ich will jede Bresche halten –

an der Wand hängt stumpf mein Schild.

 

Jetzt geh‘ ich erst eine rauchen,

Hektik ist uns Magiern fern.

Man ruft mich – sollt‘ man mich brauchen,

bis dahin, Lichte, habt mich gern‘.

Deren Füße sanftes Schreiten

Wie einst Priesterinnen schritten,
durch das siebentor’ge Theben,
deren Füßen sanftes Schreiten
füllten Troja einst mit Leben.

Wie Vestalinnen gegangen,
gold’ne Bänder um das Bein,
Fesseln, schlank wie junge Birken,
Priesterinnen; edel, rein.

Deren Zehen leises Tappen
Marmorglanz zum Jauchzen bringt.
Alte Tempelmauern preisen
die, die gehend leise singt.

Schlanke Fesseln, da der Schimmer –
teuren Öles matter Glanz.
Weiß nicht – schreiten sie zum Tempel
oder schreiten sie zum Tanz?

Der Runen Laut

Der Runen Laut, / der endlos scheint zu hallen,
'verheißt dem einen / Wohlstand und Gewinn.
Wer durch des Schicksals / weiten Wurf aus allen
hervorgehoben, / gibt dem Leben Sinn.

Wer sinnhaft lebt, / der folgt der Nornen Faden,
so wird zum dichten Netz / sein Schicksalsstrang.
Er ist mit Macht / und Bürde voll beladen,
die ihn doch stützt, / sein ganzes Leben lang.

Wer jemals meint, / er könnt in eitlem Eifern,
der Runen Losung / locker leicht entgeh’n,
der wird an seinem Schicksal / niemals reifen,
der wird von ihm erdrückt, / daran vergeh’n.

Der Runen Laut, / er zieht durch alle Welten,
sein hallend Klang / tönt ewig voll und klar.
Das Schicksal tragen, / so soll’s allen gelten,
man selbst zu sein, / ganz voll und wirklich wahr.

Wer Knoten löst, / den Faden will entwirren,
des Schicksals Meister / selber sucht zu sein.
Der stolpert nur, / verhängt sich in den Fäden,
entwirret nicht, / er wird verwirrt nur sein.

 

Nach dem Ritual

Dann, wenn die Feuer einer Nacht
sind geworden kalter Rauch;
wenn des Lebens Herrschaft wieder
Sitte, Übung, Muster, Brauch.

Wenn des Kreises ganze Fülle
nur noch Ausschnitt, nur Segment;
wenn, was mehrheitlich verbunden,
jetzt vereinzelt, gar getrennt.

Wenn, was wir gemeinsam fühlten,
was wir ehrlich uns gesagt,
dann im Bande fremder Regeln
regelmäßig hinterfragt.

Bleibt in des Geistes dunklen Höhlen
noch ein Glimmern – winzig, schmal.
Zieht durch’s Ohr noch leises Raunen,
Nachklang aus dem Ritual.

Jeden Zweifel, jedes Fragen,
nehm’ ich billigend in Kauf.
Was das Ewige gebunden,
löst der Sterbliche nicht auf.

Ein Haar 

Lau und leise weht der Wind,
er singt in meinem Ohr,
zerwühlt die braunen Locken mir
und weht den Kragen vor.

Oh da – ein Haar! Ich lecke schnell
es mit der Zunge fort.
Da schmeck ich einen fremden Reiz
an diesem, meinem Ort.

Du, dein Geschmack, er hängt noch dort,
wild klammert er sich fest.
Es haftet von der schönen Nacht
noch ein winz’ger Rest.

Ach! Ich spür’ dich auf der Haut,
seh’ dich im Sonnenlicht.
Hör’ deinen Herzschlag tief in mir,
nur dich schmecken kann ich nicht.

 

 

Alp

 

dieses Gedicht kann man sich auch anhören

Text: Hermann Ritter; Melodie, Instrumente: Ragin; Gesang: Eira

 

Des Nachts, wenn Traumes Alp mich zwingt,

die Seele tief hernieder sinkt,

hinab, in Hels dunkle Gefilde.

Dort sah ich manches Traumgebilde;

über vieles muss ich schweigen,

manches könnt ich euch nur zeigen,

über manches darf ich dichten –

etwas will ich euch berichten.

