Homo Magi 

Postale Probleme

03.06.2018

Hallo Salamander,

für meine Frau sollte ich eine Sendung bei der Post abholen. Sie schrieb mir eine Vollmacht auf die Karte, ich steckte meinen Ausweis ein und nichts wie hin zur Post. Naja, so einfach war es nicht, ich musste erst einen Zeitpunkt finden, wo ich nach der Arbeit ... man kennt das ja mit Öffnungszeiten und Erreichbarkeit.

Ich erreichte die Filiale zu Öffnungszeiten (!), stellte mich brav an, gab die Karte ab und erhielt zur Antwort, dass ich diese Sendung nicht abholen könne. Auf dem Aufkleber von DHL stände eindeutig „Identitätsnachweis“, und das hieße in den geheimen, internen Hinweisen der Post, dass man das nicht abholen lassen kann. Also trollte ich mich fünf Meter weit und las in aller Ruhe die Karte. Dann stellte ich mich erneut an. Mein Gegenüber war leicht nervös. Ich erklärte mich: Auf der Hinweiskarte steht nämlich nur, dass man die Sachen nicht abholen lassen kann, wenn „Identitäts-Check“ vermerkt ist. War es aber nicht, sondern nur „Identitätsnachweis“. Das sei dasselbe, meinte der Mitarbeiter. Ich verneinte. Er verwies mich an seinen Chef.

Dieser versuchte erst erfolglos, sich hinter Regalen zu verstecken (kein Witz), dann bearbeitete er mein Anliegen. Ich bat einfach um die Allgemeinen Geschäftsbedingungen, was totale Hektik auslöste. Nach einigen Minuten bekam ich ein Exemplar. Ich setzte mich an den Lesetisch und las.

Erneutes Anstellen ergab dann, dass sich der Mitarbeiter vom ersten Gespräch so positionierte (lies: verbarg), dass zwingend sein Chef mein Anliegen bearbeitete. Ich teilte mit, dass das die AGB von DHL sei, aber das hier sei doch eine Postfiliale, nicht DHL, wo sei denn ihre AGB? Völliges Chaos. Das ist nicht die Post, wie ich erfuhr, das Namensschild mit „Postbank“ sei nur ein Name, keine echte Firma und das Suchen der AGB würde dauern. Und dauerte. Und dauerte. Dann bekam ich einen Ordner, den ich einsehen durfte (!), der aber keine ladungsfähige Adresse und keinen Hinweis darauf erhielt, wie man die Abkürzungen zuzuordnen habe oder warum DHL hier seine Post lagert. Ich freue mich schon darauf, einen Brief wegen der Datenschutzgrundverordnung zu schreiben. Aber nicht mehr heute.

Also stellte ich mich wieder an, den Ordner in der Hand. Beide Männer hatten inzwischen eine junge Mitarbeiterin nach vorne geschickt und verbargen sich hinter Kartons. Ich sagte zu der jungen Dame, dass ich mit den beiden Herren sprechen wolle. Zögernd kamen diese nach vorne. Ich bedankte mich und fragte höflich (und laut), ob ich mich nett und lieb verhalten hätte oder ob es irgendeinen Grund gäbe, mich zu entschuldigen. Beide verneinten das murmelnd. Damit war auch die Heldengeschichte über den randalierenden Kunden gestorben, welche sie sicherlich der jungen Dame erzählt hatten.

Okay, das Paket habe ich nicht bekommen. Aber ich habe 30 Minuten meine bürgerlichen Rechte ausgelegt. Muss auch mal sein.

 

Dein Homo Magi

 

 

 


 

 

 


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