| Homo
Magi - Teambeitrag Geschenke Ein Essay |
![]() |
|||
|
Jeder Mensch freut sich über Geschenke - und es gibt genügend
Anlässe etwas zu verschenken Geburtstage, Hochzeiten, Weihnachten,
Jubiläum, bestandene Prüfung oder einfach so um einem anderen Menschen
eine Freude zu machen oder ihm/ihr zu zeigen, dass man ihn/sie mag. Was verschenkt man nun zu solchen Anlässen? Bücher, Blumen,
Bilder, Kleidung, etwas nützliches für die Wohnung, sein Herz, die
Liste lässt sich unendlich fortsetzen. Was tut man nun mit diesen Geschenken? Bücher liest man und
stellt sie dann in den Bücherschrank. Bei Blumen kommt es darauf an, ob
es Schnittblumen oder Topfpflanzen sind. Die ersten gehen den Weg der Vergänglichkeit
und wandern, nachdem man sich an ihrem Anblick erfreut hat in den
Kompost. An Topfpflanzen hat man, sofern der Beschenkte sich ein wenig
um sie kümmert, etwas länger Freude und wird ihnen wahrscheinlich
einen Platz auf der Fensterbank einräumen. Bilder hängt man im
Normalfall an die Wand, sofern dort ein Platz zu finden ist. Kleidung
sowie das nützliche für die Wohnung wird wohl je nach Bestimmung
verwendet, u.s.w. Was macht man aber mit den Geschenken, die man eigentlich gar
nicht haben möchte, weil sie vielleicht dem Geschmack des Beschenkten
nicht entsprechen? Im Normalfall bedankt man sich artig, um die Gefühle des
Schenkers nicht zu verletzen, und lässt sie dann in der Versenkung
verschwinden. Oder wie verhält es sich mit den Geschenken, die für den
Schenker eine stärkere Bedeutung, einen höheren Wert darstellen als für
den Beschenkten. Die Situation, irgendwann festzustellen, dass die Geschenke
nie gefallen haben oder eben nicht als wertvoll erachtet wurden ist für
den, der sie gemacht hat sehr unangenehm, schmerzlich und peinlich.
Er/sie wird wütend sein, sich vielleicht lächerlich vorkommen. Er/sie
wird in seinen/ihren Gefühlen verletzt sein und zwar mehr als wenn der
Beschenkte direkt nach Erhalt des Geschenkes erklärt hätte, dass es ja
lieb gemeint ist, aber leider nicht so gut gefällt. Ehrlichkeit wäre hier allemal besser als falsche Höflichkeit. Aber wie oft verstecken wir uns hinter diesen falschen Höflichkeiten
und hinter der Ausrede, wir wollten die Gefühle des Gegenübers nicht
verletzen. Ist es nicht vielleicht eher Feigheit? Oder vielleicht sind
wir uns selber nicht so sicher was wir eigentlich wollen? Darf es uns
dann wundern, wenn unser Gegenüber sich irgendwann verletzt und
beleidigt zurückzieht, weil es uns auf die Schliche gekommen ist? Wir verstecken uns hinter Lügen, Halbwahrheiten, Ausreden.
Und wenn wir dabei erwischt werden, dann haben wir schnell wieder eine
ganze Palette an Ausreden parat, um uns aus der Affäre zu ziehen.
Glauben wir eigentlich noch selber an das was wir sagen? Ehrlichkeit ist vielleicht im ersten Moment verletzend, aber
sie würde uns allen das Zusammenleben erleichtern. Denn wozu führt uns
denn dieses Gespinst aus Lug und Trug? Wo ist denn unser Vertrauen, unser echtes Mitgefühl und
unsere Liebe für die Mitmenschen geblieben. Irgendwo im Keller
vergraben, weil schon so viele darauf herumgetrampelt sind, und man sich
nun selber schützen muss, indem man andere anlügt und ihnen damit das
gleiche antut. Und die tun dann wieder das gleiche usw. Ein Teufelskreis ohne Ende wenn es nicht immer wieder
Menschen geben würde, die ausbrechen und sich diesem Kreislauf
entgegenstellen. Leider werden sie nur allzu gerne übersehen, für naiv
gehalten und ausgenutzt so lange bis sie wieder aufgeben und sich aufs
neue dem Reigen anschließen. Ich zolle jedem Hochachtung, der den Mut und die Stärke
aufbringt sich dem zu wiedersetzen und nicht aufgibt, auch wenn es
schwer fällt. Und wenn mir jemand Ehrlichkeit und Offenheit
entgegenbringt, werte ich das als ein Geschenk.
|
Weitere Teambeiträge: |
|||