Es standen dort der Toten viel

um eines großen Schiffes Kiel

Wachsend aus Myriaden Nägeln

wird es einst die Welten segeln.

Dann schwappt das große Totenheer

dem Schiffe nach über das Meer.

Sie bringen Kriege, Zwist und Streit,

in Winter-, Axt- und Schwerterzeit.

Ich sah das Schiff in voller Pracht,

doch – da endete die Nacht.

Schweißgebadet in den Decken

tat mich die güld’ne Sonne wecken.

Solang dem Schiff noch Nägel fehlen

da will ich mich nicht länger quälen.

Bei Frau und Wein und Sonnenlicht

vergesse ich das Traumgesicht.

 

Noch lebt sie stark, die alte Zeit

 

Noch lebt sie stark, die alte Zeit,
starr hemmt sie die Magie.
Die Seele in Atlantis weilt,
nur in Salzgitter nie.
Das Mittelalter hält noch Hof
in Buch und Ritual;
weit in der Zukunft liegt sie noch,
tot im Landwehrkanal.

Mit Stab und Dolch und Silberkelch,
in Roben, nachts im Hain.
Worte der Macht und Glyphenbann
– wollen, wünschen, sein.
Engelswort und Chakrenspiel,
Energie strömt ein,
Uhrzeigersinn und Außenring,
Brot und roter Wein.

Die Sonne sinkt nie über’m Land.
Vivat Victoria!
England, Irland, Schottland, Wales,
die Lex Brittanica.
Anglikaner, Rosenkreutzer,
Freimaurer, OTO,
großes Tier und großer Teich,
Englisch zaubern – sowieso.

Die alte Zeit, sie ist passe,
auch wenn du’s nicht verstehst.
Du weißt nicht, dass du rückwärts gehst,
wenn du denn einmal gehst.
Das unentdeckte Land ist doch
der Morgen, schön und klar.
Egal, was du mir nun erzählst,
nicht immer ist „war“ „wahr“.

Ich lebe in der neuen Zeit,
die Gegenwart ist mein.
Mächtig sei der Lebensweg
und flammend sei das Sein.
Magie gebiert sich täglich neu,
der Phönix neu entbrennt,
Salamander hell erglüht,
die Schlüssel jeder kennt.

Der Weg, er formt sich täglich neu,
er windet sich im Kreis.
Doch auch der Kreisweg führt ans Ziel,
wenn man ums Zentrum weiß.
Schritt für Schritt und Gang für Gang,
voran nur, stets voran.
So kommt der Mensch der neuen Zeit
auf allen Wegen an.


 

 

Hessische Heiden

Hehre Männer wohnten dort
und wunderschöne Frauen,
schon seit Anbeginn der Zeit
in Hessens schönen Gauen.

Die Heiden dort, sie waren toll
und fest, ganz fest im Glauben!
Bei Vollmond sangen sie ganz laut,
herunter von den Gauben.

Refrain:
/: Thor mit dem Hammer hamma,
Tyr mit der abben Hand.
Wodan mit dem zunem Auge,
die sinn uns wohl bekannt! :/

Cäsar und die Schreiberschar
schon auszurichten hatten,
Gutes wohl im Überfluss
von dem Volk der Chatten.

Und bei der Völkerwanderung,
da blieben sie im Tale.
Zogen nicht dem Süden zu,
doch sangen viele Male.

Refrain:
/: Thor mit dem Hammer hamma,
Tyr mit der abben Hand.
Wodan mit dem zunem Auge,
die sinn uns wohl bekannt! :/

Im Hessen liegt der Odenwald,
hier kämpften Nibelungen.
Nur der Kampf dem Christentum
ist leider nicht gelungen.

Doch ist der Pfaffe mal nicht da
und Kirchenglocken schweigen,
da singt der Hesse laut und klar,
den alten, weisen Reigen.

Refrain:
/: Thor mit dem Hammer hamma,
Tyr mit der abben Hand.
Wodan mit dem zunem Auge,
die sinn uns wohl bekannt! :/

 

Sie ging

Sie ging – es hängt noch in der Luft
ein letzter Hauch von ihrem Duft.
Der Duft, er bohrt sich in mein Hirn,
hängt lange noch in meinem Zwirn.
Ihre Beine, ihre Augen,
die mögen einer Göttin taugen.
Doch es war ihr Duft, der blieb.
„Holde Maid, ich hab dich lieb!“
 

So viele Leben

 

Leben Leben Leben Leben,

immer wieder vorwärts streben,

immer wieder trotzdem sterben,

und das Wissen nicht vererben.

