Homo Magi 

Ge(Arndt)

10.06.2018

Hallo Salamander, auf dem Flohmarkt habe ich mir für kleines Geld „Gedichte“ von Ernst Moritz Arndt gekauft. Im Gedächtnis war er mir für Werke wie das „Vaterlandslied“ („Der Gott, der Eisen wachsen ließ, / Der wollte keine Knechte“) und „Des Deutschen Vaterland“ („Was ist des Deutschen Vaterland? / Ist’s Preußenland, ist’s Schwabenland“). Sprachlich immer stark, politisch nicht mein Ding. Aber für einen Flohmarktkauf ein echtes Schnäppchen.

Wer war der Mann? Wikipedia hilft:
Ernst Moritz Arndt (* 26. Dezember 1769 in Groß Schoritz, Rügen; † 29. Januar 1860 in Bonn) war ein deutscher Schriftsteller, Historiker, Freiheitskämpfer und Abgeordneter der Frankfurter Nationalversammlung. Er widmete sich hauptsächlich der Mobilisierung gegen die Besetzung Deutschlands durch Napoleon. Er gilt als einer der bedeutendsten Lyriker der Epoche der Befreiungskriege und wird sehr unterschiedlich beurteilt: Einige betonen seine demokratischen Gedanken und sehen ihn als deutschen Patrioten in turbulenten Zeiten, andere wiederum charakterisieren ihn als Nationalisten und thematisieren vorhandene antisemitische Tendenzen in seinen Schriften.[1]

Also war meine Erinnerung richtig. Aber dann gab es auch Stücke, die mir sehr heidnisch erscheinen:

Männerglück

Was ist herrlichster Klang? Ist’s droben
Auf des Donnerers Stühlen sitzen
Und, von wolkiger Nacht umwoben,
Rings aus rollen Wetter blitzen?


Den Donnerer kann ich doch nur als Thor lesen.

Und dann das:

Chorgebet

Herrscher der Dinge,
Selige Götter,
Deutet der Menschen
Klügeln euch je?
Feuriger Schwinge
Fähret das Wetter
Schmetternd zur Erde,
Stiftend das Weh.

Und von dem Tage
Fliehet der Schimmer,
Und von den Nächten
Fliehet der Schlaf:
Denn von dem Schlage
Hebet sich nimmer,
Wen es mit Blitzen
Schrecklicher traf.

Bringet ihr wieder
Freundliche Sonnen,
Wandelt das Glück auch
Lustig darein,
Locken uns Lieder,
Reizen uns Wonnen,
Blühet das Leben
Lieblich im Schein,

Und von den Blitzen
Und von dem Wehe
Rollender Wolken
Klingt es nicht mehr;
Leuchtenden Sitzen
Himmlischer Höhe
Gleicht sich in Wonne
Irdisches Heer.

Selige Götter,
Richtet mit Gnade,
Richtet der Menschen
Flüchtig Geschlecht –
Geht ihr im Wetter
Donnernde Pfade,
Träufelt ihr Segen,
Eu‘r ist das Recht.

Denn was im Staube
Wechselt und wandelt,
Fliehet wie Sand im
Winde dahin,
Und gleich dem Laube,
Welches verwehet,
Wechselt der Menschen
Schicksal und Sinn.

Darum bescheiden
Sollen sie treten
Unter des Himmels
Leuchtendem Saal,
Blühend in Freuden
Sollen sie beten,
Dass sie nicht treffe
Fressender Stahl.

's wechselt die Welle
Unten nach oben,
Spielet den Schwimmer
Auf und hinab:
Heut ist sie helle,
Heut ist er oben,
Morgen sie reißt ihn
Brausend ins Grab.
[2]

Wow. Nachmittag gerettet.

 

 

 

 


 

 

 


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