 

Lieben Lieben Lieben Lieben -

doch die Träume, sie zerstieben.

Sind die Träume dann zerstoben,

beginnt er neu, der Weg nach oben.

 

In Ländern, Reichen und Nationen,

erlebte ich Inkarnationen

ich stand an vielen Ozeanen,

erlebte die, die heute Ahnen.

 

Immer einer unter gleich,

niemals König in ‘nem Reich,

niemals einer von den Reichen,

stellte trotzdem viele Weichen.

 

Jetzt, mein Weg ist fast zu Ende,

ich so gern sie wiederfände,

muss mich selbst erst wieder finden,

manches lösen, manches binden.

 

Steht der Zirkel, steht der Kreis?

Erleb‘ ich’s noch – als Mann, als Greis?

Stets tun die Gedanken kreisen –

Seufz, ich muss wohl weiter reisen.

 

 

So vermisst

 

So vermisst, doch nie gekannt,

nie gesehen, doch erkannt.

Nie gesucht und doch gefunden,

nie vermisst, doch nie verwunden.

 

Nie geheilt, doch nie verwundet,

nie erkrankt, doch nie gesundet.

Stets allein und stets beisammen,

immer kalt und stets in Flammen.

 

Tausend Leben – nur Momente,

nur ein Stern am Firmamente,

niemals fort und niemals da,

nie gespürt, doch stets ganz nah.

 

 

Du glaubtest

 

Du glaubtest, ich könnte dich einfach vergessen.

Die brennenden Küsse auf meiner Haut,

die Kühle deiner Finger in meinem Nacken,

das sanfte Tasten deiner weichen, langen Finger

an meinen Schenkeln entlang.

 

Du glaubtest, ich könnte dich einfach vergessen,

den Geruch deines Haares im Sommer,

deine wunderbaren rehbraunen Augen,

dein Lachen, wenn du zwischen den Rippen

sanft gekitzelt wirst

 

Du glaubtest, ich könnte dich einfach vergessen.

Deinen Körper vergisst man nicht,

zumindest nicht so einfach.

Und wer ersetzt deine spitze Zunge,

die mich so oft zur Weißglut treibt?

 

Du glaubtest, ich könnte dich einfach vergessen.

Ich kann nicht

Du weißt das.

 

Du glaubtet, ich könnte dich einfach vergessen

Ich kann nicht.

Ich weiß das.

 

Du glaubtest, du könntest mich einfach vergessen.

Fällt dir nichts auf?

Haben wir das nicht schon mal irgendwo gehört?

 

Du glaubtest, du könntest mich einfach vergessen.

Du wirst es versuchen.

Ich weiß es.

 

Du glaubest, wir könnten es einfach vergessen.

Nie.

Nie.

Nie.

(1987)

 

Kalte Tode

 

In einer großen Halle

am kalten Ende der Welt

da sitzen meine Freunde,

mein Trank ist schon bestellt.

 

Es klingen keine Lieder,

es blitzt kein kluger Reim;

sie sitzen und sie schweigen

in ihrem letzten Heim.

 

Sie sitzen auf hohen Stühlen

mit Lehnen aus uraltem Holz,

uns aus ihren Minen sprechen

des Mutigen Hoffart und Stolz.

 

Ihr Tod trug keinen Schrecken,

kam doch nach freier Wahl.

Nur dem, der sich stets fürchtet,

dem schmeckt das Sterben schal.

 

Ich höre leise ihr Murmeln,

wenn Schlaf mich übermannt.

Sie warten, dass ich folge,

ruhig an des Schnitters Hand.

 

Sie sitzen und sie warten,

bis dass der Tod mich bringt –

ich lass sie noch `was warten,

bis dass es im gelingt.

 

Die letzte Grenze

Sie haben die weißen Flecken der irdischen Landkarte getilgt –
doch den Weg zu denen Sternen haben sie verbaut.
Sie haben sich die Erde untertan gemacht –
doch ihren Untertanen behandeln sie wie Despoten, nicht wie Könige.
Sie haben ihre Träume gelebt –
und wir träumen nun den Alb.

Unsere Vorfahren ließen uns am Ende der Geschichte stehen.
Sie beschrieben das letzte Blatt, sie sangen das letzte Lied.
Ihr Gott ist tot,
Worte von Gnade und Reue sind wie Asche auf meiner Zunge.

Doch mich habt ihr nicht gefangen,
euer Joch liegt auf meinen Schultern,
doch ich stehe aufrecht.
Das Joch eurer toten Augen,
gebrochenen Versprechungen,
sinnloser Gier und Verzweiflung.

Es sind nicht meine Kinder in fast erwachsenen Körper,
die zu leiten ich versuche.
Es ist nicht mein Blut und doch unser aller Blut,
das in ihnen,
euch,
mir pocht an die Tür der Zukunft,
die ihr verschlossen.

Sinn lehre ich sie und Wollen, Mut und List,
ihr habt sie und mich verraten.
Ich bin nicht stark genug,
die Axt zu schwingen.
Doch meine Hand ist noch ruhig genug,
die Lunte zu zünden,
die Feuer an eure Tempel der Sinnlosigkeit legen wird.

Die letzte Grenze ist meine Front: Die Hoffnungslosigkeit.
Doch ich kämpfe mit Träumen. Jeder Schlafende, der durch diese Träume erwacht,
ist eine Stimme im Chor des neuen Liedes.

Ihr habt das Buch gefüllt.
Ich verbrenne es und schreibe es neu und lasse Platz für neue Seiten.

Des Sturmes Winde treiben

Des Sturmes Winde treiben
Fahle Wolken vor sich her.
Der Himmel riecht nach Wasser,
die Erde schmeckt nach Meer.

Die Donnerfronten rollen
Wohl übers weite Ried,
und Blitze heischen Blitze,
so weit das Auge sieht.

Und schwere Tropfen fallen,
eisig und Perlen-rund.
Ich lasse sie zergehen
in meinem wunden Mund.

Du Sturm zwischen den Welten,
von dir sprecht jene Mär,
aus kalten, alten Tagen,
in Reimen hoch und hehr.

Zerzaus nur meine Haar,
netze nur mein Gesicht –
du pochst auf meinen Schädel,
meine Seel’ erreichst du nicht.

Oh Loki, lass den Donn’rer,
die Wut ist bald verraucht,
dann komm zu mir hernieder,
denn du wirst hier gebraucht.

Die Erde nach dem Regen,
die Götter nach dem Fall,
der alten Götter sterben –
nur Du verstehst sie all.

Dein Eidbruder hat Weisheit,
doch ließ ein Augenlicht,
doch du erhielt’st Verständnis,
darum beneid' ich dich.

***********
Wenn nach viel zu vielen Leben
Müdigkeit Dich nun umfängt

und Dir unbewusst die Schritte

näher an den Abgrund lenkt.

Frag nicht, ob ich dir verhelfe,

zur Erlösung aus der Qual.
Diesmal will ich alles leben,
bis der Trank ist alt und schal.

Du bist hier, um zu vollenden -

ich bin hier zum Neubeginn.

Für dich heißt nur sterben siegen,

für mich heißt Geburt Gewinn.

***************
Ich würde gerne 1000 Jahre bei Dir schlafen,
mein Kopf in Deinem Schoss,
Dein Atem auf meinem Nacken.

Und alle 100 Jahre sollst Du mich küssen
und ich erwache und frage
"Sind die 1000 Jahre vorbei?"
Und du sagst
"Nein, aber ich konnte dem Anblick Deiner Lippen nicht länger wiederstehen!"

Ich würde gerne 1000 Jahre bei Dir schlafen,
mein Kopf in Deinem Schoss.
Und das Leid der Welt zerfällt
um uns herum;
Ruinen erst, dann Staub, dann Nichts.
Und Dein Atem streichelt meinen Nacken.


***************

Der roten Flamme tief in mir,
ihr fehlt nun jede Glut,
und mit der Flamme letztem Schein
erlosch in mir mein Mut.

Die rote Flamme tief in mir
erlosch beim letzten Kuss -
und ich, ich wusste tief in mir,
dass ich jetzt gehen muss.

Die rote Flamme tief in mir
brennt nicht mehr lodernd heiß,
und doch - ich kann es nicht verstehn -
es schmilzt um mich das Eis.

Das Eis, es schmilzt um mich herum
und lässt mich bloß und bar,
doch ich, ich fühl' mich mehr ich selbst
als ich es jemals war.

Die rote Flamme tief in mir -
ist sie für immer tot?
Doch tief in mir da brennt etwas -
nur nicht mehr lodernd rot!

Die rote Flamme tief in mir,
die brannte nur durch dich.
Die neue - schwarze - Flamme nun,
die brennt jetzt heiß durch mich.

Doch eines Tages sicherlich,
das Datum weiß ich nicht,
fühl' ich in mir mein schwarzes
und neues, rotes Licht.

***************

Sich drehend, torkelnd fast,
umkreist die Erde

die Sonne. Und gemeinsam mit ihr

und den Planeten

trudelt das ganze System

durch das All.

Wenn also mein Kopf sich dreht
und mein Magen hüpft,

dann bin ich nur mit

der Schöpfung im Einklang.

***************

Ansichts der Tatsache,
dass ich

Feuer und Flamme

für dich bin

und mit dir brennen möchte

lodernd hell,

versuche ich dich

zu entzünden.

Doch obwohl deine
Lippen auf meinen

Lippen sengen

und deine Augen in meinen glühen

ist mein Herz

kalt
und deines

Granit.

Wenn unsere Flammen
nicht eines werden
können,
verbrenne ich nur

mich selbst

bis nichts
mehr bleibt

von mir.

Doch -
soll ich gehen

und im dunkeln

und alleine

lodern

oder an dir

als Komet

verglühen?

***************

Das meine Küsse, wie Dolche,
das wusste ich nicht.

Scharf sie zu nennen

und wie aus Metall -

dieser Gedanke ist mir nie gekommen.

Als weich und lebendig,
als warm, voller Leben,

rosig und flauschig,

so nehm ich sie wahr.

Was den Vollmond betrifft,
dessen Licht dich verwirrte -

der war schon da,

bevor ich geboren.

Und wenn dort gewesen wäre,
ein Mensch, der dich warnte

vor mir - hättest Du ihm geglaubt?

Winde

Kalt weht der Wind aus dem Norden.
Eis bringt er,
Tod bringt er,
und Kunde von Göttern, wild und ungezähmt.

Kalt weht der Wind aus dem Süden.
Sand bringt er,
Verzweiflung bringt er,
und Kunde von Göttern, alt und verderbt.

Kalt ist der Wind aus dem Westen.
Sand bringt er,
Einsamkeit bringt er,
und Kunde von Göttern, fern und unnahbar.

Kalt ist der Wind aus dem Osten.
Erde bringt er,
Furcht bringt er,
und Kunde von Göttern, dunkel und fremd.

Kommet, ihr Winde,
und zaust mein Gewand.
Bringt Kunde mir,
sprecht alte Sprachen,
umschmeichelt mein Ohr.

Ich bin hier,
wo ich immer war -
höre, gehorche,
führ' aus, was ihr wünscht.
Und bin Herr und Beherrschter,
weh' nur, wo ich will.

Denn ich gebe Befehle
im Herzen des Sturms.

******************

Ihr, die ihr euch Meister deucht
seid doch nur Tandgestalten,
braunes Laub im kalten Wind
der ew'gen Gottgewalten.
 
Ihr, die ihr euch Meister nennt
seid doch nur alter Plunder,
trifft der göttlich' Funke euch
verpufft ihr doch wie Zunder.
 
Ihr, die ihr euch Meister schimpft
könnt nie Magie regieren,
die Magie regiert kein Mensch,
Magie sucht sich die ihren.
 
Ihr, die ihr euch Meister heißt,
ihr seid nur Wissens-Klauber,
mal stehlt ihr einen Gegenstand,
mal klaut ihr einen Zauber.
 
Doch der Zauber des Gedichts,
den Geist der Melodien,
dass ihr den regieren wollt,
das hab' ich nicht verziehen.
 
Eine sanfte Melodie
mit zaubermächt'gen Zeilen
lockt viel mehr als jedes Buch
den Sucher zum Verweilen.
 
Und hab' ich ihn in meinen Netz
mit Worten und mit Tönen
kann ich ihn auch solang ich will
von eurer Macht entwöhnen.
 
(Mai 2005)

 

Hermann Ritter

 

 

 

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